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Kokerei Fürstenhausen

Die Inbetriebnahme der Kokerei erfolgte am 14. Juli 1959 und ging nach fast genau 40 Jahren am 30. Juli 1999 endgültig außer Betrieb.
Die Inbetriebnahme der Kokerei erfolgte am 14. Juli 1959 und ging nach fast genau 40 Jahren am 30. Juli 1999 endgültig außer Betrieb.

1957 bis 1959:
Bau der Kokerei. Die Bauzeit lag in einer, für das Saarland, wirtschaftlich relativ unsicheren Zeit. Bis 1957 gehörte das Saarland zu Frankreich, und bis 1959 zum französischen Zollgebiet, daher ist die „Régie des mines de la Sarre“ für die Standortwahl zuständig gewesen. Man wählte einen Standort in der nähe zur Grube Luisenthal (sie lieferte immerhin bis zu 60% des Bedarfs über ein Stollenband unter der Saar) und mit kurzem Weg zur Saar.
Der Scheiben-Gasbehälter von MAN (Maschinenfabrik Augsburg Nürnberg) wurde mit der Kokerei erbaut. (XXXIV. S. 184/185)

Kokerei Fürstenhausen
Kokerei Fürstenhausen

14. Juli 1959:
Inbetriebnahme der Kokerei. Sie fällt auf den Französischen Nationalfeiertag. Zunächst gab es zwei Batterien. Im Oktober des gleichen Jahres endete mit der Inbetriebnahme der Batterien drei und vier die erste Baustufe. (XXXIV. S. 185)

1966:
Die Maximalkapazität von acht Batterien wurde nach drei jähriger Bauzeit erreicht.
Für die Produktion des Rohbenzols wurde eine eigene Benzolraffinations- und Destillationsanlage gebaut. In dieser wurde später das Rohbenzol aller saarländischen Kokereien verarbeitet.
Die Produktion der Anlage war auf Hochofenkoks spezialisiert (1,5 Millionen Tonnen / Jahr), aber nicht darauf beschränkt. Es wurden darüber hinaus jährlich 690 Millionen m3 Gas, 82000 t Rohteer, 27500 t Rohbenzol, 14000 t Ammonsulfat und 1200 t Rohphenol produziert.

1969:
Anpassung der Sieberei an die Produktionspalette.

Lokomotive 14 © R. Gumbert
Lokomotive 14 © R. Gumbert

1970er Jahre:
Mitte der 70er Jahre konnte die Leistungsfähigkeit der Stampftechnik entscheidend verbessert werden. Dies führte zum Bau einer 6-m-Verkokungskammer in Fürstenhausen. Nach mehrjähriger Entwicklungsarbeit hatte die 6-m-Stampftechnologie ihre Betriebstauglichkeit für den großtechnischen Einsatz unter Beweis gestellt.

1979:
Inbetriebnahme eines Molekularsiebs welches aus Koksgas Reinwasserstoff erzeugte.

1985:
Außer Betriebstellung der Benzolraffinations- und Destillationsanlage wegen Absatzgründen.

1989:
Stilllegung des Molekularsiebs.

1991:
Reduzierung der Batterien auf die Hälfte, auch die Belegschagt schrumpfte von ca. 680 Mitarbeitern in den 80ern auf nun ca. 360, Grund dafür die schwere Lage auf dem Markt.
Außerdem begann man 1991 mit dem Ausbau von Umweltschutzeinrichtungen, noch im gleichen Jahr ging eine Koksgasentschwefelungsanlage mit abwasserreinigender Komponente in Betrieb. Die Anlage entschwefelt sowohl das Unterfeuerungsgas für die Koksbatterien als auch das Stadtgas auf die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Grenzwerte. Darüber hinaus wurden die Entstaubungsanlagen dem Stand der Technik angepasst. (XXXIV. S. 186)

1992:
Es ging eine Anlage in Betrieb welche die Füllgase in den Gasreinigungsprozess einbindet. Füllgase sind ein Problem, welches im direkten Zusammenhang mit der Stampftechnik steht. Die Kokerei Fürstenhausen konnte hier, aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrung, eine Vorreiterrolle übernehmen. Die neue Anlage war ein integriertes System zur Überleitung der Füllgase in den vorhandenen Gasreinigungsprozeß. Diese Technologie stellt den neusten Stand der Technik dar und war ein effizientes und kostengünstiges Verfahren zur Beherrschung der Füllgase in Stampfkokereien. Dieses neue Verfahren garantierte ein staub und lärmfreies Absaugen der beim Setzvorgang entstehenden Füllgase.

