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Sonntagsgruß, 25.03.2001: Erster Schritt zum Denkmal

25.3.2001

Erster Schritt zum Denkmal

VON HELMUT PAULUS

Denkmalschutz Die Stadt Völklingen kauft für 1,7 Millionen Mark das Gelände am „Alten Brühl“ wieder zurück. Die Reste der alten Martinskirche sollen jetzt ausgegraben werden.
Bekommt das Weltkulturerbe „Völklinger Hütte“ jetzt Konkurrenz in der eigenen Stadt? Letzte Woche beschloss der Stadtrat einstimmig, das Gelände am „Alten Brühl“ für 1,7 Millionen Mark von dem Investor zurückzukaufen, der auf dem Gelände für den Lebensmitteldiscounter „Lidl“ einen Einkaufsmarkt errichten wollte. Dort stand einst die karolingische Martinskirche, deren Wurzeln bis insII. Jahrhundert zurückreichen. Jetzt ist der Weg frei für umfangreiche Ausgrabungen. Historiker vermuten hier wichtige Funde, die für die Geschichte des Landes von besonderer Bedeutung sein könnten. Landeskonservator Johann Peter Lüth bezeichnete die Martinskirche als den bedeutendsten Kirchenfund der letzten 30 Jahre im Saarland. Konnten doch durch Ausgrabungen einer Fibel, von Beschlagteilen und Knochen die ältesten Gebäudeteile auf das zweite Drittel des 9. Jahrhunderts datiert werden (wir berichteten im SONNTAGSGRUSS 4/2001).
Spannender Verhandlungspoker
Dem Entschluss des Stadtrats war ein spannender Verhandlungspoker vorangegangen. Eine Million Mark hatte die Stadt für das Gelände bekommen. Beim Rückkauf verlangte der Investor, die Firma Irus, jetzt 1,7 Millionen, da bereits umfangreiche Kosten für Planung und Erschließung der Baustelle angefallen seien. Doch die wollte Völklingens Oberbürgermeister Hans Netzer (SPD) nicht alleine zahlen. Er forderte die Landesregierung auf, einen Teil der Kosten zu übernehmen. In einem Schreiben an das Stadtoberhaupt setzte sich daraufhin Umweltminister Stefan Mörsdorf zwar nachdrücklich für den Erhalt des Denkmals ein, einen Zuschuss zum Rückkauf lehnte er jedoch kategorisch ab: „Die Bewahrung des Ortes, der die Fundamente der karolingischen Kirche und des möglicherweise noch älteren Friedhofs birgt, gehört zu den genuinen Aufgaben der Stadt Völklingen.“
Letztendlich blieb dem Stadtrat nichts anderes übrig, als tief in den Stadtsäckel zu greifen, um wieder an das Gelände zu gelangen. Denn auch der Druck aus der Bevölkerung war gewachsen. Über 2500 Völklinger beteiligten sich an einer Unterschriftensammlung. Neben der evangelischen Kirchengemeinde setzte sich eine Bürgerinitiative für den Erhalt der Ausgrabungsstätte ein. Sie bot jeden Freitag Führungen auf dem Gelände an und machte mit Veranstaltungen mobil. Jetzt feierte man den Erfolg mit einem ökumenischen Gottesdienst auf dem Grabungsgelände.
Doch das jetzt erzielte Ergebnis ist erst ein erster Schritt auf dem langen Weg zur Bewahrung des Ortes. Denn nach den Grabungen müssen die Funde konserviert, das Gelände überbaut und das Umfeld städtebaulich gestaltet werden. Hier hat der Umweltminister der Stadt allerdings Hilfe versprochen. In seinem Brief sagt Mörsdorf zu, die Grabungen durch das staatliche Konservatoramt weiter führen zu lassen und auch zu finanzieren. Er geht dabei von eins bis zwei Millionen Mark aus, die in den nächsten Jahren fließen müssen. Bis zu 1,5 Millionen schätzt er die Kosten, um die Grabungsfunde anschließend der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und den Ort zu schützen. Dazu verweist er auf Töpfe des Landes zur Stadtentwicklung und des Tourismus sowie Mittel der Europäischen Union und der Denkmalpflege.
Gestaltung des Umfeldes noch offen
Doch was nutzt das schönste Denkmal, wenn das Umfeld dazu nicht gestaltet wird. Otto Michels von der Bürgerinitiative fordert unter anderem den Wiederaufbau der ursprünglichen Friedhofsmauer und die Bepflanzung des ehemaligen Kirchhofes. Michels: „Ich kann mir eine parkähnliche Gestaltung des Geländes vorstellen.“ Hierzu wird es für die Stadt wohl schwieriger werden, Mittel einzuwerben. „Das ist noch offen“, sagt der Völklinger Öffentlichkeitsreferent Uwe Grieger. Allerdings habe die Stadt zur Erschließung des Geländes bereits 80.000 Mark investiert.
Die Bürgerinitiative will sich jetzt nicht zurückziehen. Man wolle die Arbeiten auch in Zukunft begleiten und sich bei der Planung des Geländes aktiv einbringen, betont Michels. In Zusammenarbeit mit dem Konservatoramt sollen auch die Führungen weiter angeboten werden: jeden Freitag um 15 Uhr.