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Weltkulturerbe Völklinger Hütte – Die Chronik des Eisenwerks der Familie Röchling

Das Schicksal Völklingens wird 1881 durch die Übernahme der Gebrüder Röchling gefällt. Schon nach wenigen Jahren wird das Familienunternehmen zum Großindustrie-Zentrum.
Die zwischen Innenstadt und Saar gelegene Hütte bestimmt mit ihrem Arbeitsplatzbedarf, ihrer wirtschaftlichen Sogkraft und der hohen Produktionsausweitung weitgehend die Stadtentwicklung. Mit dem schnellen Aufschwung geht die Zuwanderung der Arbeiter und Angestellten und damit der Aufschwung von Handel und Gewerbe in Völklingen einher. Die Hütte beherrscht Völklingen ein Jahrhundert lang. Nach der Stahlkrise (1975) findet der Höhenflug ein Ende. Völklingen und die Hütte erleben hohe Verluste, unter anderem auch von Arbeitsplätzen, in bisher unbekanntem Maße. Nicht alle Produktionsstrecken sind heute Weltkulturerbe. Die Saarstahl AG produziert nach einem überstandenen Konkursverfahren bis heute qualitativ hochwertige Stähle und Schmiedeerzeugnisse am Standort Völklingen und bis heute ist der Haushalt der Stadt Völklingen vom Erfolg des Völklinger Stahlproduzenten abhängig.

1585:
Schon in dieser Zeit bestand in Geislautern ein Eisenwerk, das im dreißigjährigen Krieg zerstört worden war und darauf 100 Jahre stillgelegen hatte, dann aber von neuem in Betrieb genommen wurde.

1778:
Kommerzienrat Thomas Röchling und sein Bruder, Hofrat Johann Jakob Röchling, erwerben den „Fenner Hof“ für 5300 Gulden.

1852:
Die Bahnstrecke Ludwigshafen – Saarbrücken – Diedenhofen(Thionville) wurde eröffnet.

1856:
Die Burbacher Hütte war neu entstanden.

1860:
Die Bahnstrecke Saarbrücken – Völklingen – Trier ging in Betrieb.

1873:
Der rheinische Hütteningenieur J. Buch errichtet in der Völklinger Gemarkung „Jungfernbrühl“ ein Eisenwerk mit 10 Puddel- und 3 Schweißöfen. (I. S.468)

Die Kohlentransportseilbahn zwischen der Grube Hostenbach und der Völklinger Hütte in 1870er Jahren. (Quelle: Saarstahl AG)
Die Kohlentransportseilbahn zwischen der Grube Hostenbach und der Völklinger Hütte in 1870er Jahren. (Quelle: Saarstahl AG)

1878:
Aus einem Lageplan dieses Jahres ist zu ersehen, dass zu diesem Zeitpunkt das Werk aus 10 Puddelöfen, 6 Schweißöfen, 2 Dampfhämmer und 3 Walzstraßen bestand. Obermeister im Werk war Ludwig Schröder, der vom Geislauterner Eisenwerk gekommen und später Gemeindevorsteher von Geislautern war.

1879:
23. April: Das Eisenwerk geht für 635.000 Mark an ein Konsortium über, das sich damit abgefunden hatte, den Betrieb zumindest teilweise einzustellen.
3. Mai: Die noch verbliebenen 300 Arbeiter wurden entlassen.
Juli: Das Werk wurde entgültig stillgelegt. Direktor Seebohm wechselte zur Burbacher Hütte.
Beim Hoerder Bergwerksverein wird die erste Thomas-Charge erfolgreich erbblasen.
Carl Röchling erwirbt das Thomas-Patent.(I. S.468)
Die Saar war nun von Saarbrücken bis Ensdorf kanalisiert.

1881:
Am 27. Juni 1881 wird die Völklinger Eisenhütte versteigert und geht für 200.000,- Mark an die Gebrüder Franz und Emil Haldy. Am 7. August erwirbt Karl Röchling die stillgelegte Eisenhütte für 270.000,- Mark das Völklinger Werk und gründet mit den Brüdern Theodor und Fritz eine OHG. Die Firma hieß: „Völklinger Eisenwerk Gebrüder Röchling“.

Brief von Carl Röchling an seinen Bruder Theodor, er handelt um den Kauf der Hütte. (Quelle: Saarstahl AG)
Brief von Carl Röchling an seinen Bruder Theodor, er handelt um den Kauf der Hütte. (Quelle: Saarstahl AG)

1882:
2. Juli: Grundsteinlegung zum 1. Hochofen.
Gründung der Betriebskrankenkasse Röchling.
1. Bauabschnitt zu Arbeiterwohnungen in Wehrden. (I. S.468)
Auch Fürstenhausen und Wehrden erlebten einen Aufschwung.
Realisierung einer eigenen Roheisenversorgung durch den Erwerb von Minette-Erzfeldern im annektierten Lothringen.

1883:
1. Hochofen der Völklinger Hütte und die Gasgebläsehalle werden in Betrieb genommen.
Die Puddel und Schweißöfen werden stillgelegt.
Bau der Walzenstraßen 5 und 6 mit 7 Arbeitsgerüsten. Die Walzenstraßen 5 und 6 (I. S.469) werden Ostern 1884 in Betrieb genommen.

1885:
Ein zweiter Hochofen wird am 3. Oktober in Betrieb genommen. Die St. Johanner Zeitung berichtet, dass es sich dabei um den größten Hochofen der Welt handelte.
Karl Röchling wird zum Kommerzienrat ernannt.
Eine Pensionskasse für Arbeiter wird ins Leben gerufen. (I. S.469)

(Quelle: Saarstahl AG)
(Quelle: Saarstahl AG)

1888:
Am 24. Februar wird der 3. Hochofen in Betrieb genommen. (I. S.469)

1889:
Die Saarkanalisierung wird fertiggestellt.
Plan zum Bau eines Thomas-Stahlwerkes. (I. S.469)

1890:
Die Völklinger Hütte ist mit einer Jahreserzeugung von 70.164 t Träger und 14.502 t Schweißeisen das größte Trägerwalzwerk Deutschlands.
Eine Nähschule wird eingerichtet. (I. S.469)

Die Völklinger Hütte 1890 (Quelle: Saarstahl AG)
Die Völklinger Hütte 1890 (Quelle: Saarstahl AG)

1891:
Am 27. Februar wird der vierte Hochofen in Betrieb genommen. Mit ihm kam die dritte Gebläsemaschine in Betrieb. Am 25. Mai wird das Thomasstahlwerk mit 3 Konvertern in Betrieb genommen.

