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Kommerzienrat Dr. iur. h.c. Hermann Röchling

Vorwort

Wer in Völklingen schlecht über Hermann Röchling sprach machte sich mindestens 2013 unbeliebt – wenn nicht ist dies bis heute der Fall. Für viele Völklinger ist Hermann Röchling ein guter Mensch, der viel für die Stadt getan habe – was er zu Kriegszeiten getan hat, dass er ein mehrfach verurteilter Kriegsverbrecher ist, das stellen viele in den Hintergrund. Kritischen Menschen stellt sich die Frage warum Hermann Röchling „so viel“ für Völklingen getan haben soll, wer war dieser Mann? Wie uneigennützig war sein Tun wirklich?
Beim bis 2013 „Hermann-Röchling-Höhe“ genannten Stadtteil handelt es sich um den zweitkleinsten Stadtteil der Mittelstadt Völklingen, heute Röchlinghöhe genannt. Er entstand in den 1930er Jahren als Stammarbeitersiedlung der Röchlingschen Eisen- & Stahlwerke, an deren Spitze Hermann Röchling zu dieser Zeit stand. Ursprünglich „Bouser Höhe“ genannt, wurde der Stadtteil 1956 zu Ehren von Hermann Röchling durch einen Stadtratsbeschluss in „Hermann-Röchling-Höhe“ umbenannt. Dieser Tatsache stellt sich bis heute eine Bürgerinitiative „Gegen das Vergessen“.
An dieser Stelle möchten wir die Person Hermann Röchling in einer Lebenschronik etwas näher vorstellen, so dass sich unsere Leserinnen und Lesern selbst ein Bild der Person Kommerzienrat Dr. iur. h.c. Hermann Röchling machen können.


Zur Person Kommerzienrat Dr. iur. h.c. Hermann Röchling

Kommerzienrat Dr. iur. h.c. Hermann Röchling - Quelle: Die Gründerfamilie Röchling
Kommerzienrat Dr. iur. h.c. Hermann Röchling – Quelle: Die Gründerfamilie Röchling

Hermann Röchling. Bis heute wird dieser Name in Völklingen heiß diskutiert. Für die einen ist er der Garant von Lohn und Brot, die anderen sehen in ihm einen Ausbeuter der NS-Zeit. Völklingen im Wandel möchte an dieser Stelle das Leben von Kommerzienrat Dr. iur. h.c. Hermann Röchling vorstellen: Den Privatmann und den Geschäftsmann.

1872:
Hermann Röchling wird am 12. November 1872 in Völklingen Geboren. Er ist der siebte Sohn Carl Röchlings.

1880:
Es geschah zu Anfang 1880. Die Röchlings hatten 14 Kinder, von denen die meisten im Hof des elterlichen Anwesens in Saarbrücken in der Wilhelm-Heinrich-Straße lautstark spielten. Das mißfiel dem Vater, dem alten Geheimrat Carl Röchling, dessen Arbeitszimmer im ersten Stock zur Hofseite führte. Er öffnete das Fenster und rief der tobenden Kinderschar zu: „All, die nit unser sinn, sofort enaus!“ – Worauf es aus dem Mund der Kinder, darunter auch Hermann, schlagfertig schallte: „Ei, Vadder, mir sinn jo all unser!“ – Der Ärger war gebannt und lachend schloss der Vater das Fenster.

1891:
Reifeprüfung am Gymnasium zu Saarbrücken. Nach der Absolvierung des Saarbrücker Ludwigsgymnasiums nahm er 1891 gleich die praktische Arbeit bei den Hüttenwerken in Peine und Ilsede auf. In der darauffolgenden Studienzeit verbrachte er zunächst 3 Semester an der Universität Heidelberg und dann 2 Jahre in Berlin, wo er Vorlesungen an der Universität, der Technischen Hochschule, der Bergakademie und der Landwirtschaftlichen Hochschule besuchte.

1892-95:
Röchling ist Mitglied der Verbindung “Corps Guestphalia” Heidelberg im KSCV. (Quelle: http://www.hermann-roechling.de/fakten/lebenslauf-hermann-rochling/)

1895:
Rückkehr nach Völklingen. Bereits als 23jähriger beauftragte ihn sein Vater mit der Leitung eines Hochofens.

