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Völklinger Kinogeschichte – Vom Konzerthaus Glückauf ins große Filmtheater

Große Teile dieser Chronik zitieren aus der dritten Auflage der von Günther Theis verfassten Chronik
„100 Jahre Völklinger Filmtheater – 1910 bis 2010“.
Weitere Inhalte sind Informationen Dritter und entsprechend gekennzeichnet – Bitte beachten Sie das © auf dem Bildmaterial.

1910:
Im Haus Moltkestraße 9 befand sich im Erdgeschoß die Gastwirtschaft Völklinger Hof. Im 1. Obergeschoß gab es einen Saal, in dem Veranstaltungen verschiedener Art abgehalten wurden. An der Front prangte die Schrift „Konzerthaus – Glück auf“, so dass angenommen werden kann, dass damals in diesem Saal Konzerte abgehalten und Theater gespielt wurde. Mit breitem Eingang und über eine breite Treppe gelangte man in den Saal im Obergeschoß. In diesem Haus baute Sebastian Theis im Jahr 1910 als Pächter und als Konkurrenz zu den damals üblichen Wanderkinos, ein feststehendes Kino ein. Im Gegensatz zu den mit starken Glühbirnen ausgestatteten Wanderkinos wurde das Zentralkino mit moderneren Vorführmaschinen und Lichtquellen, den Meschau-Projektoren mit Kohlenbogenlicht, ausgestattet. Die mit starkem Gleichstrom betriebenen Kohlenbogenlampen wurden mit einem in einer Garage des angrenzenden Hauses Hofstattstraße 14/16 eingebauten Motor-Generator (Umformer, formt Wechsel- in Gleichstrom um) gespeist. Dicke Kabel wurden unter dem Dach des angrenzenden Zentraltheaters hindurch bis in den Vorführraum im 2. Obergeschoßes geführt.
Anfangs wurde gegen Gipswände oder auch gegen aufgespannte Leinwände projiziert. (LXXIX)

Sebastian Theis * 07.11.1888 † 04.05.1973
Sebastian Theis
* 07.11.1888
† 04.05.1973

 

Käthe Theis * 12.01.1890 † 26.06.1974
Käthe Theis
* 12.01.1890
† 26.06.1974

1912:
Nach seiner Eheschließung im Jahre 1912 bezog Sebastian Theis mit seiner Ehefrau Katharina geb. Zander eine Wohnung im gleichen Geschoß. (LXXIX)

Zentral-Kino 1912 © Günther Theis
Zentral-Kino 1912 © Günther Theis

1916/18:
Theis plante einen Neubau, der aber dann an der nicht erteilten Abbruchgenehmigung für die drei alten, auf dem Baugelände noch vorhandenen Bauernhäuser mit 5 darin wohnenden Familien, scheiterte. (LXXIX)

1919:
Katharina Theis erwirbt das Haus Moltkestraße 9 von der KG PH. u. C. Andreas aus Kirn an der Nahe.
Die Weber AG, Karlsberg Brauerei Homburg erwirbt das Haus Moltkestraße 7 vom Brauereidirektor Ludwig Geohring aus Homburg.

1919 eröffnete Theis in Püttlingen die „Kaisersaal-Lichtspiele“, die er 1938 verkaufte. (LXXIX)

1920:
Exkurs nach Wehrden:
Neben dem „Zentral- und dem Metropol-Theater“ existierte schon sehr früh auch in Wehrden ein feststehendes Kino mit Gastwirtschaft, das „Capitol“. Es wurde 1920 von Nikolaus Rupp gebaut. Sohn Peter und sein Enkel Klaus Rupp führten es weiter. Infolge fehlender Rentabilität wurde es in den 1990er Jahren geschlossen.
Das Anwesen wurde an eine türkische Moschee-Gesellschaft verkauft und zu einer Moschee umgebaut. In 2010 wollte diese Gesellschaft der Moschee ein Minarett hinzufügen, was sowohl bei der Stadt als auch der Wehrdener Bevölkerung auf Widerstand stieß. Die Gesellschaft versprach aber, keine Muezzin-Gebete von dort verbreiten zu lassen. (LXXIX)

1921:
Sebastian Theis erwirbt das Haus Moltkestraße 7 von der Weber AG, Karlsberg Brauerei Homburg.

1921 erwarb er in Völklingen die „Tannhäuser-Lichtspiele“, die er nach wechselvollem Schicksal 1952 in die „Bürgerbräu-Lichtspiele“, kurz BB genannt, umbenannte und modernisierte. (LXXIX)

1923:
1923 fügte Sebastian Theis in der Moltkestraße 7 das „Metropol-Kino“ hinzu.
Sebastian Theis beauftragt den Völklinger Architekten Franz Wagner bereits 1916/18 den angedachten Kino-Neubau zu planen. (LXXIX)

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1926:
1926 verhandelte Sebastian Theis in Paris, zusammen mit Kollegen aus Lothringen und Luxemburg, mit dem Chambre Syndical über die zu hohen Zölle bei der Einfuhr von Filmen aus Deutschland[1].

Ab 1926 unterhielt Sebastian Theis auch das „Alhambra“ in Dillingen; letzteres wechselte 1929 wieder den Besitzer. (LXXIX)

1927:
Am 27.03.1927 wurde Günther Theis, Sohn von Käthe und Sebastian Theis, im Haus Moltkestraße 9 geboren.

