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Saarbrücker Zeitung, 28.02.2001: Hans Netzer nickt zur tollen Rolle

Hans Netzer nickt zur tollen Rolle

Bürgerinitiative „Alter Brühl“ präsentiert dem Oberbürgermeister 2500 Unterschriften

Völklingen (dd). Wie lang die Papierrolle ist, die sie — an zwei stabilen Stäben befestigt — mitgebracht haben am Dienstagmorgen, haben sie nicht gemessen. Wohl aber hat die Bürgerinitiative (BI) „Alter Brühl“ gezählt, wie viele Namen auf den draufgeklebten Blättern versammelt sind: etwa 2500. So viele Menschen haben mit ihrer Unterschrift dafür votiert, die Reste der karolingischen Martinskirche am „Alten Brühl“ zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, statt sie mit einem Lidl-Markt zu überbauen. Jetzt überreichen Vertreter der BI Völklingens Oberbürgermeister Hans Netzer die Unterschriften. Der OB nimmt sich Zeit fürs Gespräch mit den Bürgern — nun, nachdem die Firma Lidl angeboten hat, zu Gunsten des Denkmals ihre Baupläne aufzugeben oder zu reduzieren (wir berichteten), lässt sich entspannter diskutieren als zuvor.

Oder doch nicht? Die Positionen sind nach wie vor weit voneinander entfernt. Für die BI ist einzig die „große“ Lösung akzeptabel — die Lösung also, bei der das geschichtsträchtige Gelände ganz ohne Bebauung bleibt. Der OB hingegen entwirft in düsteren Farben ein Bild von der Haushaltslage der Stadt, die — das sagt er nicht, aber es klingt an — einen Rückkauf des Grundstücks durch die Stadt gar nicht zulasse, er malt juristische Verfahrens-Komplikationen aus. Bis Christina Hennrich, Leiterin des Rechts- und Ordnungsamtes, sanft bremst: „Entschuldigung, aber wenn wir uns einigen…“.

Gewiss, sagt Netzer da, Politik nach dem Motto „Augen zu und durch“ sei nicht möglich, die Lösung werde entweder eine Verkleinerung des Lidl-Marktes sein oder eben die Rückabwicklung des Grundstücksgeschäftes, für die aber „alle gemeinsam“ die Kosten tragen müssten. Und: Das Land müsse dann dafür sorgen, „dass das Denkmal in vollem Umfang erschlossen und konserviert wird“, Umfeld-Gestaltung inklusive. Sonst, entfährt es dem Oberbürgermeister, „hätten wir neben dem Schrotthaufen da oben auch noch einen Schrotthaufen da unten“: Seine Begeisterung für Denkmäler und deren stadtentwicklerisches Potenzial hält sich erkennbar in Grenzen. BI-Vorsitzende Maria Forster, eine Dame von hartnäckigem Charme, fragt ihn am Ende, ob er denn alles ihm Mögliche für die Erhaltung des Kirchen-Denkmals tun werde? Ein langer Blick zurück, ein Nicken.

Für seine Forderung nach Hilfe vom Land für den „Alten Brühl“ hat Netzer politische Unterstützung. Roswitha Hollinger, Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des SPD-Gemeindeverbandes Völklingen, hat vor wenigen Tagen den Ministerpräsidenten brieflich gebeten, „alles in Ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um den Menschen unserer Stadt einen Teil ihrer Geschichte erlebbar zurückzugeben“. Und die CDU-Fraktion im Völklinger Rat spricht in einer Pressemitteilung davon, es „müsse überprüft werden, ob … höhere Kosten der Stadt … über Sonderzuweisungen ausgeglichen werden könnten“, da das Denkmal „auch für die Geschichte des Landes von besonderer Bedeutung“ sei.

Verhandlungs-Poker — das Ergebnis ist offen