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Versöhnungskirche Völklingen

Vorgeschichte:
Die Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Völklingens reicht noch weitere Jahrhunderte in die Vergangenheit. Die Martinskirche im Alten Brühl ist die Vorgängerkirche der Versöhnungskirche. Lesen Sie die Geschichte der Martinskirche um die Vorgeschichte der Versöhnungskirche kennen zu lernen.

1922:
Die alte evangelische Kirche von Völklingen, die Martinskirche, wurde nach einem Brand teilweise zerstört, dies nahm man zum Anlass einen schon länger geplanten Kirchenneubau anzugehen.

1925:
1925 erwirbt die evangelische Kirchengemeinde ein Grundstück zwischen Post- und Moltkestraße (XLIII. S.116) und erbaut hier in den Jahren 1926-1928 die zunächst als „Stadtkirche“, nach anderen Quellen „Erlöserkirche“ bezeichnete ev. Kirche.

Die Backsteinfarbrik Rink-Kohler zwischen Post- und Moltkestraße im Jahre 1910. Auf diesem Gelände entsteht nun die neue Kirche (Foto: v.d.Eltz)
Die Backsteinfarbrik Rink-Kohler zwischen Post- und Moltkestraße im Jahre 1910. Auf diesem Gelände entsteht die neue Kirche (Foto: v.d.Eltz)

Die evangelische Kirche wurde mit Unterstützung in Form eines Darlehens der Familie und Firma Röchling 1925 gab es ein Preisauschreiben, zu dem 164 Entwürfe eingingen (XLIII. S.116). Erbaut wurde die Kirche schließlich nach den Plänen des Architekten Franz Sales Kuhn, Heidelberg, zusammen mit dem Bauunternehmer Joachim Schmitt, Völklingen, im neobarocken Stil zwischen Post- und Molktestraße erbaut. Bauaufsicht führten die Architekten Franz Wagner und Hans Heinlein (XLIII. S.116).

1926:
4. Juli: Grundsteinlegung im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes. (XLIII. S.116)

In den Grundstein wurde eine künstlerisch ausgestattete Urkunde, ferner eine geschichtliche Abhandlung der Gemeinde nebst Scheinen und Münzen.

Stand der Bauarbeiten an der Versöhnungskirche 1927
Stand der Bauarbeiten an der Versöhnungskirche 1927

Beim Bau der Kirche geschah kein Unfall. (LXII. S.8)

Stand der Bauarbeiten an der Versöhnungskirche 1927
Stand der Bauarbeiten an der Versöhnungskirche 1927

Der Grundriss des Erdgeschosses, die Kirche misst 31 mal 24 Meter, der an den 16,50 Meter hohen Hauptraum anschließende Turm misst 66 Meter. (XLIII. S.116)

Der Grundriss des Erdgeschosses, die Kirche misst 31 mal 24 Meter, der an den 16,50 Meter hohen Hauptraum anschließende Turm misst 66 Meter.
Der Grundriss des Erdgeschosses, die Kirche misst 31 mal 24 Meter, der an den 16,50 Meter hohen Hauptraum anschließende Turm misst 66 Meter.

Die Seitenlänge des quadratischen Turmgrundrisses beträgt 7,6 Meter. Richtung Poststraße gibt es einen weiteren Vorbau in dem, die Trau- und Taufkapelle, sowie Sakristei vorgelagert sind.
In einer Niesche am Fuße des Turmes sollte eine Martin Luther Figur ihren Platzfinden, diese Niesche ist bis heute (2016) leer geblieben.
Da auf dieser Seite des Gebäudes 5 Meter Höhenunterschied zu überwinden waren, wurde an dieser Stelle eine Monumentale Freitreppenanlage mit Balustraden errichtet. (LXII. S.11)
Nach allen vier Himmelsrichtungen zeigt die Kirchturmuhr die Zeit an, unterstützt durch den vierstelstündigen Uhrenschlag nach dem Vorbild der Uhr des Westminster-Palastes in London.
Als Abschluss erhebt sich ein vergoldetes Kreuz, das einschließlich Knauf nicht weniger als 3,6 Meter hoch ist und stattliche 3500 Kilogramm wiegt.
Die Betglocke der alten Kirche aus dem Jahr 1860 wurde am 13.05.1928 in die neue Kirche zur Einweihung überführt, sie verblieb bis sie im Krieg 1936 eingezogen wurde dort.(LXII. S.23/24)

Der Grundriss der Empore.
Der Grundriss der Empore.