In Hausnummer 7, befand sich eine Karlsberg-Gastwirtschaft (Marktecke) und im 1. Obergeschoß ein Saal mit einer Wohnung im 2. Obergeschoß. Auch dieses Haus war damit für Saal-Veranstaltungen jeglicher Art geeignet. Im Jahr 1923 hat Sebastian Theis in diesem Saal das zweite feststehende Kino mit dem Namen Metropol-Theater eingebaut. Auch hier wurde mit modernem Gerät wie im Zentral-Theater vorgeführt. Um die beiden Kinos jetzt zusammenzuführen wurde im Treppenaufgang zum Zentral-Theater in halber Höhe ein Durchbruch zum Metropol-Theater geschaffen, so dass die beiden Kinos über einen gemeinsamen, repräsentativeren Eingang zu erreichen waren. Die Kinos nannten sich jetzt „Filmpalast“, später „Lichtspiele“, dann „Vereinigte Lichtspiele“. (LXXIX)

1928:

Im Zentral-Kino läuft 1928 Ben-Hur © Günther Theis
Im Zentral-Kino läuft 1928 Ben-Hur © Günther Theis
Zentral-Kino 1928 © Günther Theis
Zentral-Kino 1928 © Günther Theis

1931/32:
Das Bauvorhaben von Theis wurde erneut aufgegriffen und ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, an dem sich 8 Architekten beteiligten. Dieser Anlaufscheiterte an den Schwierigzeiten dieser Zeit (mehr dazu unter 1941). (LXXIX)

Metropol- und Zentral-Kino 1930 © Günther Theis
Metropol- und Zentral-Kino 1930
© Günther Theis

1932:
1932 hat Sebastian Theis seine Völklinger Kinos (zusammen mit dem damals gemieteten Kaisersaal in Püttlingen) an die Herren Emil Gerdes und Fritz Gard aus Saarbrücken verpachtet. Obwohl der Pachtvertrag bis 1938 unterschrieben war, mussten die Theater 1935 wieder von Theis übernommen werden. Möglicherweise meinten die Pächter, in Anbetracht der bevorstehenden Saarwahl am 13. Januar 1935[2] (Rückgabe des Saarlandes an Hitler-Deutschland), Benachteiligungen politischer Art befürchteten zu müssen.

Ein Exkurs nach Wehrden:
An der Wehrdener Saarbrücke nach Völklingen stand eine sehr alte Gastwirtschaft (vermutlich schon aus dem 19. Jahrhundert), als Gasthaus Eggner (nach seinem Betreiber) bekannt gewesen. Kurz danach, vermutlich schon Ende des 19. Jahrhunderts, wurde daran anschließend ein großes Haus als Versammlungs- und Tanzsaal von den Eltern des später bekannt gewesenen Kaspar Kurtz gebaut. Später wurde der Saal vermutlich auch von einem Wanderkinospieler benutzt und danach ein feststehendes Kino mit dem Namen „Union-Theater“ eingebaut.
Dort lief später auch der 1931 gedrehte und am 16.10.1931 in Deutschland Erstaufgeführte Schwarz-Weiß-Film „Reserve hat Ruh“, ein uralter Militärschwank mit Fritz Kampers, Paul Hörbiger, Senta Söneland, Hugo Fischer-Köppe, Albert Paulig und anderen. (LXXIX)

Union-Kino Wehrden 1932 © Günther Theis
Union-Kino Wehrden 1932 © Günther Theis

 

Union-Kino Wehrden 1932 © Günther Theis
Union-Kino Wehrden 1932 © Günther Theis

1938:
Theis wurden von der Reichsfilmkammer in Berlin alle Konzessionen entzogen (er gehörte seit 1918 der Sozialdemokratischen Partei an). Beide Kinos wurden an das NSDAP-Mitglied Hans Holland aus Pforzheim vermietet. (LXXIX)

1939:
Kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges, also Ende 1939, wurde in der Völklinger Wilhelmstraße (später Rathausstraße), gegenüber der katholischen Pfarrkirche St. Eligius, ein Kino-Neubau begonnen. (LXXIX)

1941:
Wegen der Kriegsereignisse und der Evakuierung der Bevölkerung konnte der Kino-Neubau jedoch erst am 01. April 1941, also noch während der Kriegshandlungen, fertig gestellt und eröffnet werden. Es wurde „Westmark-Filmbühne“ genannt. Erstaunlich war, dass dieses Haus, trotz der wegen Kriegsereignisse rationierten Baustoffe, fertig gestellt werden konnte. Das Nationalsozialistische Regime mit einer ebenso geprägten Stadtverwaltung unter Stadtbürgermeister Dr. Eder konnte offensichtlich politische Hemmnisse überwinden[3]. Die Feierlichkeiten anlässlich der Eröffnung dieses 720 Plätze fassenden Kinos waren demnach auch entsprechend politisch ausgerichtet, was sich in einer Rezension im „Völklinger Volksfreund“[4] vom 02. April 1941 mit interessanten Formulierungen der Festredner, niedergeschlagen hat. Dabei fallen besonders die diskriminierenden Äußerungen des Bürgermeister Eder über die vorhandenen Kinos auf, die man als ehrabschneidende Äußerungen bezeichnen muss.