1895/96:
Einjährig-Freiwilliger beim Dragoner-Regiment “Generalfeldmarschall Prinz Leopold von Bayern“ (Westf.) Nr. 7 in Saarbrücken (Quelle: http://www.hermann-roechling.de/fakten/lebenslauf-hermann-rochling/)

1897:
Röchling macht eine Studienreise nach Nordamerika.
Er wird zum technischen Leider der Carlshütte in Diedenhofen/Lothringen (Thionville) (Quelle: http://www.hermann-roechling.de/fakten/lebenslauf-hermann-rochling/)

1898:
Hermann übernimmt von seinem Vater Carl die Völklinger Hütte.

1899:
Heirat mit Theodora Müller.

Theodora - Quelle: Die Gründerfamilie Röchling
Theodora – Quelle: Die Gründerfamilie Röchling

1903:
Hermann Röchling erwirbt das Patent des Schweden Kjellin auf elektrische Induktionsöfen erworben.

1914-1915:
Im Ersten Weltkrieg diente Röchling von 1914 bis 1915 als Rittmeister.

1915:
Rückkehr an die Spitze des Familienunternehmens.

1918:
Ernennung zum preußischen Kommerzienrat.
Hermann Röchling wird als Kriegsverbrecher zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Während sein Bruder Robert bis 1925 inhaftiert blieb, konnte sich Hermann am 9. November 1919 gegen Übergabe einer Mehrheitsbeteiligung von 60 % der Völklinger Hütte an den französischen Staat freikaufen.

1919:
Er wird Vorstandsvorsitzender des Röchling–Konzerns.

1922:
Die Universität Heidelberg verleiht Hermann Röchling den Titel „Dr. phil. h.c.“. (Quelle: http://www.hermann-roechling.de/fakten/lebenslauf-hermann-rochling/)

1922–1935:
Allen vier Legislaturperioden gehörte Hermann Röchling dem Landesrat des Saargebietes an. Dort war er Vertreter der Liberalen Volkspartei (ab 1924: Deutsch-Saarländische Volkspartei), welche nach 1933 in der Deutschen Front aufging.

1925:
Der Verein Deutscher Eisenhüttenleute verleiht Hermann Röchling die Carl-Lueg-Gedenkmedaille.

1933:
Gründung der Deutschen Front auf Iniative Hermann Röchlings. Die Deutsche Front trat für den Anschluss des Saargebiets an das Deutsche Reich ein. (Quelle: http://www.seniorentreff.de/diskussion/archiv6/a1140.html)
Röchling wollte die Juden für eine prodeutsche Stimmenabgabe gewinnen, zugleich aber den Zustrom reichsdeutscher Juden ins Saargebiet begrenzen. Ein solcher Zustrom war nach der Wahl 1935 aufgrund der angedachten Garantien zu erwarten. In diesem Sinne intervenierte er am 21. Juli 1933 schriftlich bei Hitler, damit das Saargebiet nach 1935 kein „jüdischer Naturschutzpark“ werde. (Quelle: Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz in Verbindung mit dem Landesarchiv Saarbrücken (Hrsg.): Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Rheinland-Pfalz und im Saarland von 1800 bis 1945, Bd. 6, Koblenz 1974, S. 268 und S. 315 ff.)
Bis 1936 fungiert Röchling als Senator der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, außerdem ist er Senator der Akademie zur Wissenschaftlichen Erforschung und Pflege des Deutschtums in München.

1934:
Röchling bekommt die Grashoff-Gedenkmünze vom Verein Deutscher Ingenieure überreicht.

1935:
Das Saarland stimmt für den Anschluss an das Deutsche reich. Röchling übernimmt einige Unternehmen in Mitteldeutschland.
Noch 1935 trat Röchling in die NSDAP ein. (Ernst Klee: Das Personenlexikon im Dritten Reich. 2003, S. 502.) Seine Mitgliedsnummer lautet 6 934 529.

