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Saarbrücker Zeitung, 09.03.2001: Poker um Geld, Spiel um Zeit

9.3.2001

Poker um Geld, Spiel um Zeit

Historische Fundstätte am „Alten Brühl“: Wer zahlt für Gelände-Rückkauf und Denkmal-Konservierung?

Die Firma Lidl ist bereit, auf einen Markt-Neubau am „Alten Brühl“ zu verzichten. Doch mit dem Angebot für den Rückkauf des Grundstücks tut sich die Stadt Völklingen schwer.

– Von DORIS DÖPKE –

Völklingen.. Still ist es zur Zeit um das Gelände am „Alten Brühl“, auf dem Archäologen im Auftrag des Landeskonservatoramtes seit November nach den Grundmauern der mittelalterlichen Völklinger Martinskirche graben. Bis vor zehn Tagen wurde über das Thema noch laut debattiert. Es gab energische Proteste dagegen, dass das Denkmal mit einem „Lidl“-Discountmarkt überbaut werden sollte. Eine Bürgerinitiative sammelte Unterschriften dafür, die historischen Spuren zu erhalten, zu erforschen und später öffentlich zugänglich zu machen; für dasselbe Ziel setzten sich Parteien, Institutionen und Ratsfraktionen der Stadt in Resolutionen und Briefen ein. Dann, am 23. Februar, erklärte sich Lidl bereit, auf den Markt-Bau zu verzichten und das Grundstücksgeschäft rückgängig zu machen (das Gelände am „Alten Brühl“ war zuvor von der Stadt Völklingen verkauft worden). Und plötzlich breitete sich Schweigen über die Sache . . .

Nur in der Gerüchteküche brodelte es munter weiter. Der Grundstücks-Rückkauf werde viel Geld kosten, zwischen 1,5 und zwei Millionen Mark, war zum Beispiel zu hören. Stimmt, ergaben Nachfragen bei Vertretern der Stadtratsfraktionen und im Umweltministerium: Die Lidl-Rechnung beläuft sich auf knapp 1,7 Millionen Mark. Gut eine Million Mark hatte die Stadt für das Gelände erhalten. Hinzu kommen Honorare für die Architekten und Statiker, die die Markt-Baupläne entworfen hatten, ein Kostenanteil für die archäologischen Notgrabungen Ende vergangenen Jahres und anderes. Wer kann, will, wird das bezahlen? Und wer kommt später auf für die Erforschung der Fundstätte, für die Konservierung und Präsentation der Funde?

Völklingens Oberbürgermeister Hans Netzer möchte den ohnehin tief in den roten Zahlen steckenden kommunalen Haushalt möglichst wenig in Anspruch genommen sehen für den „Alten Brühl“: Die Stadt könne allenfalls die Million aufbringen, die sie mal für das Grundstück bekommen hat. Mehr nicht. Und auch dafür macht er zur Voraussetzung, dass das „Danach“, die Herrichtung des Geländes, aus anderen Töpfen finanziert wird. Hilfe vom Land? Nicht für den Grundstücks-Rückkauf, sagt Rainer Grün, Staatssekretär im Umweltministerium, das sei haushaltsrechtlich unmöglich. Aber Ausgrabung, Konservierung und Präsentation des Denkmals, mehrere Millionen Mark teuer, werde das Land finanzieren, verspricht er. Das ist nicht konkret genug, meint jedoch Netzer: Vor einer Entscheidung der Stadt möge das Land verbindliche schriftliche Zusagen geben. Über diese Forderung sei er sich mit dem Finanzausschuss des Stadtrats einig.

Nicht ganz, erklärt wiederum Klaus Lorig, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Stadtratsfraktion. Für ihn haben die Landes-Zusagen für die Zukunft des Denkmals Gewicht; die Stadt, so seine Position, müsse daher den Grundstücks-Rückkauf finanzieren, „man muss den Löffel hinhalten, wenn es Brei regnet“. Volker Reitler, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, hofft zwar – wie der OB – auf Landes-Hilfe bei den Extra-Kosten des Grundstücks-Rückkauf; doch für ihn führt am Erwerb des Geländes durch die Stadt kein Weg vorbei, das sei Voraussetzung für alle künftigen Planungen.

Bis zum 12. März hat Lidl um Stellungnahme zum Rückkauf-Angebot gebeten. Der Stadtrat, der zu entscheiden hat, tagt aber erst am 14. März; und auf der Tagesordnung für die Sitzung fehlte bis gestern das Thema „Alter Brühl“. Spiele auf Zeit? Mit welchen Karten?