Er hätte wissen sollen, dass ein Neubau schon in den Kriegsjahren 1916/1918 geplant wurde, der aber dann an der nicht erteilten Abbruchgenehmigung für die drei alten, auf dem Baugelände noch vorhandenen Bauernhäuser mit 5 darin wohnenden Familien, scheiterte.

Er hätte wissen müssen, dass Sebastian Theis schon 1923 den Völklinger Architekten Franz Wagner beauftrag hatte, einen Neubau zu planen. Das Bauvorhaben konnte damals nicht durchgeführt werden, weil auf dem vorgesehenen Eck-Bauplatz in der damaligen Friedrichstraße/Hofstattstraße (heute Karl-Janssen-Straße), dem Platz des heutigen Residenz-Theaters, immer noch drei alte, noch bewohnte Bauernhäuser standen, deren Abriss wegen der vorhandenen Wohnungszwangsbe­wirtschaftung immer noch nicht genehmigt wurde.

Er hätte wissen müssen, dass 1931/1932 das Bauvorhaben erneut aufgegriffen und ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben wurde, an dem sich 8 Architekten beteiligten. Die zu dieser Zeit herrschende Wirtschaftskrise und die politischen Verhältnisse (bevorstehende Saarabstimmung am 13. Januar 1935 mit möglicherweise bevorstehenden, tief greifenden Änderungen der Land- und Staatszugehörigkeiten) bereiteten nochmals erhebliche Schwierigkeiten, so dass das Bauvorhaben wieder vertagt werden musste. Auch nach 1935 wurde es nicht besser und der heraufziehende 2. Weltkrieg 1939/1945 vereitelte wiederum durch die Zwangsbewirtschaftung der Baustoffe[5] (Bau des Westwalls) den Aufbau.

Inzwischen war das 1939 erbaute und 1941 als „Westmark“ eröffnete Kino nach Kriegsende unter Sequester- bzw. Zwangsverwaltung gestellt und von einer bestellten Sequester-Verwalterin, Frau (Paula?) Rüth, weitergeführt worden. Das in „Filmbühne“ umbenannte Kino wurde nach Beendigung der Sequester-Verwaltung wieder an den überprüften Eigentümer, den Saarlouiser Kinobesitzer Ernst Gill, zurückgegeben. Später hat er dieses erst 1939 bzw. 1941 erbaute Haus nach Abriss zum Kaufhaus mit einem Kino neu gebaut und an die amerikanische Kaufhaus-Firma „Woolworth“ verkauft.

Gill wollte den darin vorgesehenen zweiten Saal nicht bauen, wenn Sebastian Theis ihm – wie er von Theis verlangte – dessen Metropol- und Zentral-Kinos verpachten würde, möglicherweise mit dem Hintergedanken, damit einen Theis-Neubau verhindern zu können. Theis, von nationalsozialistischer Vergangenheit unbelastet, hat dieses Verlangen jedoch abgelehnt. Gill hat den zweiten Saal dann nicht gebaut. (LXXIX)

Zeitungsbericht zur Eröffnung der Filmbühne © Günther Theis
Zeitungsbericht zur Eröffnung der Filmbühne © Günther Theis

1945:
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges 1945 hat Theis die Theater wieder übernommen. (LXXIX)

1950er:

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1952:
Am Völklinger Alter Markt 15 wurde von Sebastian Theis 1952 in dem ihm gehörenden ehemaligen „Bürgerbräu-Saal“ die „Bürgerbräu-Lichtspiele“, abgekürzt „BB“ genannt, eröffnet und bis 30. April 1962 betrieben[6]. Kurze Zeit nach der Eröffnung wurde in diesem Haus (und parallel dazu im Metropol-Theater) der Film „Nachts auf den Straßen“ mit Hans Albers gezeigt. Hans Albers selbst war anwesend und erfüllte zahlreiche Autogrammwünsche. Spät abends traf sich die Familie Theis dann mit Hans Albers und geladenen Gästen in ihrem Privathaus in der Hohenzollernstraße 8.

Eröffnung der BB-Lichtspiele Hans © Günther Theis
Eröffnung der BB-Lichtspiele Hans © Günther Theis

Der Bau der Umgehungsstraße machte später den Abriss des BB-Gebäudes erforderlich. (LXXIX)

Hans Albers besucht zur Eröffnung die BB-Lichtspiele, gezeigt wird sein Film "Nachts auf den Straßen" © Günther Theis
Hans Albers besucht zur Eröffnung die BB-Lichtspiele, gezeigt wird sein Film „Nachts auf den Straßen“ © Günther Theis

1957:
In seiner Einladung zur Eröffnung des „Residenz“ am Freitag, dem 04. Oktober 1957[7], hatte der Bauherr Sebastian Theis u.a. die Geschichte dieses Hauses wie folgt beschrieben:

„Der Neubau wurde schon 1916/1918 geplant, weil das im Jahre 1910 im Tanzsaal der Gastwirtschaft ‚Völklinger Hof‘ errichtete ‚Zentral Theater‘ mit der Zeit den Anforderungen der immer aufwärts strebenden Entwicklung der Lichtspieltheater nicht mehr gerecht sein würde. Die von mir damals angekauften drei alten Bauernhäuser[8] nebst einer alten Dorfschmiede aus den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts, standen auf einer kleinen Anhöhe und sperrten die Hofstattstraße bei ihrer Einmündung in die heutige Karl-Janssen-Straße[9] bis weit über die Straßenmitte. Ein Bauernfuhrwerk hatte alle Mühe, ohne Schaden durch diese enge Passage zu fahren. Die gesamte Baufläche hatte damals 1400 qm betragen, wovon noch über 400 qm vor der heutigen Baufluchtlinie liegen und als Bürgersteig und Straße benutzt werden. Bereits 1923 hatte Architekt Franz Wagner, Völklingen, den Auftrag, das Theater zu bauen. Die Pläne waren fertig. Leider konnte das Bauvorhaben nicht durchgeführt werden, weil das dritte alte Wohnhaus noch mit 5 Familien bewohnt war und der Abbruch wegen der Wohnungszwangsbewirtschaftung nicht genehmigt wurde[10].