1893:
Ein fünfter Hochofen wird am 19. Dezember in Betrieb genommen.

1894:
Eine Pensionskasse für Angestellte wird gegründet. (I. S.469)
Für „schwächliche Kinder“ wird eine „Hüttensommerfrische“ angeboten:

Hüttensommerfrische 1896 (Quelle: Saarstahl AG)
Hüttensommerfrische 1896 (Quelle: Saarstahl AG)

1897:
Bau der Koksanlage Völklingen mit 104 Koksöfen, Steigerung auf 152 Öfen.
Errichtung einer Beamtenpensionskasse
Die Firma wird „Röchling’sche Eisen- und Stahlwerke GmbH“ benannt. (I. S.469)

1898:
Hermann Röchling übernahm von seinem Vater Carl die Völklinger Hütte.
Die Kokerei in Völklingen wurde gegründet.
Beginn des Baus des Hüttenkrankenhauses.
Ein Alters- und Siechenheim „Richard Stift“ wird gebaut. (I. S.469)

"Richardstift". Bild ca. 1910 ( Quelle:"Völklingen vormals").
„Richardstift“. Bild ca. 1910 ( Quelle:“Völklingen vormals“).

Eine Invalidenwerkstatt und eine Verbandstation wird eingerichtet.

Invalidenwerkstatt (Sammlung Heimatkundlicher Verein Warndt)
Invalidenwerkstatt (Sammlung Heimatkundlicher Verein Warndt)

 

Behindertenwerkstatt (Quelle: Saarstahl AG)
Behindertenwerkstatt (Quelle: Saarstahl AG)

1899:
17.8.1899: Das Hüttenkrankenhaus war fertig:
Das medizinische Personal wohnte ständig im Ober- und Dachgeschoss. Die medizinische Leitung hatte ein Kassenarzt, die Pflege wurde von Diakonissinnen des Diakonievereins Berlin-Zehlendorf übernommen.

Altes Hüttenkrankenhaus (Foto: Sammlung des Heimatkundlichen Vereins Warndt)
Altes Hüttenkrankenhaus (Foto: Sammlung des Heimatkundlichen Vereins Warndt)

1900:
Eine Werksfeuerwehr wird gegründet. (I. S.469)

Die Hochofengruppe um 1900 (Quelle: Saarstahl AG)
Die Hochofengruppe um 1900 (Quelle: Saarstahl AG)

Das Hauptbüro auf dem Hüttengelände wird erbaut.

Das Hauptbüro (Quelle: Saarstahl AG)
Das Hauptbüro (Quelle: Saarstahl AG)

1901:
Da die Behörden die Aufstellung von Dampfkranen nicht gestattete, um das Flutgelände freizuhalten, wurden die Schiffe bis 1900 durch Frauen und Mädchen entladen, die das Erz in Körben von den Schiffen an die Kippwagen brachten, indem sie die Last auf dem Kopf trugen.
Am 1. Februar wird der erste Dampfkran zum Entladen der Erzschiffe in Betrieb genommen. Damit waren die „Erzengel“ von der schweren Arbeit entlastet.

Erzengel (Quelle: Saarstahl AG)
Erzengel (Quelle: Saarstahl AG)

1903:
6. Hochofen wird am 3. Februar in Betrieb genommen.
20. April: Errichtung einer Werksschule. (I. S.469)
Dr. Hermann Röchling hat das Patent des Schweden Kjellin auf elektrische Induktionsöfen erworben.

1904:
Gründung der Baugenossenschaft 04 Völklingen. (I. S.469)
Bau der Siedlung „Lindenhof“ Gartenstraße, Tafelstraße und Hermannstraße

Fertiggestellte Siedlung der Baugnossenschaft 04 (Quelle: Saarstahl AG)
Fertiggestellte Siedlung der Baugnossenschaft 04 (Quelle: Saarstahl AG)

1905:
Die Erzeugung von Edelstahl wurde in großem Umfang aufgenommen.

Kochschule 1906 (Quelle: Saarstahl AG)
Kochschule 1906 (Quelle: Saarstahl AG)

 

Sport in der Haushaltsschule um 1906 (Quelle: Saarstahl AG)
Sport in der Haushaltsschule um 1906 (Quelle: Saarstahl AG)

1907:
Eine elektrische Zentrale mit einer Leistung von 1500 Kw wird erstellt. Sei speist 250 Motoren, 400 Bogenlampen und 2000 Glühlampen.
Am 22.6.1907 wird der am 6.5.1906 patentierte Rodenhauser El.-Ofen in Betrieb genommen.
Es folgen die Errichtung mechanischer Werkstätten, Magazine und eines chemischen Labors.
Carl Röchling erhält vom preußischen Staat den Titel Geheimer Kommerzienrat und feiert seinen 80. Geburtstag.
Eine Sparkasse für Arbeiter wird ins Leben gerufen.
Hermann Röchling wird Geschäftsführer der Völklinger Hütte.
Bau einer Schwimmhalle (der 1. Werksschwimmhalle in Europa) und einer Badeanstalt. (I. S.469)

Schwimmhalle (Quelle: Saarstahl AG)
Schwimmhalle (Quelle: Saarstahl AG)

Einrichtung einer eigenen Wohlfahrtsabteilung der Hütte.
Diese bot eine Nähschule:

Nähschule 1907 (Quelle: Saarstahl AG)
Nähschule 1907 (Quelle: Saarstahl AG)

 

Eine Koch- und Haushaltsschule für Mädchen und junge Frauen. (Quelle: Saarstahl AG)
Eine Koch- und Haushaltsschule für Mädchen und junge Frauen. (Quelle: Saarstahl AG)

 

Eine Koch- und Haushaltsschule für Mädchen und junge Frauen. (Quelle: Saarstahl AG)
Eine Koch- und Haushaltsschule für Mädchen und junge Frauen. (Quelle: Saarstahl AG)

Eine Mütterberatungsstelle sowie eine Säuglingsfürsorge, für die zwei Krankenschwastern Hausbesuche machten.