Durch den außen rechteckigen und innen elliptischen Grundriss entstehen sog. Zwickel, in welche die Treppen zur Empore eingebaut sind. Auf diesen Emporen findet man bis heute alte Bänke aus der Martinskirche.
Mit den Emporen verfügt die Kirche über beachtliche 1300 Sitzblätze. (LXII. S.11)
Die Anordnung des Gestühls stellte durch den ovalen Innenraum eine große Herausforderung dar. Da man das einheitliche Bild nicht mit geraden Linien stören wollte, sind auch die Bänke leicht geschwungen. Die Bänke wurden vom Eingang zur Kanzel geneigt angebracht, so dass man auch in den hinteren Sitzreihen eine gute Sicht hat. An den Wangen des Gestühls wurden sogar ausziehbare Notsitze angebracht.
Auch an schwerhörige wurde gedacht: Um dem Gottesdienst besser folgen zu können wurde an mehreren Stellen eine mit der Kanzel verbundene Anlage für Schwerhörige angebracht. (LXII. S.15)

1928:
Am 13. Mai 1928 wird die Kirche feierlich eingeweiht. (XLIII. S.116)
Die Altarbibel ist ein Geschenk des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, sie wird bis heute hier aufbewahrt.

An der künstlerischen Gestaltung waren beteiligt:
Bildhauer W. Rahtz (Heidelberg), der sämtliche Bildhauer Arbeiten entwarf, in der Ausführung A. Kuhn aus Saarbrücken, der ein halbkreisförmiges Relief an der Fassade zur Poststraße gestaltete. Die Turmkapitelle wurden vom Bildhauer Lorscheider (Schiffweiler) ausgeführt.
Zunächst auf dem Friedhof der Martinskirche zu finden, befanden sich später zwei unter Denkmalschutz stehende Grabdenkmäler von Leopoldina Dorothea van den Broek (1819) und Matthias Raspiller (1832) in den Pfarrgärten der Versöhnungskirche, diese sind heute am Eingan des Bürgerparks zu finden.

Die fertiggestellte Kirche um 1930
Die fertiggestellte Kirche um 1930

1929:
Bau der Walker-Orgel. Das Instrument, dreimanualig mit Pedal, 57 Registern und ca. 6.000 Pfeifen, findet im gesamten südwestdeutschen Raum große Beachtung. (LXII. S.16)

Walcker-Orgel © www.walcker.com
Walcker-Orgel © www.walcker.com

 

Walcker-Orgel © www.walcker.com
Walcker-Orgel © www.walcker.com

 

Bei YouTube findet man zwei Videos, die einen erahnen lassen über welch fantastisches Klangbild diese Orgel verfügt:
Eine Improvisation auf der Walcker Orgel
Highland Cathedral auf der Walcker Orgel

1930:
28.März: Einweihung der Orgel
An der Front zur Poststraße befinden sich Nischen in die folgende Figuren, entworfen von Bildhauer Viktor Funk (München) und gegossen in den röschlingschen Stahlwerken, eingelassen wurden:

1936:
Das elliptische Fresko-Deckengemälde in der 3.500 Kassetten bestehenden Eisenbetonkuppel der Versöhnungskirche mit dem Titel „Siegeskraft des Kreuzes und Evangeliums“ entsteht.  (LXII. S.11/12)
Das Werk des Malers Waldemar Kolmsperger d. J. aus München stellt ein traditionelles christliches Motiv dar: der Tag des Jüngsten Gerichts.

Das Fresko in der ev. Versöhnungskirche (Foto: Stadt Völklingen)
Das Fresko in der ev. Versöhnungskirche (Foto: Stadt Völklingen)

Christus, umgeben von der Völklinger Industrielandschaft mit rauchenden Hüttenschloten und aufgeschütteter Kohle, den verstorbenen Mitgliedern der Familie Röchling, einem seine Fesseln abstreifenden zur Freiheit aufstrebenden Adler als allegorischem Verweis auf die Rückgliederung des Saargebietes in das Deutsche Reich 1935 sowie der Gruppe derer, die für den Bau verantwortlich zeichneten (Architekten, Pfarrer, Kirchenmeister), zusammen mit einem kleinen Modell der Kirche, welches wirklich existiert haben soll. Diese letztere Gruppe ist an mittelalterliche Abbildungen adliger Kirchenstifter angelehnt.

Am 12. und 13.1. des Jahres findet die 1. Glockenweihe statt. Die in der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe gegossenen 7 Glocken fielen 1942 dem 2. Weltkrieg zum Opfer. (LXII. S.23/24)

1945:
Die Figur des Soldaten an der Fassade zur Poststraße gerät in Kritik, da ein Soldat keinen Zusammenhang mit dem Namen „Versöhnungskirche“ haben könne. (LXXXVII. S. 56)

1953:
Erste Renovierung der Kirche.

1954:
2. Glockenweihe am 28.03. des Jahres. Die noch heute zu hörenden fünf Glocken wurden in der Glockengieserei Mabilon in Saarburg gegossen. Das Vorhaben beiden noch fehlenden großen Glocken zum ursprünglichen 7-Glocken-Geläute zu ergänzen blieb bis heute ein Wunsch.
Die zwei schwersten Glocken wurden von der Stadt gestiftet:
1. Betglocke es‘
2. Jugendglocke f‘
3. Sterbeglocke as‘
4. Kinderglocke b‘
5. Jubelglocke e‘
(LXII. S.23/24)

1954: Die Versöhnungskirche umgeben von denn Pfarrhäusdern der Gemeinde.
1954: Die Versöhnungskirche umgeben von denn Pfarrhäusdern der Gemeinde.