Als Ersatz für den geplanten Zweckbau errichtete ich in dem Tanzsaal meines Hauses Moltkestraße 7 (Markt-Ecke) das heutige ‚Metropol-Theater‘. 1931/1932 habe ich das Bauvorhaben erneut aufgegriffen und einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben, an dem sich 8 Architekten beteiligten. Die zu dieser Zeit herrschende Wirtschaftskrise und die politischen Verhältnisse (Saarabstimmung 1935) bereiteten nochmals erhebliche Schwierigkeiten, so dass das Bauvorhaben wieder vertagt werden musste. Auch nach 1935 wurde es nicht besser und der heraufziehende 2. Weltkrieg 1939/1945 vereitelte wiederum durch die Zwangsbewirtschaftung der Baustoffe (Westwall) den Aufbau.

1955 im Juli beauftragte ich Herrn Architekt Hanns Rüttgers, Düsseldorf, einen neuen Entwurf auszuarbeiten. 1956 im Mai wurde der erste Spatenstich gemacht und mit der Ausschachtung begonnen[11]. Nach 16-monatiger Bauzeit ist es nun soweit, dass das Haus ‚Residenz‘ der Öffentlichkeit übergeben werden kann.“

Dazu ist nachzutragen: Die Gesamtleitung hatte Hanns Rüttgers. Er galt als Spezialist für Filmtheater (bis dahin über 350 Filmtheater erstellt, davon 60 kombiniert mit Bühne). Die örtliche Bauleitung hatte Dipl. Ing. Adolf Bertram AKS., Völklingen. Er erstellte auch die Statik. Prüfingenieur war Dipl. Ing. Hans Korf, Völklingen.

Der Angebotspreis für den Rohbau belief sich auf über 40 Mio FFrs. Die Bauausführung wurde dann an die saarländische Firma Allgemeine Baugesellschaft m.b.H., eine Tochtergesellschaft der deutschen STRABAG, vergeben. Ein zweites Angebot der Fa. Roeder, Geislautern, konnte nicht berücksichtigt werden, jedoch war sie in engster Wahl für den Erhalt des Auftrags. Bis zur Fertigstellung inklusive Innenausbau mag der Gesamtpreis des neuen Hauses bei weit über 40 Mio FFrs. gelegen haben.

Insgesamt waren 49 Firmen an der Errichtung des Hauses beteiligt:

  1. Ausschachtungsarbeiten – A.Finkler, Völklingen-Wehrden
  2. Stahlbeton, Rohbau und Maurerarbeiten – Allgem. Baugesellschaft m.b.H. Saarbrücken
  3. Maurerarbeiten – Funk, Fritz, Völklingen
  4. Dachdeckerarbeiten – Krämer, Jos. GmbH, Saarbrücken
  5. Klempnerarbeiten – Bales, Anton, Saarbrücken
  6. Ölheizungsanlage – H. Neumeyer, SB-Gersweiler
  7. Koksheizungsanlage (Etagenheizung) – Schmidt, Joh, Völklingen
  8. Koksheizungsanlage (Etagenheizung) – Nadig, Willy, Völklingen
  9. Klima- und Entlüftungsanlage – Mabag GmbH, Sulzbach
  10. Wasser-, Gas- und sanitäre Anlagen – H. Neumeyer, SB-Gersweiler
  11. Gipserarbeiten und Stuckdecken – Gusenburger, Nik., Völklingen
  12. Gipserarbeiten und Stuckdecken – Kind, Jakob, Riegelsberg
  13. Elektro-Installation – Arbeitsgemeinschaft Schäfer-Eich, Völklingen
  14. Kinotechnische Einrichtung (Syst. Klangf.) – Siemens & Halske, Saarbrücken
  15. Schlosserarbeiten – Greif, Karl & Söhne, Völklingen
  16. Schlosserarbeiten – Werkle, Karl und Söhne, Ottweiler
  17. Schlosserarbeiten – Eisenbarth, Hugo – Beckingen
  18. Stahlfenster – Croon, Lorenz, Wustweiler
  19. Stahltüren, Fenster und Vitrinen – Becker, Josef, Püttlingen
  20. Securitglastüren – Meyer, G.M., Saarbrücken
  21. Glaserarbeiten – Spieldenner, Völklingen
  22. Plattenarbeiten (Marmor) – Trunzler, Ludwig, Völklingen
  23. Plattenarbeiten (Kassenhalle) – Niederer, Albert, Völklingen
  24. Plattenarbeiten (Aussenfront und Toiletten) – Deutsch, Gebrüder, Saarbrücken
  25. Aussenputz – Sasso-Sant, Saarlouis
  26. Terrazzoarbeiten – Castioni & Frey, Saarbrücken
  27. Bodenbelag und Zementestrich – Krämer, Jos. GmbH, Saarbrücken
  28. Schreinerarbeiten – Hauch, Jos., VK-Fürstenhausen
  29. Schreinerarbeiten – Ostien, Georg, VK-Geislautern
  30. Schreinerarbeiten – Fuhr, Hermann, Bliesdorf
  31. Möbelschreinerarbeiten – Slis-Hermann, Saarbrücken
  32. Rollläden – Weber, Otto, Saarbrücken
  33. Bestuhlung – Kaiser, Charles, Straßburg
  34. Theaterdecke und Innenausbau – Grünzweig & Hartmann, Saarbrücken
  35. Innendekoration und Bespannung – Celo, Carl, Saarlouis
  36. Gerüstbau – Westermann, Heinrich, Völklingen
  37. Gerüstbau – Saaller, Franz, Saarbrücken
  38. Theatervorhänge – Sinn, Gebrüder, Saarbrücken
  39. Teppiche – Sinn, Gebrüder, Saarbrücken
  40. Gummibelag und Läufer – Capla, Kautschuk, Saarbrücken
  41. Neonanlage – Neon-Ultral-Lux-Gesellschaft mbH, Saarbrücken
  42. Beleuchtungskörper – Rixecker-Eich, Völklingen
  43. Beleuchtungskörper – Mehrle, Gebrüder, Saarbrücken
  44. Beleuchtungskörper – Helm, Elektro-Werkstätte, Saarbrücken
  45. Personenaufzug – Antriebstechnik, Saarbrücken
  46. Aschenaufzug – Kasper, Alois, Primstal
  47. Uhrenanlage – Siemens & Halske, Saarbrücken
  48. Telefonanlage – Telegraphenbauamt, Saarbrücken
  49. Maler- und Anstreicherarbeiten – Kiefer, Alfons, Saarbrücken

