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Ludweiler – Das Hugenottendorf

Das Ludweiler Wappen
Das Ludweiler Wappen

Ludweiler ist ein ehemaliges Hugenottendorf. Erst mit der Gebiets- und Verwaltungsreform 1974 wurde die bislang selbständige Wandtgemeinde in die Mittelstadt Völklingen eingegliedert.
Zahlreiche archäologiesche Funde in den Gemarkungen des Ortes belegen eine Besiedlung in vor- und frühgeschichtlicher Zeit, darunter das älteste Zeugnis für die Anwesenheit des vorgeschichtlichen Menschen im Saarland: der bekannte „Ludweiler Faustkeil“.

Dieses, etwa 200.000 - 300.000 Jahre alte Steinwerkzeug, wurde 1940 von Wehrmachtsangehörigen auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei gefunden und wird heute im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken aufbewahrt.
Dieses, etwa 200.000 – 300.000 Jahre alte Steinwerkzeug, wurde 1940 von Wehrmachtsangehörigen auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei gefunden und wird heute im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken aufbewahrt.

1604:
Am 8. Juni unterzeichnete Graf Ludwig II. von Nassau-Saarbrücken die Gründungsurkunde des Dorfes Ludwigsweiler. Darin erlaubt er zwölf Hugenotten, die wegen ihres calvinistischen Glaubens Frankreich verlassen mußten, an der „Rixfurth im Warneth“ ein Dorf zu gründen. Gleichzeitig befreite er seine neuen Untertanen für sechs Jahre von allen Frondiensten und anderen Abgaben. Danach bestand die Möglichkeit, den Frondienst durch Geldzahlungen zu ersetzen. Angeführt wurden die Flüchtlinge vom Adligen Daniel de Condé.
Das Gelände an der Rixfurth, 1458 als Bachübergang erstmals erwähnt, mußte der Völklinger Hof vom Bann des Dorfes Geislautern abtreten. Jeder der Neusiedler erhielt vier Morgen Bau- und 80 Morgen Ackerland.
Außerdem gestattete Graf Ludwig den Hugenotten eine Kirche mit einer Schule zu bauen. Der erste Ludweiler Pfarrer war von 1604 bis 1621 Barthelmy du Cloux.
Nach einigen Jahrzehnten verkürzte sich der Name Ludwigsweiler in Ludweiler.

1616:
Jaques de Titry erhielt die Erlaubnis in der Hirtenwiese eine Glashütte zu errichten. Diese älteste, auf dem Gebiet des heutigen Saarlandes nachweisbare, Glashütte wurde wärend des 30jährigen Krieges zerstört.

1628:
Ludweiler zählte 1 Pfarrer, 1 Lehrer, 1 Meier, 49 selbständige Untertanen, 3 Hirten und 3 leere Häuser.

1635 (30jähriger Krieg):
Ende des Jahres berichtete Rentmeister Klicker: „Ob in Ludweiler noch jemand am Leben ist weiß man nicht, denn lange Zeit ist niemand im Dorfe gewesen. Es kann nur vermutet werden, daß die meisten der flüchtigen Einwohner ihre Zuflucht im Metzer Land gesucht haben oder im kurfürstlichen Otterberg, sofern sie nicht der damals wütenden Pest und anderer schon über zehn Jahre wütenden Seuchen zum Opfer gefallen sind.“

ab 1656/67:
Wiederbesiedlung Ludweilers durch 40 Hugenottenfamilien aus der Gegend von Metz. Nun erscheinen die Familiennamen, die bis heute im Ort anzutreffen sind: Bachelier, Collin, Desgranges, Duval, Henry, Laval, Manville, Mollet, Renollet, Aubertin, Guers, usw. Nach einer Abgabenliste von 1664 war Ludweiler hinter den Städten Saarbrücken und St. Johann der drittgrößte Ort in der Grafschaft Saarbrücken.

1660:
Wiederaufbau der Kirche und der Schule.

1685:
Durch Aufhebung des Toleranzediktes von Nantes ergoss sich ein weiterer Flüchtlinsstrom von Hugenotten aus Frankreich nach Ludweiler.
Französische Truppen hielten jedoch die Grafschaft Saarbrücken besetzt und der französische Indentant spach ein Verbot der reformierten Religionsausübung aus, ließ den Pfarrer Johannes Regni vertreiben und die notdürftig eingerichtete Kirche zerstören.
Ludweiler hatte Jahrzehnte keinen eigenen Pfarrer mehr. Die Bevölkerungszahl sank. Erst 1720 wurde den Ludweilern wieder die freie Religionsausübung gestattet. Die Kirche konnte wieder aufgebaut werden.

