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Saarbrücker Zeitung, 21.11.2001: Schlichte, lichte Lösung

Schlichte, lichte Lösung

Klaus Lorig (CDU) präsentiert Entwürfe für einen „Schutzbau“ der Grabungsstätte am Alten Brühl

– Von Doris Döpke –

Die archäologischen Überreste am Alten Brühl in Völklingen werden über Winter provisorisch geschützt. Keine Dauerlösung. Klaus Lorig (CDU) stellt Skizzen für einen so genannten „Schutzbau“ vor.

Völklingen. Es sieht vertraut aus, was Klaus Lorig, Völklinger CDU-Vorsitzender und Kandidat seiner Partei für die nächste Oberbürgermeisterwahl, auf Architekten-Skizzen in die Völklinger Lokalredaktion der „SZ“ mitgebracht hat. Ja, das ist zweifelsohne die Martinskirche am Alten Brühl, Völklingens ältestes Gotteshaus, dessen aus karolingischer Zeit stammende Überreste Archäologen in diesem Jahr teilweise freigelegt haben. Zugleich wirkt der Bau seltsam fremd und modern. Denn die Zeichnungen zeigen keine Rekonstruktion der historischen Kirche, sondern eine 2Überhausung“ dessen, was von ihr blieb: einen Schutzbau, der die alten Mauern vor schädlichen Witterungs-Einflüssen bewahren, sie andererseits öffentlich präsentieren und dazu einen neuen Raum für Veranstaltungen schaffen soll.
Einen solchen Schutzbau braucht der historische Ort. Und er benötigt ihn bald, Landeskonservator Johann Peter Lüth und Grabungsleiterin Sabine Donie hatten das im Sommer vor der Initiative Alter Brühl und dem Kulturausschuss des Völklinger Stadtrats eindringlich dargelegt. Provisorischer Winterschutz, wie ihn die Grabungsstätte jetzt bekommt, habe Grenzen, erläuterte Lüth, mehr als einmal solle ein solches Provisorium am Alten Brühl möglichst nicht installiert werden. Auch mit Blick auf die Zukunft des Ortes: Dessen dauerhafte Gestaltung, mit der die Grabungsfunde erhalten, präsentiert und in Bezug zum Umfeld gesetzt werden sollen, zur Stadt wie zum Weltkulturerbe Völklinger Hütte, benötige Zeit und müsse deshalb frühestmöglich angegangen werden. Lorig nahm den Anstoß auf: Mit einem eigenen Schutzbau-Entwurf, den er gemeinsam mit dem Ludweiler Architekten Horst Reinhard erarbeitete. Beide, so hat der Christdemokrat zu den Skizzen notiert, „verstehen diesen Entwurf als Anregung zur Diskussion“. Dabei geht Lorig davon aus, dass das Land „nach der Rettung“ der Grabungsstätte zugesagt (hat), die Grabung sowie die Präsentation des Denkmals zu übernehmen und damit auch zu finanzieren.“ Doch auch die Stadt, die das ~ Gelände zurückkaufte, müsse aktiv werden, müsse aus stadtplanerischen Überlegungen heraus früh „in die Diskussion um die Gestaltung des Umfeldes und des Denkmals selbst eingreifen“. Wichtig sei, von vornherein „eigene Vorstellungen“ in die Debatte einzubringen – hier also die erste Idee.
Für den Entwurf, so Lorig, standen zwei Gebäude Pate: die Verwaltungs- und Bürgerhalle MontCenis in Herne und der von Peter Zumthor für römische Funde in Chur konzipierte Schutzbau (die „SZ“ stellte ihn als mögliches Modell für die Völklinger Martinskirche vor). Den Vorbildern ist vor allem die Durchsichtigkeit abgeschaut: Der bewusst schlicht gehaltene Bau ist eine „selbsttragende Glaskonstruktion mit vorhängendem Sonnenschutz“, errichtet aus einfachen, leichten Materialien – Holz, Glas, für den Turm-Anbau vielleicht auch Aluminium oder Stahl. Überdecken soll er den älteren Teil der Kirche, deren jüngere Erweiterungen bleiben im Freien. Der Weg zum Schutzbau führt durch eine Art Park, der Weg ins Haus durch einen angebauten Turm, der die museale untere Ebene des eigentlichen Hauses ebenso erschließt wie die für Veranstaltungen gedachte Obere Etage und überdies die „Infrastruktur“ des Hauses beherbergt, von Garderoben über Toiletten bis zum Kassenhäuschen. 1,3 bis 1,5 Millionen Mark wären nach Lorigs und Reinhards Rechnung für den Bau und die Gestaltung des Außengeländes fällig. Wobei Lorig darauf setzt, dass sich für Teile des Komplexes Förderung einwerben ließe, etwa aus Mitteln der Europäischen Union oder der Städtebauförderung.

„Toll“ findet Landeskonservator Lüth – er hatte übrigens selbst das Zumthor-Vorbild ins Gespräch gebracht – , dass jetzt bereits ein erster Entwurf auf dem Tisch liegt. Ein Entwurf zudem, den er für „gestalterisch durchaus akzeptabel“ hält. „Aber wir brauchen noch Alternativen“: Nach wie vor denkt Lüth an einen Wettbewerb zur Gestaltung am „Alten Brühl“, für den er auch Organisationen wie den Bund Deutscher Architekten oder den Werkbund interessieren und private Mit-Finanziers gewinnen möchte. Nächste Woche gebe es erstmal im Umweltministerium Gespräche über die Finanzierung der Grabung 2002; dann könne man weitersehen. Und weiter planen.