Die Eröffnung des Kinos erfolgte am 04. Oktober 1957 mit dem Farbfilm CASINO DE PARIS mit Caterina Valente u.a. (LXXIX)

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In 6 angebotenen Kinosälen finden sich 1957 über eine Millionen Besucher ein. Pro Einwohner waren das damals 25,5 Besuche pro Jahr und Einwohner Völklingens. (LXXIX)

1959:
Im Jahre 1959, also nach dem sog. „Tag X“, gab es einen Besuchereinbruch von über 52,95 %. Das Freizeitverhalten der Bevölkerung änderte sich. Die Anzahl der neuen Fernsehgräte z.B. stieg an. Vor dem Tag X waren es nur etwas mehr als 6.000 Geräte im Saarland. Die Grenzöffnung zur Bundesrepublik mit der DM-Währung erschloss der Bevölkerung neue Möglichkeiten. Reisen mit Auto, Reisen per Flugzeug usw., bot eine große Auswahl, bisher zurück gehaltene Wünsche zu erfüllen.

Exkurs nach Wehrden:
Im Atrium-Kino Wehrden (früher Union-Theater), hat Ludwig Landvogt (geb. 23.02.1900), nach dem 2. Weltkrieg, genauer gesagt, am 24.07.1959 ein Kino mit dem Namen „Atrium“ eröffnet. Landvogt war Disponent bei einer saarländischen Film-Verleihfirma. Wegen mangelnder Besucherzahl konnte sich dieses Haus nicht halten und wurde am 30. November 1960 wieder geschlossen. Später (in den 90er Jahren Anmerkung: Andreas Hell) wurde das gesamte Anwesen wegen verkehrspolitischer Umgestaltung des sog. „Brückenkopf Wehrden“ abgerissen.

Günther Theis eröffnet im Januar gemeinsam mit seiner Frau Inge Theis in Saarbrücken das spätere Filmkunsttheater Camera. (LXXIX)

1964:
Günther Theis, der das Kino seit 1964 von seinen Eltern Sebastian und Katharina Theis gepachtet hatte, betrieb es fortan weiter mit seiner Ehefrau Inge Theis geb. Vössing. Bereits am 27. Mai 1963 gründeten beide die Firma „Theis-Filmtheaterbetriebe GmbH“. (LXXIX)

Günther Theis
Günther Theis

 

Inge Theis geb. Vössing
Inge Theis geb. Vössing

 

1965:

Völklinger Residenzkino 1965 © Günther Theis
Völklinger Residenzkino 1965 © Günther Theis

1966:
Sebastian Theis verkauft das Haus Moltkestraße 7 (das bisherige Metropol), auch das Haus mit der Hausnummer 9 (das bisherige Zentral). (LXXIX)

1972-74:
Neben dem normalen Filmangebot initiierten sie ab 02.11.1972 bis 27.06.1974 einen sog. TAG DER AUSLESE. Dazu wurden Informationsblätter gedruckt und an der Kasse zur Mitnahme aufgelegt. Und damit die ältere Generation auch zu ihrem Recht kommt, haben sie sich (so in einer Eröffnungsschrift) dazu etwas Spezielles einfallen lassen und das wie folgt beschrieben:

„Jeweils die erste Vorstellung um 16,00 Uhr wird dem guten, alten Film gewidmet sein. Streifen der vergangenen 30 Jahre (und teilweise noch länger her) werden zur Aufführung kommen. Namen wie Marlene Dietrich, Adele Sandrock, Heinrich George oder Zarah Leander werden wieder auf der Leinwand auftauchen und bei Vielen Erinnerungen wachrufen. Und weil viele dieser Titel – vom Material und der Technik her – nicht mehr taufrisch sind, zeigen wir sie zu einem ermäßigten Eintrittspreis: DM 2,10 auf allen Plätzen. In den beiden darauf folgenden Vorstellungen dann – also um 18,15 und 20,30 Uhr – zeigen wir ausgesuchte Filme neueren Datums, oft Wiederaufführungen, die Sie damals versäumt oder vielleicht auch noch gar nicht gesehen haben. Für diese Vorstellungen müssen wir die normalen Eintrittspreise zur Anwendung bringen.