Mütterberatung (Quelle: Saarstahl AG)
Mütterberatung (Quelle: Saarstahl AG)
Hüttenkindergarten ca. 1910 (Quelle: Saarstahl AG)
Hüttenkindergarten ca. 1910 (Quelle: Saarstahl AG)

Des weiteren wurde wegen der hohen Säuglingssterblichkeit eine Milchküche eingerichtet. Die Milch stammte aus einem werkseigenen landwirtschaftlichen Betrieb, in dem die Kühe unter tierärztlicher Kontrolle standen, insbesondere zur Vermeidung der Tbc. Die Milch wurde unter Beachtung hygienischer Grundsätze gewonnen und abgefüllt und gegen ärztliches Rezept an Mütter, Säuglinge und Kranke abgegeben.

Die "Milchküche" (Aufnahme von 1912) (Quelle: Saarstahl AG)
Die „Milchküche“ (Aufnahme von 1912) (Quelle: Saarstahl AG)

1908:
Der Grundbesitz der Hütte betrug im Jahr 1908 525 Hektar Land.

Viele Arbeiter die von weither kamen mußten wärend der „Schicht“ in Völklingen übernachten. Das alte Schlafhaus war überfüllt, so dass viele auf Privatzimmer angewiesen waren. Ein neues Schlafhaus wurde in betrieb genommen. Es enthielt neben den 54 Schlafräumen mit insgesamt 302 Betten noch einen Speisesaal, eine Waschküche sowie eine Gemeinschaftsküche. Außerdem im Keller einen Schulsaal und die Werkstätten für Lehrlinge.

Das neue Hüttenkrankenhaus
Das neue Hüttenkrankenhaus (Sammlung Heimatkundlicher Verein)

Das neue Hüttenkrankenhaus (heute Kreiskrankenhaus) war fertiggestellt.

Neuer Krankentransportwagen der Hütte (Quelle: Saarstahl AG)
Neuer Krankentransportwagen der Hütte (Quelle: Saarstahl AG)

 

Die Hütte um 1908 (Quelle: Saarstahl AG)
Die Hütte um 1908 (Quelle: Saarstahl AG)

 

Buchbinderei (Quelle: Saarstahl AG)
Buchbinderei (Quelle: Saarstahl AG)

1909:
Die Firma Röchling eröffnete in Ludwigshafen eine besondere Verkaufsabteilung für Röchling Elektrostahl.

1910:
Geheimer Kommerzienrat Carl Röchling stirbt nach einem erfüllten und erfolgreichen Leben. (I. S.469)
Das Eisen und Stahlwerk in Völklingen bestand inzwischen aus: 274 Koksöfen, 6 Hochöfen, einem Thomasstahlwerk, Anlagen zur Erzeugung von Elektrostahl, Walzwerken zur Herstellung von Eisenbahnmaterial, Formeisen, Stabeisen, Walzdraht, einer Werkstätte zur Herstellung von Eisenkonstruktionen, Anlagen zur Gewinnung von Teer, schwefelsaurem Ammoniak und Benzol und aus zahlreichen Nebenbetrieben.
Eine Turmdrahtseilbahn von der Firma Heckel wird errichtet, bei der die Schuttmassen zunächst von 60m Höhe abgekippt werden.
Mit dem Bau des Edelstahlwerkes und dazugehörenden Einrichtungen wird die Edelstahlproduktion in Völklingen aufgenommen.
Die gleichzeitige Eröffnung von besonderen Verkaufsstellen für Röchling-Edelstahl garantiert den Absatz in alle Welt.

1912:
Am 1. Januar 1912 wurde mit der Herstellung von Thomasmehl (Düngemittel) mit 10 Kugelmaschinen begonnen. Errichtung einer Mehlabfüllanlage für Thomasmehl in Jutesäcke.
Das Kalkwerk der Firma Fischer & Co (1901 in Überherrn gegründet mit einem Kalkringofen von 10 Tonnen Tagesleistung) wird von der Fa. Röchling übernommen.
Errichtung der Hostenbacher Schlackenhalden (I. S.470) – Wahrzeichen von Wehrden.

Die Halden in Hostenbach (Quelle: Saarstahl AG)
Die Halden in Hostenbach (Quelle: Saarstahl AG)

Eigene Fabriken zur Gewinnung von Nebenprodukten, Ammoniak, Benzol, Teerprodukten wurden erweitert.
Modernisierung der schweren Walzenstraßen 5 und 6 und der Feinstraßen. (I. S.470)

1913:
Die Gemeinde Wehrden wurde von der GBG-Berlin mit Leuchtgas von der Hütte versorgt. (I. S.470)
Ankauf der Steinfabrik in Völklingen zur Herstellung von Schlackensteine aus granulierter Hochofenschlacke.
Das Kraftwerk Wehrden wurde als Dampfkraftwerk 3 der Hütte erbaut.
Es wurden 275000t Koks, 331000t Roheisen und 324000t Walzfertigprodukte erzeugt.
Die Hütte hatte 5066 Mitarbeiter, davon 365 Angestellte und 115 Meister.

1914:
1. Weltkrieg brach aus.

 (Quelle: Saarstahl AG)
(Quelle: Saarstahl AG)

1915:
Bau eines Siemens-Martin-Stahlwerkes (zur Herstellung von Kriegsgütern: Geschosse fast aller Kaliber, Draht für Stacheldrahtfabrik, Infanterieschutzschilde, Feldbahnschinen etc.) und des Press- und Hammerwerkes.
Die Brüder Karl, Louis und Hermann Röchling stifteten einen Fond für die Ausbildung von Kriegsteilnehmern und für die Unterstützung von Hinterbliebenen. (I. S.470)
Die Hütte beschäftigte 468 russiche Kriegsgefangene.