1745:
Bericht des Saarbrücker Rates Albert Johann Schulz: „Dieses Dorf ist ganz nassauisch. Die Untertanan sind fast alle reformierter Religion; und zwar sind daselbst 65 Familien, nämlich 61 reformierte, 1 lutherische und 3 katholische Familien. Die Reformierten haben das exercitium religionis in einer schlecht erbauten Kirche. Allhier haben sich zu jenen Zeiten, da die Hugenotten in Frankreich verfolgt wurden, viele Réfugiés niedergelassen, weswegen die Untertanen daselbst die französische Sprache reden, und der Pfarrer sowohl französisch als auch deutsch predigen muß.“

1760/62:
Renovierung der Kirche, ein Holzbau, der immer noch mit Stroh gedeckt war.
Die heutige Kirche geht auf einen Steinbau aus dem Jahre 1786 zurück, die Längsachse stieß nun senkrecht auf die Straße. 1876 erhielt die Kirche einen Turm mit 3 Glocken.

1773:
A. Guers war der erste Lehrer, der verpflichtet war neben französisch dienstags und donnerstags auch in deutsch zu unterrichten.

1784:
Eine Bevölkerungsliste zählte 64 Ehepaare, 20 Witwen, 8 alte Mädel, 4 Witmänner, 87 konfirmierte Söhne und Töchter und 177 noch nicht konfirmierte Kinder.

1797:
Ludweiler wurde verwaltungstechnisch die „Mairie (Bürgermeisterei) Ludweiler“ zu dieser gehörte auch Lauterbach.

1802:
Der Ort zählt 77 Familien und 584 Einwohner.

1803:
Die 80 katholischen Einwohner die bisher zur Pfarrei Wadgassen gehörten, wurden nach Großrosseln eingepfarrt.

1810:
625 Einwohner in Ludweiler.

1815:
Nach dem 2. Pariser Frieden kam Ludweiler zu Preußen. Die Preußen führten die Amtsbürgermeisterei Ludweiler-Warndt mit den Gemeinden Ludweiler, Großrosseln, Emmersweiler, Naßweiler, Karlsbrunn, St. Nikolaus und Lauterbach ein.

1817:
Durch die Vereinigung der Lutheraner und Reformierten im Königreich Preußen erlosch in Ludweiler der reformierte Kult.

1830:
Baubeginn des Bürgermeisteramtes Ludweiler.

1838:
Gründung einer Pflichtfeuerwehr.

1830-1855:
Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Bedingungen – die Industrialisierung steckte noch in den Kinderschuhen – wanderten über 300 Ludweiler Einwohner nach Amerika aus.

1838/39:
Bau einer neuen Schule gegenüber der ev. Kirche. 1940 mußte das Gebäude wegen der Marktplatzerweiterung abgerissen werden.
1875 wurde an der Ecke Creutzwald- und Lauterbacher Straße ein zweites Schulhaus gebaut („Hiweler Schule“). Ab 1952 befand sich in dem Gebäude die Gemeindebücherei. 1968 wurde es abgerissen und durch einen Neubau der Volksbank ersetzt.
Eine dritte Schule wurde 1893 im Waldeck auf dem Bann Geislautern gebaut. Später wurde sie zu Wohnräumen umgestaltet und 1988 wegen Bergschäden abgerissen.

1857:
Die ev. Kirche erhielt ihre erste Orgel.

1868:
Gründung des Kreditvereins des Wandts, des Vorläufers der heutigen Volksbank Völklingen-Warndt.

1897:
Erste kath. Kirche in Ludweiler, Kapelle in der „Grunn“ .
Im selben Jahr wurde neben der Hugenotten-Kirche ein neues ev. Pfarrhaus gebaut.

Pfarrhaus (A.Hell 2002)
Pfarrhaus (A.Hell 2002)

 

1899:
Anton Siegwart aus Lauterbach unterrichtete als erster Katholischer Volksschullehrer eine Klasse in einem Wirtshaussaal. 1911 wurde für die kath. Kinder ein eigenes Schulhaus gebaut.

1907/08:
Die Grubenverwaltung ließ für ihre Bergleute eine Siedlung (die „Alte Ansiedlung“) erbauen.