Alles in allem also ein Lichtblick im Filmangebot der Völklinger Theater für die Freunde des anspruchsvollen Films. Nehmen Sie sich Zeit und suchen Sie sich aus der monatlich erscheinenden Programm-Vorschau Ihren Film aus. Von Ihnen hängt es ab, ob dieser TAG DER AUSLESE zur ständigen Einrichtung wird.“

Ab Mai 1973 hieß es dann:
„Die ersten Vorstellungen, die vor allem für die älteren Besucher gedacht sind, werden nur sehr schwach besucht, so daß wir diese Art Filme ab Mai 1973 nur noch an einem Tag, nämlich jeweils am 1. Donnerstag eines jeden Monats zur Vorführung bringen. Da diese gut gemeinten, aber schwach besuchten, Vorstellungen also mangels ausreichender Anzahl Besucher stark defizitär waren, haben wir zunächst bei der Stadt Völklingen versucht, aus sozialen Gründen Hilfe zu bekommen. Von dort wurden wir an den Landrat und von dort an verschiedene andere Stellen verwiesen. Niemand war zuständig oder hatte Möglichkeiten, Gelder für eine sog. ‚Altenhilfe‘ zur Verfügung zu stellen.

An den übrigen Donnerstagen wird dafür der jeweilige Auslese-Film dann in allen drei Vorstellungen gezeigt.“

Ab Februar 1974 zeigten die monatlichen Informationsblätter dann den Zusatz:

„In Verbindung mit der Volkshochschule der Stadt Völklingen“.

Wegen dem Ausbleiben der älteren Besucher wurden ab April 1974 nur noch zwei Vorstellungen angeboten. Im Sommer 1974 wurde der TAG DER AUSLESE dann ganz eingestellt. (LXXIX)

1973:
Sebastian Theis starb im Alter von 85 Jahren. Seine Frau Käthe folgte ihm ein Jahr später im Alter von 84 Jahren.

Als Sebastian Theis verstarb, ging die Verwaltung des Anwesens wieder an seine Ehefrau, die Eigentümerin Käthe Theis geb. Zander, zurück. Als auch diese verstorben war, wurde das Anwesen als Erbengemeinschaft unter dem Testamentsvollstrecker Dr. Werner Theis weitergeführt. (LXXIX)

1974:
Am 01. Dezember 1974 war das Residenz-Kino an Herrn Kurt Haas vermietet worden. (LXXIX)

1978:
Am 05. Januar 1978 wurde das gesamte Anwesen des Residenz dann von dem damals 51-jährigen Günther Theis käuflich erworben und die Miterben entsprechend ausgezahlt. (LXXIX)

1980:
Von 1970 bis 2003 hat der Filmkaufmann G. Theis das Luxemburgische Ministerium für Wirtschaft und Tourismus und die Luxemburgische Fluggesellschaft Luxair vertreten und wurde dafür zweimal vom Großherzog ausgezeichnet. Bis heute kümmert er sich um die Verpachtung des Residenzkinos in der Völklinger Innenstadt.

Am 01. November 1980 wurde das Residenz an die Herren Peter Haas, Illingen und Karl-Heinz Klein, Nalbach vermietet worden. Im Mietvertrag haben die beiden Mieter sich verpflichtet, das Pachtobjekt in mindestens 4 Säle umzubauen. Der große Saal wurde verkürzt und als Kino 1 eingerichtet. Die ehemalige Loge wurde etwas nach vorn verlängert, geteilt und in Kino 2 bzw. Kino 3 umbenannt. Der Balkon wurde nach vorn verschlossen und als Kino 4 bezeichnet. Da Kino 2 und 3 tiefer, d.h. unter dem Bildwerferraum lagen, mussten die Bildprojektionen mit Spiegeln umgelenkt werden.

Der Mitmieter Karl-Heinz Klein schied am 31.07.1981 aus. Peter Haas hat das Kino mit jetzt 4 Sälen allein weitergeführt und bis Ende 1999 betrieben.

Die Säle im Überblick:

Plätze Länge* Breite* Höhe*
Kino 1 160 30,00 12,00 6,50
Kino 2 55 12,00 6,50 3,10
Kino 3 53 9,50 5,00 3,10
Kino 4 145 12,00 12,00 5,50

* Angaben in Meter.