Ende 1950er:
Bau des Martin-Luther-Hauses als Gemeindezentrum.

1961:
Zweite Renovierung der Kirche.

1968:
Nach einer Umfrage erhielt die Kirche den neuen Namen „Versöhnungskirche“, um sich von neu entstandenen ev. Kirchen in der Umgebung zu unterscheiden.

1973:
Erneute Renovierung der Kirche.

1979:
Restaurierung der Orgel, sie wird technisch stark verändert, allerdings bleibt der Klang dabei kaum berührt. Günter Eumann, der landeskirchliche Orgelsachverständige, notierte bei der Abnahme der Orgel folgendes: „Das volle Werk bietet eine Klangkraft auf, die zu einem elementaren Erlebnis wird, ohne jedoch aufdringlich und grell zu wirken. In den Klangmöglichkeiten dieser Orgel erschließen sich Epochen, die sonst nur auf ganz großen Instrumenten darstellbar sind.“ (LXII. S.17)

1984/85:
Renovierung der Kirchenfassade. Dabei wurde die umstrittene Handgranate der Gussfigur in der Westfassade abgesägt, welche allerdings kurzdarauf auf Beschluss des Presbyteriums wieder angeschweißt wurde. (LXXXVII. S. 56)

1992-1994:
Weiter stößt der Soldat an der Kirchenfassade auf Kritiker. Der damalige Pfarrer Dr. Andreas Hämer war damals der Meinung, dass die Figur entfernt werden müsse. Als Reaktion auf diese Feststellung traten viele aus der Kirchengemeinde aus. Die ohnehin angespannten Verhältnisse des radikal-christlichen Pfarrers mit alteingesessenen Gemeindemitgliedern verhärtete sich. In der Folge einigte man sich auf eine Informationstafel unterhalb der Figur, die das historische Zeugnis dieser Zeit, wovon sich die Gemeinde allerdings inhaltlich distanziere. (LXXXVII. S. 56)

1998: Sicht vom Leiterwagen der Freiwilligen Feuerwerhr, der auf dem Feuerwehrhof stand.
1998: Sicht vom Leiterwagen der Freiwilligen Feuerwerhr, der auf dem Feuerwehrhof stand.

2006/7:
Restaurierung des Daches, außerdem werden Fassadenteile ausgebessert. Architekt war Hans-Jürgen Stein (Kasel/Trier). Die Beleuchtung der Kirche im Rahmen des „Masterplans Licht“ bleibt bis zuletzt aus.

2010/11:
Da man das Martin-Luther-Haus aufgeben muss, werden Nebenräume in der Kirche hergerichtet. Diese sollen im Winter für Gottesdienste genutzt werden, um die Heizkosten für das große Kirchenschiff zu sparen.

2012:
Die Stadt Völklingen kündigt den Abriss des Hauses Moltkestraße 35 an, dieses verdeckt die Blickachse zur denkmalgeschützten Versöhnungskirche. Desweiteren soll nach dem Kauf des Martin-Luther-Hauses und dem darauf folgenden Abriss des Gebäudes die Umgebung der Versöhnungskirche neugestaltet werden.

Beginn der Abrissarbeiten im November 2013. (Foto: Hell)
Beginn der Abrissarbeiten im November 2013. (Foto: Hell)
Während der Abrissarbeiten (Foto: Hell)
Während der Abrissarbeiten (Foto: Hell)

2013:
Das einst auf der Röchlinghöhe beheimatete Kreuz wurde am 27. März vor der Versöhnungskirche aufgestellt. Grund dafür ist die Aufgabe des Kirchensaals im Stadtteil Röchlinghöhe.

Das Kreuz vor der Versöhnungskirche. (Foto: Hell)
Das Kreuz vor der Versöhnungskirche. (Foto: Hell)

2016:
Der erste Bauabschnitt zur Neugestaltung rund um die Versöhnungskirche wurde fertiggestellt und eingeweiht. Rund 500 000 Euro kostete die Baumaßnahme. Ein Drittel der Summe musste die Stadt selbst schultern, zwei Drittel übernahmen die Zuschussgeber. Neben einer neuen, langen Bank gibt es nun drei Skulpturen des Völklinger Künstlers Horst Reinsdorf zu bewundern. Die Stahl-Skulpturen passen genau so zur Stadt wie zu ihrem Standort. Das Thema Begegnung umschließt Reinsdorfs Entwürfe: Einen Musiker mit Posaune, ein älteres Paar und eine Familie. Die Niesche am Fuße des Kirchturms blieb auch nach dieser Baumaßnahme leer.

Platz der Versöhnung (Foto: Hell)
Platz der Versöhnung (Foto: Hell)

 


Fotogallerie: