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Martinskirche – Die Geburtsurkunde Völklingens

→ Vorwort:
Die hier zitierten Informationen wurden aus allen dem Verein „Bürgerinitiative Alter Brühl e.V.“ und Völklingen im Wandel bekannten Quellen zusammengestellt und von uns lediglich chronologisch geordnet. Wir übernehmen für die Richtigkeit der Angaben keine Haftung!

Anmerkungen die zum besseren Verständnis des Textes hinzugefügt wurden sind durch Sternchen *..* gekennzeichnet.
Soweit die Quellen bekannt sind, sind diese in Klammern der entsprechenden Quelle in unserem Quellverzeichnis zugeordnet (..).


Martinskirche – Die Geburtsurkunde Völklingens

Etwa im Jahre 600 vor Christi Geburt drangen die Kelten sowohl ins linksrheinische Gebiet als auch ins Saargebiet ein. Sie waren ein äußerst bildungsfähiges Volk. Schon lange vor Cäsar trieben sie handel mit den Völkern des Mittelmeeres und waren deren Kultureinflüssen zugänglich.
Sie kannten die Kunst der Weberei und der Metallbearbeitung sowie die Schriftzeichen. Vielbetretene Verkehrswege durchschnitten das Land und verbanden ihre ummauerten Städte. Die Träger der geistigen Bildung waren Priester, die Druiden, welche schon astronomische und philosophische Studien trieben; die Lehre von der Seelenwanderung gehörte zu ihren Glaubenssätzen. Viele Spuren dieses Volkes sind noch zu sehen, so der grosse Steinring von Otzenhausen, der grosse Stein in Rentrisch, Münzen und Goldschmuck aus keltischen Gräbern bei Tholey, Wallerfangen, Besseringen usw.
Vor allem aber gehen eine grosse Zahl der Namen unserer Flüsse, Gebirge und Ortschaften auf keltischen Ursprung zurück, so z.B.:
Rhein, Mosel, Saar , Nied, Rossel, Prims, ferner Trier, Mettlach, Merzig, Tholey usw.
Mit die ältesten Zeugen meschlicher Siedlungen im Tale der Saar bei Völklingen stammen von den Römern. Julius Cäsar, der sich von 58 bis 50 vor Christi Gallien, das heutige Frankreich, unterwarf,hatte den Rhein zur Grenze des römischen Reiches gemacht. Das Zeitalter des grossen Constantinus (306 bis 337 nach Christi) war der Höhepunkt in der Entwicklung unserer Gegend zur Römerzeit. Von Trier bis Saarbrücken standen an den Ufern der Mosel und Saar zahlreiche römische Villen.
Die Herren waren Römer; die Hörigen, Leibeigenen und Sklaven waren Kelten und kriegsgefangene Deutsche. Es gibt wohl kaum einen Ort in der heutigen Bürgermeisterei Völklingen , in dem sich nicht Überreste von römischen Niederlassungen gefunden haben. Anfang 400 hat die Römerherrschaft in unserer Gegend für immer ein Ende genommen; die letzten römischen Münzfunde im Saargebiet stammen aus der Zeit der Kaiser Arkadius (gestorben 408) und Honorius (gestorben 423).
Durch wen die römische Herrschaft auf dem linken Rheinufer abgelöst wurde, darüber schrieb der heilige Hyronymus im Jahre 4o9:“ „Unzählige wilde Völker haben ganz Gallien besetzt. Alles Land zwischen Alpen, Pyrenäen, Rhein und Ocean haben Quaden, Vandalen, Sarmaten, Alanen, Gepiden, Heruler, Sachsen, Burgunder, Alamannen und Pannonier verwüstet. Mainz, einst eine herrliche Stadt ist erobert und zerstört und in der Kirche viele Tausende von Menschen erschlagen, Worms ist nach langer Belagerung zerstört, Reims, Amiens, Arras, Tournay, Speier und und Strassburg sind germanische Städte geworden“
Im Jahre 412 wurde Trier von den Franken eingenommen und viermal musste die unglückliche Stadt die Schrecken der Eroberung und Plünderung über sich ergehen lassen.
435 bis 451 fiel ein gewaltiges Heer des Hunnenkönigs Attila in unsere Gegend ein. In seinem Gefolge waren viele Germanenstämme die ihrem Zwingherrn folgten. Die Schrecken der Völkerwanderung ergriffen das Saargebiet. Trotzdem die Römer und Westgoten die christlich-romanische Kultur gegen die asiatische siegreich verteidigten war danach alles verwüstet, vorher blühende Städte und Dorfer lagen in Schutt und Asche.
Die Neubesiedelung des Landes ist von den Franken und Alamannen ausgegangen, die, wie es scheint, um das Jahr 440 ziemlich gleichzeitig von Nordosten und Südosten her in das Saartal vorgedrungen sind, wo ihre Züge sich gekreuzt haben. Im Jahre 496 siegte der Frankenkönig Chlodwig.
Die wissenschaftliche Forschung hat sich viel mit der Deutung der Orts- und Flurnamen beschäftigt. Danach fallen Dörfer mit der Namensänderung „ingen“ in die Zeit der „fränkischen Landnahme“. Der Name Völklingen ist alt, er steht ganz am Anfang dieser Frühzeit. Die alten vordeutschen oder keltoromanischen Siedlungsnamen sind meist verschwunden und haben neuen Ortsnamen mit neuen Landbesitzern Platz gemacht. In unserem Fall wurde der landnehmende Franke „Fulko“ oder „Fulkilo“ und seine Sippe namengebend für Völklingen .

Grundriss der Bauphase 8. bis 9. Jahrhundert
Grundriss der Bauphase 8. bis 9. Jahrhundert

Der älteste Pfarr-Patron von Völklingen war der Heilige Martinus. Ein „Patrozinium“ wird definiert als „die himmlische Schutzherrschaft eines Heiligen über eine Kirche“. St. Martin (315-396) war der Nationalheilige der Franken. Seine Begräbnisstätte, die Reichsabtei St. Martin in Tours, war das Hauptheiligtum der Merowinger und Karolinger (7).

822:
Über die frühe Geschichte der Martinskirche existieren keine direkten schriftlichen Quellen. Eine Urkunde aus dem Jahr 822, in der der Name Völklingens zum ersten Mal erwähnt wurde, bezeugt aber einen mehrtägigen Aufenthalt Kaiser Ludwigs des Frommen dort. Daraus lässt sich folgern, dass der Ort zu dieser Zeit eine Infrastruktur besaß, die eine Unterbringung und Verpflegung des Kaisers und seines Gefolges ermöglichte. Dies reicht sicher über die Möglichkeiten eines einfachen Dorfes hinaus und bezeugt eine gewisse zentrale Bedeutung des Ortes, für den man daher für diese Zeit einen Kirchenbau voraussetzen darf.

Das Kaiser-Diplom. Der Schreiber der Fulcolingas-Urkunde bediente sich einer Schnellschrift. Die Schriftzeichen werden als so genannte "Tironische Noten" bezeichnet, benannt nach Publius Tiro, einem Freigelassenen des großen Römers Marcus Tullius Cicero (gestorben 43 vor Christus). Leute, die diese schwierigen "Noten" schreiben konnten, hießen "Notare". In etwas mehr als sieben Zeilen zeigt die Reproduktion des Pariser Originals einen Text, der in moderner Druckschrift 40 Zeilen zählen würde. Einige Worte sind in lesbarer Klarschrift eingestreut. Die Erwähnung des Namens "Fulcolingas" am Anfang der achten Zeile in der Abschrift ist die bisher älteste gefundene schriftliche Erwähnung des Namens der Stadt.
Das Kaiser-Diplom.
Der Schreiber der Fulcolingas-Urkunde bediente sich einer Schnellschrift. Die Schriftzeichen werden als so genannte „Tironische Noten“ bezeichnet, benannt nach Publius Tiro, einem Freigelassenen des großen Römers Marcus Tullius Cicero (gestorben 43 vor Christus). Leute, die diese schwierigen „Noten“ schreiben konnten, hießen „Notare“.
In etwas mehr als sieben Zeilen zeigt die Reproduktion des Pariser Originals einen Text, der in moderner Druckschrift 40 Zeilen zählen würde. Einige Worte sind in lesbarer Klarschrift eingestreut. Die Erwähnung des Namens „Fulcolingas“ am Anfang der achten Zeile in der Abschrift ist die bisher älteste gefundene schriftliche Erwähnung des Namens der Stadt.
Der erste Anbau.
Der erste Anbau.

906:
Beim letzten Rundgespräch im Kolpinghaus konnte der Heimatforscher Willibald Mayer aus Püttlingen, ein um die Heimatforschung unseres Gebietes verdienter Mann, berichten, dass tatsächlich im Archiv Départementale in Metz eine unsere Heimat betreffende Dokumentensammlung vorhanden sei:
Zitat aus einer Sitzung am 2.2.1968: Hinsichtlich der alten (nicht mehr vorhandenen Kirche) im „alten Brühl“ von der es heisst, dass dort einst ein Kirchlein aus der karolinger Zeit gestanden habe, berichtete Willy Mayer, dass er in Metz ein Dokument gesehen habe aus dem Jahre 906, wobei Kirchen in Völklingen und Püttlingen genannt gewesen seien. Bei seinem zweiten Besuch im Archiv départementale zu Metz habe er das betreffende Kartenblatt nicht mehr vorgefunden. Die Leitung dort habe ihm erklärt, dass das Blatt derzeit bearbeitet würde. Interessant jedenfalls ist die Bestätigung, dass 906, also tatsächlich in der Karolinger Zeit in Völklingen eine Kirche vorhanden war. Zu klären bleibt daher noch, wann diese Kirche erbaut wurde. Franz Knoblauch zeigte den Teilnehmern ein Bild von den alten Ausgrabungen (1925) welche Karl Rupp gemacht hatte und worauf die Fundamente der ältesten Kirche, welche sich damals zeigten zu sehen sind (8).
In der schon oft erwähnten Urkunde aus dem Jahre 822 n. Chr. ,die zu „Fulcolinga“ von Ludwig dem Frommen ausgefertigt wurde, waren bekanntlich ebenfalls „Kirchen“ erwähnt. Also scheint die in dem Dokument von 906 n.Chr. genannte Kirche zu Völklingen schon lange einen kulturellen Mittelpunkt in unserer Gegend gebildet zu haben (8).
Der älteste bislang nachgewiesene Kirchenbau bestand aus einem rechteckigen Langhaus und einem um Mauerbreite eingezogenen Rechteckchor. Die Innenmaße des Langhauses betrugen 11,85 m x 7,75 m und die des Rechteckchores 5,10 m x 5,40 m. Somit gehört der Bau zu den größeren Vertretern dieses Typs in der Region. Üblicherweise sind Kirchen W-O-orientiert, d.h. das Langhaus liegt im Westen, der Chor mit dem Altar im Osten. Die Martinskirche weist in allen bislang freigelegten Bauphasen eine ca. 45°-Abweichung von dieser Orientierung auf, und zwar befindet sich der Chor nordöstlich des Langhauses. Es kommen verschiedene Gründe dafür in Frage. Beispielsweise kann der natürliche Untergrund unterschiedlich tragfähig sein, so dass man für eine stabile Fundamentierung eine abweichende Orientierung in Kauf nahm, oder aber man nahm Rücksicht auf bereits bestehende Gebäude. Welche Gründe in diesem Falle ausschlaggebend waren, ist bislang ungeklärt. Auffallend ist, dass sich im Fundamentbereich der ersten Bauphase zahlreiche große römische Quader mit typischen halbkreisförmigen Hiebspuren finden. Auch weniger wertvolle Baumaterialien wie Bruchstücke von römischen Dachziegeln und von Terrazzofußböden fanden Verwendung. Insbesondere diese Tatsache spricht dafür, dass sich römische Ruinen in der Nähe befanden, denn während für die Quader auch ein Transport über längere Distanzen, z.B. auf dem Flussweg, in Betracht kommt, trifft dies sicher nicht auf Ziegelbruchstücke zu. Reste von römischen Gebäuden, deren Mauerzüge man eventuell beim Kirchenbau wiedergenutzt hätte, fanden sich bei der Ausgrabung jedoch nicht. Auch ist der Anteil von Kleinfunden römischer Zeitstellung zu gering, um eine Besiedlung an Ort und Stelle zu postulieren. Außer dem Bruchstück eines Zügelringes und einer Fibel sind lediglich einige kleine Scherben zum Vorschein gekommen, deren schlecht erhaltene Oberfläche für eine Verlagerung, vielleicht durch den Pflug, spricht. Man kann daher voraussetzen, dass sich römerzeitliche Ruinen in der unmittelbaren Umgebung, vielleicht an der Köllerbachmündung, befanden.
Über die Ausgestaltung des ersten nachgewiesenen Kirchenbaues lassen sich nur wenige Aussagen treffen. Die beiden Mauerzungen, die ehemals Chor und Langhaus voneinander trennten, dürften die Form eines Triumphbogens besessen haben, der den Gläubigen den Blick auf den Altar freigab. Die Innenwände waren verputzt und mit einem weißen Anstrich versehen. Der erste zu diesem Bau gehörende Fußboden wurde durch die Anlage eines späteren Estrichs, bestehend aus einer rötlichen Mörtellage auf einer Stickung aus etwa faustgroßen Sandsteinen, zerstört. Er mag aus Holzdielen bestanden haben, aber auch ein einfacher Stampflehmboden kommt in Frage. Der spätere Estrich wurde zumindest einmal repariert bzw. erneuert. Er zog sich über eine entlang der nordwestlichen Langhauswand gemauerte Bank. Vermutlich existierte eine ähnliche Einrichtung analog auch an der gegenüberliegenden südöstlichen Langhauswand. Dies lässt sich wegen des späteren Ausbruchs der Mauer jedoch nicht belegen. Die Lage des Einganges zu dieser Kirche ist nicht zu erschließen. Da die nordwestliche Langhausmauer als einzige in ihrem Verlauf während des gesamten Bestehens der Kirche erhalten blieb und keinerlei Durchlässe aufweist, muss der Eingang sich entweder an der Südwestseite oder der Südostseite des Langhauses befunden haben. Diese beiden Bereiche wurden aber durch spätere Umbauten stark zerstört.
Die Datierung dieses ersten nachgewiesenen Kirchenbaues ist, wie meist bei Vorgängerbauten von Kirchen, die über längere Zeiträume hinweg bestanden, schwierig, denn die zugehörigen Schichten mit den darin enthaltenen Funden, die eine Zeitbestimmung ermöglichen, sind durch die jüngeren Baumaßnahmen und nicht zuletzt durch die Bestattungen gestört. Dies bedeutet, die Funde lassen sich nicht mehr ohne weiteres mit den Bauphasen korrelieren. Der Bautypus der Saalkirche mit eingezogenem Rechteckchor war während des Früh- und Hochmittelalters sehr verbreitet, so dass sich daraus allein keine engere Datierung ableiten lässt. Kirchen dieses Typs sind bereits für das 7. Jh. belegt, es gibt aber auch noch einzelne Beispiele für das 11. Jh. Über die jüngeren Bauphasen der Martinskirche lassen sich jedoch Hinweise auf das Alter der Saalkirche gewinnen. So fanden sich südöstlich des Langhauses, unterhalb des möglicherweise bereits im 11. Jh. errichteten Turmes, Reste von zwei aufeinanderfolgenden Anbauten, bei denen es sich um dem Langhaus angeschlossene Vorhallen gehandelt haben dürfte. Später hat man daran noch nach NW und SO anschließende Erweiterungen angebaut, so dass die gesamte Anlage einem Westquerschiff ähnelt. Solche Bauformen begegnen gelegentlich bei Kirchen des 10./11. Jhs.
Die älteste zu diesen Vorbauten gehörende Mauer wurde in einen zur Zeit ihrer Errichtung bereits bestehenden Friedhof gesetzt. Sie durchschnitt eine ältere Bestattung und wurde wiederum teilweise durch eine jüngere überlagert. Eine naturwissenschaftliche Datierung des Todeszeitpunktes der beiden Bestatteten ergab für das ältere Skelett einen Mittelwert von 996 n. Chr., für das jüngere einen von 1024 n. Chr., jeweils mit einer Schwankungsbreite von ca. +/- 30 Jahren. Durch diese beiden Gräber wird sowohl die Anlage als auch der teilweise Abriss des älteren Anbaues in die Zeit um die Wende des 1. Jahrtausends n. Chr. datiert. Da diese und benachbarte Bestattungen abweichend zu der im Mittelalter üblichen christlichen WO- Orientierung (Kopf im Westen, Füße im Osten) SW-NO-orientiert waren, ist davon auszugehen, dass das Gräberfeld sich auf den Kirchenbau bezieht, der eine identische Abweichung der Ausrichtung aufweist. Somit reicht die erste nachgewiesene Kirche mindestens bis in das 10. Jh. zurück. Ob sie tatsächlich bereits zur Zeit Ludwigs des Frommen bestand, ist zwar nicht eindeutig zu belegen, doch einige im Friedhofsbereich verlagerte Fundstücke, darunter ein in die Zeit von Ludwigs Nachfolger Karls des Kahlen datierender Riemenbeschlag, aber auch einige Scherben und Riemenzungen, die nur allgemein dem 8./9. Jahrhundert zugesprochen werden können, beweisen zumindest eine Nutzung des Ortes in der Karolingerzeit. Da man Kirchen in der Regel immer wieder an derselben Stelle errichtete, ist zu vermuten, dass es sich bei der ältesten ergrabenen Bauphase um die karolingerzeitliche Kirche handelt. Ein Vorgängerbau aus Holz ist zwar nicht auszuschließen, doch wegen der vor Ort verfügbaren bereits behauenen Steine nicht wahrscheinlich.

Die Vorhalle wurde durch eine neue ersetzt.
Die Vorhalle wurde durch eine neue ersetzt.
Eine Kinderbestattung aus dieser Zeit (Quelle: Grabungsteam)
Eine Kinderbestattung aus dieser Zeit (Quelle: Grabungsteam)
Die Vorhalle wurden vor der ersten Jahrtausendwende nochmals erweitert.
Die Vorhalle wurden vor der ersten Jahrtausendwende nochmals erweitert.

999:
Völklingen wird in dem für den Saar Raum vor dem Jahre 1000 seltenen Urkundenbestand noch einmal erwähnt. Kaiser Otto III *zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alt* übereignete am 14. April 999 das „Castellum Sarabruca“ dem Metzer Bischof, zusammen mit dem Völklinger Hof, dem Warndt und dem Quierschieder Wald. Für Saarbrücken war dies die erste urkundliche Erwähnung. Die heutige Landeshauptstadt musste also 177 Jahre länger als Völklingen darauf warten.

1050:
Diese erste Kirche Völklingens wird in einem Kirchen-Verzeichnis der Diözese Trier aus dem Jahre 1050 als eine „königliche Kirche aus der Karolingerzeit“ erwähnt (XLVI.).

Zwei Sarkophage aus Buntsandsteinblöcken, davon einer mit einer Nachbestattung des späten Mittelalters (Quelle: Grabungsteam)
Zwei Sarkophage aus Buntsandsteinblöcken, davon einer mit einer Nachbestattung des späten Mittelalters (Quelle: Grabungsteam)

Besonders hervorzuheben sind drei nahe des mittelalterlichen Chores gelegene Sarkophage, die aus monolithischen Buntsandsteinblöcken herausgehauen sind. Eine solch aufwendige Grablage konnten sich nur wenige Personen leisten. Auch die Lage in der Nähe des Chores, also auch des Altares, spricht für die hervorgehobene gesellschaftliche Stellung der ehemals darin Bestatteten. Leider wurden sie bei Umbauten an der Kirche und der Anlage von späteren Gräbern mehr oder weniger stark gestört. In keinem Fall war der Deckel erhalten. Vermutlich wurden die Abdeckplatten bei der Auffindung entnommen und zu anderen Zwecken wiederverwendet. Nur in einem Steinsarg fand sich noch ein Skelett, bei dem es sich aber um eine spätmittelalterliche Nachbestattung handelt und nicht um die ursprüngliche. Zwei der Sarkophage weisen eine Aussparung für den Kopf auf, eine Form, die im 10.-12. Jh. geläufig war, der dritte besitzt eine einfache trogförmige Gestalt und könnte eventuell auch früher datieren.

Bei der Ausgrabung des Heimatforschers Rupp wurde im Schiff ein Halbling des Klosters Hornbach aus der Zeit um 1220-50 gefunden (XLIV.).

1290:
Ein Priester Godelmann von Wolkinge wird genannt (XLIV.).
Der erste erwähnte Pfarrherr von Völklingen war ein gewisser Godelmann, der am 15. Juni 1290 zusammen mit einem Priester Johann von Malstatt als Schiedsrichter in einem Streit um Güter der Abtei Wadgassen in Werbeln auftrat (XCII.).

1330:
Um 1330 erschien Völklingen in der Taxa generalis als Pfarrei des Landkapitels (Dekanat) Merzig im Erzbistum Trier (Die Martinspfarrei Völklingen gehörte kirchlich zur Erzdiözese Trier und war dem Landkapitel Merzig im Archidiakonat Tholey unterstellt.) (LXXXVIII.).
Um das Jahr 1330 wurden insgesamt 49 Pfarrkirchen im Landeskapitel Merzig, das auf dem rechten Saarufer von Malstatt bis Konz reichte, aufgezählt. Was die Höhe der zu zahlenden Angaben anbelangt, so wurde Völklingen mit „33 soldi“ nur von 3 Pfarrkirchen (Beckingen, Losheim und Kölln) übertroffen (XLIX.).