Frauen verladen Masseleisen in der Graugußgießerei der Völklinger Hütte (um 1915). (Quelle: Saarstahl AG)
Frauen verladen Masseleisen in der Graugußgießerei der Völklinger Hütte (um 1915). (Quelle: Saarstahl AG)

1916:
Am 21.1. wurde 6 angeblasen.(I. S.469) Fertigung von Stahlhelmen aus Röchling-Edelstahl zum Schutz der Frontsoldaten. Ca. 90% des Bedarfs wurden im Völklinger Werk hergestellt.(I. S.470)

Frauen besetzten auch die Granatendreherei 1916 (Quelle: Saarstahl AG)
Frauen besetzten auch die Granatendreherei 1916 (Quelle: Saarstahl AG)

Frauen ersetzten Männer als Arbeitskräfte.
Auch an den Hochöfen arbeiteten Mädchen, von denen zwei einen Mann ersetzten. Die Begichtung des s III erfolgte später nur durch Mädchen.
Die Hütte beschäftigte 664 russische Kriegsgefangene

1917:
Inbetriebnahme einer Hydraulischen Presse mit 350 t Pressdruck.(I. S.470)

Hüttenarbeiterinnen (Saarstahl AG)
Hüttenarbeiterinnen (Saarstahl AG)

1918:
Hermann Röchling wurde aufgrund seiner Verdienste zum königlich-preußischen Kommerzienrat ernannt. Er nahm als Rittmeister der 7. Dragoner an den Kämpfen 1918 im Westen teil.(I. S.470)

Von den 6300 Arbeitern im Jahr 1918 waren 1700 Frauen und Mädchen.
Von der Belegschaft der Völklinger Hütte waren insg. 461 Menschen im 1. Krieg gefallen. Das waren 9,2 Prozent der 5000 Beschäftigten von 1914.

Der Wasserturm wurde erbaut, und war gleichzeitig der erste Betonständerbau Europas.

Hochofenanlage 1918 (Quelle: Saarstahl AG)
Hochofenanlage 1918 (Quelle: Saarstahl AG)

1919:
Hermann Röchling nahm an den Waffenstillstandsverhandlungen als Sachverständiger für Industrielle und Saar-Fragen teil.
Hermann – in Abwesenheit – und Robert Röchling wurden von einem französischen Kriegsgericht wegen angeblichen Diebstahls, raub und absichtlicher Zerstörung französischer Fabriken zu 10 Jahren schweren Kerkers und zu 15 Jahren Landesverweisung verurteilt. Robert Röchling wurde 1925 aus dem Gefängnis entlassen. (I. S.470)
Am 1. September 1919 wurde zum erten Mal ein „Abkommen über die Arbeits- und Lohnverhältnisse der Arbeiter“ zw. den Hütten-Arbeitern und der Werksleitung vereinbart. Darin geregelt waren der 8 Std. Tag, höhere Löhne und zum ersten mal Urlaub.
Hermann Röchling ist seit diesem Jahr Vorstandsvorsitzender des Röchling–Konzerns.

1920:
Gründung der Stahlwerke Röchling Buderus in Wetzlar.
Bau der Federnfabrik und der Drahtstraße.(I. S.470)

Der Elektroofen 1920. Heliogravüre von Otto Bollhagen. (Quelle: Saarstahl AG)
Der Elektroofen 1920. Heliogravüre von Otto Bollhagen. (Quelle: Saarstahl AG)

 

Die Schlackensandverladung an der Saar und Seilbahn Zur Backsteinfabrik Trockle um 1920. (Quelle: Saarstahl AG)
Die Schlackensandverladung an der Saar und Seilbahn Zur Backsteinfabrik Trockle um 1920. (Quelle: Saarstahl AG)

1921:
Verkaufsgesellschaft „Societé Anonyme francaise des Forges et Acieries de la Sarre“ wurde in Paris ins Leben gerufen.(I. S.470)
Am 3. Sept. bis 3. Oktober kam es zu einem Generalstreik, da die Leitung den Lohn um 15% senken wollte. Die Unternehmensleitung sperrte fast 5000 der insgesamt 5800 Beschäftigten aus.

Direktionsgebäude, erbaut 1922/23. (Quelle: Saarstahl AG)
Direktionsgebäude, erbaut 1922/23. (Quelle: Saarstahl AG)

1924:
Stillegung der Hütte während 50 Tagen. Grund: Französische Stellen erhöhten Erzpreis auf das Doppelte und den Kokspreis beträchtlich.(I. S.470)
Die Arbeiter der Hütte streikten um sich einer Lohnkürzung von 25% zu widersetzen. Im Verlauf dieses Streikes, der vom 15. Sept. bis 4. Oktober währte, sperrte die Werksleitung erneut 7000 Arbeiter und Angestellte aus.

1925:
Bau der Sinteranlage nach dem amerikanischen Dweight-Lloyd-Verfahren.
Einführung der physikalischen Möllerung. (I. S.470)
Der Verein Deutscher Eisenhüttenleute verlieh Hermann Röchling die Carl Lueg Gedenkmedaille für seine Leistungen auf dem Gebiet der Metallurgie des Eisens.

1927:
Inbetriebnahme einer Zementfabrik am 08.07.1927 zur Verarbeitung der Hochofenschlacke. (I. S.470)
In dieser Zeit beteiligte sich die Familie Röchling auch an der Erbauung der evangelischen Versöhnungskirche die in der Poststraße steht. In dem Fresko in der Kuppel der Kirche ist sogar die Familie Röchling zu sehen.
Das Leben in Völklingen wurde durch die Familie Röchling geprägt. Als größter Arbeitgeber hatte Hermann Röchling nicht nur Macht über die Hütte. Er war ein sehr wichtiger Mann mit großer Macht in Völklingen.

Zementfabrik (Quelle: Saarstahl AG)
Zementfabrik (Quelle: Saarstahl AG)

1928:
Am 16.01.1928 ereignete sich in Völklingen das schwerste Hütten-Unglück der Geschichte des heutigen Weltkulturerbes, 13 Menschen starben.

Die Gedenktafel
Die Gedenktafel

1929:
Herstellung der ersten Pflastersteine von 10qcm aus flüssiger Hochofenschlacke.
Bau der ersten Groß-Sinteranlage Deutschlands in Völklingen: Unabhängigkeit von den lothringischen Erzvorkommen.
Ausbau des Edelstahlwerkes, der Federnfabrik und des Hammerwerkes.
Die Edelstahl-Verfeinerungsbetriebe Zieherei und Kaltwalzwerk wurden in Betrieb genommen.(I. S.470)

Das Werk 1929. (Quelle: Saarstahl AG)
Das Werk 1929. (Quelle: Saarstahl AG)

1930:
Die Zieherei wurde Ende des Jahres in Betrieb genommen.
Ein Kaltwalzwerk mit 3 Walzgerüsten wurde erbaut und 1931 in Betrieb geommen.

