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Saarbrücker Zeitung, Juni 2001: Kräfte die wir aus der Geschichte nehmen können

Kräfte die wir aus der Geschichte nehmen können

Zweites Bürgerforum „Alter Brühl“ beschließt organisatorischen Neubeginn
Völklingen (dd). Als die evangelische Versöhnungskirchengemeinde das erste Mal einlud zum „Bürgerforum Alter Brühl'“, schien es kaum möglich, die Reste der aus Völklingens frühester Zeit stammenden Martinskirche für die Öffentlichkeit zu bewahren. Jetzt, beim zweiten Bürgerforum, eine andere Lage:
Die Firma „Lidl“ hat auf den geplanten Neubau eines Discount-Markts verzichtet und der Stadtrat in parteiübergreifender Einigkeit die historische Stätte zurückerworben; im Auftrag des Landeskonservatoramtes arbeiten seit Anfang Mai Archäologen weiter an der Ausgrabung. Eine Zukunft öffnet sich für die ältesten Zeugnisse der Völklinger Vergangenheit, um ihre Erhaltung müssen die Bürger nicht mehr kämpfen. Aber sie bleiben engagiert: Trotz Sommerwetter wollen am Dienstagabend im Martin-Luther-Haus rund 30 Menschen Neues von der Grabung hören und Perspektiven für den „Alten Brühl“ diskutieren. Wonach die Archäologen jetzt forschen, darüber berichtet Grabungsleiterin Dr. Sabine Donié. Ihr Team arbeitet am Turm der Martinskirche, der älter ist als der Kirchenbau selbst. Noch älter dürfte das an den Turm angelehnte Wohngebäude sein, das die Ausgräber inzwischen freilegten – Karolingerzeit, da hat Donié keinen Zweifel; weil am Turm die historische Folge der Bodenschichten intakt blieb, lassen sich Funde verlässlich datieren. Ja, antwortet sie auf eine Zuhörer-Frage, zum Ende der Grabungs-Kampagne, im Juli, soll es wieder Führungen geben. Aber dazu könne ein anderer Abend-Gast mehr sagen. Landeskonservator Johann Peter Lüth tut das bereitwillig. Ja, die Grabung gehe 2002 weiter. Wie, lasse sich aber erst planen, wenn im Herbst die Ergebnisse aus­gewertet seien. Es hängt wohl auch am Geld – die jetzige Grabungs-Kampagne, sagt Lüth, werde nicht aus Mitteln des Denkmalschutzes finanziert, dafür habe das Umweltministerium aus einem Extra-Fonds 75 000 Mark locker gemacht. Wie die Grabung durch den nächsten Winter kommt? Mit einem provisorischen Schutz, erläutert Lüth. Für die Zukunft ist er -sicher, dass wir die alte Friedhofsmauer wiederherstellen müssen: ein umfriedeter Bereich des Gedenkens, fürs Bauen tabu – beifälliges Nicken aus der Runde. Noch mehr Zustimmung für die spontane Idee des Umweltministers Mörsdorf, einen später zu errichtenden Schutzbau auch als Kirche zu nutzen; wenn der Lärm vom nahen Bahndamm Gottesdienste störe, wie der Gastgeber, Pfarrer Dr. Andreas Hämer, einwirft, könne man ja für Schallschutz sorgen, meint Lüth. Und erinnert im nächsten Atemzug daran, dass in Völklingen ja ein Stadtmuseum fehle; eines, das sich – anders als das auf die Warndt-Geschichte konzentrierte Haus in Ludweiler – der Stadt selbst widme. Wann denn genug Grabungs-Ergebnisse vorlägen, um die städtebauliche Planung für die Grabungsstätte und ihr Umfeld zu beginnen, will Volker Reitler wissen, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion und Kandidat seiner Partei für die näch­ste Oberbürgermeister-Wahl. Lüths Antwort zeigt, dass er mit Gestaltungs-Ansätzen nicht auf die Forscher warten will: Ein Kolloquium im Herbst soll erste Planungs-Ideen liefern, sagt er, und dann gebe es ja im Mai 2002 feste Termine. Nämlich für Anträge auf Fördergeld. Klaus Lorig, Oberbürgermeister-Kandidat der CDU (ist da etwa ein Hauch von Wahlkampf?), hat Vorschläge dabei, wie man den historischen Platz und seine Zukunfts-Rolle für die Stadt ins Bürger-Gespräch bringen könnte; im September, zum „Tag des offenen Denkmals“, eine Veranstaltungsreihe zum .Alten Brühl“. Ein Grabungsfest, ein mittelalterlicher Jahrmarkt, wird aus der Runde ergänzt. Nicken von Lüth. Der dann, auf eine andere Zuhörer-Frage hin, Völklingens Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf überraschende Art l verknüpft: „Wir wissen jetzt, dass Völklingen schon in sehr früher Zeit ein außerordentlich bedeutender Ort war“, sagt er. Und dann, ein paar Sätze später:
„Wir brauchen für diese Stadt wieder Kräfte, die wir aus der Geschichte nehmen können.“ Das will was heißen. Und die Versammelten nehmen den Ball auf, wollen das Engagement, das Lüth so optimistisch für die Stadt stimmt, fortsetzen:
Nachdem der im April gegründete Förderverein für das Denkmal am „Alten Brühl“ irgendwie nicht in die Gänge kam, machen sie einen neuen Anfang, das Forum wird zur Gründungsversammlung. In ein paar Tagen wird eine zweite Versammlung, zu der man auch die Mitglieder des ersten Vereins einladen will, über Satzung und Vorstand beschließen; und noch vor den Sommerferien soll der neue Verein eingetragen und arbeitsfähig sein.