Vor den Wahllokalen bilden sich lange Schlangen. Anhänger der deutschen Front halten Schilder hoch: »Erstes Gebot: Maul halten!« Tumulte oder Ausschreitungen könnten nämlich zur Ungültigkeit der Wahl führen. (Foto: Sammlung Strempel)
Vor den Wahllokalen bilden sich lange Schlangen. Anhänger der deutschen Front halten Schilder hoch: »Erstes Gebot: Maul halten!« Tumulte oder Ausschreitungen könnten nämlich zur Ungültigkeit der Wahl führen. (Foto: Sammlung Strempel)

Nach seinem Eintritt in die NSDAP tritt Röchling dem Rüstungsbeirat des Reichswehrministeriums bei. Dort fungiert er als Aufsichtsratsmitglied in zahlreichen Firmen der Montanindustrie. Wenig später wird er zum Wehrwirtschaftsführer und zum Leiter der „Bezirksgruppe Südwest der Wirtschaftsgruppe Eisenschaffende Industrie“ ernannt. Er ist Mitglied des „Freundeskreis des Reichsführers SS“.
Am 4. Dezember besucht Reichsminister Joseph Goebbels die Völklinger Hütte. Bei dieser Gelegenheit betonte er bei seiner Begrüßung die Verbundenheit der Geschäftsleitung und der Mitarbeiter mit der NSDAP. (LXXXVII. S.19)

1936:
Hermann Röchling schreibt für Hitler mehrere Denkschriften, unter Anderem auch am 17. August 1936 unter dem Titel „Gedanken über die Vorbereitung zum Kriege und seine Durchführung“ in der er Hitler zum Krieg gegen die Sowjetunion aufforderte, um das Weltjudentum entscheidend zu bekämpfen. Er schrieb:

„Immer drohender wird die Kriegsgefahr für das deutsche Volk. Im Osten steht Russland mit seiner kommunistischen Staatsauffassung und der Gottlosenlehre im schärfsten Gegensatz zum nationalsozialistischen Deutschland, das ihm den Weg zur Weltrevolution versperrt. Deutschland hat mit seinem Antisemitismus dem in Russland absolut herrschenden Judentum und dem Judentum der Welt, dem einflussreichsten Vorkämpfer des Bolschewismus, den schärfsten Kampf angesagt. […] Es ist nicht zu sehen, worin die Möglichkeit bestehen sollte, den Entscheidungskampf zwischen Bolschewismus und Nationalsozialismus zu vermeiden“
(Zit. n. Dietrich Eichholtz, Wolfgang Schumann u. a. (Hrsg.): Anatomie des Krieges. Berlin 1969, S. 142 f.)

Hermann Röchling ein Nazi(?) Bild-Quelle: Paul Ganster
Hermann Röchling vor der Hakenkreuz-Fahne des Dritten Reichs. Bild-Quelle: Paul Ganster

1939:
Seit Kriegsbeginn ist Röchling von Gauleiter Josef Bürckel mit der “Sicherung der heimischen Stahlindustrie“ beauftragt. (Quelle: http://www.hermann-roechling.de/fakten/lebenslauf-hermann-rochling/)
Hermann Röchling fordert von Hitler Zwangsarbeiter aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten im Osten. (LXXXVII. S. 13)

Quelle: Paul Ganster
Quelle: Paul Ganster

Während des 2. Weltkrieges werden zehntausende Kriegsgefangene aus Osteuropa mit den so genannten Röchling-Transporten ins Saarland gebracht, um die an der Front eingesetzten Arbeiter in Gruben und Stahlwerken zu ersetzen. Die Bezeichnung „Röchling-Transporte“ oder auch „Röchling-Aktionen“ beschreiben nicht nur die Verschleppung ins Saarland, sondern für alle Transporte in deutsche Schwerindustrie.

Um die neuen Arbeiter in der saarländischen Industrie unter Leistungsdruck zu setzen, lässt Hermann Röchling in Köllerbach (nicht fern von Völklingen) ein Straflager für »widerspenstige Fremdarbeiter« errichten. Hier wurden zahlreiche widerwillige Arbeiter misshandelt, selbst der Tod vieler Sklaven wurde in Kauf genommen. (Quelle: franz-albert.de)
Andere Quellen besagen allerdings wörtlich:

„Ob die direkte Initiative zur Gründung des AEL Etzenhofen von den Röchlingwerken selbst oder aber von der Gestapo bzw. Gauleiter Joseph Bürckel ausging, ist bis heute nicht endgültig geklärt, die Zeugenaussagen beim Röchling-Prozeß 1948 in Rastatt (siehe unten) gehen hier auseinander. Entscheidend ist jedoch, daß die Interessen des Unternehmens im Hinblick auf Arbeitslager und Schnellgericht mit denen der staatlichen Stellen konvergierten: Waren vormals Zwangsarbeiter nach Verhaftung durch die Gestapo oft nicht mehr zu Röchling zurückgekehrt, so konnte das Unternehmen jetzt nicht nur nach Ablauf der Haft, sondern auch während der Inhaftierung im AEL weiter über ihre Arbeitskraft verfügen. Umgekehrt garantierte das Schnellgericht eine rasche und abschreckende Bestrafung im Sinne der Gestapo, deren Vertreter zudem bei Verhandlungen gegen Ausländer den Vorsitz führte. Das AEL Etzenhofen stellte neue Internierungskapazitäten bereit und unterstand zumindest formal der Gestapo. Die Lagerleitung übernahm jedoch der Leiter des Röchling’schen Werkschutzes, Obersturmbannführer Erich Rassner. Eine zunehmende institutionelle Verzahnung staatlicher und betrieblicher Repression wird hier deutlich. (http://www.memotransfront.uni-saarland.de/etzenhofen.shtml) “

Die Einweisung nach Etzenhofen stellte im betrieblichen Alltag fortan die größte Strafandrohung für Zwangsarbeiter dar und wurde schon bei geringen „Vergehen“ ausgesprochen. So wurde ein Lothringer polnischer Herkunft wegen „Bummelei“ und „Handels mit Brotmarken“ ebenso zu 56 Tagen Arbeitserziehungslager verurteilt wie eine Ostarbeiterin, weil sie ein paar weiße Handschuhe gegen Brotmarken getauscht hatte.

1940:
Zwischen Juli 1940 und Juni 1942 wurde Röchling zum „Generalbevollmächtigten für die Eisen- und Stahlindustrie in Lothringen, Meurthe-et-Moselle mit Ausnahme von Longwy“ ernannt. Er steht damit in enger in Rivalität zu Friedrich Flick (sein Flick-Konzern hatte umfangreiche Firmenbeteiligungen, besonders im Rüstungsbereich), der ebenfalls an der lothringischen Stahlindustrie interessiert war. (Quelle: Kim Christian Priemel: Flick. Eine Konzerngeschichte vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik. S. 441.)
Röchling wollte die Werke der Region restlos in deutsches Eigentum überschreiben („germanisieren“), während Hermann Reusch (Vorstandsvorsitzender der Gutehoffnungshütte) dagegen war, weil er dann den späteren Aufbau neuer Stahlwerke an anderer Stelle in Frankreich, in der Normandie, also küstennah, befürchtete. (Quelle: Johannes Bähr, Ralf Banken und Thomas Flemming: Die MAN. Eine deutsche Industriegeschichte. Beck, München 2008, S. 302.)

1941:
Mitglied im Beirat der Deutschen Reichsbank (Quelle: http://www.hermann-roechling.de/fakten/lebenslauf-hermann-rochling/)

1942:
Kommerzienrat Hermann Röchling wurde an seinem 70. Geburtstag zum Ehrenmitglied des VdEH und zum Ehrenbürger der Stadt Völklingen ernannt.(I. S.470)

Röchling umringt von Siedlern einer Werkssiedlung 1942. Quelle: Die Gründerfamilie Röchling
Röchling umringt von Siedlern einer Werkssiedlung 1942. Quelle: Die Gründerfamilie Röchling

Die „Bußer Höhe“ wird erstmals durch NSDSP-Kreisleiter Graf bekanntgegeben nach Hermann Röchling in „Hermann-Röchling-Siedlung“ umbenannt.

„Ich weiß, wie Sie sich, Herr Kommerzienrat, so sehr um das Siedlungsvorhaben bemüht haben und ich weiß auch, daß Sie heute noch, so oft es Ihnen die Zeit erleubt, sich persönlich um den Weiterbau kümmern und immer wieder mit Rat und Tat zur Seite stehen. Gerne habe ich daher die Anregung der Allgemeinen Baugenossenschaft 1904 aufgenommen, in Würdigung Ihrer großen Verdienste um das Siedlungswesen, die Siedlung auf der Bußer Höhe Hermann- Röchling-Siedlung zu nennen.“
Dies erklärte der stellvertretende Bürgermeister Völklingens, NSDSP-Kreisleiter Graf, anläßlich der Feier zum 70. Geburtstag Hermann Röchlings in der Wartburg in Saarbrücken.