1933

1933; Gemälde von Grete Waldau (Quelle: Saarstahl AG)
1933; Gemälde von Grete Waldau (Quelle: Saarstahl AG)

1934:
Hermann Röchling wurde vom VKI mit der Grashof-Gedenkmünze geehrt.(I. S.470)

1935:
Am 1. März 1935 mit der Rückgliederung wurden Parteien und Gewerkschaften verboten. Nun gab es einen sogenannten „Vertrauensrat“, dem Betriebsführer Hans-Lothar Freiherr von Gemmingen (Hermann Röchlings Schwiegersohn) vorstand.
Übertragung des gesamten Vermögens der Röchling’schen Eisen-und Stahlwerke AG und Edelstahlwerk Röchling AG ohne Liquidation auf die Röchling’schen Eisen – und Stahlwerke GmbH zum 31. Dezember 1935. Damit war der Vorkriegszustand wieder hergestellt.

1. Ausgabe der Werkszeitung "Der Völklinger Hüttenmann". (Quelle: Saarstahl AG)
1. Ausgabe der Werkszeitung „Der Völklinger Hüttenmann“. (Quelle: Saarstahl AG)

1938:
Ein 25-Tonnen Elektro-Ofen wurde in Betrieb genommen.
Eine Gasol-Anlage zur Herstellung von Treibstoff wurde gebaut.
Das Kalkwerk in Auersmacher wurde in Betrieb genommen. Im Hammerwerk wurden drei neue Hämmer aufgestellt.

1939:
Insgesamt wurde das Werk zwischen 1935 und 1939 ausgebaut und technisch modernisiert. Dazu gehörte die Erweiterung des Roheisenmischers auf 1000 Tonnen der fünf Konverter auf 21 beziehungweise 25 Tonnen und der drei Martinöfen auf 60 Tonnen.
Alle Siedlerhäuser des ersten Bauabschnittes waren jetzt fertiggestellt und bezogen.
Der Zweite Weltkrieg begann am 1. September mit dem Einfall der Wehrmacht in Polen. Völklingen wurde am 3. September evakuiert und die Hütte zunächst stillgelegt.
Kriegswichtige Mitarbeiter werden nach Wetzlar, zu den Röchling-Buderus-Werken und nach Salzgitter zu den „Herman Göring Werken“ evakuiert.
32 Betriebschefs, Ingenieure, Techniker und einige Meister blieben im Völklinger Werk zurück. Dazu gehörten fünf Chaufeure, drei Leute der Schlafhaus-Verwaltung und einige Krankenschwestern.
Ab Mitte September 1939 konnten nach Rückkehr einiger Mitarbeiter nach und nach einzelne Abteilungen wieder in Betrieb genommen werden. Am 8. bis 14. Dezember wurden die Hochöfen 1 und 2 wieder angeblasen.
Die Hütte beschäftigte zu dieser Zeit 10991 Mitarbeiter.

Das durch Kriegseinwirkungen beschädigte Kaltwalzwerk. (Quelle: Saarstahl AG)
Das durch Kriegseinwirkungen beschädigte Kaltwalzwerk. (Quelle: Saarstahl AG)

1940:
Im Januar wurden die Hüttenleute aus der Evakuierung zurückbeordert.
März: das Thomasstahlwerk und einige Walzenstraßen wurden wieder in Betrieb genommen. Im August trafen die ersten Familien wieder in Völklingen ein. Ab ca. Juli produzierte die Hütte wieder „normal“.

1941:
Hermann Röchling wurde in den Verwaltungsrat der Reichsbank berufen.

1942:
Die Baugenossenschaft 04 Völklingen hatte 565 Häuser mit 844 Wohnungen fertiggestellt.
Kommerzienrat Hermann Röchling wurde an seinem 70. Geburtstag zum Ehrenmitglied des VdEH und zum Ehrenbürger der Stadt Völklingen ernannt.(I. S.470)
Hermann Röchling gehörte zum Führungsstab der deutschen Kriegswirtschaft. Er ist u.a.
Mitglied des Rüstungsrates
Vorsitzender der Reichsvereinigung Eisen und Stahl
Leiter der Wirtschaftsgruppe Eisenschaffende Industrie
Reichsbeauftragter für Eisen und Stahl in den besetzten Gebieten.

1943:
Als einziges saarländisches Werk unterhielten die Röchlingschen Eisen und Stahlwerke ab April 1943 ein Straflager in Etzenhofen, einem Ortsteil Köllerbachs. Obersturmbannführer Rassner stand an der Spitze einer Truppe von etwa 150 Aufsehern. Ein Schnellgericht entschied seit dem 12. April 1943 wer bis zu 60 Tage in der Arbeits-Erziehungs-Lager (AEL) Etzenhofen kam. Von April 1943 bis 31. Dezember 1944 waren dort 1604 Menschen interniert. Ausländische Arbeiter, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene waren in dieser Zeit in zahlreichen Lagern in und außerhalb der Hütte untergebracht.

1944:
Die Belegschaft zählte insgesamt 14912 Arbeiter, darunter 4062 Frauen.
Juli 1944: Verhaftung Ernst Röchlings nach gescheitertem Hitlerattentat wegen Verschwörung gegen den Staat. Inhaftierung im Zuchthaus Brandenburg (Befreiung im Januar 1945 durch amerikanische Truppen).
Anfang November wurde die Bevölkerung zum 2. mal evakuiert und daraufhin die Produktion eingestellt. Eine Notbelegschaft von 100 Leuten blieb im Völklinger Werk zurück.
Am 17. Dezember wird Karl Theodor Röchling, der einzige Sohn des Kommerzienrates, zusammen mit Oberingenieur Koch auf dem Hüttengelände ermordet.

1945:
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Röchling’schen Eisen- und Stahlwerke unter Séguesterverwaltung gestellt (I. S.471). Mitglieder der Geschäftsleitung wurden entlassen und ausgewiesen.
Am 4. Dezember 1945 konnte Hochofen 6 der Völklinger Hütte als erster von 30 saarländischen Hochöfen wieder arbeiten.