Kokerei Fürstenhausen
Kokerei Fürstenhausen

1995:
Inbetriebnahme einer hauseigenen Kläranlage.

1999:
Stilllegung und kurz darauf der Abriss der Anlage.

Seit Inbetriebnahme produzierte die Kokerei Fürstenhausen rund 50 Millionen Tonnen Koks aus 44 Millionen Tonnen Saarkohle und 16 Millionen Tonnen Fremdkohlen, Petrolkoks und Koksmehl. Dies entspricht der Ladung von etwa 50.000 Güterzügen mit einer Gesamtlänge von mehr als 15.000 Kilometern. Um diese Kohlemenge durchzusetzen, waren etwa 3 Millionen Ofenspiele erforderlich, d. h. jede Ofenkammer musste nahezu 12.000 Mal gefüllt und entleert werden.

Abriss der Kokerei Fürstenhausen
Abriss der Kokerei Fürstenhausen

2004:
Ende der Abriss und Rückbauarbeiten.

Insgesamt wurden abgebrochen:
• ca. 260.000m³ umbauter Raum an Gebäuden
• ca. 105.000m³ umbauter Raum Ofenbatterien
• ca. 40.000m³ sonstiger Betonabbruch (Fundamente, betonierte Flächen u.ä.)

Bis auf die Sieberei, die gesprengt wurde, erfolgte der Abriss aller Anlagen konventionell mit Seilbagger und Abrissbirne bzw. Hydraulikbagger mit Betonschere oder Hammer. Der Abriss wurde bis 0,5 m unter Geländeoberkante mit Ausnahme der kontaminierten Bauteile, die komplett auszubauen waren, geführt.

© Martin Schiller
© Martin Schiller
© Martin Schiller
© Martin Schiller

2007:
Geplanter Bau von einer Biogasanlage und einer Fischzucht auf dem Gelände der ehemaligen Kokerei. Beide Anlagen sollen aneinander gekoppelt arbeiten, die Meeresfischzucht nutzt die Wärme der Biogasanlage, die Biogasanlage nutzt die Reste der Fischzucht zur Herstellung des Biogases. Es kommt allerdings erst nach 2010 nur zum Bau der Fischzucht.

Der beeindruckende Gasometer blieb bis zu seiner Sprengung 2008 stehen. (Foto: Hell)
Der beeindruckende Gasometer blieb bis zu seiner Sprengung 2008 stehen. (Foto: Hell)

2008:
Am 6. September 2008 findet die Sprengung des Gasometers statt, welcher übrigens durch Grubensenkungen bis zuletzt schief stand. Damit erinnert nurnoch das eiserne Gerippe des Kühlturms (Bischhofkühler) an die ehemalige Kokerei.

Nach dreiwöchiger Vorbereitungszeit wurde der Gasbehälter mit 15kg Sprengstoff gesprengt. Auf dem Gelände soll ein Parkplatz für das zukünftige Biogaskraftwerk errichtet werden.

Am 6. September, um 8 Uhr war es dann so weit... © Andreas Hell
Am 6. September, um 8 Uhr war es dann so weit… © Andreas Hell

Herr Uwe Jacob und Jürgen Bartsch, beide Sprengmeister, gaben sich 11 von 10 Punkten, was für Zufriedenheit spricht.

© Martin Schiller
© Martin Schiller

An dieser Stelle möchte ich den beiden Sprengmeistern Uwe Jacob und Jürgen Bartsch danken, diese beiden Herren ermöglichten mir tiefe Einblicke in die Technik und in ihre Arbeit! (Andreas Hell)

Der Bischhofkühler vom Dach des Gasometers - auch er ist inzwischen abgetragen. (Foto: Hell)
Der Bischhofkühler vom Dach des Gasometers – auch er ist inzwischen abgetragen. (Foto: Hell)