1345:
Für das Jahr 1345 wird ein Pfarrer Johann in Völklingen urkundlich beglaubigt (XCII.).

Auf den Vorhallenfundarmenten wird der Turm erbaut
Auf den Vorhallenfundarmenten wird der Turm erbaut

1422:
Unserem besonderen Interesse begegnet natürlich die Darstellung der örtlichen Rechtsverhältnisse der Bewohner des Völklinger Hofes, wie sie uns im Weistum von 1422 geschildert werden. Im Bereiche des Völklinger Hofes und zwar in Völklingen selbst gab es neben den Hofstätten der meistens leibeigenen Bewohner auch eine ,,frie hoff Stadt“ (= freie Hofstatt), deren Inhaber verpflichtet war, Gefangene hier in sicherem Gewahrsam zu halten und sie am nächsten Tage dem Grafen in Saarbrücken vorzuführen; vermutlich hatte der herrschaftliche Meier, der höchste Beamte im Hofgebiet, diese Hofstatt inne, die in der Umgebung des alten Marktplatzes gelegen haben mag. Und wenn herrschaftlicher Besuch in Völklingen wohnte, dann wohl in dieser freien Hofstatt.

Die Lage des Völklinger Könighofs im Vergleich zu einer Karte von 1991. (Quelle: Stadt VKL)
Die Lage des Völklinger Könighofs im Vergleich zu einer Karte von 1991. (Quelle: Stadt VKL)

Es dürfte dies auch aus dem folgenden Passus des Jahrgedings von 1422 hervorgehen, der da heißt: „Und geburt myner frauwen der graffynne zu Folckelingen zu lygen, so sollent sie die frosche zweygen, das sie myn frauwe nit wecken!“ Die Völklinger Bauern hatten also die Verpflichtung, die Frösche zum Schweigen zu bringen, wenn die Gräfin in Völklingen wohnte.

Ruhestätte in der Stiftskirche in St. Arnual
Ruhestätte in der Stiftskirche in St. Arnual

Die Tatsache, daß man die Verpflichtung der Bauern, für die nächtliche Ruhe der Gräfin zu sorgen, wenn sie in Völklingen wohnte, sogar in das geschriebene örtliche Gesetz aufnahm, läßt den Schluß zu, daß die damalige Landesherrin, die geistig hochstehende Gräfin Elisabeth von Lothringen, öfters hier weilte, wie es uns auch von Burg Bucherbach im Köllertal bekannt ist. Fern vom höfischen Getriebe konnte sie hier in aller Stille ihrer literarischen Lieblingsbeschäftigung nachgehen. Hier wie in Bucherbach mag die Übersetzung von vier französischen Romanen ins Deutsche entstanden sein, die uns von dieser ersten weltlichen Schriftstellerin in Deutschland bekannt sind, die darum auch in der deutschen wie französischen Literaturgeschichte als die Bahnbrecherin der neuen deutschen Prosaromangestaltung gefeiert wird. Diese Saarbrücker Gräfin, eine Tochter des lothringischen Herzogs und Grafen von Vaudemont, fand im Jahre 1456 ihre letzte Ruhestätte in der Stiftskirche in St. Arnual (XLIII.).

ca. 1450:
Das Kirchenschiff erhielt neue Fenster und einen rechteckigen Chor mit Kreuzgewölben auf Diensten. Die Rippen hatten ein Schienenprofil wie im Chor der Kirche in Kölln *=Köllerbach* und in St. Nicolaus *=St.Nikolaus /Warndt*. Auf der Nordseite des Chors war eine zweijochige Sakristei angeschlossen (Plan der Kirche vor 1737 in Koblenz abt. 22 Nr. 2985 (XLIV.).

1471:
Anno 1471 stant Hertzog Ludwig vor sant Johan unnd grub den Wiger an, und brant die Müle, auch Focklingen, Burbach unnd Malstatt. Anno 1471 rannt Hertzog Ludwig in das Collerdail unnd verbrant das gar. (1779 Krember, Originum Nassoicarum Seite 427) (XLVIII.).

Im Verlauf der Grabungsarbeiten fanden sich hier *im südöstlichen Teil der Kirche* mehrere weibliche Bestattungen mit Scheren- und zum Teil Gefäßbeigabe. Skelettreste von Föten im Beckenbereich von zwei Bestattungen geben Aufschluss darüber, dass die Frauen an Komplikationen während der letzten Schwangerschaftswochen oder bei der Geburt gestorben sind. Eine Untersuchung der Bestattungen vor Ort durch Dr. med. Angelika Kunz führte zu folgenden Ergebnissen: Die Auffindungslage des Fötus von Bestattung Fst. 164 lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, dass die Frau während der Geburt verstorben ist. Todesursache war wohl das Absterben des Fötus, dessen Querlage mit vorgefallenem linkem Arm den erfolgreichen Geburtsverlauf verhinderte. Die Kenntnis des Kaiserschnitts, mit dessen Hilfe bereits Caesar zur Welt gebracht wurde, scheint in dieser Zeit verloren gegangen zu sein. Der ins Grab mitgegebenen Keramiktasse hafteten noch die stark korrodierten Reste einer eisernen Bügelschere an. (LXXXIX.)

 Im Verlauf der Grabungsarbeiten fanden sich hier *im südöstlichen Teil der Kirche* mehrere weibliche Bestattungen mit Scheren- und zum Teil Gefäßbeigabe. (Foto: Grabungsteam)
Im Verlauf der Grabungsarbeiten fanden sich hier *im südöstlichen Teil der Kirche* mehrere weibliche Bestattungen mit Scheren- und zum Teil Gefäßbeigabe. (Foto: Grabungsteam)

Eine weitere Frau (Bestattung Fst. 173) ist vermutlich während der Schwangerschaft gestorben, ohne dass der Geburtsvorgang eingeleitet war. Neben der Schere war ihr eine in einem außergewöhnlich guten Zustand erhaltene doppelkonische Stülpflasche aus grünem Waldglas beigegeben *siehe im Bild oben*, die sich in die Zeit um 1500 datieren lässt. Im näheren Umfeld fanden sich bisher noch zwei weitere Bestattungen, die ebenfalls mit Schere und Gefäß, bzw. nur mit einer Schere ausgestattet waren, es fanden sich jedoch keine Skelettreste von Föten oder Neugeborenen. Bei dem Gefäß handelt es sich um eine steinzeugartig gebrannte Tasse mit abgesetztem Standfuß *siehe im Bild unten*, wie sie für die Zeit des 15. Jhs. geläufig war.(LXXXIX.)

Eine weitere Frau (Bestattung Fst. 173) ist vermutlich während der Schwangerschaft gestorben (Grabungsteam)
Eine weitere Frau (Bestattung Fst. 173) ist vermutlich während der Schwangerschaft gestorben (Grabungsteam)

Diese Beigaben lassen vermuten, dass es sich hier ebenfalls um Frauen handelt, die unter vergleichbaren Umständen zu Tode gekommen sind .(LXXXIX.)
Zur Frage der Bedeutung der Beigaben liegen folgende Annahmen nahe:
Schwangere Frauen galten im Mittelalter als besonders gefährdet durch Zauberei und diabolische Einflüsse. Um sicherzustellen, dass die Frauen nicht als Untote die Lebenden heimsuchten, gab man ihnen mit, was sie zur Versorgung ihrer ungeborenen Kinder im Jenseits benötigen würden. Diese Beigaben konnten Nadeln, Gefäße, Scheren und Tücher sein. (LXXXIX.)

Die Wöchnerinnenbestattungen im Kirchhof der Völklinger Martinskirche
von Carmen Löw
Im Zuge der archäologischen Ausgrabung der Völklinger Martinskirche wurden im Jahr 2002 vier Bestattungen freigelegt, denen man Gegenstände mit ins Grab gegeben hatte. Allen Bestattungen war eine Schere beigegeben worden, die sich in einem Fall jedoch nur fragmentarisch erhalten hat. Drei der Bestattungen verfügten über ein Gefäß, worunter das schönste sicherlich eine doppelkonische Stülpflasche aus Glas ist, die ganz ohne Schaden geborgen werden konnte. Die Gefäßbeigaben erlauben eine recht genaue zeitliche Einordnung der Bestattungen, die ins 15. bis frühe 16. Jh. zu datieren sind.
Bei zwei Bestattungen fanden sich außerdem Reste von kleinen menschlichen Knochen im Bereich des Beckens. Nach einer ersten Einschätzung der Medizinerin Angelika Kunz handelt es sich bei diesen beiden Bestattungen um Frauen, die in der letzen Phase der Schwangerschaft verstorben waren, eine davon infolge der Querlage des Kindes, dessen vorgefallener linker Arm sich noch zwischen den Oberschenkeln der Mutter erhalten hatte. Da auch die anderen Bestattungen in unmittelbarer Nähe augenscheinlich Frauen waren und über die gleichen Beigaben verfügten, wie die beiden Bestattungen mit Fötus, liegt es nahe, daß auch diese Frauen im Wochenbett verstorben sind. Der stolzen Zahl von vier Wöchnerinnenbestattungen konnte im Jahr 2003 eine weitere hinzugefügt werden, die allerdings im Bereich des Unterkörpers stark gestört war. Das Gefäß – in diesem Fall eine manganviolette Tasse – ist erhalten geblieben, von der Schere fand sich jedoch lediglich ein Bruchstück.
Daß solche Bestattungen so zahlreich wie in Völklingen belegt sind, ist recht selten. Das liegt zum einen daran, daß sich die Kinderknochen in der Regel schlechter erhalten. Unter Umständen erklären sich die fehlenden Kinderknochen jedoch auch durch regionale Bräuche, denn mancherorts hat man die ungeborenen Kinder ihren verstorbenen Müttern vor der Bestattung aus deren Leib geschnitten. Das ungetaufte Kind hatte nämlich keinen Anspruch darauf, in geweihter Erde begraben zu werden. Nach den spätmittelalterlichen / frühneuzeitlichen Jenseitsvorstellungen kam in die Hölle, wer eine Todsünde begangen hatte oder mit der Erbsünde – also ungetauft -verstorben war. Die Furcht um das Seelenheil der Kinder war so groß, daß man zu uns heute recht merkwürdig anmutenden Mitteln griff, um eine Taufe unter allen Umständen zu gewährleisten.
Seit dem 14. Jh. läßt es sich z. B. in Trier nachweisen, daß Kinder, bei deren Geburt Komplikationen auftraten, bereits getauft wurden, wenn ein größerer Teil ihres Körpers, etwa ein Arm oder ein Bein, aus dem Mutterleib hervorragte. Konnten die Kinder wider Erwarten doch glücklich geboren werden, wurden sie anschließend ein zweites Mal getauft. Oft war es dabei nötig, dem Kind einen anderen Namen zu geben, denn bei solchen Nottaufen war das Geschlecht des Kindes nicht immer feststellbar. Da man in der Regel annahm, es handele sich um einen Jungen, erhielten auch die Mädchen Jungennamen.
War eine Nottaufe dieser Art nicht möglich, versuchte man sogar die ungeborenen Kinder mit Hilfe von Taufspritzen im Mutterleib zu taufen.
Wenn Kinder dennoch ungetauft verstorben waren, brachte man sie ab dem 15. Jh. häufig zu den zahlreichen Wallfahrtsstätten, wo man hoffte, sie für einen kurzen Moment wieder zum Leben erwecken zu können. Diese Zeit sollte ausreichen, die Taufe vorzunehmen. Als Zeichen des wiedererwachten Lebens wurden dabei z. B. das Röten der Wangen oder auch Kondenstropfen, die man für Schweißtropfen hielt, anerkannt.
Obgleich die Mütter getauft verstorben waren und somit einen Anspruch auf die Bestattung in geweihter Erde hatten, war auch ihr Tod im Verlauf dieses Grenzgangs zwischen Leben und Tod problematisch. Sie waren unrein verstorben und wurden dementsprechend bis ins 16. Jh. hinein an besonderen Orten des Friedhofs bestattet, mitunter auch außerhalb desselben. Bislang ist nicht sicher geklärt, ob sich die Völklinger Wöchnerinnenbestattungen im Inneren der Kirche befanden oder ob sie noch vor der bislang nicht datierten Erweiterung des Langhauses nach Süden an der Südseite außerhalb der Kirche beigesetzt wurden. Mehrere Indizien sprechen dafür, daß die Frauen im Außenbereich begraben wurden. Zum einen wurde nahe der Südmauer der südlichen Erweiterung ein Scherenfragment gefunden, das jedoch nicht sicher der Baugrube dieser Mauer zugeordnet werden konnte. Hätte es sich definitiv in der Baugrube befunden, müßte man davon ausgehen, daß die Frauenbestattungen mit Scherenbeigabe vor Errichtung dieser Mauer dort eingebracht worden waren. Zum zweiten ist das Kircheninnere ein privilegierter Bestattungsplatz, an dem sich Gräber von Frauen in der Regel seltener finden, als solche von Männern. Außerdem weisen die Frauenbestattungen zwar Beigaben auf, diese deuten aber nicht auf eine besondere soziale Stellung hin, die ein Grab im Innenraum rechtfertigen würde.
Die Lage der Völklinger Wöchnerinnen ist jedoch auch so unmittelbar an der Südmauer des Langhauses ungewöhnlich, denn ein Bestattungsplatz im Außenbereich ist um so attraktiver, je näher er sich an der Kirche befand. Warum man den unreinen Frauen in Völklingen diesen besonderen Platz zugedacht hat, erklärt sich vielleicht aus der Furcht vor bösen Mächten, die besonders für Wöchnerinnen eine große Gefahr darstellten. Daß ein Bestattungsplatz nahe der Kirche vor dem Einfluß böser Erdgeister schütze, ist noch aus dem 19. Jh. überliefert. Den lebenden Frauen wurden zu ihrem Schutz für die Zeit des Wochenbetts strikte Regeln auferlegt. So war es ihnen beispielsweise nicht erlaubt, Keller oder Dachboden zu betreten oder gar den Traufbereich des Hauses zu überschreiten. Von Verstößen gegen diese Regeln und deren Folgen berichten zahlreiche volkstümliche Sagen. Bevor die Frauen wieder am öffentlichen Leben teilnehmen konnten, mußten sie ausgesegnet werden. Diese Aussegnung, die das Ende des Wochenbetts kennzeichnet, fand vier bis sechs Wochen nach der Entbindung statt.
Jedoch ist nicht nur der Schutz für die Wöchnerin, sondern auch der Schutz vor derselben oft bezeugt. Die Zeit des Wochenbetts übertrug man auch auf die verstorbene Frau, deren Grab in diesem Zeitraum zum Beispiel mit Tüchern oder Zweigen gekennzeichnet werden konnte. Besonders schwangeren Frauen galt das Grab einer Wöchnerin als gefährlich. Man fürchtete, wenn eine werdende Mutter ein solches überschreite, werde sie selbst das gleiche Schicksal erleiden.
Inwiefern die Beigaben zur Bannung der bösen Macht der Wöchnerin beitragen sollten, muß offen bleiben. Neben den in Völklingen bezeugten Gefäßen und Scheren, die die häufigste Beigabe bei Wöchnerinnenbestattungen darstellen, finden sich in den Gräbern solcher Frauen Schlüssel, Nadeln, Fingerhüte, Garn, Tücher und Windeln. Eine verbreitete Forschungsmeinung deutet diese Dinge als Gegenstände, die die Verstorbene brauchte, um ihr Kind, ob es nun ebenfalls tot war oder lebte, zu versorgen. Wenn das Kind überlebt hatte, glaubte man, die verstorbene Mutter würde während der Zeit des Wochenbettes regelmäßig zum Kind kommen und sich um es kümmern. Die Beigabe von Gefäßen läßt sich auf diese Weise jedoch nur schwer erklären, denn zum Füttern des Kindes sind solche Gefäße nicht verwendet worden. Flaschen und Tassen können vielmehr während der Geburt Stärkungstränke, wehenfördernde Mittel oder auch Schmerzmittel beinhaltet haben. Es sind somit Beigaben, die zur Versorgung der Mutter dienen. Ebenso hat die Deutung der Mitgabe von Schlüsseln und Scheren als Statussymbol der Hausfrau eine Berechtigung. Wahrscheinlich hatte der Brauch der Beigaben neben dieser vordergründigen Deutung jedoch auch die Funktion, Gegenstände, die während einer unglücklichen Geburt verwendet wurden, dem weiteren Gebrauch zu entziehen. Die umfassende Sorge um die tote Wöchnerin und ihre Ausstattung mit zahlreichen Gegenständen mag außerdem ein Ausdruck der Tragik gewesen sein, die den Tod dieser Frauen begleitete und die uns auch heute noch berührt. (XC.)

Spätmittelalterliche Erweiterung:
Zu einem nicht näher zu bestimmenden Zeitpunkt im Verlaufe des Mittelalters brach man die südöstliche Langhausmauer ab und versetzte sie um 4,50 m nach außen, so dass das Kirchenschiff einen annähernd quadratischen Grundriss erhielt. Auffallend ist die Ähnlichkeit dieser archäologisch nachgewiesenen Bauphase mit einem Plan aus dem Staatsarchiv Koblenz aus dem 18. Jh., der den Grundriss der Kirche vor dem barocken Umbau darstellt. Der Chor blieb in seinen Ausmaßen bestehen, lag nun aber nicht mehr in der Fortsetzung der Mittelachse der Kirche. Zu diesem Gebäude ist erstmals ein Eingang nachgewiesen. Er befand sich in der südöstlichen Langhausmauer, an der dem Chor am weitesten entfernten Stelle. Eine weitere Schwelle im Bereich der Südostecke des Langhauses gehörte wohl zu einem Nebeneingang, der dem Priester vorbehalten war. Wahrscheinlich gleichzeitig mit der Verlagerung der Mauer brachte man einen neuen, aus rötlichen Sandsteinplatten bestehenden Fußboden ein, denn durch die Vergrößerung des Kirchenschiffs war nun ein Teil des ehemaligen Außenbereiches in das Kircheninnere einbezogen.(LXXXIX.)

Spätmittelalterliche Erweiterung
Spätmittelalterliche Erweiterung

Im Zeitraum zwischen dem 13. und 15. Jh. wurde der Chor dem Geschmack der Zeit entsprechend durch ein gotisches Kreuzgewölbe überdeckt. Es ruhte auf Diensten, von denen noch Fragmente während der Rupp’schen Grabungen gefunden wurden. Die beiden dem Langhaus abgewandten Außenecken des Chores erhielten zur Verstärkung Strebepfeiler. Auch nahm man umfangreiche Erneuerungsarbeiten am Turm vor, der danach bis ins 20. Jh. weitgehend unverändert erhalten blieb. Zahlreiche Architekturteile, die vom Abriss dieses Kirchenbaues stammen, sind im Mauerwerk und den Auffüllschichten des folgenden Barockbaues wiederverwendet worden und so erhalten geblieben. Dazu zählen Fragmente von steinernen Kapitellen und Säulenbasen, profilierte Fensterlaibungen und Teile der Rippen vom Kreuzgewölbe des Chores, aber auch zerborstene Schieferplatten mit Nagellöchern und Flachziegel, die belegen, dass man beide Materialien zur Dacheindeckung verwendet hatte. Weiße, graublaue und gelbe Pigmentreste auf einigen Steinen bezeugen eine farbige Ausgestaltung dieser letzten mittelalterlichen Kirche.(LXXXIX.)

1503:
Gott schickte, wie es in einem alten Schriftstück heißt, im Jahre 1503 die Pest. Die Menschen starben dahin und alle Vorkehrungsmaßregeln gegen die fürchterliche Krankheit erwiesen sich als vergeblich. Man stiftete „gemeinsam und einträchtiglich zu ewigen Tagen ein ewig Wuchen Messe alle Woch im Kirchlein an der Saar“ (XLVIII.).

1506:
Johann von Nassau, Pfarrherr zu Völklingen, resigniert 3. Juni 1506, da ihm die Pfarrei St. Walfried bei Metz übertragen wurde (XLVIII.).

1506 – 1520:
Pfarrherr: Johann Fuchs von Malstatt „Kirchher zu Folcklingen und Capell *=Kapelle* zu Geislautern“, „mit Tod abgegangen“ (LXII.).

1520:
In Geislautern befand sich eine Kapelle, die 1520 zuerst urkundlich erwähnt wird. Sie wurde von Völklingen aus bedient und ist in den Stürmen des 30jährigen Krieges zerstört worden (XLVIII.).

1520 – 1522:
Pfarrherr: Dietrich von Saarbrücken „Priester Metzer Bistums“ (LXII.).
Zur Pfarrkirche Völklingen und Kapelle Geislautern präsentiert (XLVIII.).

1522 – 1530:
Pfarrherr: Jakob von Lisdorf. Er versprach in der Pfarrkirche zu Folklingen wöchentlich 2 Messen und in der Kapelle Lutera eine Messe zu tun und alle 4 Wochen eine Hubermesse zu Lutera. (XLVIII.). „mit Tod abgegangen“ (LXII.).

1531 – 1542:
Pfarrherr: Johannes von Dillingen „Priester Trierer Bistums“ (LXII.).
Hier laut Quelle (XLVIII.) eine Abschrift aus dem Urkundenbuch der Grafschaft Saarbrücken im Prov. Archiv in Koblenz:
Ich Johannes von Tillingen priester trierer Bistumbs, thun kund und bekenne mit diesem Brief mit meiner eigen Handschrift allermenniglich: Nachdem und als der wolgeboren Her, Her Johann Ludwig, graw zu Nassau und Sarbrückem, mein gediger Herr, mich umb mein und meiner guten Frind willen und umb gotteswillen mit der Pfarrkirche zu Folklingen und der Kapelle zu geißslautern, begabt, versehn und druff presentirt hat da geloben ich by meiner priesterlichen wird hochsten trewen und globen, lnn eins Rechten eyds statt, soll ich pfarkirch und kappel mit zu pemutieren zu ubergeben durch keinerley gewalt bepstlicher oder weltlicher oberkeit, onne wissen und verwilligung vorgemelten meines gnedigen Herrn, sondern selbst Residentz drruff zu thun, und noch meinem Vermögen bei iren gerechtigkeiten zu behalten und zu handhaben, wie sich gepurt und wer es sah, dass ich nit selbst Residentz druff thun wollte, soll ich sie seiner Gnaden als dem rechten Kollator wieder zu handen stellen und übergeben.
Das Bekenntnis des Pfarrers zu Völklingen aus dem Jahre 1531 lautet auszüglich:
„Nachdem der wohlgeborene Herr mich um meiner und meiner guten Freunde demütiger und fleißiger Bitte und um Gotteswillen mit der Pfarrkirche zu Völklingen und der Kapelle zu Geislautern, im Trierer Bistum gelegen, begabt, versehen und darauf präsentiert hat, gelobe ich bei meiner priesterlichen Würde an eines rechten Eides statt, solche Pfarrkirche und Kapelle nicht zu permutieren (vertauschen), zu übergeben durch keinerlei Gewalt päpstlicher oder weltlicher Obrigkeit, ohne Wissen und Bewilligung meines vorgenannten gnädigen Herrn, sondern selbst darauf Residenz zu tun, sie versehen und nach meinem Vermögen bei ihren Gerechtigkeiten zu behalten und zu handhaben, wie sich gebührt und, wer es sieht, daß ich nicht selbst Residenz darauf tun sollte, soll ich sie seiner Gnaden als dem rechten Collator (Inhaber des Besetzungsrechtes) wieder zu Händen stellen und übergeben.“ (LXXXVIII.).

1542:
Zur Unterstützung des Kampfes gegen die Türken wurde eine Steuer erhoben die sogenannte „Türkenschatzung“. Der Pfarrer zu Völklingen hatte 5 Gulden, sein Knecht 3 Batzen und die beiden Mägde je 2 Batzen beizutragen. Die Gemeinde des Völklinger Hofes erstreckte sich über die Gemeinden Völklingen, Wehrden, Geislautern, Fürstenhausen, Fenne, Klarenthal und Knausholz. Zur Pfarrei selbst gehörten diese Orte, jedoch ohne Knausholz, das nach Schwalbach eingepfercht war (XLVIII.). Im Dorf Völklingen waren: 1 Pfarrer, 1 Bruderschaft, 42 Familien und 18 Gesinde steuerpflichtig (XLIX.).

1542 – 1544:
Pfarrherr: Jakob von Lisdorf „mit Tod abgegangen“ (LXII.).
Pfarrherr: Jakob Fischer von Dudenhofen“, es heißt „Pfarrey ledig worden und uns heimgefallen“ (LXII.).

1544:
Pfarrherr: Bartholomäus Hittersdorf „uff frey übergabe und abtretten“ (LXII.).

1544 – 1550:
Pfarrherr: Friedrich Andreas von Bischofshomburg, „Priester Metzer Bistums“
Andreas wird nicht nur mit Folcklingen und Geislautern „im Trierer Bistum gelegen“ begabt, sondern auch „mit der Pfarrkirche St. Nicolas *=St. Nikolaus* im Warndtwald und den Capelln zu Rosseln“ *=Kapelle in Großrosseln* (LXII.).
Und die Kapelle Emmersweiler (XLVIII.).

1550 – 1555:
Johann Gebel von Berries wird vom Grafen Philipp von Saarbrücken mit der Pfarrkirche zu Folklingen und Kapelle zu Geislautern, nach freier Resignation Herrn Friedrich Andrä *=Andreas*, begnadigt (XLVIII.). „hat die Pfarrei aufgegeben“ (LXII.).

1555 – 1560:
Pfarrherr: Nikolas von Trier (XLVIII.).

1560 – 1563:
Pfarrherr: Lambert Aldringer (XLVIII.).

1563:
Pfarrherr: Matthias Eichhorn von Bitburg erhält die Pfarrkirche zu Folklingen und Kapelle zu Geislautern, auch die zu St. Nikolaus, die zu Rosseln und Emmersweiler (XLVIII.).

1569:
Aus einem Visitationsprotokoll geht hervor, dass die Grafen von Nassau – Saarbrücken die Collatur (das Patronatsrecht) besitzen: „Fulcklingen, patronus S. Martinus, collator comes de Nassau …) (LXXXVIII.).

1575:
Aufgrund des Augsburger Religionsfriedens von 1555 wurde die aus dem katholischen Mittelalter stammende Kirche mit der ganzen Grafschaft Nassau-Saarbrücken der lutherischen Reformation zugeführt. Die Untertanen mußten die Religion ihrer Fürsten annehmen oder sie mussten auswandern, („cuius regio, eius religio!“). Mit Wirkung vom 1. Januar 1575 verstummte die Botschaft des katholischen Glaubens in Völklingen für die Dauer von 110 Jahren (bis 1676) vollständig, der evangelische Gottesdienst hielt nun seinen Einzug (XLVI.).

1576 – 1579:
Am 25. März 1576 wurde Caspar Streilein, welchen Doktor Marbach von Straßburg empfohlen hatte, als lutherischer Pfarrer eingeführt und ihm zugleich auch die Kirche zu Rosseln und Schwalbach übertragen.
Das Einkommen der Pfarrei bestand nach der Aufnahme im Jahre 1575 in 14 Maltern Korn, 13 Maltern Hafer, 18 Fuder Heu, 23 Ackerfeldern, einer Rente von 3 Gulden 1/3 des kleinen Zehnten im Völklinger Hof, Casuelien usw. Widdumshof das heißt: Pfarrhaus mit Scheuer, Stallung und Gärten (XLVIII.).

ab 1579:
Neuer ev. Pfarrer: Wenzeslaus Fend aus Kaaden (Böhmen) (XLVII.).
Ein höchst unruhiger Mann, der sein zänkisches Wesen auch in Traben und Allenbach später fortsetzte (XLVIII.).

1591:
Gemäß des Verhör-Protokolls von 1591 stand dem Pfarrer zu Völklingen das Recht zu, „“von jedem bespannten Unterthan der Pfarrei jährlich eine Ackerfuhr von einem Tag und von den über der Saar gelegenen die Holzfuhre zu verlangen.“ (XLVIII.).

1595:
Evangelischer Pfarrer: Ferdinand Reichermuth. Verwaltete Völklingen, Rosseln (Überherrn)(XLVII.).
„Anno 1595 d.7. Dezember ist Hr. Ferdinand Reichermuth, so zuvor zu Eyweiler in Kirchendiensten gewesen, von dem Herrn Grafen Philipsen als Callatoren der byden Pfarreien Völklingen und Rosseln zu Völklingen von Herrn Magister Gebhardo Beilstein eingesetzt worden. Zu Rosseln hat H. Gebhard nie keinen Pfarrer präsentiert, sondern es ist die Präsentation allwege durch einen politicum des Grafen auf Befehl des Herrn Grafen verrichtet worden. Die gottlosen Bauern in diesem Ort haben wider das Evangelium und evangelisch Pfarrer sich gesperrt. (Extr. ex Keller Manuskript Notiz im ältesten Völklinger Kirchenbuch, das auf dem Bürgermeisteramt ist.) (XLVIII.).
Pfarrer Reichermuth taufte noch aus einem Taufsteine aus der katholischen Zeit, auch stand zu seiner Zeit noch der Hochaltar (XLVIII.).

1616:
Pfarrer Reichermuth wurde zusätzlich die Gemeinde in Überherrn übertragen, wo er alle 14 Tage zu predigen hatte. „So rechtschaffen der Mann war, so war seine Arbeit hier doch umsonst, da die Bauern gewaltig aufs Papsttum verpicht waren und davon nicht lassen konnten“ (XLVIII.).

1618 (Anfang des Dreißigjährigen Krieges):
Pfarrer Reichermuth gab die Gemeinde Überherrn an Laurentius Weber ab.
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) dezimierte sich die Bevölkerung der gesamten Saarbrücker Grafschaft um 84% (Verein BI. Alter Brühl).
Saarbrücker Synodalprotokoll im Stiftsarchiv St. Arnual: „zu Völklingen sind der Thurm und das Corpus sehr baufällig und bedörffen Besserung.“ (LXII.).

1624:
Der Hochalter wurde abgebrochen (XLVIII.).

1625:
Als Frankreich im Jahre 1624 an seiner Ostgrenze, (die Grenze war nach dem Gewinn von Metz, Toul und Verdun sehr weit nach Osten ins ehemalige Heilige Römische Reich Deutscher Nation vorgeschoben worden), Truppen zusammenzog, wurden zur Beobachtung dieser Truppenbewegungen Tillysche Regimenter in unsere Saargegend gelegt. Auch Völklingen bekam Tillysche Einquartierung.
Am 14ten Tag vor Ostern 1625 flüchtete der alte Pfarrer Reichermuth mit seiner Frau zum Superintendenten Keller nach Saarbrücken und fand in seinem Hause Zuflucht. Er wollte von Saarbrücken aus abwarten, was in seiner Pfarrei geschähe. Er war schon sehr schwach geworden und unversehens starb er über Nacht, kaum dass seiner Frau es gewahr wurde. Seine Völklinger Pfarrkinder, die ihm in allen fünf Visitationen das beste Zeugnis über Lehre und Leben ausgesprochen hatten, holten ihn am kommenden Sonntag darauf ab, brachten ihn heim und begruben ihn in der Völklinger Kirche (LXXXVIII.).
Sein Nachfolger wurde Philipp Leonhard Koch (ev.) aus St. Johann (XLVII.).

1627 :
Aus einem Bericht des Superintendenten Keller erfahren wir, dass in Völklingen noch ein alter Brauch bestand:
“ die Kinder werden in dieser Kirche noch auß dem Taufkessel getauft… könnte der Kessel verkauft und dafür ein Kann und Becken zur Administration der Tauf erzeugt werden. Der Taufstein könnte abgeschafft, anstatt dessen ein kleiner Altar gesetzt und der große weggetan und Stühl an den Ort verordnet werden“
Also sind damals erst (=über 150 Jahre nach der Evangelisierung der Martinskirche) Hochaltar und Taufstein aus katholischer Zeit entfernt worden (LXII.).

1632:
Koch soll bis 1632 Pfarrer in Völklingen gewesen sein (XLVIII.).

1634:
Weiter wissen wir, dass Kriegsvolk um 1634 in der Kirche einquatiert war, wodurch das Gebäude übel zugerichtet wurde, „weil sie auch Feuer darin gehabt“.(XLIII.)
Aus den Saarbrücker Kirchenschaffneirechnungen im Stiftsarchiv hören wir, dass 1634 das französische Militär dort Quartier gehabt habe und „gantz schwarz worden. Alß ist dieselbe weider zu weißem Barten dünchern verdingt worden“. Es geschahen also noch Reparaturen 1634 mitten im 30jährigen Kriege! (LXII.).

1635:
Neuer ev. Pfarrer wurde Karl Jungmann der vorher Pfarrer in Naßweiler war (XLVII.).

1647:
Neuer ev. Pfarrer wurde Georg Bartholomäus Schlosser, geb. 1623 in Fechingen (XLVII.).

1648 (Ende des Dreißigjährigen Krieges)

1652:
Die Trostlosigkeit dieser Zeit verdeutlicht ein Bericht des Wadgasser Abtes Philipp Gretsch. Dieser kehrte 1652 in die zerstörte Abtei zurück und bemerkte auf einer Kirchenrechnung:
„Die meisten Einwohner sind im höchsten Aufruhr, was sich nicht wohin salviert hat, gestorben.“ Weiter hob er hervor, dass das Kloster mehr als 100 mal geplündert worden sei.
Auch der „Werbelner Hannes“, die Schreckgestalt manches Kindes, existierte wirklich:
„Ein Mann namens Hans aus Werbeln, der weilen er nit wollen in der Bedrängnis mit anderen aus dem Lande weichen, ist dahin gerathen, daß er die Menschen todtgeschlagen und gefressen hat, tanta fames erat. Ich sah mit eigenen Augen die Eingeweide und Gebeine erschlagener Menschen. Und habe eine Frau in Fürstenhausen beerdigen lassen, welche bei ihm (dem obengesagten Menschenfresser) zum Übernachten (mit ihrem Manne) eingekehrt war – denn sonst war aus jener Gegend außer ihm Niemand in Werbeln – die er totgeschlagen hat. Der Mann der Erschlagenen hatte zwar einige Streiche im Schlaf erhalten, er hatte sich aber aufgerafft und entfloh. – O, welche Zeiten!“ (11).

1654:
Neuer ev. Pfarrer wurde Johann Balthasar Pistorius, geb. 1599 in Eiweiler.
Er überlebte mit nur drei anderen Pfarrern der Grafschaft Saarbrücken den 30jährigen Krieg und verstarb 1689 in St. Johann (XLVII.).

1672:
Die Kirche war durch den 30jährigen Krieg so beschädigt, dass ein Neubau erfolgen musste. Der Neubau erfolgte auf den Grundmauern der abgerissenen Kirche und wurde von den Herren zu Warsberg zu einem Drittel bezahlt. Der Bau kostete 144 Gulden wovon Warsberg 24 bezahlte. *24 von 144 sind aber ein Sechstel!?*
Dabei waren nicht berechnet der Turm und die Fronten (XXXIV.).
Der Kirchturm war noch erhalten geblieben und wurde mit dem Bauwerk neu verbunden (XLVI.).

1684:
Am 17. Dezember 1684 begann für die Völklinger Martinskirche die Simultanzeit *Sie sollte 154 Jahre dauern*. Am 21. Dezember 1684, zur Zeit Ludwigs des XIV. ordnete die französische Verwaltung an, dass in allen Orten, in denen sich nur eine Kirche befand, die evangelische Gemeinde diese den Katholiken für ihre Gottesdienste zur Verfügung stellen müsse. In der Martinskirche wurden nun auch wieder katholische Gottesdienste gefeiert.
Statistik der Katholiken im Jahr 1684: Völklingen 127, Wehrden 46, Geislautern 22, Fürstenhausen 5, Ludweiler 11, also insgesamt etwa 200 Katholiken in dem neugegründeten Pfarrbezirk Völklingen (XI.).
Den Katholiken räumte der Intendant Anteil an der Kirche dergestalt ein, dass gemeinschaftlich die Kirche, der Chor, die Glocken und der Kirchhof waren, während den Evangelischen die Pfarr- und Kirchengüter allein verblieben. Der katholische Geistliche wohnte nicht in Völklingen, sonder kam bis zum Jahre 1756 jedesmal aus Wadgassen hierher (XLVIII.).
Ab 1684 begannen die ersten Aufzeichnungen in katholischen Kirchenbüchern (XLIX.). So findet sich im Völklinger (katholischen) Kirchenbuche,…, eine Eintragung des Prämonstratenser Canonicus Godefriedus Bleymann aus Wadgassen, in der er bekundet, dass er am 17. Dezember 1684 den ersten feierlichen Gottesdienst in der Simultankirche hielt (XCI.).
Die neue katholische Pfarrei wurde von dem Prämonstratenserkloster Wadgassen betreut (LXXXVIII.).

Am 17. Dezember 1684 begann für die Völklinger Martinskirche die Simultanzeit
Am 17. Dezember 1684 begann für die Völklinger Martinskirche die Simultanzeit

1686:
Neuer ev. Pfarrer wurde Johannes Nicolaus Hufschlag, geb. in Ottweiler 1649 (XLVII.).
Vorher Pfarrer in Dudweiler.
Ehefrau: Anna Margaretha Schellenberger aus Ottweiler (XLVII.).
1686 begannen die ersten Aufzeichnungen in evangelischen Kirchenbüchern (XLVIII.). Er wurde am 24. Juni 1686 durch französische Soldaten gefangen, von der Kanzel zu Cölln *= Martinskirche in Köllerbach* nach Saarlouis geführt (XLVII.).
Die ersten Aufzeichnungen in evangelischen Kirchenbüchern erfolgen (LXXXVIII.).
Godefriedus Bleymann wird der erste katholische Pfarrer der neuen Eligiuskirche, das mittelalterliche Martinspatrozinium ist erloschen. Träger des Eligiuskultes sind die Prämonstratenser – Pfarrer aus Wadgassen. Das Mutterkloster des Ordens Prémontré liegt in Nordfrankreich, nahe beim Grab des heiligen Eligius in Noyon. So sind die kultischen Beziehungen gegeben.

1687:
Urkundentext: „Item ein Garten, die burg genannt, bey der Kirchen, ist noch zur Zeit unvertheilet, weil es eine Hofstatt ist.“ (laut Quelle 15 von Pfarrer Rug gefunden)

1696:
Pfarrer Nikolaus Hufschlag starb am 13. April 1696 (XLVIII.).
Neuer ev. Pfarrer wurde Andreas Jacobi (Magister (XLVIII.)), geb. 1673 in Wertheim.
Ehefrau: Anna Margaretha Lobstein (XLVII.).

1697:
Eintrag im Kirchenbuch:
„Anno 1697 den 16ten maij ist gestorben der Ehrsame Joh. Reppert seines Alters 106 Jahr 30 Wochen von der Glaßhütten.
Anno 1697 den 8 Junij ist gestorben Maria Reppertin gebohrne Zuckwartin ehus nimirum uor atatis 97 Jahr.“

1698:
Eintrag im Kirchenbuch über den Amtsantritt des ev. Pfarrer Johann Daniel Horstmann, geboren 1674 in Geismar (Hessen). Ehefrau: Sophia Dorothea Mühlhaus (XLVII.).

1700:
Pfarrer Horstmann betreute von 1700 bis 1741 auch die Martinskirche in Kölln *=Köllerbach* (XLVIII.).

1706:
Eintrag im Kirchenbuch:
„Die d. 28 D. Januarij ist Hanß Jacob Möller, weil. Mstr. Hanß Jacob Möllers, gewesenen Zimmermanns Sohn (welcher, nachdem Er (D. Conversi Pauli) die Glocken zum Gottesdienst Hatt wollen helfen Läutten undt aber unversehens von einem Unglücklichen Streich, nämbliclh von dem Glocken Klüppel, welcher von oben herunter gefallen, getroffen worden, daß er den 2 Tag hernach an seiner Embfangenen tödlichen Wunden an der rechten Seiten des Haubts gestorben) mitt großem Leidtwesen der Seinigen begraben worden, atas 19 Jahr undt ungefehr 12 od. 14 Tage.“

1714 :
Eintrag im Kirchenbuch:
„Die d. 16 D. April ist Theobald Wageners Söhnlein Joh. Jacob (nachdem Er bey der Überfürth über die Saar auß dem Schiff gefallen undt im Wasser Elendiglich ertrunken) zu großem Leydtweßen seiner Eltern begraben worden, atas 11 Jahr undt 3 Wochen.“

1716:
Das Kirchenschiff wurde wieder hergestellt (XLIV.).
Nach dem Bericht des Pfarrers Horstman wurde die Kirche renoviert und mit mehreren Fenstern, Bänken nebst einer Vorkirche oder Manestüre versehen (XXXIV.).
In der Mauer zwischen Kirche und Turm, dem Boden der Emporbühne, gleich hinter der Orgel fand sich ein Stein mit einer Aufschrift in lateinischen Buchstaben, in der es heißt, dass im Jahre 1716 unter der Regierung des Grafen Carl Ludwig von Nassau-Saarbrücken, die „hiesige Kirche renoviert und mit mehreren Fenstern, Bänken und einer Borkirche *=Empore* versehen worden“ (LXII.).
Pfarrer Horstmann berichtet:
„Die Kirche zu Völklingen ist anno 1716 auf Verordnung der gnädigsten Herrschaft renovieret und mit mehreren Fenstern, Bänken und einer Borkirche (Empore) versehen worden… Zu Gayslautern ist vor Zeiten auch eine evangelisch lutherische Kirche gewesen… aber in dem also genannten 30jährigen Kriege gänzlich zerstöret worden… besagte Gayslauterer Kirche wieder aufzubauen nötig wäre… weil dort auch ein herrschaftliches Eisenwerk und mit einigen der evangelischen Religion zugetanen Meistern und Arbeitern besetzt worden ist… In der Kirche zu Völklingen (weil sie die Römisch-Katholischen gemeinsam haben mit den Evangelisch-Lutherischen und demnach ein stetes Ein- und Ausgehen ist) findet sich nichts als ein schwarzes wollenes Altar- und Kanzeltuch, ein Pult auf dem Altar, ein Klingelsäckel nebst der Totenbahren… In dem Turm zu Völklingen hangen zwei Glocken von ziemlicher Größe, von der Gemeinde aus eigenen Mitteln beschafft… In beiden Örtern wie Völklingen und Cölln *=Köllerbach* waren Kirchhöfe, beide mit Mauern umgeben. In Gayslautern war jedoch die Kirche und der Kirchhof zerstört… zu Völklingen war eine Uhr… Bei der Renovation sind in beiden Kirchen neue Kirchenstühle aufgestellt worden.“ (LXII.) .
Unter dem Verputz in der Mauer zwischen der Kirche und dem Turm, dem Boden der Emporbühne, gleich hinter der Orgel fand man im Jahre 1843 ein Stein mit einer Inschrift in lateinischen Buchstaben, die besagt, dass im Jahre 1716 die Kirche renoviert wurde. Dieser Stein befindet sich heute zusammen mit anderen Architekturteilen der alten Kirche im Keller der evangelischen Versöhnungskirche in der Moltkestrasse. Der Text dieser Gedenktafel lautet: „Unter der Regierung des hochgeborenen Grafen und Herren Carl Ludwig Grafen zu Nassau, Saarbrücken und Saarwerden, Herrn zu Lahr, Wiesbaden und Idstein ist auf Gutachten einer hochgräflichen Kanzlei und (der hochgeborenen) Räte, unter welchen der hochedle etc. Fridericus Schmidt die Verordnung getan hiesige Kirch renoviert worden. Die Aufsicht hierbei hatte Herr Christian Haldi, Schaffner zu St. Arnual und Joh. Sebastian Frantz, Brudermeister, Pfarrer Joh. Dan. Horstmann. Egnat alternum MDCCXVI“ (LXXXVIII.).

1717:
Datiert ein Wappengrabstein für Joh. Eckard von Kruckenberg der sich in der Kirche befand. Die Inschrift war wie folgt:
„Hier ruhet in Gott der hoch- und wohlgeborene Herr Joh. Eckard von Kruckenberg, ihro Königl. Maj. in Frankreich wohl meritierter Brigardier und Obristlieutenant des Königlich Teutschen Regiments zu Pferd, gebohren Anno Christi MDCXLIV den 5. Mart. (= 5. März 1644) und in seinem Heiland Jesu Christi seelig verstorben Anno MDCCXVII D XXVIII. May (= 28. Mai 1717), seiner Alters LXXII Jahr, 2 Monat XXIII Tag (= 73 Jahre alt) (XXXIV.).
Anmerkung des Heimatforschers Rupp (1. Grabung) zu diesem Grabstein:
Ein Grab des Herrn von Kruckenberg wurde nicht gefunden: Es scheint der schöne Grabstein vom Friedhof zur Zierde der Kirche in die Mauer eingefügt worden zu sein (XXXIV.).

Hier ruhet in Gott der hoch- und wohlgeborene Herr Joh. Eckard von Kruckenberg, ihro Königl. Maj. in Frankreich wohl meritierter Brigardier und Obristlieutenant des Königlich Teutschen Regiments zu Pferd, gebohren Anno Christi MDCXLIV den 5. Mart. (= 5. März 1644) und in seinem Heiland Jesu Christi seelig verstorben Anno MDCCXVII D XXVIII. May (= 28. Mai 1717), seiner Alters LXXII Jahr, 2 Monat XXIII Tag (= 73 Jahre alt)
Hier ruhet in Gott der hoch- und wohlgeborene Herr Joh. Eckard von Kruckenberg, ihro Königl. Maj. in Frankreich wohl meritierter Brigardier und Obristlieutenant des Königlich Teutschen Regiments zu Pferd, gebohren Anno Christi MDCXLIV den 5. Mart. (= 5. März 1644) und in seinem Heiland Jesu Christi seelig verstorben Anno MDCCXVII D XXVIII. May (= 28. Mai 1717), seiner Alters LXXII Jahr, 2 Monat XXIII Tag (= 73 Jahre alt)

1724:
Eintrag im Kirchenbuch: “ Duca 1 p. Trinit. (d. 3 D. Junij) ist Johann friederich Horstmann, mein ältester Sohn, ein mewangeheter Studiosus, nachdem Er sich leiydter fast 3 gantze Jahr lang mit einem schwächlichen u. gebrechlichen Leib schleppen und tragen müssen, zu großem Leydtweßen seiner L. Eltern gestorben undt den darauf follgendten Dienstag als d. 5 D. Ejus?? bey ansehnlich-volckreicher Versammlung Christl. Gebrauch nach zur Erde bestattet worden, nachdem der in dieser Welt gelebet 20 Jahr, 9 Monath, 3 Tage.“

1725:
Eintrag im Kirchenbuch: “ D- 5 D- Aprilis Ist mein Söhnlein Ludwig Georg, Mir undt den übrigen Meinigen zu großem Leydtweßen begraben worden, nachdem Er in dieser Welt länger nicht gelebet als 5 Tage.“

1734:
Pfarrer Horstmann, der auch die große evangelische Pfarrei Kölln *=Köllerbach* zu desservieren hatte, notierte in diesem Jahr: „Bericht von Pfarrsachen einesteils die Pfarrey Völklingen wozu gehöret Gayslautern, Wehrden, Fenne mit der Schweytzerei an der Fenn und der Hütte Clarental, andernteils die Pfarr Cöllen *=Köllerbach*, welche bis anhero als ein Filial von Völklingen ist bedienet worden……“ (LXXXVIII.).

Das Aussehen der Kirche um diese Zeit:

Die Kirchen des Mittelalters waren bekanntlich "orientiert", d.h. der Chor lag gegen Osten, in Richtung Jerusalem.
Die Kirchen des Mittelalters waren bekanntlich „orientiert“, d.h. der Chor lag gegen Osten, in Richtung Jerusalem.

Der mittelalterliche Bau bestand aus dem westlich vorgelegten Turm. Die Kirchen des Mittelalters waren bekanntlich „orientiert“, d.h. der Chor lag gegen Osten, in Richtung Jerusalem. Unser Turm war dreigeschossig, durch Schrägen abgesetzt.
„Nur das Obergeschoß hat gotisches Profil. Die Glockenstube hat spitzbogige Schallfenster, die auf rechteckigen, abgekanteten Pfeilern mit Volutenkämpfern gekoppelt sind. Diese Form des 13. Jahrhunderts ist nur noch im Ostfenster rein erhalten, während sie bei den übrigen später in vereinfachter Form erneuert wurde.“ (Zitatquelle: Zimmermann)
Über dem Turm erhob sich eine achtseitig geschieferte spitze Pyramide als Helm, an 2 Seiten mit 2 Giebeln ansetzend. Dem Turm folgte gegen Osten das Schiff, dessen Maße Rupp festgestellt hat. Das mittelalterliche Schiff war ein einfacher Saal, rechteckig, im Lichten 11,5 m lang und 9,5 m breit. Ihm schloss sich der gotische Chor an, rechteckig, im Lichten 5,6 m auf 5 m messend „mit Kreuzgewölben auf Diensten, die Rippen hatten ein Schienenprofil wie im Chor der Kirche in Kölln *=Köllerbach* und in St. Nikolaus im Warndt. Auf der Nordseite des Chors war eine zweijochige Sakristei angeschlossen“ (1).
Zimmermann setzt die Entstehung dieser Teile in die Mitte des 15. Jahrhunderts.
Vorgänger dieses gotischen Kirchenbaues, evtl. aus fränkischer und karolingischer Zeit waren beim damaligen Stand der Ausgrabungen nicht zu erkennen. Rupp schreibt selbst: Der älteste Teil der Kirche von den freigelegten Fundamenten bis zum Turm ist noch nicht untersucht. Vielleicht, daß bei weiteren Ausgrabungen sich neue Aufschlüsse gewinnen lassen. Es steht ohne weiteres fest, daß die früheren Kirche in Völklingen an derselben Stelle gestanden haben.“
Aus den genannten Plänen lässt sich auch die Innenausstattung der vor 1737 noch bestehenden Kirche erkennen.
Der Altar im Chor war – nach der Verfügung Borgerons de la Goupilliere – sicherlich der katholische Altar. Auch die Sakristei gehörte den Katholiken.
Am Eingang des Chores stand ein zweiter Altar, der protestantische. Auf der Evangelienseite trat eine Kanzel anscheinend nur vom Chor her erreichbar, in das Schiff hinaus, wohl die katholische Kanzel. Die evangelische Kanzel auf der Epistelseite war nur vom Schiff her zu besteigen. Dort stand auch der Pfarrstuhl. Für den evangelischen Pfarrer, den Cantor, den Meyer, die fürstlichen Beamten waren in der alten Kirche mit Gitter versehene Kirchenstühle vorhanden, die an dieser südlichen Ostwand den Blick in den alten, eingezogenen, schmalen Chor bisher nicht gestört hatten. Dies wurde in dem neuen Bau anders. Der katholische Pfarrer Gadel beschwerte sich, ließ die Stühle entfernen. Die fürstliche Regierung mischte sich ein. Das Consistorium berichtete am 28.7.1738 an „Serenissimus“. Der Bericht hat den Vorzug, uns über die Innenausstattung und die damaligen kirchlichen Usancen wertvolle Angaben zu machen:
„Wie nun zuvor in der alten Kirche der Chor auf beiden Seiten des katholischen Altars mit Stühlen versehen gewesen, wovon eines sich derzeitige Pfarrer bediente, die übrigen aber der Meyer, Gericht und Censoren besaßen. Also sind dieselben auch in der neuen Kirche auf gleiche Art verfertigt, außer daß der Pfarrstuhl an der einen Seite besonders, etwas außer dem Chor herunter, gegen die Cantzel und dem evangelischen Altar übergesetzet, und sowohl um mehrer Bequemlichkeit willen zu seiner Meditation als auch zum Gebrauch anderer, etwa höher, herrschaftlicher Personen oder Bedienten, so zuweilen den Gottesdienst daselbst besuchen möchten, mit einem Gitter gezieret. Ingleichen andererseits unten an der Cantzel einen gleichförmigen Frauenstuhl zum Gebrauch der jedesmaligen Pfarrerin und etw. anderer Personen von Distinction zur Seite der Weiberstühle setzen lassen ….. Mit der ganzen Einrichtung der Kirche ist nicht die geringste Änderung vorgegangen; Cantzel und Altäre nebst Sakristey stehen an ihren gewöhnlichen Orten. Die beiden Gitterstühle quaestionis benehmen den Römischen weder Platz noch Gesicht. Vielmehr ist der Chor jetzt viel räumlicher als zuvor und zum prospect auf ihren Altar wegen des weggenommenen Bogens viel offener.“
Wie der Rechtsstreit ausging, ob das Gitterwerk der evangelischen Kirchenstühle wirklich den Blick zum katholischen Chor störte, ist aus dem umfangreichen Schriftwechsel nicht zu ersehen. Querelen und Beschwerden dieser Art waren im Zeitalter vielfältiger Spannungen zwischen beiden Konfessionen, bei Benutzung eines Simultanraums, bedauerlich, aber häufig. Es erübrigt sich, solche Streitigkeiten, die meist von der Reizbarkeit einfacher Gemeindemitglieder ausgingen, allzu sehr hervorzuheben.
Über die sonstige Innenausstattung des katholischen Teiles der barocken Saalkirche von 1738 sind uns keine zeitgenössischen Quellen erhalten. Wohl aber lassen die Notizen im Lagerbuch der Pfarrei St. Eligius um 1820 Rückschlüsse zu (LXII.). (siehe 1820 )

Neuzeitliche Umbauten:
Bei den Umbaumaßnahmen der Jahre 1736/37 wurde die Kirche komplett umgestaltet. Die Südostmauer wurde wieder um 1,80 m nach innen versetzt, der mittelalterliche Chor vollständig abgerissen und durch einen trapezförmigen Barockchor ersetzt. Der Boden wurde, vielleicht gegen aufsteigende Feuchtigkeit, durch eine ca. 10 cm starke Lehmschicht abgedichtet und danach durch Auffüllung von Bauschutt um ca. 0,70 m aufgehöht. Darüber legte man einen neuen Fußbodenbelag aus Sandsteinplatten. Der Eingang zu der barocken Kirche befand sich, wie schon bei dem spätmittelalterlichen Vorgängerbau am südwestlichen Ende der südöstlichen Langhausmauer. (LXXXIX.)

Bei den Umbaumaßnahmen der Jahre 1736/37 wurde die Kirche komplett umgestaltet
Bei den Umbaumaßnahmen der Jahre 1736/37 wurde die Kirche komplett umgestaltet

1737/38:
Das Schiff wurde wieder hergestellt wobei die Südwand weiter herausgerückt und der Chor durch einen neuen dreiseitigen Schluss nach Osten verlängert wurde (XLIV.).

Ein Türstein zeugt von diesem großen Umbau
Ein Türstein zeugt von diesem großen Umbau

Die Nordmauer wurde erhöht (XLV.).
In den Jahren 1737/38 erfolgte dann der Um- bzw. Neubau der Simultan-Kirche in der Form, wie sie bis zum Jahre 1882 bestehen wird. Über dem alten Portal wurde der Beginn des Neubaus mit dem Jahre 1737 eingemauert.

Seitenansicht dieser Bauphase
Seitenansicht dieser Bauphase

In den St. Arnualer Stiftsrechnungen werden ff. Handwerker mit Namen angeführt: Der Maurer Nickel Kläger, Steinhauer Johannes Demuth aus Bübingen, Zimmermeister Paul Bucklisch von Saarbrücken, der Schreiner Andreas Meßner von Saarbrücken (Tür und Decke), der Schreiner Theobald Sithoer (Kanzel), die Schreiner Bastian Helbrecht und Johannes Kupfermüller von Völklingen (Kirchenstühle, Treppe, Sakristeitür), der Schlosser Bäuerlein von Saarbrücken, der Schmied Heinrich Wagner von Völklingen und Anna Maria Engelmann Witwe, der Nagelschmied Matthäus Bier von St. Johann, die Leiendecker Jakob Lautemann und Leonhard Klein in Saarbrücken und der Glaser Samuel Becker. Die Rechnung des Zimmermann Paulus Bucklisch besagt: „Es hat sich nemlich bey der längstens nöthig befunden reparation und Erweiterung der fölklinger Kirchen, alß man zu dem werk geschritten, ergeben, daß dieselbe eine Seiten Mauer außgenommen gäntzlich abgerissen und von grund auf neu erbaut werden müssen, dahero man mit communication und genehmhaltung des concedimators Herrn von Warsburg um mehrer Bequemlichkeit willen, ohne besondere Absetzung des Chors, welches sonsten viel schmaler als die navis (Schiff) gewesen, doch mit schicklicher, in ein Achteck zugehendten Form, nach neuerer Art dieselbe einrichten zu lassen, gut befunden.“ (LXII.).

Demgemäß blieb also von dem mittelalterlichen Bau erhalten zunächst der Turm, dann nur noch die Nordmauer des Schiffes, die um 6 Schuh (etwa 2 Meter) erhöht wurde, die Südwand des Schiffes wurde ganz abgebrochen, nach Süden hinausgeschoben um etwa 2 1/2 Meter. Dann fiel auch der gotische Chor mit der nördlich vorhandenen Sakristei. Darüber wurde dann im Osten anschließend, den alten Chor umfassend, eine der damals üblichen Abschlüsse, in drei Seiten des Achteckes der vergrößerte „barocke“ Chor neu errichtet (LXII.).

1741:
“ Den 22. April ist der wohlehrwordige und hochgelehrte Herr Johann, Daniel Horstmann, in die 43 Jahre gewesener traueifriger evang.-lutherischer Pfarrer der Gemeinde Völklingen und Kölln selig verstorben und den 24. ejusdem begraben worden, nachdem er gelebet 67 Jahr 4 Monate und 2 Tage. Bei seiner Beerdigung hat Herr Pfarrer Steinhauer aus Saarbrücken die Worte Daniel Kap. 12 in der von ihm gehaltenen Leichenpredigt erklärt.“ (XLVIII.).
Neuer ev. Pfarrer wurde Ludwig Karl Schmidt, geb. 1716 in Ottweiler.
Erste Ehefrau: Anna Luise Wittich, gest. 1773. Zweite Ehefrau: Katharina Dorothea Handel (XLVII.).

1743:
Neuer ev. Pfarrer wurde Johann Kaspar Steccius, geb. 1713 in Cleinich.
Ehefrau Maria Johannetta Dern (XLVII.).

1745:
Bei der Kirchenvisitation der evangelischen Gemeinde, berichtet Pfarrer Strecks über die Abhaltung des Gottesdienstes folgendes: „An Sonn- und Feiertagen, in welchen die Evangelischen den Frühgottesdienst haben, wird gepredigt und nachmittags Betstunde und Katechismuslehre gehalten, ist aber Spätkirche, so wird nur gepredigt. An Wochentagen, bei welchen kein Feiertag eintritt, wird Dienstags und Freitags morgens Betstunde gehalten.“ (LXXXVIII.).

1748:
Der Leutnant K.K. von Brind aus dem Nassauischen Infanterie – Regiment zu Saarlouis wurde in der Völklinger Kirche beigesetzt. Bei archäologischen Grabungen in den (XLVIII.)20er Jahren wurde dieses Grab von Karl Rupp freigelegt. Der Tote trug noch die Perücke, der Oberkörper war in dunkelblaues Tuch gekleidet, von dem nur Reste übrig waren. Auch die Reste seiner Schnallenschuhe, die Silberfransen seiner Feldbinde und recht hübsche Uniformknöpfe (Silber – Filigranarbeit) fanden sich vor (LXXXVIII.).

1752:
Neuer ev. Pfarrer wurde Christian Konrad Seidel, geb. 1700 in Idstein (Taunus).
Erste Ehefrau: Maria Marg. Mauer, Zweite Ehefrau: Maria Elisabeth Schmidt (XLVII.).
Er war ab 1723 Pfarrer in Karlsbrunn, ab 1741 in Kölln *Köllerbach*, wurde 1752 nach Völklingen versetzt.

1756:
Umfangreicher Bericht des Amtmanns Christian Lex:
,,Das Dorf (=Völklingen) ist der alleinigen Nassau-Saarbrückischen Landesherrschaft unterworfen und die Untertanen sind leibeigen. Es stehen dermalen ohne die Kirche 74 Häuser allhier, wovon drei nicht bewohnt sind; 19 Häuser sind mit Ziegeln, die übrigen aber mit Stroh gedeckt; wie denn auch zwanzig Schornsteine mit Steinen, die übrigen aber von Holz erbauet sind. Es wohnen allhier 65 frondbare Gemeinsmänner und vier dergleichen Witwen, welche die ganzen Fronden praestieren; es ist aber nur ein konsumierender Hintersasse da, welcher Schirmgeld bezahlt, und keine dergleichen Wittib daselbst. Sechs Personen sind frei von Fronden, nämlich der Herr Pfarrer, der lutherische Schulmeister, der Jäger, der Büttel und die zwei Hirten. (Natürlich war der herrschaftliche Meier des Völklinger Hofes ebenfalls frei von Fronleistungen.)
Dieser Dorfbann grenzt gegen Morgen (= Osten) an das französische Crichingen-Püttlingen, gegen Abend an den Wadgasser-Bouser Wald, gegen Mittag an die Saar und gegen Mitternacht ebenfalls an Bous. Mit diesen Nachbarn ist kein Grenzstreit, sondern der ganze Bann ist teils ausgesteinet, teils mit der Saar und Framersbach umgeben.
Zu der Meierei Völklingen gehören die Dörfer Fenne, Geislautern, Wehrden und Knausholz; der zeitige Meier heißt Sebastian Frantz und die hiesigen Gerichtsleute sind Hans Konrad Wagner, Andreas Klicker und Hans Veiten Kunckel.
Man findet hier zwei Feuerleitern und zwei Feuerhaken, welche an dem Schulhaus unter dem Dach hängen. Es sind drei gemeine Springbrunnen mit Trögen zur Tränkung des Viehes nebst vielen Privatbrunnen hierselbst; anstatt der gemeinen Schwemme aber dient die nahe vorbeifließende Köllerbach. Auf dem hiesigen Banne lieget weder eine Mühle noch ein Hof; doch sind die Untertanen in die Mühle zu Wehrden gebannet.
Es steht zwar viel Waldung auf hiesigem Banne, es ist aber nichts davon herrschaftlich, sondern gehöret der Gemeinde. Es ist auch kein Weiher allhier, Frischwasser aber sind die Saar, die Köllerbach und die Framersbach zur Hälfte. Die gnädigste Herrschaft hat alle Jagd und Fischerei, doch ist denen Unterthanen bishero erlaubt, mit Handangeln und Hebegarnen auf der Saar zu fischen. Es wird hierselbst ein Zoll von gnädigster Herrschaft and ein Weggeld für die Gemeinde erhoben; hingegen zahlt die Gemeinde jährlich an gnädigste Herrschaft wegen des ehemaligen Bannbackofens und Weggeldes 5 Gulden und l Batzen. Schließlich wird eine geschriebene Dorfordnung in des Meiers Haus in der gemeinen Kiste aufbehalten und jährlich vorgelesen.“(XLIII.).

Bezüglich der konfessionellen Verhältnisse berichtet uns Lex dann folgendes:
„Es befinden sich allhier 19 katholische Gemeindsmänner und 2 reformierte Weiber; die übrigen Einwohner sind alle der lutherischen Religion zugetan. Der lutherische allhier wohnende Pfarrer heißt Seidel, der katholische aus dem Wadgasser Kloster jedesmal hierher kommende Pastor heißet Koch, und der reformierte zu Ludweiler wohnende Pfarrer heißt Faesch.
In dem hiesigen Dorfe stehet eine Kirche und ein lutherisches Schulhaus, und sind die Lutheraner und Katholiken von Fenne, Geislautern und Wehrden wie auch zum Teil von Klarenthal hier eingepfarret, dahingegen die hiesigen Reformierten nach Ludweiler eingepfarret sind. In der hiesigen Kirche ist das Simultaneum zwischen den Lutheranern und Katholiken hergebracht (bekanntlich seit 1684) und alterniert (= wechselt ab) die Praecedenz mit dem Frühgottesdienst alle Sonntage.
Die Glocken, den Turm und die Kirchhofsmauer stellet und erhält der Völklinger Hof, nämlich das Dorf Völklingen, Fenne, Geislautern und Wehrden. Knausholz gehört zwar auch zum Völklinger Hof, es kontribuiret aber nichts zu denen Kirchen- und Schulsachen, wie dann alleine die hiesige lutherische Pfarrgemeinde das hiesige Schulhaus baut und erhält. Der katholische Schulmeister wohnt zwar als Gemeinsmann allhier, hält aber seine Schule in seinem Hause, teils jenseits der Saar zu Wehrden. Das Schiff der hiesigen Kirche wird zur einen Hälfte von dem Herrn von Warsberg (Lothringen) erbauet und erhalten, zur anderen Hälfte von der Herrschaft, gleichwohlen aber ziehet von dem großen Zehnten (Kornzehnten) hiesigen Bannes die gnädigste Herrschaft ein Drittel, das Stift St. Arnual ein Drittel und der Herr von Warsberg ein Drittel. Dahingegen vom kleinen Zehnten, welcher in Gewirk, Rapssamen, Immen, Ferkeln, Gänsen und Lämmern bestehet, der lutherische Pfarrer ein Drittel und die gnädigste Herrschaft zwei Drittel ziehet, als nach welcher Proportion auch der Herdbär von denen Percipienten (Zehnten-Teilnehmern) gehalten wird. Den lutherischen und reformierten Pfarrer setzet und salariert (= besoldet) gnädigste Herrschaft und resp. das Stift (= St. Arnual). Die katholische Kirche aber wird aus dem Kloster Wadgassen bedienet und der Pastor vermutlich von dem König von Frankreich besoldet.“(XLIII.).

Zum Schluss seines Berichtes über das Dorf Völklingen kommt Lex auf die speziellen Verhältnisse der Bewohner zu sprechen, indem er schreibt:
Die Hauptnahrung derer Einwohner ist zwar der Ackerbau; doch ist solcher nicht hinreichend, sondern es muß der Mangel durch Fuhr- und andere Handwerksarbeit supplirt (= ergänzt) werden. Die gemeinen Einkünfte bestehen in denen forstmäßigen Revenüen (= Einnahmen) ihres Waldes, wie auch etwas gemeinem Ackerland, welches versteigt wird; desgleichen gibt ein einheimischer neuer Gemeinsmann und seine Frau pro receptione (= Aufnahme in das Dorf) 15 albus, ein halb einheimisches Ehepaar l Gulden und l albus. Die hiesige Passiv-Koppelweide bestehet darinnen, daß der herrschaftliche Schäfer von Mohlstatt bis an die Köllerbach jähren (= weiden) darf. Die Volklinger haben keine Aktiv-Koppelweide außer der Mästung (= der Schweine) im Warnet (= Warndtwald), wogegen sie den Demet an die gnädigste Herrschaft zahlen.
Von den hiesigen Einwohnern sind fünf wohlhabend, achtzehn bei mittelmäßigem Vermögen und alle übrigen stehen schlecht in der Nahrung. Schließlich hat der gesamte Völklinger Hof eine Fahrt (= Fähre) bei Wehrden, allwo Wagen und Pferde sowohl als Fußgänger in Pontons und Nachen über die Saar transportiert werden. Das Fahrgeld aber gehet meistens zur Unterhaltung des Färgers (= Fährmann) und vor andere Unkosten wieder drauf, so daß wenig oder gar keine Revenüs davon übrig bleiben.“ (XLIII.).

1765:
Pfarrer Seidel bekam einen Schlaganfall: Er hat seinem Amt treufleissig vorgestanden bis auf den letzten Sonntag nach Trinitatis 1765. Da er sich auf die Dankpredigt geschickt wegen des Erntefestes, zum öffentlichen Gottesdienst geeilet, nach den Gesängen in der Kirche vor dem Altar Beichte und Absolution und Epistel vorgelesen, nach dem Kathedral-Lied zur Kanzel gegangen und wieder mit leiser Stimme das Anfangsgebet verrichtet, den Text Psalm 104 v. 24 verlesen, ist er vom Schlagfluss berührt worden, welchen er sich wegen vieljährigen Katharrhen und verspürten halbjährigem Schwindel vor dem Lebensende öfter präfigiieret. Es hat sich der Selige als ein gerüster Mann auf der Kanzel stärken wollen, einigemals zu reden wieder angefangen, endlich aber hinsinkend geworden. Darauf nahm herzu geeilet, von der Kanzel genommen und nach Hause getragen, nachdem er den Zuruf in die Kirche getan: Wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn, der vom Tode errettet… Er starb am 24. November 1765 (XLVIII.).

1765:
Neuer ev. Pfarrer wurde Karl Johann Reinhard Rolle, geb. 1739
Ehefrau: Caroline Sophie Rumpel (XLVII.).

Hier ein Bericht des Superintendenten Rolle. Es malt zwar mehr die Schattenseiten des Alltags, und es wird wohl auch bei den katholischen Gemeindemitgliedern nicht viel anders gewesen sein. Als Sünden, die bei alt und jung „in Schwang gehen“ werden aufgeführt:
1) das entsetzliche Fluchen, dabei auch wohl der aller-heiligste Name Gottes Jesu Marter und Tot und die hl. Sacramente auf das Gräßlichste mißbraucht werden.
2) Die frecheste Verachtung des öffentlichen Gottesdienstes oder schnöde Sabbatschändung, da man nicht allein ohne Scheu werktätige Arbeit verrichtet, sondern auch in den Wirtshäusern wüst lebt.
3) Das schändliche Zanken und dadurch allerhand Unversöhnlichkeit und Rachgier, da nicht allein einige Häuser wie Drachenwohnungen aussehen, wie Mann und Weib, Eltern und Kinder miteinander umgehen, sondern auch die Geschwister untereinander, ein Nachbar mit dem ändern sich liederlich betragen.
4) die offenbare Vollsäufung, dabei auch wohl einige ganze Nächte in Wirtshäusern sitzen bleiben.
5) Die schändliche Hurerey und allerhand verdächtiger Umgang beiderlei Geschlechts.
6) Das liederliche Spielen, da außer Alt-Handwerksburschen und andere Burschen sich zusammensetzen und solches liederliche Wesen auch wohl an Sonntagen treiben.
7) Die Verachtung des hl. Abendmahles, da nicht nur einige garnicht hingehen, andere aber bei ihren offenbaren Sünden als Fluchen, Trunkenheit, Hurerey und Unversöhnlichkeit kommen und sich auf keine Weise wollen zurecht weisen lassen.
8) Der Mutwille der jungen Leute beiderlei Geschlechts, auch sonderlich der Buben auf den Gassen und in der Kirche, sich frech bezeigen, auch keine Bestrafung der Kirchenzensoren achten, sondern sich mit Schimpfen und Lästern widersetzen (04).

Ein Conrad Wagner Pfarrvikar von Völklingen unter Rolle. Später war er Pfarrer in Saarbrücken und starb dort 1813 (XLVIII.).

1771:
Pfarrer Rolle wurde Prorektor des Gymnasiums zu Saarbrücken (XLVIII.).
Ev. Pfarrer wurde wieder Johann Kaspar Steccius, geb. 1713 in Cleinich.
Ehefrau Maria Johannetta Dern (XLVII.).

1774:
Karl Johann Reinhard Rolle kam aus Saarbrücken zurück und wurde wieder Pfarrer in Völklingen.

1780:
Pfarrer Rolle erlitt einen Schlaganfall, wodurch er zwei Jahre zur Führung seines Amtes unfähig wurde. Vikare waren die Herren Heintz, Drach und Hild; später Herr Rebenack (XLVIII.).

1788/89:
Bau des evangelischen Pfarrhauses (Saarstraße 15, ab 1937 „Im alten Brühl“) nach Plan des Baudirektors Balthasar Wilhelm Stengel, dem Sohn des fürstlich nassau – saarbrückischen Generalbaudirektors Friedrich Joachim Stengel, unter Leitung des Baumeisters Philipp Bruch (LXXXVIII.).
Die beiden Pfarrer teilten sich Haus und Stall (XLVIII.).(* wieso war es dann laut Quelle 17 ein „evangelisches“ Pfarrhaus?)
Am 27.10.1788 trat der katholische Pfarrer Diniche sein Amt an (LXXXVIII.).

1793:
Aufzeichnung eines damaligen Pfarrers:
Nachdem mich im Pfarr Hauß die Franzosen 6 mal geplündert haben, da ich ihnen sehr viele Lieferungen habe geben müssen, auch Pferd, Vieh, alles Feder Vieh, Brandschatzung, Geld habe geben müssen. Nachdem sie wie jedes mahl Geld haben wollen Nachts von 10 bis 12 Uhr mit einer Pistol auf die Brust gehalten und einen Sabel mir an den Halß um Geld zu bekommen, gehalten. Darauf ich mich, so gut ich konnte, mich reterirte, da sie hernach mich rein ausplünderten, Comode und Schänke verschlugen, so mußte ich mich hierauf von hier fortmachen und meine Leute ohne Geld zu geben wenn ich fort wäre, wollen sich alle durchhelfen. Ich reiste also d. 15ten October nach der Coelner *=Köllerbacher* Mühle fort und da sie d. 16ten huius nicht nur alle das Vieh nahmen und 100 Louisdor Brandschatzung man geben mußte, so suchten sie mich im Dorf und in der Kirche mit Gens d´armes *Gendarmen?* auf mich gefänglich zu nehmen, ich reißte also weiter unter die Escadron der Preußischen Husaren nach Heußweiler zu dem dasigen Herrn Pfarrer Schneider d. 17ten Oktober der mich sehr freundschaftlich aufnahm bis d. 17ten November die ganze Preußische Armee sich zurück zog. Darauf ich nach Meißenheim und hernach nach Hottenbach zum Herrn Pfarrer Faust kam bis d. 13ten Januar 1794 abends ganz spät nachdem man mir einen Botten von hier sandte, daß alles hier still und sicher wäre, da ich d. 19ten huius wieder gepredigt habe. (XLVIII.)
*Es wäre zu klären ob dieser Text im evangelischen oder katholischen Kirchenbuch stand. Da man daraus schließen könnte welcher Pfarrer die Eintragung gemacht hat! Da sich der Abschnitt im ev. Kirchenarchiv in einem Dokument von Herrn Rupp fand denke ich aber es war der ev. Pfarrer Rolle. Vor allem da Rupp weiterberichtet:*

1794:
Pfarrer Rolle bekam infolge der Aufregungen einen zweiten Schlaganfall. Wieder versahen die Vikare den Dienst (XLVIII.).

1796:
Vikar Wagner versah den Dienst bis 1803 (XLVIII.).

1797:
Nachdem im Frieden von Campo-Formio 1797 die gesamten linksrheinischen Gebiete der Franz. Republik zufielen, erhielt Völklingen eine eingeständige Mairie im Arrondisement Saarbrücken. In diesem Zusammenhang wurde Wilhelm Nessler 1799 der erste Bürgermeister von Völklingen (Verein BI. Alter Brühl).

1798 Der katholische Pfarrer Diniche gab sein Amt auf (LXXXVIII.).*Quelle sagt nichts über den Grund aus*

1803:
Am 28. Dezember starb Pfarrer Rolle (XLVIII.).
Karl Friedrich Zickwolff, geb. 1781 in Saarbrücken war 1803 bis 1808 Hilfsprediger in Völklingen.
Ehefrau: Sophie Luise Drach (XLVII.).
Zwickwolf kam schon als Vikar nach Völklingen, wo er dann, nach dem Tode Pfarrer Rolles als Pfarrer gewirkt hat. Er hat mit großem Eifer in Kirche und Schule gearbeitet (XLVIII.).
Völklingen wurde Sukkursalpfarrei im Kanton Arnual des neuen Bistums Trier (LXXXVIII.).

1805:
Bürgermeister W. Nessler wurde ermordet.
Wenig ist über die näheren Umstände seines Todes bekannt, eine Eintragung im Sterberegister der evangelischen Kirchengemeinde gibt eine bescheidene Auskunft, wonach er an den Folgen einer ihm am 24. Februar 1805 in den Unterleib geschossenen Kugel starb. Weiter ist vermerkt, dass er am 26. begraben wurde und 49 Jahre alt war. Nach einer alten Überlieferung fand er den Tod durch die Kugel eines Zigeuners.
Beigesetzt wurde W. Nessler auf dem Simultanfriedhof bei der alten evangelischen Kirche. Bei der Einebnung des Friedhofs wurde der für damalige Verhältnisse prächtige Grabstein zum Friedhof in der Kühlweinstraße gebracht (Heute Bürgerpark (Verein BI. Alter Brühl)), wo er an der Westseite der Friedhofsmauer aufgestellt wurde. Hier ein Foto des Grabsteins:

Der Grabstein von Wilhelm Nesser (erster Bürgermeister von Völklingen) - Foto: Hell
Der Grabstein von Wilhelm Nesser (erster Bürgermeister von Völklingen) – Foto: Hell

Inschrift:
„Hier ruht die sterbliche Hülle des Herrn Wilhelm Nessler,
Notaire u. Maire dahier war geboren zu Lichtenau in Hessen d. 23. Mai 1755
starb durch Mördershand d. 24 Febr. 1805.“

(Quelle: Zeitungsartikel der SZ vom 19.10.1966)

1813:
Der Völklinger Pfarrer Zickwolf hat sich am 14.12.1813 um die Stelle des verstorbenen Pfarrer Wagners beworben (XLVIII.).

1817:
Bau eines katholischen Pfarrhauses (LXXXVIII.).

1819:
Am 4. April 1819 starb Leopoldina Dorothea von den Boek. Ihr war ein interessantes Denkmal aus Gusseisen in Obeliskenform aus der Geislauterner Hütte gewidmet (XLIV.).
… ein drei Meter hohes gusseisernes Grabmal, das der berühmte Ingenieur Graf von den Broek von der Geislauterner Hütte seiner 1819 verstorbenen Tochter setzen ließ. Dieser Stein, ein vierkantiger Sockel, über dem auf runden Eckkugeln ein schlanker, reich verzierter Obelisk ruht, ist eins der wenigen Denkmäler hochstehender Gießereikunst aus dem einstmals berühmten Eisenhüttenwerk im Stadtteil Geislautern (XLIII.).

Am 4. April 1819 starb Leopoldina Dorothea von den Boek. Ihr war ein interessantes Denkmal aus Gusseisen in Obeliskenform aus der Geislauterner Hütte gewidmet.
Am 4. April 1819 starb Leopoldina Dorothea von den Boek. Ihr war ein interessantes Denkmal aus Gusseisen in Obeliskenform aus der Geislauterner Hütte gewidmet.

1820:
Notizen im Lagerbuch der Pfarrei St. Eligius um 1820:
Neben verschiedenen, sehr ausführlichen Angaben über die Ausstattung an Paramenten, sakralen Gefäßen usw. heißt es, dass das Kirchenschiff beiderseits 3 Fenster aufweise, die Schrägseiten des Chores je ein Fenster, auf der Querseite des Chores, wie beiderseits der Orgelemporen, je ein Rundfenster (Ochsenauge). „Auf der kleinen Türe zur Epistelseite sin zwei und zur Evangelienseite ein, zusammen drei sogenannte Käfige oder verschließbare Logen …..“, also wohl die Pfarrstühle, die Pfarrer Gadel entfernen wollte. Die Kanzel war beiden Pfarreien gemeinsam.
Der katholische Altar wird beschrieben als „ein hölzerner Altar mit chorintischen Säulen …. nach sogenannter griechischer Bauart, schön gearbeitet und reich vergoldet ….. Im obersten Geschoß die Symbolum der hl. Dreyeinheit darstellend …. zu Füßen die Weltkugel unter Wolken ……. der Hintergrund gegen einem runden Fenster von gefärb­tem Glas …. oben mit Baldachin und Quasten ….. darunter das Symbolum des h. Herzens Jesu. In der Mitte ein bewegliches Gemälde, auf der einen Seite den hl. Bischof Eligius, auf der anderen den hl. Märtyrer Donatus, beinahe in Lebensgröße. Zu beiden Seiten zwischen vier chorintischen Säulen … zwo Statuen von Holz, eine den hl. Bischof und Kirchenlehrer Augustinus, die andere den hl. Bischof und Ordensstifter Morbertus vorstellend …. Auf dem Tische in der Mitte …. ein schöner Tabernakel ….. worin 3 Nischen … oben vergoldete Muscheln …. Die Vorderseite des Altartische enthält ein Antipendium .,das ‚“nach Unterschieden der Zeiten und Festtagen die Farben wechseln kann.“ Dann heißt es wieder, „auf der einen Seite des Altares“ stehet eine kleine hölzerne Statue des hl. Eligius, auf der ändern die Statue des hl. Donatus“.
Es handelt sich der ganzen Beschreibung nach, was die hagiographische Ausgestaltung, wie den zierlichen Aufbau anbelangt, um einen aus der vorrevolutionären Zeit stammenden Barockaltar. Die „Donatus-Darstellungen“ verweisen in die Zeit nach Errichtung der Donatus-Bruderschaft (1756), das Bild des hl. Norbert auf die Wadgasser Mönche. Vielleicht war auch hier die Künstlerfamilie der Guldner aus Berus tätig, für die die Prämonstratenser weithin in ihrem Einflussgebiete die großen Auftraggeber waren. Wohin dieser Altar gekommen ist, weiß ich nicht. Wahrscheinlich ist er nach Aufgabe des Simultaneums (1848) beseitigt, zerschlagen worden, wie es so häufig in dieser Epoche der Fall war, die Verständnis für Sinn und Schönheit des Barocks verloren hatte (LXII.).
Bei den räumlich mehr und mehr beschränkten Verhältnissen, unter denen Evangelische und Katholiken … in dieser Simultankirche ihren Gottesdienst abhalten mussten, konnte es nicht ausbleiben, dass das Simultaneum für beide Parteien immer lästiger wurde. Man sehnte sich beiderseits nach einer baldigen, beide Konfessionen befriedigenden Lösung. Die einzige Lösung konnte nur ein neuer Kirchbau für die an Zahl größere katholische Gemeinde sein. Und als die Kirchbaufrage in den 1820er Jahren ernstere Formen annahm, da tauchten plötzlich Sonderbestrebungen auf, die zum Ziele hatten, in Wehrden eine Kirche für die Bewohner beider Konfessionen der restlichen Völklinger Dörfer zu bauen; doch fand der von Wehrden ausgehende Plan bei den höheren kirchlichen Behörden beider Konfessionen strikte Ablehnung. Man wurde sich einig, für die katholische Gemeinde eine neue Kirche zu bauen, die bisherige Simultankirche den Evangelischen als Alleinbesitz zu lassen (XLIII.).

Ortsplan von 1825
Ortsplan von 1825

1832:
An Mathias Raspiller, den einstigen Besitzer der Fenner Glashütte, erinnert … ein interessanter, etwa drei Meter hoher dunkler Sandstein, der einst auf dem längst eingeebneten Völklinger Simultanfriedhof stand, der, wie damals allgemein üblich, um das Kirchlein an der Saar lag. Der Stein trägt folgende Inschrift:
ICI REPOSE MATHIAS RASPILLER AGE DE 51 ANS / EPOUX DE MARGUERITE RESTIGNAD PROPRIETAIRE DE LA Fenne DECEDE LE 24 XBRE 1832 (XLIII.).

An Mathias Raspiller, den einstigen Besitzer der Fenner Glashütte, erinnert ... ein interessanter, etwa drei Meter hoher dunkler Sandstein.
An Mathias Raspiller, den einstigen Besitzer der Fenner Glashütte, erinnert … ein interessanter, etwa drei Meter hoher dunkler Sandstein.

1840:
In Völklingen lebten nun 736 Protestanten und 482 Katholiken. Der Bevölkerungszuwachs war groß (Verein BI. Alter Brühl).

1841:
In Völklingen gab es inzwischen 531 Katholiken, in Wehrden 514, in Geislautern 465 (XI.).

1842:
Eine neue Sakristei musste für den evangelischen Pfarrer gebaut werden, weil die Katholiken ihn aus der bestehenden Sakristei verdrängt haben. (XLVIII.).

1844:
Im Jahr vorher war nach Völklingen ein neuer katholischer Geistlicher gekommen, der sich um das Herkommen und um die zwischen den beiden Konfessionen getroffenen Vereinbarungen nicht kümmerte und an den genannten Tagen (Buß- und Bettag und Himmelfahrtsfest) den katholischen Gottesdienst auf die gleiche Stunde ansetzte, wie der evangelische Geistliche. Der Streit musste vom Landrat geschlichtet werden (XLVIII.).

1845:
Die Simultankirche war für beide Konfessionen zu klein geworden. Am 29.7.1845 erfolgte die Grundsteinlegung für eine katholische Pfarrkirche *an der Stelle der heutigen Eligius-Kirche*.

Die erste Sankt Eligius Kirche wurde am 25. Juni 1848 feierlich eingerichtet.
Die erste Sankt Eligius Kirche wurde am 25. Juni 1848 feierlich eingerichtet.

…Wie auch in vielen anderen Fällen gab es bei diesem Kirchenbau manchen Streit und allerhand Schwierigkeiten. Eine Kommission wurde gebildet. Dabei machten die Vertreter von Wehrden die meisten Einwände und verlangten, daß die neue Kirche unbedingt in Wehrden gebaut werden sollte. Wehrden hatte ja auch mehr katholische Einwohner als Völklingen, und wenn man noch die 275 Katholiken von Geislautern hinzunimmt, dann ist verständlich, daß die überwältigende Mehrheit der Katholiken von Wehrden und Geislautern die Kirche auf der linken Saarseite haben wollte. Etwa im Jahre 1835 lassen die Wehrdener und Geislauterner Widerstände nach, und als am 27. April 1843 ein neuer Pfarrer nach Völklingen kam, konnten die Baupläne allmählich greifbare Formen annehmen. Die Völklinger Mutterpfarrei zählte 1841 2100 Katholiken, davon in Völklingen 531, in Wehrden 514 und in Geislautern 465. Wehrden und Geislautern zusammen 979 gegenüber nur 531 in Völklingen. Allen Widerständen von links der Saar zum Trotz wurde dann am 29. Juli 1845 der Grundstein für die neue Pfarrkirche St. Eligius in Völklingen gelegt…(XI.).

1848:
Am 22.06. fand der letzte katholische Gottesdienst in der alten Kirche statt (LXXXVIII.).
Am 25.7.1848 war die feierliche Einweihung der neuen katholischen Pfarrkirche. Sie hat in dieser Form bis 1912 gestanden (Verein BI. Alter Brühl). Das Missionskreuz, das sich bei der alten Kirche im Dorf (*Martinskirche) befand, stellte man an dieser neuen Kirche auf (XLVIII.).

1849:
Neuer ev. Pfarrer wurde Karl Friedrich Zwickwolff (Sohn) geb. 1822 in Völklingen.
Ehefrau: Juliane Mathilde Kehr (XLVII.).
Er wurde am 22. August als Nachfolger seines Vaters in sein Amt eingeführt.

um 1850:
Reparaturen an der Martinskirche waren notwendig geworden, die die vorübergehende Schließung notwendig machten. Die ev. Kirchengemeinde forderte nun die Mitbenutzung der neuen katholischen Kirche für die Dauer der Reparaturarbeiten. Hauptstreitpunkt war die Aufstellung eines ev. Notaltars. Obwohl die Auseinandersetzung bis zum Oberpräsidenten der Rheinprovinz in Koblenz ging, kam es zu keiner Einigung (XI.).
Heinrich Kuhn gibt in der Festschrift von St. Eligius auf Seite 92 einen eindrucksvollen Bericht der Ereignisse:
„Unterdes wuchs die Erregung unter dem Kirchenvolk. Auch der Bürgermeister schrieb an den Landrat,“ daß es zu „Tätlichkeiten kommen“ könne, und daß die „Bergleute und Hüttenarbeiter von Wehrden und Geislautern in Massen nach Völklingen kommen würden“. Er hielt sich sogar „für verpflichtet, um die Commandierung einer Abteilung Ulanen“ zu bitten. Am 21. Juli wurde die Kirche durch einen Schlosser in Gegenwart des Bürgermeisters, des Polizeidieners und etwa 10-12, den protestantischen Communion-Tisch aus Stein, transportierender Männer polizeilich erbrochen. „Am 22. Juli fand der erste evangelische Gottesdienst statt, während welchem der Landrath und Bürgermeister mit 6 Gendarmen tätig waren, um die befürchteten Exzesse zu verhindern, und ihre Hauptaufmerksamkeit besonders auf die Ponte zu Wehrden richten wo der Landrath das Übersetzen jedes Katholischen vor 10 Uhr untersagte“, so berichtete Pfarrer Uters nach Trier (Pfarrchronik).
Pfarrer Uters brach den katholischen Gottesdienst in seiner Kirche ab. Er las jetzt seine Messen sonntags und donnerstags in Großrosseln. An den übrigen Tagen diente der Saal des Pfarrhauses als Kirche (LXII.).

1855:
Karl Zwickwolf hielt am 23. September seine Abschlusspredigt und wurde Oberpfarrer in Ottweiler.
Sydonalkandidat Adolf Zillessen verwaltete die Gemeinde weiter (XLVIII.).

1856:
Neuer ev. Pfarrer wurde Gustav Karl Adolf Zillessen, geb. 1830 in Züsch.
Ehefrau: Auguste Karoline Johanna Fauth (XLVII.).

1857:
Das Simultanverhältnis der Martinskirche wurde im Jahre 1857 nach 173jähriger Dauer endgültig aufgehoben.

1858/60:
Eisenbahnbau Saarbrücken-Trier. Auf Kaiserlichen Befehl wurde die Bahntrasse durch das Kirchhof-Gelände im alten Brühl verlegt (XLVIII.).

Am 11. April 1858 beschloss das damalige Presbyterium unter dem Vorsitz von Pfarrer Adolf Zillessen, dass für die evangelische Kirche ein neues Geläut von drei Glocken beschafft werden sollte, „weil die drei alten Glocken zu erbärmlich seien“. Der Guss der Glocken wurde der Firma Fr. Lindemann in Zweibrücken in Auftrag gegeben. Die drei alten Glocken im Gewicht von 1.571 Pfund wurden von dem Glockengießer für 584 Thaler und 43 1/2 Silbergroschen übernommen.
Am 20. September kamen die drei neuen Glocken hier an und wurden zum ersten Male am Tage der Kirchweihe zum Gottesdienst geläutet. Die Weihepredigt hielt der Pfarrer am 23. September; dazu hatte er die Bibelworte zugrunde gelegt, die die Glocken als Inschrift trugen:
Für die große Glocke: Jeremia 22, 29; Markus 13, 33; Lukas 12, 37.
Für die mittlere Glocke: Psalm 57, 9-11
Für die kleine Glocke: Prediger Salomo 4, 17.
Die drei Glocken wogen zusammen 3219 1/2 Pfund und kosteten mit Beschlag 1.884 Thaler und 111/2 Silbergroschen. Über 50 Jahre, das heißt bis zum 1. Weltkrieg, läutete dieses harmonisch abgestimmte prächtige Geläut den Sonntag ein. Nachdem die große und die mittlere Glocke als Kriegsmaterial abgeliefert werden mussten, blieb nur noch die kleine Bronzeglocke im Kirchturm zurück.(XLVI.)
*In einer anderen Quelle heißt es allerdings:*
Eine Kirchenglocke (die später als einzige im Turm der Martinskirche verblieb) mit folgender Aufschrift wurde gegossen:

„Bewahre Deinen Fuß, wenn Du zum Hause Gottes gehst
und komme, daß Du hörest.
Das ist besser denn der Narren Opfer,
denn sie wissen nicht, was sie Böses tun. Gegossen von Friedrich Bauermann zu Zweibrücken
Ud. Zillessen, Pfarrer
W. Kühlwein, Bürgermeister
Das Presbyterium:
J. Röller, G. Föllinger, G.Ph. Wagner, J. Röchling, J. Knoblauch, W. Haldy, L. Schröder, T. Duchene
Evangelische Pfarrei Völklingen im Jahre des Heils 1860.“ (XXXIV.).
*man sollte bei Gelegenheit die Inschrift nachprüfen da die Glocke ja nicht bevor sie gegossen wurde eingeweiht worden sein kann*

1862:
Der frühere Pfarrer Zwickwolf (Karl-Friedrich) starb nach einem ruhigen Lebensabend in Völklingen am 19.09.04 im Alter von 82 Jahren.

1872:
Pfarrer Zillessen ging nach St. Arnual (XLVIII.).
Neuer ev. Pfarrer wurde Karl Gustav Adolf Ferdinand Schimmelpfennig, geb. 9. Dezember 1837 in Berlin.
Ehefrau: Auguste Therese Bewering (XLVII.).

1874:
Der Gemeinderat beschloss den Bau eines neuen Gemeindehauses (=Rathaus) in der Nähe der 1848 fertiggestellten Eligius-Kirche.
*Der bisherige Ortskern „Im Alten Brühl“ um die Martinskirche verlagerte sich langsam.

Nun war der Wandel vollzogen: Das alte Dorf mit seiner alten Kirche war nicht mehr Dorfmittelpunkt. Die Entscheidung, auf der Ecke der Chaussee nach Wehrden und an der Landstraße nach Saarlouis zu bauen, wurde von vielen Bürgern begrüßt.
Im Alten Dorf war noch die Saarstraße (*später „Alter Brühl“), der Alte Markt und die Fürstenhauserstraße (XLVIII.).

1875:
Völklingen zählte nun über 7000 Seelen. In der Kühlweinstraße wurde ein neuer Friedhof angelegt, auf dem Katholiken und Protestanten beerdigt wurden. Bis zu diesem Zeitpunkt diente ausschließlich der an und um die alte Kirche gelegene Kirchhof als Friedhof von Völklingen. (Verein BI. Alter Brühl).

1881:
Im August erwarb der Saarbrücker Kaufmann Karl Röchling die stillgelegte Völklinger Hütte und wurde zum größten Arbeitgeber der Region. Das hat eine rasante Bevölkerungsentwicklung zur Folge. In diesem Zusammenhang wurde die protestantische Martinskirche zu klein (Verein BI. Alter Brühl).

1883:
Die Martinskirche muss mit der expandierenden Bevölkerung „mitwachsen“ (Verein BI. Alter Brühl).
Der alte gotische Chor wurde abgebrochen (XLVI.).
Die Kirche wurde durch ein neues Querhaus mit Chor vergrößert (XLIV.).
Der insgesamt 42.600 Mark kostete (XXXIV.).

Die um ein Querschiff vergrößerte Martinskirche
Die um ein Querschiff vergrößerte Martinskirche

Das so veränderte Kirchenschiff war ein schlichter Saalbau mit vier Fensterachsen; an der Nordseite waren unter dem Verputz noch Reste der alten gotischen Fenster zu erkennen. Im Westen befand sich eine Orgelempore. Es wurden ein neues Querschiff und ein neuer Chor im Rundbogenstil erbaut und durch diesen Neubau die Kirche bedeutend vergrößert. Auch wurde eine neue Orgel aufgestellt (XLVIII.).

Ein Eingangsportal von 1883
Ein Eingangsportal von 1883

Während das barocke Langhaus bis zum Ende des Bestehens der Kirche erhalten blieb, riss man den Chor in den Jahren 1882/83 ab um ein Querhaus mit Polygonalchor anzubauen. Diese erhebliche Vergrößerung der Kirche ist mit Sicherheit auf die stark angewachsene Bevölkerung Völklingens zurückzuführen. Der zugehörige Friedhof wurde, vermutlich annähernd zeitgleich mit dem barocken Umbau, durch Erdaufschüttung erhöht und das wahrscheinlich im Mittelalter bei der Kirche bestehende Beinhaus abgerissen und der Inhalt wiederbestattet. (LXXXIX.)

Während das barocke Langhaus bis zum Ende des Bestehens der Kirche erhalten blieb, riss man den Chor in den Jahren 1882/83 ab um ein Querhaus mit Polygonalchor anzubauen.
Während das barocke Langhaus bis zum Ende des Bestehens der Kirche erhalten blieb, riss man den Chor in den Jahren 1882/83 ab um ein Querhaus mit Polygonalchor anzubauen.

1889:
Auf einem Grundstück, welches die Kirchenkasse vom Völklinger Schulfonds gekauft hatte, wurde ein Konfirmandensaal mit Küsterwohnung gebaut (XLVIII.).
Das Grundstück war gegenüber dem alten Pfarrhaus, Im Alten Brühl 1 (LXXXVIII.).

1891:
Pfarrer Schimmelpfennig ging nach Freusburg-Kirchen an der Sieg (XLVIII.).
Neuer ev. Pfarrer wurde Ludwig Emil Victor Detlef Bauer, geb. 12. Nov. 1859 in St. Johann, unverheiratet (XLVII.).
Er war vorher Seelsorger an der Strafanstalt in Trier (XLVIII.).

 Ludwig Emil Victor Detlef Bauer
Ludwig Emil Victor Detlef Bauer

1893:
Es wurde eine Hilfspredigerstelle errichtet. Am 28. März 1893 Margraf als Hilfspfarrer eingeführt.
Seit 1893 wurden Gemeinde-Schwestern angestellt, erst vom Frauenverein, später von der Kirchengemeinde.
Ab 1895 waren es Schwestern vom Roten Kreuz in Köln *am Rhein*(XLVIII.).

1895:
Neuer Hilfspfarrer wurde Ludwig Fischer aus Baumholder.

1896:
Neuer Hilfsprediger wurde Max Lentze, geb. 1966 in St. Wendel
Ehefrau: Helene Hartung (XLVII.).

Auf dem Friedhof Martinskirche gab es nach Angaben eines Angehörigen folgendes schmiedeeisernes Grabkreuz mit Porzellanschild und folgender Inschrift:

Hier liegt ein kleines Lüchselein
vom alten Luchs ein Söhnelein
Der liebe Gott hat nicht gewollt
das es ein Luchs hat werden sollt.

Dies war das Grab von Friedrich Georg Luchs, eines Onkels unseres Informanten (Verein BI. Alter Brühl).

1897:
Max Lentze wurde zum zweiten Pfarrer ernannt und als solcher im November eingeführt (XLVIII.).

Max Lentze
Max Lentze

1898 :
Hier ein Original-Zeitungsausschnitt aus diesem Jahr:

Zeitungsausschnitt von 1898
Zeitungsausschnitt von 1898

 

Links: Aquarell der Martinskirche (ca. 1900) Original im ev. Gemeindeamt Völklingen Rechts: Foto zum Vergleich
Links: Aquarell der Martinskirche (ca. 1900) Original im ev. Gemeindeamt Völklingen
Rechts: Foto zum Vergleich
Innenansicht der Martinskirche
Innenansicht der Martinskirche

*Langsam verlagerte sich der Ortskern von Völklingen immer weiter von der Martinskirche weg auf die andere Seite der Bahntrasse.
Die genaue Entwicklung wie es dazu kam können Sie hier Geschichte Völklingens nachlesen.*

1907:
Schon im Jahre 1907 hatte man in der Viktoriastraße(=Heinestraße; Kuhn) einen Kirchbauplatz gekauft, und man hatte auch bereits einen ansehnlichen Kirchbauschatz gesammelt (14).

1914:
Der 1. Weltkrieg begann.

1917:

Bekanntmachung von 1917: "... Ablieferung von Glocken aus Bronze"
Bekanntmachung von 1917: „… Ablieferung von Glocken aus Bronze“

Die Glocken der Martinskirche wurden für den 1. Weltkrieg beschlagnahmt.

Pfarrer Lentze verabschiedete sich von den Glocken
Pfarrer Lentze verabschiedete sich von den Glocken

 

Noch einmal die Glocken der Martinskirche davor stehen die kleineren Glocken der Friedhofskapelle Geislautern. Über die Personen ist leider nichts weiter bekannt
Noch einmal die Glocken der Martinskirche davor stehen die kleineren Glocken der Friedhofskapelle Geislautern. Über die Personen ist leider nichts weiter bekannt

 

Konfirmationsjahrgang 1917
Konfirmationsjahrgang 1917

1918:
Nach dem 1. Weltkrieg wurde das Saargebiet als Folge der Beschlüsse des Versailler Vertrages unter Völkerbund-Verwaltung gestellt. Frankreich versuchte seinen Einfluss auf das Land zu stärken. Wirtschaftlich gelang dies. Die Röchlingschen Eisen- und Stahlwerke expandierten. Ebenso ging es mit den Saargruben.
Aber im kirchlich-religiösen Bereich gelang es den Franzosen nicht, Einfluss geltend zu machen (Frankreich ist fast zu 100% katholisch). Mit der Zuwanderung von Arbeitern der Hütte und der Gruben stieg auch die Bevölkerungszahl in Völklingen.
Diese Bevölkerung war nun überwiegend katholisch. Im Gegensatz dazu war der mächtigste Arbeitgeber der Region, die Dynastie Röchling protestantisch, wie das verbleibende „letzte Viertel“ der Bevölkerung (Verein BI. Alter Brühl).

1920:
Neuer ev. Pfarrer wurde Karl Emil Rudolf Jacob. geb. am 8. Oktober 1880 in Saarbrücken. Er war Pfarrer in Völklingen bis 1950 und hatte die erste Pfarrstelle.
Ehefrau: Caroline Sophie Rumpel (XLVII.).

1922:
Zusätzlicher ev. Pfarrer wurde Walther Ernst Alleweldt, geb. 1887 in Posen.
Ehefrau: Paula von Lipski (XLVII.).
Völklingen zählte nun 11.969 Katholiken und 6179 Protestanten.

12.02.1922:

Der Brand von 1922 auf einem Gemälde. So groß konnten die Flammen allerdings nicht gewesen sein, wie auf diesem Gemälde dargestellt (siehe Fotos weiter unten)
Der Brand von 1922 auf einem Gemälde. So groß konnten die Flammen allerdings nicht gewesen sein, wie auf diesem Gemälde dargestellt (siehe Fotos weiter unten)

Kurz vor 15 Uhr schlugen Rauchwolken, gleich danach Feuerflammen aus dem Dachstuhl des alten Gotteshauses.
Am Morgen fand noch in gewohnter Weise der Gottesdienst statt, und um 14 Uhr hatte noch das Kind Lina Linder die Heilige Taufe empfangen. Niemand von der Taufgemeinde konnte ahnen, was schon in kurzer Zeit geschehen wird.
Als die Feuersirenen über den Marktflecken bis hinauf auf den Heidstock zu hören waren, eilten viele, auch der Schreiber dieser Zeilen, zur Brandstätte und wurden Augenzeuge des Zerstörungswerkes. Traurig schauten wir dem Raub der Flammen zu, bis der Dachstuhl des Kirchenschiffes einstürzte und alles in Schutt und Asche legte. Die Löscharbeiten der 3 Feuerwehren konnten nichts mehr ausrichten. Die Kirche brannte bis auf die Grundmauer nieder, nur der jahrhundertealte Kirchturm blieb von der Verwüstung verschont (XLVI.).

Der Völklinger Volksfreund berichtet vom Brandgeschehen
Der Völklinger Volksfreund berichtet vom Brandgeschehen

 

Die von den Flammen und Löschwasser verwüstete Kirche. *Sie sieht nicht so sehr in Mitleidenschaft gezogen aus, wie es teilw. dargestellt wird*
Die von den Flammen und Löschwasser verwüstete Kirche. *Sie sieht nicht so sehr in Mitleidenschaft gezogen aus, wie es teilw. dargestellt wird*

 

Nach dem Brand in der Martinskirche (Private Sammlung)
Nach dem Brand in der Martinskirche (Private Sammlung)

* Vermutlich war der Brand in der alten ev. Kirche ein letzter „guter Grund“ den inzwischen sehr ungünstigen Standort zu verlassen. Der „Alte Brühl“ war inzwischen vom eigentlichen – neuen – Stadtkern durch die Bahnlinie abgetrennt. Außerdem wurde der Gottesdienst durch den Bahnverkehr (Rangierbahnhof) in unmittelbarer Nähe oft empfindlich gestört. Dass schon Pläne für einen „Umzug“ bestanden sieht man bereits daran, dass 1907 ein Grundstück für einen Neubau gekauft worden war. (siehe Zeitungsartikel vom 8.März 1922). Dass der Brand schon fast als „willkommen“ bezeichnet werden kann erkennt man außerdem daran, dass man sich innerhalb von nicht einem Monat für einen Kirchenneubau, statt einer Renovierung ausspricht, obwohl die Renovierung mit gerade einmal 1 Million, statt bis zu 20 Millionen Mark für einen Neubau, zu Buche geschlagen wäre *

Es dauerte keinen Monat, da war das Schicksal des alten Kirchleins besiegelt.
Es dauerte keinen Monat, da war das Schicksal des alten Kirchleins besiegelt.

1923:
Am 1.6. wurde der Franken der französischen „Besetzer“ allgemeines Zahlungsmittel an der Saar. Ein großer Teil der Bevölkerung stand dem französischen Geld ablehnend gegenüber. Etliche Geistliche der ev. Kirche lehnten ihr Gehalt in Franken ab. Sie erhielten von preußischen und bayrischen Dienststellen Ausgleichszahlungen. In vielen Pfarreien kam es zu finanziellen Notsituationen (Verein BI. Alter Brühl).

1924:
Völklingen wurde selbständiges „Dekanat“, gehörte aber immer noch zur Diözese Trier (XI.).

1925:
Nachdem sich bei den Vorarbeiten für den Kirchbau herausgestellt hatte, dass der Platz in der Viktoriastraße sich nicht gut zum Bau einer Kirche eignete entschloss man sich auf das frühere Rink-Kohlersche Anwesen zwischen Post und Moltkestraße auszuweichen. Nach unsäglich schwierigen Verhandlungen ging 1925 das Gelände in den Besitz der ev. Kirchengemeinde Völklingen über. In der Zeit zwischen 1925 und 1927 machte Karl Rupp, Generalsekretär von Dr. Hermann Röchling archäologische Grabungen in der Martinskirche. Dabei werden die Fundamente von fünf verschiedenen Kirchen freigelegt (LXXXVIII.).

Die Backsteinfarbrik Rink-Kohler zwischen Post- und Moltkestraße im Jahre 1910. Auf diesem Gelände entsteht nun die neue Kirche (Foto: v.d.Eltz)
Die Backsteinfarbrik Rink-Kohler zwischen Post- und Moltkestraße im Jahre 1910. Auf diesem Gelände entsteht nun die neue Kirche (Foto: v.d.Eltz)

1926:
Baubeginn der evangelischen Versöhnungskirche zwischen Post- und Moltkestraße.

Stand der Bauarbeiten an der Versöhnungskirche 1927
Stand der Bauarbeiten an der Versöhnungskirche 1927

1927:
Am 3.10.1927 bot Pfarrer Alleweldt im Auftrag des Presbyteriums die drei bunten Chorfenster die „fast unbeschädigt geblieben waren“ dem Presbyterium in Köllerbach an:
Beim Brande unserer Kirche sind die drei „bunten Chorfenster fast unbeschädigt geblieben, wir haben sie durch einen Saarbrücker Fachmann kürzlich ausbauen lassen, können sie jedoch für unseren Kirchneubau nicht verwenden und würden es sehr bedauern, wenn sie ungenutzt liegen blieben. Wir sind gerne bereit, sie für den Kirchneubau in Ihrer Gemeinde gegen geringe Vergütung oder ganz umsonst zu überlassen, und ich frage im Auftrage des Presbyteriums ergebenst an, ob Sie glauben, dass die Fenster für Sie in Betracht kommen.
‚ Das eine der beiliegenden Lichtbilder zeigt die Anordnung im Chore, die anderen Bilder, die kurz vor dem Ausbau aufgenommen wurden, lassen erkennen , dass nur eins der drei Fenster unbedeutend beschädigt ist. Der Schaden ist, wie der Saarbrücker Fachmann versicherte, mit ganz geringen Kosten völlig zu beheben. Ebenso sind die Größenverhältnisse der Fenster leicht zu verändern. Es können Teile fortgelassen und die Fenster dadurch verkleinert, oder entsprechende neue Teile hinzugefügt werden.
Zu weiteren Angaben sind wir jederzeit gern bereit und „bitten um gefl. baldige Antwort, damit wir uns gegebenenfalls über die anderweitige Verwendung der Fenster schlüssig werden können. (XLVIII.). 13.

05.1928:
Nach 2-jähriger Bauzeit wurde die Versöhnungskirche als Nachfolgerin der Martinskirche eingeweiht.

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Die Gemeinde traf sich an der alten Martinskirche. Dort gab es eine Ansprache, ein Gebet, einen Segen. Dann erfolgte ein gemeinsamer Zug zur neuen Kirche in folgender (festgelegter) Reihenfolge: Kinder
Kirchenchor
Musik
Geistliche im Talar und Vertreter kirchlicher Behörden
Vertreter weltlicher Behörden
Die Mitglieder der kirchlichen Körperschaften
Kirchengemeindebeamten und Pfarrfamilien
Die Gemeinde
Auf dem Vorplatz der Versöhnungskirche war die Schlüsselübergabe. Man zog noch einmal um die gesamte Kirche herum und ging dann „unter festlichem Vorspiel“ in die neue Kirche. Dort erfolgte eine „Weihehandlung durch den Herrn Generalsuperintendenten“ (=Spruch und Gebet)
Der schlossen sich Ansprachen des „Herrn Geistlichen Vizepräsidenten des ev. Oberkirchenrats“ des „Herrn Präses der Rheinischen Provinzialsynode“, Gebete, Lesungen, die Predigt usw. an
Zur Nachfeier wurde um 3 Uhr in die Turnhalle eingeladen.

Die Versöhnungskirche, eingeweiht 1928 (Foto: ca.1928)
Die Versöhnungskirche, eingeweiht 1928 (Foto: ca.1928)

1929:
Das Gelände der Martinskirche ging -im Zuge eines Landtausches (LXXXVIII.)- an die Röchlingschen Eisen- und Stahlwerke über (XXXIV.).

1934:
Hermann Georg Pfannstiel hatte bis 1942 die zweite Pfarrstelle in Völklingen inne (XLVII.).
Das Gelände der Martinskirche wurde von der Familie Röchling an die Reichsbahnverwaltung verkauft.

1937/1938:
Die letzten Überreste der „Alten Kirche“ wurden beseitigt, die Fläche eingeebnet (LXXXVIII.).

Abriss der Martinskirche
Abriss der Martinskirche

1944:
Pfarrer Jacob starb (XLVII.).

„nach dem Kriege“
Nach dem Kriege fand man am Rande des Kirchengeländes bei Erdarbeiten einige Skelettreste mit Waffen. In der damals turbulenten Zeit wurden diese Funde nicht beachtet. Nach der Beschreibung von einigen Leuten, welche damals bei den gemachten Funden dabei waren, könnte es sich um ein dort bei der alten Kirche aus der Karolingerzeit angelegten fränkisches Reihengräberfeld handeln. Sicher haben Völklinger Heimatforscher auch an diesem Platze noch interessante weitere Funde zu erwarten (XCI.).

1950er Jahre:
Später befand sich auf dem Gelände ein Kinderspielplatz:

Der Kinderspielplatz im alten Brühl, spuren des Karussels kann man bis heute im Turm Fundarment erkennen
Der Kinderspielplatz im alten Brühl, spuren des Karussels kann man bis heute im Turm Fundarment erkennen

„Nach 1968“:
Das alte Pfarrhaus (von Stengel erbaut) wurde abgerissen.

1999:
Die Stadt hat das Gelände der Firma „Irus“ verkauft. Diese hat es in Erbpacht – auf 30 Jahre – an die Firma Lidl weitergegeben (Pressebericht).

2000:
September:
Zwei über hundert Jahre alte Platanen, die auf der Stelle des ehemaligen Kirchplatzes standen, werden im Rahmen einer Baumaßnahme gefällt. Herr Boldorf macht das Staatliche Konservatoramt auf die Baumfällung aufmerksam. In einem ersten Gespräch mit dem Konservatoramt wird deutlich, dass auf die ehrwürdige Völklinger Kultstätte ein Supermarkt gebaut werden soll.

29.09.2000:
Bei einer zweistündigen Begehung des alten Kirchplatzes mit einem Metalldetektor wurde von einem Mitarbeiter des Konservatoramtes eine Kupfermünze mit der Jahreszahl 1493 gefunden. Bei dieser Begehung war Herr Boldorf selbst anwesend. Später stellte sich heraus, daß es sich bei der Münze um eine sehr viel jüngere Nachprägung handelt. Das erklärt dann auch den ausgezeichneten „Erhaltungszustand“ dieser Münze.

Oktober 2000:
Auf Initiative Herrn Boldorfs hin, dreht der Saarländische Rundfunk einen Kurzfilm mit dem Titel „Supermarkt statt Grabungsstelle?“ Der Film wird am 28.10.2000 im „Kulturspiegel“ ausgestrahlt. Der Landeskonservator Johann Peter Lüth stoppt die für den 1. November angesetzten Bauarbeiten. Eine archäologische Untersuchung des Geländes soll den Bauarbeiten vorangehen.

November 2000:
Das Staatliche Konservatoramt Saarbrücken führte Sondierungsgrabungen an der Stelle durch, wo einst die alte Kirche stand.
Unter der Leitung von Dr. W. Reinhard wurde in nur drei Tagen fast der gesamte Turmbereich untersucht. Dabei trat erstaunliches zu Tage.

Am 21. November 2000 erschien in der Saarbrücker Zeitung ein Artikel von Jürgen Boldorf:
Wo zwei Pfarrer sich Haus und Stall teilten
über die „Martinskirche“. Durch diesen Zeitungsartikel wurde die breite Öffentlichkeit erstmals aufmerksam auf die „Notgrabung“ des Landeskonservatoramtes im „Alten Brühl“ in Völklingen. Dieser Zeitungsbericht ist ebenfalls auslöser der Idee „Völklingen im Wandel“.

Es folgten weitere Veröffentlichungen in der Presse über die Notgrabung und vor allem über die Bedeutung des Geländes der einstigen Martinskirche.
Steinerne Zeugen der mittelalterlichen Vergangenheit
Fluchtweg unter dicken Mauern?
Langsam wurden immer mehr Bürger auf die Notgrabungen und die Folgen eines Neubaus auf diesem Gelände aufmerksam. Vielen wurde jetzt erst bewußt, dass sich auf diesem Gelände einst ein Friedhof befand.

2001:
Die Bürger riefen zu einem Bürgerforum auf.
Zeitungsartikel: → Eine archäologische Bibliothek
Dieses fand im Martin-Luther-Haus statt, Gemeindezentrum der ev. Versöhnungskirche (Folgekirche der Martinskirche) statt.
Zeitungsartikel: → Landeskonservator: „Alle haben geschlafen“
Da „ein kleines Wunder“ notwendig wäre um das Gelände vor der Überbauung zu schützen schlug Pfarrer Hämer vor eine Bürgerinitiative für die Erhaltung der Fundstätte ins Leben zu rufen.

Das erste Treffen fand am Donnerstag, dem 2. Februar 2001 statt.
Zeitungsartikel: → Flugblätter gegen Lidl-Markt

Die Bürgerinitiative stellte sich mit Infoständen auf den Völklinger Wochenmarkt. Dort wurden Flugblätter verteilt und Unterschriften gegen die Überbauung gesammelt.

Ein Sarkophag wurde bei den Ausgrabungen gefunden.

Mindestens 500 Völklinger hatten bis zum 8.2.2001 auf den Listen unterschrieben.
Zeitungsartikel: → Funde am „Alten Brühl“: Ohne Geschichte keine Zukunft

Die Zeit wurde knapp. Am 1. März sollten die Bauarbeiten für den neuen Verbrauchermarkt beginnen. Die Proteste mehrten sich. In parteiübergreifender Einigkeit haben die beiden Fraktionen im Stadtrat Völklingen in einem gemeinsamen Brief an die Leitung der Supermarktkette dringlich gebeten auf den geplanten Bau an dieser geschichtsträchtigen Stelle zu verzichten.

Die Zeitungsartikel in dieser Zeit häuften sich:

Neue Entdeckungen am „Alten Brühl“
Kompromiss für die Geschichte
Die Kunden sind Völklinger Bürger
Auf „Fulcolingas“ Spuren
Das Kirchlein an der Saar

Die Bürgerinitiative bot zusammen mit den Archäologen Führungen auf der Grabungsstellen an. Zur ersten Führung kamen etwa 100 Menschen. Die Führung wurde fast zur Demonstration. Die Verbrauchermarktleitung gab keine Auskunft zum Stand der Dinge. Die Zeit drängte.

Die Zeitungen berichteten weiter:
Heute Führung am Alten Brühl
Führung geriet fast zur Demonstration

Die Bürgerinitiative fühlte sich in ihren Bemühungen unterstützt und bot weitere Führungen an:
→  Alter Brühl, Heute wieder Führung
Bei der nächsten Führung hatte Landeskonservator Johann Peter Lüth gute Neuigkeiten für die vielen Besucher: Der Bauherr erklärte sich bereit auf den Discount an dieser Stelle unter bestimmten Umständen zu verzichten. Des weiteren erklärte sich das Landeskonservatoramt bereit für die Erhaltung und Präsentation der Funde zu sorgen, und Umwelt-Staatssekretär Grün sagte das Land sei durchaus bereit, Grabung und Präsentation der „Alten Kirche“ zu finanzieren wenn die Stadt das Gelände zurückkauft. Das momentan Wichtigste: Die Frist für die Ausgrabungen am „Alten Brühl“ wurden bis zum 21. März 2001 verlängert. Näheres im Artikel:

Eine Chance für die Königs-Kirche
Zeit zum Reden, Zeit zum Rechnen

Die Firma „Lidl“ wollte für den Rückkauf des Geländes knapp 1,7 Millionen DM. Gut eine Million hatte die Stadt ursprünglich für das Gelände erhalten. Die Differenz ergab sich aus Honoraren für Architekten, Statiker usw. die man natürlich ersetzt haben wollte. Oberbürgermeister Hans Netzer war lediglich bereit die eine Million aus der Stadtkasse aufzubringen, die sie einmal für das Grundstück bekommen hatte. Staatssekretär Rainer Grün machte klar dass für den Rückkauf keine Unterstützung vom Land zu erwarten sei. Neue Diskussionen entbrennen.
Poker um Geld, Spiel um Zeit

fundmartinskirche

Neue Funde wurden von der Saarbrücker Archäologie-Professorin Frauke Stein auf das zweite Drittel das 9. Jahrhunderts datiert. Damit kam sie zu dem Schluss: „eine Erhaltung des Bodendenkmals in möglichst großem Umfang ist deswegen für die Geschichte des Saarlandes von besonderer Bedeutung.“

Die Bürgerinitiative Alter Brühl überreichte Oberbürgermeister Hans Netzer“ 2500 Unterschriften, als Schriftrolle zusammengefügt:

Unterschriften Rolle
Unterschriften Rolle

Hans Netzer nickt zur tollen Rolle

„Poker um Geld, Spiel um Zeit“
Die Bürgerinitiative entschloss sich vor der „allesentscheidenden Sitzung“ des Stadtrates am 14.03.01 eine Mahnwache vor dem Rathaus abzuhalten. Von dieser Aktion gab es sogar Berichte im Fernsehen.

Die Archäologin, Frau Donié macht inzwischen auch Führungen für Schulklassen die sich für die Ausgrabungen interessieren:

Führung (Foto: SZ/Sammlung BI)
Führung (Foto: SZ/Sammlung BI)

„Skelette und Schädel interessieren uns am meisten“

Am Freitag, dem 16. März um 15 Uhr gab es wieder eine Führung. Im Anschluss daran fand ein ökumenischer Gottesdienst mit Pfarrer Dr. Andreas Hämer und Dechant Bernd Bohr unter dem Motto „Nicht an der Oberfläche bleiben“ statt.
→ Zeitungsartikel: Ein Gottesdienst am Alten Brühl

Am 16. März 2001 stand die erlösende Nachricht in der Saarbrücker Zeitung:
Engagement lohnt! Bürger-Sieg
→ Votum für die Geschichte
Grundmauern der Kirche nun doch gerettet
Erster Schritt zum Denkmal

Die Stadt kauft den Standort der mittelalterlichen Martinskirche „Alter Brühl“ zurück.

Die Spaten haben jetzt Pause

Die „Notgrabung“ wurde abgebrochen und die Ergebnisse ausgewertet.

Am Dienstag, dem 29. Mai 2001 fand das 2. Bürgerforum „Alter Brühl“ statt.
Bürgerforum
Dieses Bürgerforum wurde gleichzeitig die Gründungsversammlung des Vereins „Bürgerinitiative Alter Brühl e.V.“.
Kräfte die wir aus der Geschichte nehmen können

Die Grabung wurde inzwischen wieder aufgenommen. Frau Donié und Herr Selmer gruben nun in der Nähe des Turmes weiter.
Karolingern auf der Spur
Da dort der Boden noch unberührt war und Schicht für Schicht untersucht werden konnte. Es gab neue Ergebnisse: „Die direkt an den Turm anschließenden Mauern, Ende März noch rätselhaft: Inzwischen ist der Raum freigelegt, zu dem sie gehören. Ein Wohnraum muss es gewesen sein: Eine Herdstelle fahd sich, sogar Reste dessen, was vor jahrhunderten gekocht wurde, „zum ersten Mal sind wir hier auf Tierknochen gestoßen“, erzählt Donnié. Und wer auch immer – ungewöhnlich genug – so nah an der Kirche gelebt haben mag, war eines Tages wohl beim Kochen etwas unvorsichtig; Ein Feuer dürfte den Raum zerstört haben, die Ausgräber stießen über dem Kochplatz auf verstürzte, rußgeschwärtzte Dachsparren. Keine Ziegel – oder Schieferspuren, also deckten vermutlich Holzschindeln das Dach.“
Gleich neben dieser Grube fand man ein „Knochenfeld“. Dort ragen Knochen dicht an dicht aus dem Erdreich.

Warscheinlich wurden diese Knochen umgebettet um auf dem Friedhof neuen Platz zu machen. Normalerweise werden solche Funde, die nicht einem einzigen Menschen zuzuordnen sind, auf dem jetzigen Friedhof wiederbestattet. Da sich zur damaligen Zeit eine Medizinstudentin der Uni Saarbrücken für die Untersuchung dieser Knochen interessierte (sie wollte ihre Doktorarbeit darüber schreiben, schrecke aber vor der Menge der Fundstücke dann doch zurück) wurden sie im Keller der Versöhnungskirche „zwischengelagert“. Dort befinden sie sich zum jetzigen Zeitpunkt (2004) noch.

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Am 27.07.2001 berichtete die „SZ“ dass die Grabungen für dieses Jahr beendet sind.
Pause im Alten Brühl

Da die Grundmauern (durch den Baggereinsatz der Notgrabung) zu großen Teilen freigelegt war konnte man mit Hilfe der Leiter der freiwilligen Feuerwehr Völklingen dieses Foto anfertigen:

Da die Grundmauern (durch den Baggereinsatz der Notgrabung) zu großen Teilen freigelegt war konnte man mit Hilfe der Leiter der freiwilligen Feuerwehr Völklingen dieses Foto anfertigen
Da die Grundmauern (durch den Baggereinsatz der Notgrabung) zu großen Teilen freigelegt war konnte man mit Hilfe der Leiter der freiwilligen Feuerwehr Völklingen dieses Foto anfertigen

Am 16. September 2001 veranstaltete der Verein „Bürgerinitiative Alter Brühl e.V.“ einen Festtag im Alten Brühl. Bei diesem Fest wirkte auch der Verein „die Tafelrunde“ mit. Unter anderem wurden die neu erstellten „Berichte der Grabungskampagne 2001“ vom Verein Alter Brühl verkauft.
Feier im „Alten Brühl“
Winterschlaf fürs Mittelalter

Festtag im Alten Brühl
Festtag im Alten Brühl

Der Verein „Bürgerinitiative Alter Brühl“ war inzwischen von 12 Gründungsmitgliedern auf ca. 30 Mitglieder angewachsen.

Am 20. Oktober war in der Saarbrücker Zeitung ein Vorschlag zur späteren Gestaltung des Geländes:
Schlichte, lichte Lösung

Vorschlag zur späteren Gestaltung des Geländes
Vorschlag zur späteren Gestaltung des Geländes

Leider wurde die gesamte Ausgrabung im Herbst 2001 vom Konservatoramt wieder zugeschüttet, da „die Erde der beste Konservator ist“ um sie vor Winterschäden zu schützen. So versank sie über Winter im Winterschlaf und stahl sich auch langsam aber sicher aus den Gedanken vieler Völklinger Bürger.

Erde ist der beste Konservator
Erde ist der beste Konservator

Lesen Sie noch diese Artikel von 2001:
Alter Brühl“ nach ’45: Wer erinnert sich?
Ein Haus mit Geschichte
Was ist ein Schutzbau?

2002:
Im Juli 2002 wirkte der Verein Alter Brühl e.V. bei einer Veranstaltung der Stadt Völklingen über die Völklinger Vereine mit.

Ausstellung im neuen Rathaus
Ausstellung im neuen Rathaus

Mitte Juli begannen die Ausgrabungen im Jahr 2002.
Die Grabungsleitung hatten in diesem Jahr Carmen Löw und Marion Mirold. Sie arbeiteten zusammen mit 4 Grabungshelfern und 3 studentischen Hilfskräften.

Da die Finanzierung nur für 2 Monate stand und die entsprechenden Stellen erst wieder von der „Winterverfüllung“ freigelegt werden mußten beschränkte man sich zuerst auf die Umgegend der Sarkophage.
→ Mit Kelle und Pinsel auf Spurensuche
Ziemlich schnell stieß man auf ein Grab eines 9jährigen Mädchens, das wahrscheinlich einen Wasserkopf und Rachitis hatte, mit Resten einer sog. „Totenkrone“.

Die Grabung wurde auf drei Monate verlängert.

Der Verein „Bürgerinitiative Alter Brühl e.V.“ veranstaltete am 25. August ein Grabungsfest, dieses Mal auf dem „Martinsplatz“.
→ Wenn Mauern erzählen

Im Laufe der Grabung stieß man wo einst das Kirchenschiff Richtung Süden erweitert wurde, auf das Skelett einer schwangeren Frau, die während der Geburt gestorben war. Das Kind lag quer wie sich anhand der Knochen ermitteln ließ.
Schon kurze Zeit später fanden sich im selben Feld 3 weitere Wöchnerinnenbestattungen. Entgegen mittelalterlichem Brauch hatten alle Frauen Grabbeigaben: Scheren und Glasgefäße.

Wöchnerinnen Bestattung
Wöchnerinnen Bestattung

 

Wöchnerinnen Bestattung
Wöchnerinnen Bestattung

Am 26.09.2002 trafen sich verschiedene Mitglieder des Vereins Alter Brühl e.V. mit Herrn Staatssekretär Grün, Herrn Dr. Reinhard und Frau Dr. Ulrike Wendland im Ministerium für Umwelt. Alle Beteiligten waren sich einig, dass ohne die Zustimmung und Unterstützung der Stadt kein Projekt möglich ist. Allerdings sollten die Vorstöße in diese Richtung erst wieder nach dem Amtswechsel des Bürgermeisters im März 2003 gemacht werden. Das Ministerium für Umwelt erklärte sich auch für das Jahr 2003 bereit eine Grabungskampagne aus Sondermitteln zu finanzieren.
→ Das große Graben geht weiter

Der Verein Alter Brühl e.V. wollte auf jeden Fall erreichen, dass die Grabung im Winter 2002/2003 nicht wieder komplett verfüllt, sondern anderwertig gesichert wird, damit nicht im darauffolgenden Jahr wieder unnötige Zeit mit dem Entfernen der Wintersicherung verschwendet werden muß.
Es wurden verschiedene Vorschläge für eine leichter abzubauende Winterbefestigung gemacht. Vom verfüllen mit Stroh bis zum abdecken mit Plastikplanen.

Nachdem alle Pläne sich als undurchführbar herausstellten finanzierte das Konservatoramt eine Abdeckung.

Winterschutzbau
Winterschutzbau

Am Montag, dem 02.12.2002 um 19.30 Uhr fand das 3. Bürgerforum im Martin-Luther-Haus statt. Es gab einen Diavortrag der Grabungsleitung 2002 zu den Ausgrabungen an der Martinskirche.
Dabei wieß Frau Löw wieder auf die Einzigartigkeit der Wöchnerinnenbestattungen (vor allem der Grabbeigaben) in Völklingen hin. Anschließend gab es eine Diskussion über die Fortsetzung der Grabungen und die zukünftige Gestaltung der Grabungsfläche.