1946-1949:
Ein französisches Militärgericht in Rastatt verurteilte Hermann Röchling, Ernst Röchling, Hans Lothar von Gemmingen und Wilhelm Rodenhauser (I. S.471) zu Gefängnisstrafen. Zudem Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte und Beschlagnahmung des gesamten Privatvermögens. Maier wurde freigesprochen, Rodenhauser erhielt ebenfalls eine Gefängnisstrafe.
Damit fielen 10% der Anteile der Völklinger Hütte an Frankreich.
Ende September 1949 waren alle sechs Hochöfen wieder unter Feuer.
Viele Arbeiter litten allerdings in den ersten Nachkriegsjahren an Unterernährung. Normalarbeiter erhielten 1300 Schwerarbeiter 1700 Kalorien täglich. Trotz dieser geringen Mengen arbeiteten sie hart, so dass bereits jetzt die höchste Vorkriegsproduktion an Roheisen von 1938 noch übertroffen wurde.

1950:
Familie Röchling war um Klärung der Situation bemüht. Aufnahme von Verhandlungen mit Kaufinteressenten. Erfolg scheitert am Majoritätsanspruch Frankreichs.

Die Hütte als Ölgemälde (gefunden auf einem alten Kalenderblatt)
Die Hütte als Ölgemälde (gefunden auf einem alten Kalenderblatt)

1952:
Produktionskapazität der Vorkriegszeit (1938) war wieder erreicht.

1953:
Vorbereitung zum Bau des neuen Walzwerkes der Völklinger Hütte im „Nauweiler Gewann“. Begradigung des Saarbogens, Verlegung der Eisenbahnstrecke Völklingen-Trier, Errichtung einer Kaimauer und Schiffsverladestelle.

Schlackensteinfabrik (Quelle: Saarstahl AG)
Schlackensteinfabrik (Quelle: Saarstahl AG)

1954:
Saarstatut: Saarland soll die Keimzelle der Europäischen Gemeinschaft werden.

Dieses Luftbild datiert aus dem Jahre 1954 (Sommer), und zeigt außer der Hütte die gesamte Völklinger Kernstadt (Bild: VK.B.).
Dieses Luftbild datiert aus dem Jahre 1954 (Sommer), und zeigt außer der Hütte die gesamte Völklinger Kernstadt (Bild: VK.B.).

 

"Konverter 4" im Stahlwerk, 1954 (Bild: VK.B.)
„Konverter 4“ im Stahlwerk, 1954 (Bild: VK.B.)

 

Lehrformerei in der "Grauguß-Gießerei", 1954 (Bild: VK.B.).
Lehrformerei in der „Grauguß-Gießerei“, 1954 (Bild: VK.B.).

1955:
Röchling-Frage wurde zum Politikum. Die Haltung der französischen Regierung versteift sich.
Adenauer bat Familie Röchling im Hinblick auf den deutsch-französischen Ausgleich um Einlenken.
Unterzeichnung eines Optionsvertrages: Französische Regierung und Bundesregierung besaßen Option für den Erwerb je einer Hälfte der Völklinger Hütte.
Am 24. August starb Kommerzienrat Hermann Röchling in Mannheim. (I. S.471)
Die Röchlingschen Eisen und Stahlwerke haben sich (mittlerweile mit 13000 Beschäftigten) zum größten Hüttenwerk an der Saar entwickelt.

Aufruf zur Ablehnung des Saarstatutes. (Quelle: Saarstahl AG)
Aufruf zur Ablehnung des Saarstatutes. (Quelle: Saarstahl AG)

1956:
Aufhebung der Séquesterverwaltung durch Dekret in Paris. Die Röchlings erhielten ihr Werk zurück.
Der Stadtteil Bouser Höhe wurde in „Hermann-Röchling-Höhe“ umbenannt. (I. S.471)

1957:
Inbetriebnahme der Walzenstraßen im Nauweiler Gewann Konti A und B

1958:
Inbetriebnahme der Drahtstraße.

Schichtwechsel zur Mittagschicht - ein vertrautes Bild im Völklingen der fünfziger Jahre (Bilder: VK.B.).
Schichtwechsel zur Mittagschicht – ein vertrautes Bild im Völklingen der fünfziger Jahre (Bilder: VK.B.).

 

Schichtwechsel zur Mittagschicht - ein vertrautes Bild im Völklingen der fünfziger Jahre (Bilder: VK.B.).
Schichtwechsel zur Mittagschicht – ein vertrautes Bild im Völklingen der fünfziger Jahre (Bilder: VK.B.).
Edelstahlbearbeitungswerkstatt um 1960. (Quelle: Saarstahl AG)
Edelstahlbearbeitungswerkstatt um 1960. (Quelle: Saarstahl AG)

1961:
Die Mittel- und Feinstraße im Nauweiler Gewann wurde in Betrieb genommen. (I. S.471)

1964:
Dr. Ernst Röchling starb während einer Dienstreise nach Düsseldorf. (I. S.471)

Die Kokerei in den sechziger Jahren. (Quelle: Saarstahl AG)
Die Kokerei in den sechziger Jahren. (Quelle: Saarstahl AG)

Neubau einer Kaltprofilierung in Fenne, der Federnfertigung und einer Edelstahlbearbeitungswerkstatt.

Willy Brandt besucht die Völklinger Hütte. (Quelle: Saarstahl AG)
Willy Brandt besucht die Völklinger Hütte. (Quelle: Saarstahl AG)

1966:
Die Belegschaft der Völklinger Hütte erreichte ihren Höchststand von 17373 Mitarbeitern, davon waren 3432 Angestellte.

Einblick in die Federfabrik, 1965 erbaut. (Quelle: Saarstahl AG)
Einblick in die Federfabrik, 1965 erbaut. (Quelle: Saarstahl AG)

1967:
Der Edelstahlbereich wurde ausgebaut:
Neubau der Schmiede mit einer modernen und leistungsfähigen 4000 Tonnen Presse, einer Edelstahlstrangusanlage und eines 70 Tonnen Elektro-Ofens.
Zwischen 1966 und 1968 war die erste Stahlkrise in Europa. Viele Unternehmen hatten vorbehaltlos auf Expansion gesetzt, es gab zu viel Stahl auf dem Weltmarkt. Dies führte zeitweilig zu Kurzarbeit.

Straße 3-4 (Quelle: Saarstahl AG)
Straße 3-4 (Quelle: Saarstahl AG)

1969:
Die Hütte erlebte einen raschen Aufschwung und eine erneute Hochkonjunktur.