Irgendwann in der Folge wird diese Umbenennung aber wieder widerrufen.
Ab Juni 1942, wurde Röchling Leiter der Reichsvereinigung Eisen und mit dem Adlerschild des Deutschen Reiches ausgezeichnet. (Quelle: http://www.luise-berlin.de/bms/bmstxt00/0006gesi.htm)

Hermann Röchling an der Seite von Adolf Hitler ; Quelle: Paul Ganster
Hermann Röchling an der Seite von Adolf Hitler Bild-Quelle: Paul Ganster

Röchling steht in einem engen Vertrauensverhältnis zu Adolf Hitler, dies bekundet eine Mittagstafel an der Röchling am 18. Mai 1942 mit Hitler teilnimmt und von Hitler als „renommierter Gast und alter Bekannter aus der Kampfzeit“ und als „eine in ihrer Zurückhaltung und Abgeklärtheit besonders eindrucksvolle Industriellenpersönlichkeit“ vorgestellt wird. (Quelle: Henry Picker: Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier 1941–1942. Stuttgart 1965, S. 353.)
Röchling ist Mitglied im „Rüstungsrat“ (Albert Speer).
Aufhebung des Urteils gegen Hermann Röchling durch Marschall Pétain (Quelle: http://www.hermann-roechling.de/fakten/lebenslauf-hermann-rochling/)

1943/1944:
Im als „Russenlager“ bezeichneten Arbeitslager der Völklinger Hütte war die Entbindungs- und Kindereinrichtigung, auch „Ausländerkinder-Pflegestätte“ genannt, untergebracht.

Nach Ermittlungen im Röchling-Prozess starben hier über 30 Kinder.
Nur drei der dort genannten finden sich in den Gräberlisten des Waldfriedhofes, die die Namen von 42 weiteren Kindern enthalten.

Ein Werksarzt sagte aus, während einer Diphtherie-Epidemie im Winter 1943/44 hätten Werkskrankenkasse und Leitender Arzt die Isolierung der kranken Kinder und die Ausgabe von Serum untersagt.

Zeitweise gab es also ein regelrechtes „Kinderlager“. (Quelle: http://hermann-roechling.de/fakten/19431944-kindersterben-unter-den-zwangsarbeitern/)

1944:
Röchling erhält das „Kriegsverdienstkreuz“ und wird „Pionier der Arbeit“.
Hermann Röchlings Sohn Karl-Theodor wurde zusammen mit dem Oberingenieur Koch am 17. Dezember 1944 auf der Völklinger Hütte unter nie aufgeklärten Umständen von unbekannten Tätern ermordet.
(Quelle: http://www.hermann-roechling.de/fakten/lebenslauf-hermann-rochling/)

Von den ca. 70000 im Saarland eingesetzten ausländischen Arbeitskräften entfiel ein Großteil auf die Eisen- und Stahlindustrie, der für die Kriegsproduktion des „Dritten Reiches“ eine besondere Bedeutung zukam. Im Völklinger Werk, dem größten saarländischen Industriebetrieb, nahm die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte während des Krieges ständig zu, bis Mitte 1944 ein Höchststand von knapp 6000 (davon ca. 1300 Kriegsgefangene) bei 14000–15000 Beschäftigten insgesamt erreicht wurde. Seit Ende 1942 betrug der Anteil der Ausländer an der Belegschaft zwischen 35 und 40%. Die größte Gruppe bildeten dabei die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion vor den Franzosen und, mit einigem Abstand, Italienern, Polen und Niederländern. Damit glich der „Ausländereinsatz“ in Völklingen hinsichtlich seiner quantitativen Bedeutung, aber auch im Hinblick auf widrige Arbeits- und teilweise erbärmliche Lebensbedingungen der Ausländer prinzipiell der Situation in den übrigen Saarhütten; einzigartig innerhalb der saarländischen Industrie waren jedoch Schnellgericht und betriebliches Arbeitserziehungslager. (Quelle: http://hermann-roechling.de/fakten/1944-12-ehemaliges-arbeitserziehungslager-etzenhofen/)