Der Umbau in 4 Kinosäle brachte ein Besucherplus von 20,88 %, fiel dann in den Folgejahren aber weiter ab. (LXXIX)

1990er:
Nachdem das Kino in Wehrden seine Türen schloss, war das Residenzkino in Völklingen das letzte Verbliebene Kino im Verwaltungsbereich der Mittelstadt Völklingen.(LXXIX)

2000:
Ab 01. Januar 2000 wurde das Kino für 10 Jahre an den Branchenneuling Michael Pirrung, Breitenbach/Pfalz, vermietet. Ab 2002 fielen die Besucher- und damit die Umsatzzahlen, so dass Herr Pirrung 2006 kurz vor der befürchteten Insolvenz stand. Da mit dem Schweizer Bruno Ugazio ein neuer Mieter zur Verfügung stand, wurde der Vertrag mit Herrn Pirrung per 15. März 2006 gekündigt. Der potenzielle Mieter konnte jedoch einen entsprechenden Bankkredit nicht bekommen, so dass ein Vertrag nicht zustande kam. (LXXIX)

2005:
Im vollen Jahr 2005 besuchte im Schnitt jeder Völklinger das Kino 0,57 mal. Die gesamte Bundesrepublik konnte im Jahr 2005 1,81 Kinobesuche pro Jahr aufweisen. Ein Großteil dieser Besucher wurden wahrscheinlich von den Multiplexen generiert. (LXXIX)

2006:
Der Kinoteil des Gebäudes stand ab 16. März 2006 zweieinhalb Jahre bis 01. August 2008 leer. (LXXIX)

Die Besucherzahlen aller Völklinger Kinos summiert zwischen 1957 und 2007 - Für die Großansicht bitte das Bild anklicken. © Andreas Hell
Die Besucherzahlen aller Völklinger Kinos summiert zwischen 1957 und 2007 – Für die Großansicht bitte das Bild anklicken. © Andreas Hell

2007:
Motorräder des saarländischen Motorrad-Museums finden kurzfristig eine Heimat. (Andreas Hell)

Motorräder im Vorraum des leer stehenden Kinos ausgestellt (Foto: Hell)
Motorräder im Vorraum des leer stehenden Kinos ausgestellt (Foto: Hell)

2008:
Am 01. August 2008 konnte mit Frau Irene Holbach, Nalbach, eine neue Mieterin gefunden werden. Frau Holbach hatte sich um die Anmietung des Kinos bemüht, weil für ihre bis dahin betriebenen 2 Säle im „Corona Kino“ Neunkirchen, wegen Umbau und Zweckentfremdung, eine Kündigung bevorstand. So konnte Sie mit Ihrem gesamten spielfertigen Inventar das Kino 1 und 4 im Residenz bestücken. Die Säle 2 und 3 blieben vorerst leer.

Wegen langem Leerstand (Publikum verläuft sich) und wegen der sinkenden Kaufkraft in Völklingen war zu erwarten, dass es lange dauern würde, bis eine zufrieden stellende Besucherzahl wieder erreicht werden konnte. Unter diesem Aspekt musste mit ihr ein Mietvertrag geschlossen werden, der außergewöhnliche Mietbedingungen zur Folge hatte. (LXXIX)

2010:
Nachdem also im Jahre 1910 das „Zentral“ als erstes „feststehendes“ Kino bezeichnet worden war, kann man im Jahre 2010, auf eine 100 Jahre alte Völklinger-Filmtheater-Zeit zurückblicken (LXXIX)

2012:
Im Dezember des Jahres 2012 konnte ein neuer Mieter für das Kino gefunden werden. Peter Pickl startete mit viel Engagement und konnte durch seine Bemühungen zum Neustart am 12. Dezember den Film „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ im Bundesstart spielen.
Da die Besucherzahlen in den Jahren zuvor allerdings für die Filmverleiher nicht zufriedenstellend waren, konnte der neue Betreiber bis zuletzt (Ende Januar 2013) keine weiteren Filme im Bundesstart erhalten. Dies ist mit sog. „Rating-Denken“ zu begründen:(Andreas Hell)

Kinos ohne großen Umsatz auf kleineren Plätzen haben es schwer, Filme zu bekommen. Unter vorgehaltener Hand raunt man: „Kinos mit zu geringem Umsatz sind nicht lebensfähig und müssen ausscheiden.“ Dass Filme auch der kulturellen Entwicklung dienen, fällt der ‚Gewinnmaximierung‘ zum Opfer. (LXXIX)

Das Residenz 2012 © Andreas Hell
Das Residenz 2012 © Andreas Hell

„G. und I. Theis haben mit der ausgesuchten Programmwahl von Inge Theis die Filmkunst nach Saarbrücken gebracht“, das sagte die Saarbrücker Oberbürgermeisterin C. Britz während einer Veranstaltung und zeichnet beide mit der „Saarbrücker Bürgermedaille“ aus.

2013:
Peter Pickl bedankt sich bei den Kino Besuchern: Seit dem 12. Dezember waren es über 1200*.
Kino 1 wurde mit einer komplett neuen Tonanlage mit Surroundtechnik ausgestattet.
Weitere Investitionen sind geplant, um das in einen absoluten technischen high-end-zustand zu versetzten. Auch erweiterte Gastronomie ist geplant. (kino-voelklingen.de – *Abgerufen am 26.01.2013)

Am Abend des 12.02.2013 wird bekannt, dass Peter Pickl seinen Wagen am beladen ist – seine Zeit in Völklingen scheint damit bereits vorrüber.
Wenige Stundenspäter wurde dieses Vorgehen von G. Theis bestätigt – Peter Pickl musste das Kino aufgeben. (Andreas Hell)

Im August des Jahres kommt bei einem ersten Treffen eine Gruppe zusammen, die sich für die Wiederbelebung des Kinos einsetzen möchte. Dabei werden verschiedene Ideen gesammelt. Bei einem zweiten Treffen beschließt man nochmals an die Öffentlichkeit heran zu treten und für den Versuch der Wiederbelebung zu werben. Ist das Interesse in Völklingen groß genug, so möchte man zunächst als Bürgerinitiative erste Aktivitäten wagen.