1971:
Erhebliche Auftragsrückgänge im Massenstahlbereich führten im Juli 1971 zur Fusion mit dem Werk Burbach . Auch bei dem damit neu gegründeten Unternehmen „Stahlwerke Röchling-Burbach“ mit nun 23500 Beschäftigen sollten sich bald die Auswirkungen der weiter andauernden Stahlkrise in Westeuropa zeigen.

Das neue Verwaltungsgebäude. Fertiggestellt 1973. (Quelle: Saarstahl AG)
Das neue Verwaltungsgebäude. Fertiggestellt 1973. (Quelle: Saarstahl AG)

 

Die Feineisenstraße im Nauweiler Gewann 1973. (Quelle: Saarstahl AG)
Die Feineisenstraße im Nauweiler Gewann 1973. (Quelle: Saarstahl AG)

1975:
1975 wird das Louis-Röchling-Haus auf dem Völklinger Hüttengelände Abgerissen, von hier verwaltete Louis Röchling das Werk. Er wohnte auch hier.

1975 wird das Louis-Röchling-Haus auf dem Völklinger Hüttengelände Abgerissen, von hier verwaltete Louis Röchling das Werk. Er wohnte auch hier. (Quelle: Saarstahl AG)
 (Quelle: Saarstahl AG)

1976:
Der Vorstand glaubte mit Kurzarbeit ließen sich die Auftragseinbrüche kompensieren.

1977:
Am 2. März meldete der Vorstand die geplante Entlassung von 1300 Beschäftigten. Dies löste Entsetzen bei den Familien, aber auch beim Einzelhandel aus.
Am 9. März rief die IG-Metall Völklingen zu einer Protestkundgebung auf. 10000 Arbeiter und Angestellte beteiligten sich.
Ohne Erfolg. Es wurden insgesamt 4700 Arbeiter und Angestellte entlassen. Zwar wurde von der IG Metall ein Sozialplan vereinbart, der die Entlassung „sozialverträglich“ machen sollte. Doch die Arbeitsplätze waren verloren.
Im Burbacher Werk wurde die Eisen- und Stahlerzeugung eingestellt.
Am 15. Juni beschlossen die Arbeitnehmervertretung des Aufsichtsrates von Röchling Burbach und der sogenannte „neutrale Mann“ gegen die Stimmen der Anteilseigner den Bau eines neuen Blas-Stahlwerks in Völklingen.

1978:
Die Familie Röchling ließ sich für Ihre Anteile abfinden und trennten sich 97 Jahre nachdem die Brüder Röchling die Völklinger Hütte übernommen hatten, vom Werk.

1979:
Die Neunkircher Eisen- und Stahlwerke fusionierten mit den „Stahlwerken Röchling-Burbach“.

1980:
Das neue „Blasstahlwerk“ wurde am 15. Dezember 1980 in Betrieb genommen

Inbetriebnahme Blasstahlwerk (Quelle: Saarstahl AG)
Inbetriebnahme Blasstahlwerk (Quelle: Saarstahl AG)

1982:
Am 1. Juli übernahm der Luxemburger Konzern das Völklinger Werk. Es entstand die „Arbed Saarstahl GmbH“. (I. S.471)
Inbetriebnahme der zweiten Baustufe des neuen Blasstahlwerkes in Völklingen.

Demonstration (Quelle: Saarstahl AG)
Demonstration (Quelle: Saarstahl AG)

1983:
Wiederholte Finanzhilfen vom Bund und Land verhinderten einen Zusammenbruch.

1984:
Stillegung des Edelstahlwerkes in Völklingen
Mai: Eine Kooperation mit der AG Dillinger Hütte begann.

1985:
Hochofen 5 in Dillingen wurde in Betrieb genommen. Er belieferte Völklingen mit Roheisen, das in Konvertern über die normale Schienenanlage der Deutschen Bundesbahn angeliefert wurde.

1986:
Umfirmierung in „Saarstahl Völklingen GmbH“

4. Juli: Stillegung der veralteten Hochöfen, der Koksanlage und der Nebenbetriebe rund um das heutige Weltkulturerbe Völklinger Hütte nach 103 Jahren. Nach der Stillegung der Hochöfen im Jahr 1986 mußte der Koloss noch acht Jahre warten, bis die UNESCO ihn auf die Liste der schützenswerten Weltgüter setzte.
Zu beachten bleibt, dass in Völklingen von der „Saarstahl AG“ noch bis heute Stahl und Schmiedeerzeugnisse produziert werden. (Zahlen: LXIII. S.469)

1987:

Mitarbeiterzahlen der Völklinger Hütte, ab 1972 mit der Burbacher Belegschaft, zwischen 1882 und 1987 (Zahlen: LXIII.; Grafik: Andreas Hell)
Mitarbeiterzahlen der Völklinger Hütte, ab 1972 mit der Burbacher Belegschaft, zwischen 1882 und 1987 (Zahlen: LXIII.; Grafik: Andreas Hell)

Gründung der Stahlstiftung: Saarländische Lösung zur Abwendung von sozialen Härten beim Personalabbau.
Angestrebte Fusion mit der Dillinger Hütte entfällt aufgrund sich verschlechternder Marktbedingungen.

1988:
Die Lage auf dem Stahlmarkt entspannte sich. Saarstahl Völklingen kann am Aufschwung partizipieren.

1989:
Zusammenführung der „Saarstahl Völklingen GmbH“ und der „AG der Dillinger Hüttenwerke“. Zur Holding „DHS-Dillinger Hütte Saarstahl AG“
Gründung der „Saarstahl AG“ als Nachfolgegesellschaft der „Saarstahl Völklingen GmbH“.

1993:
Saarstahl stellte einen Konkursantrag, das schwärzeste Kapitel der saarländischen Stahlindustrie begann.

Blasstahlwerk  Das Blassstahlwerk 1998 (© Andreas Hell)
Das Blassstahlwerk 1998 (© Andreas Hell)

1994:
Die Hochofenanlage und das Gebläsehaus, die in ihrer Gesamtanlage erhalten sind, wurden am 17.12.1994 in die Liste der Kulturdenkmäler der UNESCO aufgenommen. Damit war das Bauwerk vor dem Abriss bewahrt und seine Instandhaltung gefordert. Seither ist das „Weltkulturerbe Völklinger Hütte“ als einzigartiges Zeugnis der Technikgeschichte und Industriekultur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts geschützt, das gleichwertig mit Bauwerken wie dem Eiffelturm, der Porta Nigra und der Chinesischen Mauer ist, der Kölner Dom wurde erst 1996 in diese Liste aufgenommen.