Das bei den ausländischen Arbeitern als „KZ“ berüchtigte Lager bestand aus zwei Holz- und zwei Steinbaracken, die die Röchlingwerke von Reichsautobahngesellschaft bzw. Reicharbeitsdienst spätestens Anfang 1943 übernommen hatten. Die durchschnittlich 40 bis 50 Gefangenen hatten tagsüber zwölf Stunden lang in Völklingen besonders schwere und gefährliche Arbeit zu verrichten. Ins Lager zurückgekehrt, mußten sie weitere Arbeiten von ausschließlich schikanösem Charakter ausführen, etwa Betonbrocken hin- und herschleppen. Nächtliches Strafexerzieren und Abspritzen der Insassen mit eiskaltem Wasser trugen wie die völlig unzureichende Ernährung weiter zur vollständigen Erschöpfung der Häftlinge bei. Von Mißhandlungen durch das Wachpersonal (Schlagen mit der Reitpeitsche, Loslassen der Schäferhunde) und Vergewaltigungen weiblicher Gefangener wird ebenso berichtet wie von einzelnen Todesfällen. (Quelle: http://hermann-roechling.de/fakten/1944-12-ehemaliges-arbeitserziehungslager-etzenhofen/)

Nach 1945:
Röchling taucht unter.

1946:
Im November kann Röchling von den US-Truppen als Kriegsverbrecher verhaftet und in Nürnberg in Haft genommen werden.

1947:
Im Mai 1947 wird Hermann Röchling an Frankreich ausgeliefert und in Haft genommen.

Röchling vor Gericht ; Quelle: Paul Ganster
Röchling vor Gericht ; Quelle: Paul Ganster

1948:
Die Anklage vor einem internationalen Militärgerichtshof in Rastatt lautet auf industrielle Ausbeutung der besetzten Gebiete, Erhöhung des Kriegspotentials des Deutschen Reichs und Einfluss auf die Verschleppung von Personen zur Zwangsarbeit. Er wird wegen »Verbrechen gegen die Menschlichkeit« zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt, obwohl über 1500 Entlastungsdokumente aus verschiedenen Kreisen und Ständen dem Gericht vorliegen. Während der Verhandlungen bereut er nichts.

„Mag mich die brennende Liebe zu meinem Vaterlande hier und da zu weit geführt haben, ehrlise oder gar gewinnsüchtige Absichten, die mir die Staatsanwaltschaft unterstellt, habe ich weiß Gott nicht gehabt. Die Sorge um mein Vaterland hat mir immer höher gestanden als meine persönliche Sorgen.“ (Hermann Röchling vor dem Tribunal Supérieur in Rastatt, Zitat lt. LXXXVII. S.17)

 

Zudem Uteil gehören auch Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte und Beschlagnahmung des gesamten Privatvermögens.

111 Pensionäre der Völklinger Eisenwerke möchten in der Folge für »ihren« Papa Röchling die Strafe nacheinander absitzen, auch von Seiten der saarländischen Regierung setzt man sich für die Freilassung ein.

1949:
Ein Berufungsgericht verschäft das ursprünglich mildere Urteil. Im „Urteil vom 25. Januar 1949 in Sachen Hermann Röchling und Genossen wegen Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit auf die Berufung gegen das Urteil vom 30. Juni 1948“ wird Röchling zu zehn Jahren Haft verurteilt, die er teilweise in sogenannter Ehrenhaft im Freiburger Diakonissenheim in Freiburg bis zu seiner Entlassung verbrachte.
(Quelle: ,Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg, T1 NL Drischel Nr. 41)

1951:
Hermann Röchling wird am 18. August 1951 auf Befürwortung des französischen Hochkommissars François Poncet Hermann und Ernst Röchling vorzeitig aus der Haft mit der Auflage entlassen, das Saarland nie mehr zu betreten. Die Völklinger Hütte steht zu dieser Zeit unter französischer Zwangsverwaltung.
Hermann Röchling zieht sich nach Heidelberg zurück.

1953:
Hermann Röchling wird der „Siemens-Ring“ verliehen. (I. S.471)

1955:
24. August 1955 in Mannheim: Hermann Röchling stirbt, ohne jemals wieder in seine Heimat zurückgekehrt zu sein.


Folgende Anekdoten über Hermann Röchling und die Hütte sind uns bekannt, zeitlich allerdings nicht zuzuordnen:

Der Kran

Bei einem Morgenrundgang im Hüttenwerk wrude der Kommerzienrat von einem Vorarbeiter angesprochen: „Herr Kommerzienrat, mir bräuchte dringend e neier Kran!“ – Er erhielt die verblüffende Antwort: „Mein Lieber, den hat mein Vater schon alt gekauft, der tut es noch eine Weile!“

Telefonat

Kommerzienrat Röchling hatte gerade den gewohnen Rundgang durch das Hüttenwerk beendet und befand sich auf dem Weg zu seinem Büro. Am Eingang zum Torhaus 2 blieb er stehen und schaute sich das „schwarze Brett“ an. Das danebenliegende Fenster des Torwächters stand offen. Da schrillte das Telefon und aus der Hörmuschel konnte selbst Kommerzienrat Röchling deutlich hören: „Hannes, pass uff, de Alde is unnerwegs unn wird gleich vorbei kumme!“ – Daraufhin steckte Röchling seinen Kopf durchs Fenster und sagte: „Saa dem Anrufer der Alde is schon do!“.

Mir Reiche Leut

Kommerzienrat Röchling war zu Gast in einer Metzgerei-Gastwirtschaft in der Pfalz. Man unterhielt sich über die neusten Ereignisse und dass irgendwo ein Streik zu erwarten sei. Da mischte sich der Wirt in das Gespräch und tat den klassischen Ausspruch: „Gelle Herr Röchling, Du hascht Geld und ich hann Geld. Mir reiche Leit müsse zusammenhalle!“

Gutes Erzeugnis

Hermann Röchling war mit Herrn W. zu einer Veranstaltung in den Warndt unterwegs. Die Straßen befanden sich zu der damaligen Zeit noch in einem äußerst schlechten Zustand. Als sie mit dem Personenwagen durch die holprige Straße in Ludweiler fuhren stieß sein Begleiter mit dem Kopf an den Deckenrahmen des Wagens und zog sich eine Verletzung zu. Röchling: „Na, da können Sie mal sehen, wie gut unsere Autofedern sind!“

Wunsch

Hermann Röchling gratulierte bei einer Jubilarfeier einem Schlosser der auf eine 50-jährige Berufszeit bei der Firma zurückblicken konnte. Als er den Jubilar fragte, ob er denn einen Wunsch hätte bemerkte dieser: „Ach, Herr Kommerzienrat, dirft ich jetzt ach mol die Hitt besichdiche?“


Nach Hermann Röchlings Tod: Umbenennung eines Stadtteils – Ehre, wem Ehre nicht gebührt(?)

Aufruf zur Ablehnung des Saarstatutes. (Quelle: Saarstahl AG)
Aufruf zur Ablehnung des Saarstatutes. (Quelle: Saarstahl AG)

1956:
Die „Bouser Höhe“ wird in „Hermann-Röchling-Höhe“ umbenannt.

1986/87:
Politiker der Partei „die Grünen“ unternehmen erste Umbenennungsversuche der damaligen Hermann-Röchling-Höhe. (LXXXVII. S. 23)

2000:
Ein ARD-Magazin macht darauf aufmerksam, dass Herrmann Röchling als verurteilter Kriegsverbrecher ein ganzer Stadtteil gewidmet und er dazu bis zu diesem Zeitpunkt Ehrenbürger der Stadt Völklingen ist. In der Folge wurde die Kritik an der Namensgebung des Stadtteils lauter.

2010:
2010 gründet sich die „Bürgerinitiative gegen das Vergessen und die Gleichgültigkeit“ auf der Hermann-Röchling-Höhe, sie tritt für die Rückbenennung des Stadtteils in „Bouser Höhe“ ein, was wiederum woanders auf Kritik stößt.

2013:
Am 31. Januar benennt der Völklinger Stadtrat die Hermann-Röchling-Höhe in Röchlinghöhe um.
Auch diese Entscheidung stößt auf Kritik: Es reiche nicht, den Vornamen Hermann zu streichen, denn dadurch würde der „Röchlingclan in seiner Gesamtheit“  (LXXXVII. S. 77) geehrt. Absurderweise huldige man damit zwei weitere Nazi-Verbrecher: Ernst und Robert Röchling.

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