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Saarbrücker Zeitung, 24./25.02.2001: Auf Fulcolingas Spuren

Auf Fulcolingas Spuren

Landeskonservator bei der Bürgerinitiative „Alter Brühl“

Völklingen (kük). „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Diese Ermutigung an der Wand des Besprechungsraumes konnten die rund 20 Getreuen gut gebrauchen, die sich im evangelischen Gemeindehaus versammelt hatten. Nur noch wenige Tage bleiben der Bürgerinitiative (BI) „Alter Brühl“ und der rasant wachsenden Zahl solidarischer Bürger, den alten Völklinger Ortskern zu bergen. Der juristische Stand der Dinge: Am 1. März werden Baumaschinen im „Alten Brühl“ anrollen, die sensationellen Funde aus über 1000-jähriger Geschichte mit einem Lidl-Laden zudecken und auf unbestimmte Zeit wieder im Dunkel verschwinden lassen.

BI-Sprecherin Maria Forster hatte zu dieser Dringlichkeitssitzung neben dem Landeskonservator Peter Lüth auch Vertreter der beiden Stadtratsfraktionen von CDU und SPD eingeladen. Lüth gab einen ausführlichen Überblick über „diese wichtigsten kirchlichen Grabungen der letzten 30 Jahre im Saarland“. Die bis jetzt erst im Ansatz freigelegten Gebäudereste deuten darauf hin, dass man hier dem ehemaligen Königsgut „Fulcolinga“ auf der Spur ist, einer Residenz Ludwigs des Frommen (778 bis 840). „Damit ist der Ort von zentraler Bedeutung und eine der wichtigsten Siedlungsstätten im Saarland. Der ,Alte Brühl“ ist eigentlich ein Geschenk der Geschichte an die Stadt.“ Lüth bezeichnete, bei aller wissenschaftlichen Sachlichkeit, das geplante Bauvorhaben schlicht als „Katastrophe“. Dieser Meinung schlossen sich alle Anwesenden an, und verschiedentlich wurde die Frage nach Verantwortung und „Schuld“ gestellt. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Völklinger Stadtrat, Volker Reitler, hatte aus Termingründen der Einladung nicht folgen können, so dass als Kommunalpolitiker nur Klaus Lorig, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, vertreten war. Er wies darauf hin, dass seine Fraktion in einer Anfrage an die Stadtverwaltung wissen wolle, was ein Rückkauf des Geländes kosten würde, kritisierte aber, dass man immer noch keine Antwort erhalten habe. Als Lorig wiederholt versuchte, „das öffentliche Schweigen des Oberbürgermeisters Hans Netzer“ als ungutes Zeichen zu deuten, widersprach ihm der Landeskonservator: Zwar habe auch er Schwierigkeiten, mit Netzer telefonischen Kontakt aufzunehmen, doch müsse man dessen Terminfülle bedenken. Der Oberbürgermeister sei aber bei früheren Gesprächen sehr bestürzt gewesen, als allen Beteiligten klar wurde, was im „Alten Brühl“ zur Disposition stehe. Niemand, auch Lidl nicht, habe die Situation allein zu verantworten. Man habe den historischen Wert der „Bodenschätze“ zunächst verkannt. „Es ist das altbekannte Problem: Planungsrecht und Denkmalrecht sollten beide beachtet werden bei Bauvorhaben. Lidl hat die geringste Schuld an diesem Unglück“, sagte Lüth.

Diese Meinung vertritt auch die Sprecherin der BI. Sie distanziert sich von jeglichen Boykott-Aufrufen oder Diffamierungen der Ladenkette. Außerdem betonte Maria Forster im Gespräch mit der „SZ“, die Initiative lasse sich vor keinen parteipolitischen Karren spannen: „Es geht uns nur um die Sache.“

„Meine Hilfe kommt vom Herrn . . . “ – auf diese Zuversicht würden die Bürger Völklingens gerne vertrauen. Die Hilfe aber sollte bald kommen.