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte 1995 (© Andreas Hell)
Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte 1995 (© Andreas Hell)

1999:
Das Saarland gründet die neue Trägergesellschaft Weltkulturerbe Völklinger Hütte – Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur.

2000:
Erstmals besuchen mehr als 104.000 Menschen das Weltkulturerbe Völklinger Hütte.

2001:
Die Saarstahl AG kam aus dem Konkursverfahren und beendete damit das schwärzeste Kapitel der saarländischen Stahlindustrie.

Das Blasstahlwerk von der Saarseite aus gesehen. Im Vordergrund: Anlegestelle (© Andreas Hell)
Das Blasstahlwerk von der Saarseite aus gesehen. Im Vordergrund: Anlegestelle (© Andreas Hell)

2004:
In der Möllerhalle wird das Science Center „Ferrodrom – die Erlebniswelt des Eisens“ eröffnet. 10-jähriges Jubiläum der „Alten Völklinger Hütte“ als UNESCO-Weltkulturerbe.

2005:
Die Weltkulturerbe Völklinger Hütte und das Musée La Mine (Petite Rosselle, Frankreich) werden zu offiziellen Partnern. Ziel: mehr Besucher, mehr Zuschüsse und mehr Ansehen.

Das Blasstahlwerk von der Saarseite aus gesehen. Im Vordergrund: Anlegestelle (© Jürgen Bennoit)
Das Blasstahlwerk von der Saarseite aus gesehen. Im Vordergrund: Anlegestelle (© Jürgen Bennoit)

2007:
Die Saarstahl AG beteiligt sich an der Gestaltung des Öffentlichen Raumes. An der Bundesstraße 51 wird eine Skulptur des Hamburger Künstlers und Dortmunder Professors HD (Hans Dieter) Schrader der Öffentlichkeit übergeben.
Die Skulptur mit der Bezeichnung „Kubushochzeit“ wurde im Auftrag der Saarstahl AG von HD Schrader entworfen. Seine Freiluftskulpturen aus Stahl, Holz und anderen Materialien sind weltweit vertreten.
Seine Saarstahl-Skulptur ist für den Künstler HD Schrader eine Premiere im Saarland. Sie markiert nunmehr den westlichen Eingang zur Stadt Völklingen, unmittelbar neben der Bundesstraße 51 und dem Torhaus 10, einem der zentralen Torhäuser der Saarstahl AG.
Die Kubushochzeit besteht aus zwei durchsichtigen, eckigen, 15 und 13,5 Meter hohen Säulen, deren Kanten von H-förmigen Stahlträgern gebildet werden. Die Skulptur ist 25,5 Tonnen schwer und besteht aus insgesamt 125 Metern H-Profilen in der Abmessung 400 x 300 mm. Beide Kuben wachsen aus einem gemeinsamen Fundament “ miteinander verschränkt “ empor und neigen sich dabei leicht auseinander. „Die Neigungswinkel sind verschieden“, erläuterte HD Schrader, „so dass mit der Bewegung des Betrachters auch die Skulptur sich zu bewegen scheint.“
„Die Profile für dieses Kunstwerk wurden im Völklinger Walzwerk Mitte am 30.08.2006 gewalzt. Sie stammen aus der letzten Produktionsschicht für diese Abmessung. Mit dem Bau der Saarstahl-Skulptur soll einerseits an das Ende September 2006 stillgelegte Walzwerk Mitte auf eine wertvolle, künstlerische Weise erinnert werden. Andererseits wird der Eingang zur Stadt Völklingen aus der Fahrtrichtung von Bous mit einem signifikanten Zeichen aus Saar-Stahl versehen“, erläuterte der Technik-Vorstand der Saarstahl AG, Dr. Klaus Harste, im Rahmen des Pressegespräches am Tag der Einweihung.

Die Skulptur beim Aufstellen (Foto und Text: Saarstahl AG)
Die Skulptur beim Aufstellen (Foto und Text: Saarstahl AG)

2009:
Im LD-Stahlwerk Völklingen geht die erneuerte Stranggießanlage S3 mit einem Investitionsvolumen von 63,8 Mio. Euro in Betrieb.

Die Baustelle der Saarschmiede (Foto: Schiller)
Die Baustelle der Saarschmiede (Foto: Schiller)

2010:
08.05.: In Völklingen wird die neue Schmiede der Saarschmiede GmbH Freiformschmiede feierlich eingeweiht. Rund 1500 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind zugegen. Für rund 450 Mio. Euro – eine der größten Investitionen im Saarland in den letzten drei Jahrzehnten – ist hier eine der modernsten Schmieden der Welt entstanden.

Saarschmiede Völklingen (Foto: Agostini)
Saarschmiede Völklingen (Foto: Agostini)

2011:
Die Ausstellung „Die Kelten – mächtige Herrscher im Zentrum Europas“ erreicht einen neuen Besucherrekord: 195 658 Besucher

Das Weltkulturerbe 2011 © Globus-SBW Völklingen
Das Weltkulturerbe 2011 © Globus-SBW Völklingen

2012:
„Asterix und die Kelten“ besuchen das Weltkulturerbe.

Das Blasstahlwerk der Saarstahl AG im Februar 2012
Das Blasstahlwerk der Saarstahl AG im Februar 2012

 

Panorama vom Weltkulturerbe bis zum Blasstahlwerk © Andreas Hell
Panorama vom Weltkulturerbe bis zum Blasstahlwerk © Andreas Hell

2013:
Die Saarstahl AG nimmt eine neue Sekundärmetallurgie in Betrieb – die Gesamtinvestition belaufen sich auf 150 Millionen Euro.

2014:
Vor dem Weltkulturerbe wird eine Stolperschwelle von Gunter Demnig verlegt.

Stolperschwelle vor dem Weltkulturerbe Völklinger Hütte. © Patric Bies
Stolperschwelle vor dem Weltkulturerbe Völklinger Hütte. © Patric Bies


Bildergallerie 2005-2015