→ Zurück zu den Wurzeln: „Das Köllertal blickt nach Völklingen“

2003:
In diesem Jahr fand die Grabung unter der Leitung von Carmen Löw und Jan Selmer statt. Die Grabungskampagne begann am 15. Mai und ging bis Ende August.

Wie erhofft kamen auch in diesem Jahr weitere Frauenbestattungen zutage. Sie datieren ins 15. Jahrhundert und hatten Grabbeigaben (Gefäße und Scheren).
Aber jeder Fund wirft neue Fragen auf:
Warum bettete man Wöchnerinnen, die anderswo eher an den abgelegenen Nord und Westseiten der Kirchen bestattet wurden im Alten Brühl an der scheinbar provilegierten Südseite zur letzten Ruhe?
Natürlich kamen auf dem Friedhof, auf dem über 1000 Jahre lang Völkinger Bürger beerdigt worden waren noch andere Skelette zu Tage:
Neben Bestattungen mit dem Gesicht nach Osten – nach traditioneller Auffassung die Richtung des Tages, des Heils, des Heilands – fanden sich auch Tote, die gegen Westen blickten. Zur Nacht, zum Bösen. Pfarrer, die noch im Tod ihre Gemeinde hüten? Denkbar meinte Frau Löw in einem Interview aber: Warum waren am selben Ort auch Frauen in gleicher Weise bestattet?
→ Die Tote mit der Steinzeugtasse

Der Verein Bürgerinitiative Alter Brühl e.V. veranstaltete am Donnerstag, dem 20.11.2003 um 19.30 Uhr ein 4. Bürgerforum. In diesem Jahr gab es einen Diavortrag von Frau Löw über die Frauenbestattungen im Mittelalter.

Im Anschluss daran sprach Herr Dr. Buwen über die Funde Mittelalterlicher Bestattungen in der Abtei Tholey.
Der Verein stellte bei dieser Gelegenheit die neuen Informationstafeln vor. Diese wurden dann ab dem 25. November im Foyer der Völklinger Stadtbibliothek (Altes Rathaus) ausgestellt.
→ „Stolze Identität“ der Stadt

2004:
Die Grabungsleitung hatte Carmen Löw. Die Grabungskampagne begann im August. Bei den diesjährigen Ausgrabungen wurde ein Modellversuch gestartet: Im Rahmen des Bundesprogramms „Jump Plus“ waren erstmals junge Sozialhilfeempfänger im Einsatz. Das Diakonische Werk war Träger dieser Maßnahme. Mit dabei war auch die Archäologin Hedwig Vogler, die vor allem für die Betreuung der Jugendlichen Helfer zuständig war.
→  Sinnvolle Beschäftigung für jugendliche Sozialhilfeempfänger

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Im Laufe der Grabung wurde eine weitere Frauenbestattung mit intakter Grabbeigabe (eine Tonvase) gefunden.
Im Umfeld der Frauen wurde das Grab eines Kindes entdeckt, das vermutlich als Frühgeburt das Licht der Welt erblickte und nicht überlebte. Die Bestattung eiens solchen Kindes in der Nähe der Kirche war eine echte Überraschung für die Archäologin. Nach landläufiger Meinung wurden Frühgeburten im Mittelalter nicht in geweihter Erde beigesetzt.
→ Immer tiefer ins Mittelalter
Des weitern fand man wieder ein Kinderskelett mit einer „Totenkrone“. Meistens wurden jungfräuliche Mädchen mit diesen Totenkronen bestattet. Dieses scheint zwischen 7 und 10 Jahre alt gewesen zu sein. Warscheinlich lebte sie im 17. bis 18. Jahrhundert. Der Kopfschmuck scheint aus einem Lederband bestanden zu haben, das mit „Blümchen“ aus Bronzeflitter verziert war. In der Detailaufnahme sieht man am Hinterkopf noch eine Lederanhaftung:

In einem anderen Bereich der Grabung fand man ein Skelett, dem warscheinlich ein Rosenkranz o.Ä. mitgegeben worden war. Es fanden sich „Perlen- oder Murmelartige Gegenstände“ im Beckenbereich:

Insgesamt verdichteten sich die Hinweise, dass sich an dieser Stelle schon ein Bestattungsplatz der Merowinger (5. bis 8. Jahrhundert) befand.
→ Haben im Alten Brühl bereits die Merowinger ihre Toten bestattet?

Am 26. September veranstaltete der Verein Bürgerinitiative Alter Brühl e.V. ein Mittelalterliches Grabungsfest. auf dem Martinsplatz. Es wurden unter anderem auch Führungen zu der Grabung angeboten.
→ Eine spannende Spurensuche

Im Oktober 2004 ließ der Verein Alter Brühl e.V. von der Firma Hübner eine geophysikalische Untersuchung des Geländes vornehmen.
Dies war nur möglich weil die Völklinger Firma „Kanalbau Zait“ schnell, unbürokratisch und vor allem kostenlos den Aushub (100 Kubikmeter) der bisherigen Grabung einebnete.

→ Radlader räumt gratis Schutt ab
Dafür dankt der Verein hiermit noch einmal herzlich.

Bodenuntersuchung
Bodenuntersuchung

Lesen Sie auch diesen Artikel:
→ Lorig drückt aufs Tempo

2005:
Die Grabungsleitung hatten Constanze Schiene und Ines Berwanger.
Uns wurde von der Grabungsleitung folgendes Material zur Verfügung gestellt. Dafür bedanken wir uns recht herzlich.

Fundstelle 370; Skelett eines erwachsenen Individuums, nahezu vollständig erhalten, aus dem Bereich zwischen Mittelaltar und Barockchor.

Zu Bild 2:
Fundstelle 361; Skelett eines Erwachsenen, das von der Südquerarmmauer geschnitten wird.
Interessant ist der im rechten Winkel zum Skelett liegende Langknochen unterhalb der Halswirbelsäule. Er wurde beim Ausheben der Grabgrube vermutlich dorthin gelegt um den Sarg von Bestattung 361 zu sabilisieren.

Zu Bild 3:
Fundstelle 399; vergangenes Holz, evtl. von einem Sarg

Zu Bild 4+5:
Fundstelle 400; aus dem Bereich zwischen Mittelalter- und Barockchor. Eines der am tiefsten liegenden Skelette in diesem Areal. Im Vordergrund sind Spuren des Holzsarges erhalten.
Oben zu sehen die Umzeichnung (Im Original: detailgetreu im Maßstab 1:20, Zeichnung C, Schiene) von FST 400 mit HOlzresten.

Zu Bild 6:
Fundstelle 353; unvollständig erhaltenes Kinderskelett mit zerdrücktem Schädel, Rippen und Armen.

Zu Bild 7:
Fundstelle 333; bis zu den Kniescheiben erhaltenes Skelett mit über dem Bauchbereich gekreuzten Armen

Zu Bild 8:
Fundstelle 432; Säulenfundament? Im Bereich des Langhauses unterhalb des mittelalterlichen Estrichs. Die andere Hälfte ist im nicht ausgegrabenen Profil verborgen.

Zu Bild 9:
Fundstelle 392; Detailfoto der Perlen und Bronzeelemente im Handbereich (übereinander gelegt) der Bestattung 392 (Bild 10) evtl. eine Paternosterkette?ßß

Zu Bild 10:
Fundstelle 392; in der Komplettansicht

Zu Bild 11:
Fundstelle 424; Detailfotos der Bronzeringe, die im Brustbereich der Kinderbestattung (Bild 12) gelegen haben und ursprünglich auf dem Gewebe der Totenkleidung aufgenäht waren.

Zu Bild 12:
Fundstelle 424 in der Komplettansicht. Erhalten sind die rechten Unterarme und die linke Speiche. Der Rest ist im Oberkörperbereich vergangen, der Unterkörper ist wohl durch eine spätere Bestattung zerstört worden. Der Schädel ist durch den Bau der im oberen Bildteil sichtbaren Barockchormauer gestört und entfernt worden.

Folgende Zeitungsartikel erschienen im Jahr 2005:

→ Bagger rückt als Verstärkung an (22.09.2005 Saarbrücker Zeitung)
→ Junge Arbeitslose graben am Völklinger Alten Brühl (24-09.2005 Saarbrücker Zeitung)
→ Grabungen im Alten Brühl gehen weiter (28.09.2005 Wochenspiegel)
→ Auf Zeitreise am Alten Brühl (05.10.2005 Saarbrücker Zeitung)
→ Es geht am Alten Brühl weiter (05.11.2005 Saarbrücker Zeitung)
→ Noch ein Jahr lang graben (27.12.05 Saarbrücker Zeitung)

2006:
Die Grabungsleitung haben Constanze Schiene und Ines Berwanger.
Grabung Völklingen, „Im Alten Brühl“, Kr.SB 06-08/2006

Stellungnahme der Grabungsleitung zu den noch ungeklärten bauhistorischen Fragen an der ehemaligen „Martinskirche“ in Völklingen, „Im Alten Brühl“
(Stand 26. Juni 2006)
Grabungsleitung: Ines Berwanger
Grabungsassistenz: Constanze Schiene

1. Das mittelalterliche Langhaus Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnte innerhalb des mittelalterlichen Langhauses (vor dem Neubau der Kirche im Jahre 1737) eine Stratigraphie aus 4 Schichten erfaßt werden. Zuoberst fanden sich die Reste eines Sandsteinplattenbelages, der eingebettet in ein ockerfarbenes Sandbett war (Schicht 43-01). Dieser Plattenbelag stellt den Fußboden der Kirche zur Zeit der Benutzung des südlichen Erweiterungsbaues Fst.64 dar. Auf einem Grabungsfoto (FO-6) der „Grabung Rupp“ (30er Jahre des 20.Jh.) sieht man noch eine der Sandsteinplatten insitu innerhalb des mittelalterlichen Rechteckchores Fst.37. Diese Platte war zur Zeit der Grabungskampagne 2001 jedoch nicht mehr vorhanden.
Unter dem Plattenbelag 43-01 erschien ein Estrichboden (Schicht 43-02) aus rötlichem Mörtel mit Kalkeinsprengseln, der auf einer Stickung aus Sandsteinen auflag. Dieser Boden ließ sich nur im Bereich nördlich der ausgebrochenen Mauer Fst.42 erfassen. Es muß sich daher um einen Bodenbelag der mittelalterlichen Kirche vor dem Anbau der südlichen Erweiterung gehandelt haben. Die Mauer Fst.42 ist die ehemalige Südmauer des Langhauses und wurde beim Bau der Erweiterung abgebrochen. Unter dem Estrich 43-02 fand sich ein weiterer Estrichboden (Schicht 43-03) aus einem orange- bis rosafarbenen Mörtel auf einer Sandsteinstickung. Auf den Resten seiner Begehungsfläche lag eine ca. 5mm starke Schicht aus Holzkohle auf. Die letzte bis jetzt erfaßte Schicht des Langhauses (Fst.43) der mittelalterlichen Kirche ist eine Schicht aus Auenlehm, der mit dunkelbraunem, humosen Material durchmischt ist (Schicht 43-04). Sie liegt unmittelbar unterhalb des Estriches 43-03. Diese Schicht weist vom Material her eine Übereinstimmung zu den umgebenden, humosen Bestattungshorizonten auf.
Offene Fragen:
1. Gab es in der Schicht 43-04 Gräber im Innenraum des mittelalterlichen Langhauses?
Während der Notgrabungen im Jahre 2001 sind in Suchschnitten Verfärbungen, die auf Grabgruben hinweisen, gesehen worden. Zu einer näheren Untersuchung kam es jedoch nicht.
2. Auffallend ist eine Reihe von Pfostenstellungen / Säulenfundamenten (?), die den nördlichen Teil des mittelalterlichen Langhauses in West-Ost-Richtung durchzieht. Der westliche Teil eines wohl runden Steinfundamentes (Fst.432) wurde in der Kampagne 2005 erfaßt. Desweiteren existieren ein Pfostenloch (Fst.77) und ein ringförmiges Steinfundament (FO-7, „Grabung Rupp“) aus früheren Kampagnen. Die Frage stellt sich, ob es eine parallele Pfosten- oder Säulenreihe im südlichen Teil des Langhauses gab.
War das mittelalterliche Langhaus dreischiffig? Handelt es sich folglich evtl. um den Bautyp einer Basilika? Oder waren die Fundamente lediglich Stützen der Dachkonstruktion ohne Gliederungsfunktion im Kircheninnenraum?
3. Zumindest das Fundament Fst.432 scheint durch den Estrichboden 43-03 überlagert zu werden. Eine genaue Klärung dieser Frage muß durch die Untersuchung der Osthälfte dieses Befundes erfolgen. Wäre dies der Fall, muß es eine noch frühere Begehungsfläche im Langhaus gegeben haben, auf die sich die Fundamente der Pfosten-/ Säulenreihe beziehen.
4. Wie verhält sich der Estrich 43-03 zur Nordmauer Fst.8 des Langhauses?

2. Der mittelalterliche Rechteckchor Auf den Grabungsfotos F12-17a und F12-18a ist zu erkennen, daß im Bereich des Rechteckchores der gewachsenen Boden noch nicht erreicht wurde. Im Westteil des Chores wurde das Planum bis auf das Niveau der Bestattungen Fst.93, 95, 96 und 98 abgetieft, im Ostteil lediglich bis auf die Höhe der Bestattung Fst.58. Im Westteil zeigt sich im Planum die Verfärbung des Suchgrabens der „Grabung Rupp“. Durch ihn ist jedoch nur ein kleiner Teil der Innenfläche des Chores beeinträchtigt worden.
Offene Fragen:
1. Gibt es weitere Bestattungen im Rechteckchor? Es muß sich wegen der Lage des Bestattungsplatzes um ausgezeichnete Gräber gehandelt haben.
2. Sind die Bestatteten im Chor wirklich alle männlich? Die Deutung als „Priestergräber“ in früheren Kampagnen (nach Bestattungen aus St.Arnual) scheint nicht unumstritten. Eine der Bestattungen (Fst.93) weist Bronzespiralen im Kopfbereich auf, was für eine Totenhaube sprechen könnte. Desweiteren scheint die Deutung der umgekehrten Orientierung (Gesicht zur Gemeinde) als Zeichen für Priester nicht zwingend, da zu der Zeit die Messe stets mit dem Rücken zur Gemeinde praktiziert wurde.
3. Gibt es noch faßbare Fußböden im Bereich des Rechteckchores? Wie ist die Schichtenabfolge im Rechteckchor? Wie korrelieren mögliche Fußböden bzw. Schichten mit denen im mittelalterlichen Langhaus?
4. Gibt es weitere Sarkophage im Bereich östlich und nördlich des Rechteckchores? Es ist anzunehmen, daß die, auf der Südseite gefundenen Sarkophage ursprünglich nahe des Chores lagen.

2. Der Westturm Die Bauphasen des Turmes sind noch nicht bis ins letzte Detail geklärt. Durch verschiedene Mörtelzusammensetzungen wurden diverse Phasen datiert, was aber bei Betrachtung der Grabungsfotos zum Teil zu überdenken wäre. Zumindest der Turmaufbau ist jünger als die „Nördliche Vorhalle“, da sowohl die Ostmauer Fst.88, wie auch die Westmauer Fst.102 der Vorhalle durch die Mauern des Turmes geschnitten werden. Allerdings sind die Mauern im Fundamentbereich des Turmes noch nicht exakt im Verhältnis zu der Nördlichen Vorhalle erfaßt.
Offene Fragen:
1. Wurden als Fundament des Turmes eventuell die Grundmauern einer abgetragenen, „mittleren Vorhalle“ genutzt?
2. Ist das Steinplattenfundament Fst.62 an der Westseite des Turmes der Rest einer abgetragenen Vorhalle? Wären dann die Vorhallen gegen 1000 n.Chr. gebaut worden (vgl. Datierung der Bestattungen Fst.56 und Fst.92)
3. Worum handelt es sich bei dem Maueransatz Fst.47 an der Südseite des Turmes?
4. Die Bauphasen des Turmes sind nicht abschließend geklärt. Wie ist ihr Verhältnis zu den „Vorhallen“?

2. Die „Nördliche Vorhalle“ Im Bereich nördlich des Westturmes fanden sich die Grundmauern eines nahezu quadratischen Baukörpers, der durch den Aufbau evtl. schon durch die Fundamente des Turmes (siehe „Der Westturm) geschnitten wird. Vermutlich handelt es sich um einen älteren Vorbau der Kirche, ähnlich einer Vorhalle. Letztere scheint dreigeteilt gewesen zu sein.
Im Innenraum der nördlichen Vorhalle wurde unter dem Knochenlager Fst.105 und neuzeitlichen Bestattungsschichten eine Begehungsfläche (Schicht 106-02) u.a. mit einer Feuerstelle (Fst.108) entdeckt. Auf den Zeichnungen Nr.46, Nr.49 und 57 erkennt man, daß die Baugrube zu den Mauern Fst.10/70 und 81/9 die Schicht 106-02 schneidet bzw. auch überlagert.
Unter der Schicht 106-02 folgte ein Planum mit einem in West-Ost-Richtung verlaufendem Graben. Dieser Graben verläuft annähernd parallel zur Nordmauer des Turmes.
Darunter folgen Bestattungen von Säuglingen und Neugeborenen, die scheinbar auf die Ostmauer (Fst.88) der Vorhalle ausgerichtet sind. Dabei scheint die Bestattung Fst. 128 sogar von der Mauer geschnitten zu werden.
Offene Fragen:
1. Wie hängt die „Nördliche Vorhalle“ mit dem eventuell älteren Fundament unter dem Turm zusammen?
2. Wann wurde die „Nördliche Vorhalle“ gebaut? Dazu könnte man eine Datierung der Bestattung Fst. 128 heranziehen.
3. Die Schichten in der Vorhalle Fst. 106 sind noch nicht bis auf den gewachsenen Boden abgetieft worden.
4. Handelt es sich bei dem Graben um den Abfluß eines Taufbeckens?

2. Die „Südliche Vorhalle“ Von der südlichen Vorhalle sind bis jetzt nur die Oberkanten von Ausbruchgräben einiger Mauern erfaßt. Der Bereich wird noch partiell von Teilen des neuzeitlichen Bestattungshorizontes überlagert.
Offene Fragen:
1. Wie sah die „Südliche Vorhalle“ aus? War sie im Aufbau identisch mit der Nördlichen Vorhalle?
2. Gibt es im Inneren ebenfalls Spuren einer Nutzung?
3. Wie sieht die Schichtenabfolge innerhalb der Halle aus?
4. Gibt es Gräber, die sich im Innenraum der Halle befinden?
5. Wie ist das stratigraphische Verhältnis zwischen der „Südlichen Vorhalle“ und den Bauphasen des Turmes?

2. Die Sakristeien Die Sakristeien der verschiedenen Kirchenbauten an der Nordseite des Langhauses wurden nur bei der Notgrabung 2001 in wenigen Mauerausschnitten oberflächlich erfaßt. Lediglich von der Sakristei des Kirchenbaues von 1883 im Zwickel zwischen dem nördlichen Querarm und dem Langhaus geben alte Fotos das Aussehen wieder. Über den Aufbau und die genaue Lage der Vorgängersakristeien ist bis jetzt nichts bekannt.
Offene Fragen:
1. Wo lagen die Sakristeien der mittelalterlichen und barocken Kirchenbauten? Wie sahen sie aus?
2. Gab es während der Zeit der Nutzung als Simultankirche mehrere Sakristeien bzw. „Wirtschaftsräume“ gleichzeitig?

→ Mittelalter kommt ans Licht (17.03.2006 Saarbrücker Zeitung)
→ Neue Broschürenreihe erschienen (22.03.2006 Wochenspiegel)
→ Herzlosbehörde feuert helfende Hände (14.07.2006 Bildzeitung Saarlandausgabe)
→ Grabungen sollen 2007 weitergehen (15.07.2006 Saarbrücker Zeitung)
→ Wöchnerinnen-Gräber Freigelegt (07.2006 Wochenspiegel)
→ Grabungsstätte öffnet sich für Bürger (25.08.2006 Saarbrücker Zeitung)
→ Grabungsfest lockt Mittelalter-Fans trotz Regen (28.08.2006 Saarbrücker Zeitung)
→ Geld für neue Kampagne (28.09.2006 Saarbrücker Zeitung)
→ Grabungen 2006 im Alten Brühl jetzt beendet (09.2006 Stadtbrille)
→ Schlechte Aussicht für Schutzbau (18.11.2006 Saarbrücker Zeitung)
→ Ortsvorsteher setzt auf Fortschritte am Alten Brühl (24.11.2006 Saarbrücker Zeitung)

2007:
Es liegen uns folgende Zeitungsberichte vor:

→ SZ: Tiefe Einblicke in die Vergangenheit
→ SZ: Knochenarbeit im doppelten Sinn
→ SZ: Skelett mitten im Kirchenschiff
→ Stadtbrille: Wo Völklinger Geschichte ans Tageslicht geholt wird
→ SZ: Die Uhr läuft ab am Alten Brühl in Völklingen
→ SZ: CDU: Ausgrabungen am Alten Brühl sichtbar erhalten

 Impressionen vom Grabungsfest 2007

Impressionen vom Grabungsfest 2007

2010:
Die Stadt Völklingen plant das Gelände in Zukunft umzugestalten.

2010 plant man von Seiten der Stadt Völklingen das Gelände würdig zu gestalten
2010 plant man von Seiten der Stadt Völklingen das Gelände würdig zu gestalten