1909:
Am 3. September wurde die Straßenbahnlinie Völklingen – Wehrden – Geislautern – Großrosseln bzw. Ludweiler in betrieb genommen.
Bau der Wasserleitung im Dorfbereich. In den Jahren 1912/13 erfolgt der Bau des elektrischen Ortsnetzes.

1922:
Die franz. Grubenverwaltung ließ die „Neue Ansiedlung“ mit einer Dominialschule errichten.

1928:
Zu Pfingsten wurde am Jakobsweiher ein Freibad eröffnet und eingeweiht. 1940 wurde es durch ein Hochwasser zerstört und mußte nach weiteren Kriegsschäden einplaniert werden.

1930:
Am 20. Mai wurde die Jugendherberge eingeweiht. 1939 wurde sie durch Kriegseinwirkungen zerstört. Nach dem Krieg erfolgte der Wiederaufbau und eine Neubelebung, u.a. als Heim der Arbeiter-Wohlfahrt
Am 27. Juli wurde die kath. Kirche eingeweiht. Der erste kath. Pfarrer in Ludweiler war von 1930 bis 1936 Pfarrer Vinzenz Seiwert.
Am 28. Dezember wurde das ev. Gemeindehaus eingeweiht.

1931:
Ludweiler erhielt ein Zentralschulhaus mit einer Turn- und Festhalle sowie Volksbädern.

1934:
Errichtung des Warndt-Ehrenmals auf dem Schweizerberg 1947 wurde es zerstört.

Ludweiler 1934
Ludweiler 1934

1937:
Am 19. Nov. wurde dem Amt Ludweiler ein Wappen verliehen: Es zeigt im blauen Schild einen goldenen, rotbewehren Löwen, der in den Pranken eine silberne Tanne hält. Der Löwe symbolisiert die Grafen von Nassau-Saarbrücken, die Tanne den Warndtwald.

1939-1945:
Die Ludweiler Bevölkerung wurde im 2. Weltkrieg 2 mal evakuiert.

1944/45:
führten starke Kampfhandlungen im Vorfeld des Westwalls zu großen Zerstörungen im Ort.

1951:
Im Juni wurde der erste Schacht auf Ludweiler Bann in der „Breebasch“ als Westschacht der Grube Velsen angehauen.

1954/55:
Bau einer Berufsschule hinter dem Bürgermeisteramt.

1955:
Erschließung des Wohngebietes „Rechts der Hohl“.

1958:
Anläßlich der Jubiläumswoche wurde im August das neue Stadion eingeweiht.
Am 24. August fand die Weihe der Apostolischen Kirche in der Karlsbrunner Straße statt.

1969:
wurde das Warndt Gymnasium gegründet. Damals gab es 300 Schüler in sieben Klassen unterrichtet von 10 Lehrern.

1973:
Städtepartnerschaft mit Ars-sur-Moselle.

1974:
Trotz des Widerstandes der Bevölkerung wurde Ludweiler als neuer Stadtteil in die Mittelstadt Völklingen eingegliedert.

1976:
Im ehemaligen Bürgermeisteramt richtete der Heimatkundliche Verein Warndt das Warndt-Heimatmuseum ein.

1990:
Ludweiler zählte 6957 Einwohner, davon 3424 Katholiken, 2684 Protestanten und 844 Anhänger verschiedener Bekenntnisse; 444 ausländische Mitbürger lebten in Ludweiler.

1999:
Die katholische Kirche wird samt Pfarrhaus, Pfarrheims sowie des Kindergartens, wegen massiven Bergschäden abgerissen.

2000:
Beginn der Vorbereitungen für die 400 Jahrfeier, in 2004. Die neue katholische Herz-Jesu-Kirche, Ecke Spessart- und Hunsrückstraße, wird Mitte Dezember vom Trierer Bischof, Dr. Spital, eingeweiht.

2001:
Einweihung des katholischen Pfarrheims „Herz Jesu“, in der Spessartstraße.

2004:
Ludweiler feiert sein 400 Jähriges Bestehen, mit einem Fest von 3 Tagen und einem Umzug und einer historischen Bilderausstellung.

2006:
Erschließung des Neubaugebietes „Am Bollenberg“.

2010:
Neugestaltung des Friedrich-Ebert-Platzes.

Ludweiler aus der Luft © Martin Schiller
Ludweiler aus der Luft © Martin Schiller

2012:
In den Stadtteilen Wehrden und Ludweiler werden die ersten Stolpersteine verlegt.