Allerdings scheitern die Aktivitäten an der Vermietung des Vorraums, ohne diesen sieht sich die Initiative nicht in der Lage das Kino mit Leben zu füllen. Die Initiative löst sich nach einigen vielversprechenden und ideenreichen Treffen in der Folge wieder auf.

Schlussbemerkung des Herrn Günther Theis (Komplett-Zitat aus seiner Chronik [Stand Ende 2012]):
„Die Kaufkraft der Stadt Völklingen ist nicht mehr vergleichbar mit der Kaufkraft anderer saarländischen Städte. Warum ist das so?

Die zum ehemaligen Einzugsbereich der Stadt Völklingen zählenden Umlandgemeinden[31] sind nur ungenügend über das Leben der Völklinger Szene informiert. Das geschrumpfte Verbreitungsgebiet der einzigen saarländischen Tageszeitung wird als Ursache vermutet. Das Völklinger redaktionelle Informationsteil wurde aus dem Verbreitungsgebiet Saarlouis und dem Stadtverband Saarbrücken ausgeklammert und Völklinger Ereignisse nur dann in die benachbarten Teile übernommen, wenn gerade Platz frei war. So haben die ehedem zum Einzugsgebiet gezählten Umlandgemeinden Informationsdefizite erfahren, die sich seit langem in Völklingen bemerkbar machen. Keine Information – kein Besuch – kein Umsatz.

Sowohl die Politik als auch die Wirtschaftsverbände der Stadt haben es meines Wissens bis heute versäumt, dagegen anzugehen und die Saarbrücker Zeitung auf ihre Informationspflicht hinzuweisen. Die Umlandgemeinden des ehemaligen Einzugs-gebietes der Stadt Völklingen haben sich an den Besuch der Zentren Saarbrücken und Saarlouis gewöhnt und sind so der Kaufkraft Völklingens verloren gegangen.

Diese Schrift zum hundertjährigen Bestehen der Völklinger Kinoszene sollte hinreichend belegen, dass der regionalen Kinokultur eine erhebliche gesellschaftliche Bedeutung beizumessen ist. Sie kann jedoch auch in der Zukunft nicht alleine auf sich gestellt überleben. Das Kino funktioniert nur in einem kulturell und politisch aufgeschlossenen Umfeld. Es ist zu hoffen, dass die Gastronomie- und Geschäftswelt der Mittelstadt sich auf einem attraktiven Niveau stabilisieren kann, damit eine ausgewogene Informations- und Berichterstattung der Medien in das natürliche Umland ausstrahlen kann, um der einstmals reichen Hüttenstadt Völklingen wieder zu ihrer angestammten Attraktivität zu verhelfen.“

Danksagung:
Ohne Unterstützung von Herrn Günther Theis wäre diese Aufstellung nicht möglich gewesen. Wir bedanken uns recht herzlich dafür, und möchten diese Seite der Kino-Familie Theis widmen.

Fußnoten:
Da die von Günther Theis veröffentlichte Chronik einige Fußnoten aufweist, möchten wir diese unseren Lesern nicht vorenthalten – ab [12] teilweise entfernt, da diese sich erübrigt haben:

[1] „Um das Saargebiet“ (Film-Kurier vom 22. Juli 1926)
[2] Bei der Abstimmung wählten die Saarländer mit 98% den Wiederanschluß an Deutschland
[3] Pg. Gill in seiner Ansprache am 01.04.1941
[4] „Festliche Eröffnung der Westmark-Filmbühne“, erschienen in der Tageszeitung „Volksfreund“ (Völklinger Volksfreund, Druck, Verlag und Schriftleitung) in Völklingen, Adolf-Hitler-Straße 8 (heute Poststraße)
[5] galt offenbar nicht für den Neubau der „Westmark-Filmbühne“
[6] Früher war es auch unter dem Namen „Tannhäuser-Lichtspiele“ bekannt
[7] Eröffnungsfilm „Casino de Paris“ m. Catharina Valente, Vittorio De Sica, Gilbert Bécaud u.A.
[8] Nachforschungen beim Zentralen Grundbuchamt in Saarbrücken ergaben die genauen Kaufdaten und die Namen der Vorbesitzer (Verkäufer).
[9] (früher Friedrichstraße, Frankfurter Straße, dann Karl-Janssen-Straße)
[10] Bis zum Neubau des Residenz war auf der Ecke Karl-Janssen-/Hofstattstraße die Tankstelle Widenmeyer etabliert, die dann anschließend auf ein Grundstück der Mühle Quirin verlagert wurde.
[11] Für die bautechnische, vor allem aber für die kinotechnische Ausführung war Günther Theis mitverantwortlich.
[..]
[31] Schwalbach, Bous, Wadgassen, Hostenbach, Heusweiler, Püttlingen, Altenkessel, Gersweiler, Klarenthal, Großrosseln, zus. ca. 120.000 Einwohner. (Im Jahr 1991 gab es noch die Ausgabe ‚Völklingen, Köllerthal und Warndt‘, heute nur noch ‚Völklingen und Warndt‘!)