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Saarbrücker Zeitung, 24./25.3.2001: Die Spaten haben jetzt Pause

24/25.3.2001

Die Spaten haben jetzt Pause

Nun wissenschaftliche Auswertung der Funde am Alten Brühl

Völklingen (dd). Wie geht es weiter am „Alten Brühl“? Am Mittwoch endete die Frist, die zunächst vereinbart worden war zwischen der Firma Lidl und dem Landeskonservatoramt. Am Mittwoch hätten die Archäologen, wenn es denn bei den Plänen zum Bau eines Discountmarktes geblieben wäre, endgültig Abschied nehmen müssen von der Grabungsstätte, an der sie den Resten der mittelalterlichen Martinskirche nachspürten. Doch inzwischen haben sich die Voraussetzungen verändert: Der Völklinger Stadtrat beschloss am 14. März, das geschichtsträchtige Gelände zurückzukaufen, und stellte die für den Rückerwerb nötige Summe in den kommunalen Nachtragshaushalt ein. Also kein Grund mehr für die Denkmalschützer, die Arbeiten einzustellen. Oder?

Jein, antwortet Landeskonservator Johann Peter Lüth. Für ihn ist grundsätzlich klar: „Die Grabung bleibt besetzt.“ Jedoch müsse er um die Genehmigung dazu neu verhandeln, „damit alles seine Ordnung hat“; doch weil künftig die Stadt Völklingen sein Partner sein wird, sieht er da kein Problem. Die Spaten haben trotzdem erstmal Pause: In den nächsten Wochen steht die wissenschaftliche Aufarbeitung der bisherigen Funde im Vordergrund. „Wir müssen unsere Fragen neu formulieren“, sagt Lüth, weitere Forschungen und Besprechungen sind geplant. Etwa zum Thema Archäologie in Völklingen, um der Siedlungs-Entwicklung genauer auf die Spur zu kommen. Oder zum Thema Baukunst: Die „Typengeschichte“ karolingischer und ottonischer Architektur in Europa verspricht nach Lüths Ansicht Aufschlüsse und eben auch präzisere Fragestellungen für die Völklinger Ausgrabung.

Außerdem stehen naturwissenschaftliche Analysen bevor. Physiker werden die im Bereich des Kirchturms gefundenen Knochen nach der „C 14“-Methode untersuchen; dabei messen sie den Prozentsatz der natürlich vorkommenden, schwach radioaktiven Kohlenstoff-Variante „C 14“ – so lässt sich das Alter organischer Substanzen bestimmen. Chemiker sollen sich mit dem Mörtel befassen, der die historischen Mauern zusammenhält: noch eine Methode, die Datierungen erlaubt. Spätestens im Mai gibt es neue Spaten-Arbeit: Drei, vier Monate lang wird die Grabungs-Kampagne fortgesetzt. Speziell dort, wo die Archäologen Spuren bislang unbekannter alter Bauten fanden, Mauern, deren einstige Funktion noch rätselhaft ist. Eine vollständige Erforschung des Kirchen-Denkmals sei aber in diesem Jahr undenkbar, das brauche zwei, drei Grabungs-Jahre.

Problem: das liebe Geld. Die Grabung am „Alten Brühl“ – ein solches Projekt kostet nach Lüths Auskunft normalerweise 100 000 bis 150 000 Mark jährlich – war im Denkmalschutz-Etat 2001 nicht eingeplant; „ich habe jetzt ein Kind mehr am Tisch, das futtert“, sagt der Landeskonservator. Doch er sagt es lächelnd, nein, kein Drama; er müsse halt vorläufig die Suppe etwas verdünnen, damit alle satt würden. Und nächstes, übernächstes Jahr? Da sei es noch zu früh für Festlegungen, meint Lüth. Er möchte lieber, parallel zu den aktuellen Erkundungen, Überlegungen anstellen zur späteren Nutzung des Geländes. Möglichst bald, gemeinsam mit der Stadt.

Und gemeinsam mit den Völklingern, denen der Landeskonservator ausdrücklich dankt dafür, dass sie sich einsetzten für die Erhaltung der historischen Stätte: „Das öffentliche Interesse ist unser Auftraggeber.“ Was dieses Interesse schließlich bewirkte, freut ihn – und nicht nur als Denkmalschützer: Völklingens Bürger, so sagt er, hätten hier gezeigt, dass sie wissen: Die Stadt gehört ihnen. Und niemandem sonst.