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Die Geschichte der Stadt Völklingen – Teil 1

Völklingen liegt in einem alten Siedlungsstreifen, der schon in römischer Zeit (etwa 50v.Chr. bis 5.Jh.n.Chr.) an den Hängen beiderseits der Saar eine relativ hohe Bevölkerungsdichte aufwies. Das ausgedehnte Waldgebiet, das sich noch heute vom Warndt bis zum Saarkohlenwald erstreckt, war siedlungsfeindlich; erst zu Beginn der Neuzeit entstanden hier Siedlungen in größerer Zahl. Nach der fränkischen Landnahme wurden die ausgedehnten Wälder und das von den galloromanischen Besitzern verlassene Land Eigentum der fränkischen Könige. Ein solches Königsgut lag zu beiden Seiten der mittleren Saar mit dem Warndt, Wadgassen und dem Gebiet des Saarkohlenwaldes. Das Verwaltungszentrum, also der eigentliche Königshof, war Völklingen. Die „Gründung“ Völklingens dürfte in die frühfränkische Zeit fallen, da Dörfer mit Endungen auf -ingen, -dorf, oder -heim in die erste Epoche der fränkischen Landnahme verweisen. Namensgeber für Völklingen wurde wohl ein fränkischer Sippenführer Fulko oder Fulkilo.

vor 200.000 bis 300.000 Jahren:
Im heutigen Stadtteil Ludweiler wurde 1940 von Wehrmachtsangehörigen ein Steinwerkzeug gefunden, das etwa 200.000 bis 300.000 Jahre alt ist.

ab 50 vor Christus:
Anmerkungen die durch uns zum besseren Verständnis des Textes hinzugefügt wurden sind durch Sternchen (*..*) gekennzeichnet.
Etwa im Jahre 600 vor Christi Geburt drangen die Kelten sowohl ins linksrheinische Gebiet als auch ins Saargebiet ein. Sie waren ein äußerst bildungsfähiges Volk. Schon lange vor Cäsar trieben sie handel mit den Völkern des Mittelmeeres und waren deren Kultureinflüssen zugänglich.
Sie kannten die Kunst der Weberei und der Metallbearbeitung sowie die Schriftzeichen. Vielbetretene Verkehrswege durchschnitten das Land und verbanden ihre ummauerten Städte. Die Träger der geistigen Bildung waren Priester, die Druiden, welche schon astronomische und philosophische Studien trieben; die Lehre von der Seelenwanderung gehörte zu ihren Glaubenssätzen. Viele Spuren dieses Volkes sind noch zu sehen, so der grosse Steinring von Otzenhausen, der grosse Stein in Rentrisch, Münzen und Goldschmuck aus keltischen Gräbern bei Tholey, Wallerfangen, Besseringen usw.
Vor allem aber gehen eine grosse Zahl der Namen unserer Flüsse, Gebirge und Ortschaften auf keltischen Ursprung zurück, so z.B.:
Rhein, Mosel, Saar , Nied, Rossel, Prims, ferner Trier, Mettlach, Merzig, Tholey usw.
Mit die ältesten Zeugen meschlicher Siedlungen im Tale der Saar bei Völklingen stammen von den Römern. Julius Cäsar, der sich von 58 bis 50 vor Christi Gallien, das heutige Frankreich, unterwarf,hatte den Rhein zur Grenze des römischen Reiches gemacht. Das Zeitalter des grossen Constantinus (306 bis 337 nach Christi) war der Höhepunkt in der Entwicklung unserer Gegend zur Römerzeit. Von Trier bis Saarbrücken standen an den Ufern der Mosel und Saar zahlreiche römische Villen.
Die Herren waren Römer; die Hörigen, Leibeigenen und Sklaven waren Kelten und kriegsgefangene Deutsche. Es gibt wohl kaum einen Ort in der heutigen Bürgermeisterei Völklingen , in dem sich nicht Überreste von römischen Niederlassungen gefunden haben. Anfang 400 hat die Römerherrschaft in unserer Gegend für immer ein Ende genommen; die letzten römischen Münzfunde im Saargebiet stammen aus der Zeit der Kaiser Arkadius (gestorben 408) und Honorius (gestorben 423).
Durch wen die römische Herrschaft auf dem linken Rheinufer abgelöst wurde, darüber schrieb der heilige Hyronymus im Jahre 409:“ „Unzählige wilde Völker haben ganz Gallien besetzt. Alles Land zwischen Alpen, Pyrenäen, Rhein und Ocean haben Quaden, Vandalen, Sarmaten, Alanen, Gepiden, Heruler, Sachsen, Burgunder, Alamannen und Pannonier verwüstet. Mainz, einst eine herrliche Stadt ist erobert und zerstört und in der Kirche viele Tausende von Menschen erschlagen, Worms ist nach langer Belagerung zerstört, Reims, Amiens, Arras, Tournay, Speier und und Strassburg sind germanische Städte geworden“
Im Jahre 412 wurde Trier von den Franken eingenommen und viermal musste die unglückliche Stadt die Schrecken der Eroberung und Plünderung über sich ergehen lassen.
435 bis 451 fiel ein gewaltiges Heer des Hunnenkönigs Attila in unsere Gegend ein. In seinem Gefolge waren viele Germanenstämme die ihrem Zwingherrn folgten. Die Schrecken der Völkerwanderung ergriffen das Saargebiet. Trotzdem die Römer und Westgoten die christlich-romanische Kultur gegen die asiatische siegreich verteidigten war danach alles verwüstet, vorher blühende Städte und Dorfer lagen in Schutt und Asche.
Die Neubesiedelung des Landes ist von den Franken und Alamannen ausgegangen, die, wie es scheint, um das Jahr 440 ziemlich gleichzeitig von Nordosten und Südosten her in das Saartal vorgedrungen sind, wo ihre Züge sich gekreuzt haben. Im Jahre 496 siegte der Frankenkönig Chlodwig.
Die wissenschaftliche Forschung hat sich viel mit der Deutung der Orts- und Flurnamen beschäftigt. Danach fallen Dörfer mit der Namensänderung „ingen“ in die Zeit der „fränkischen Landnahme“. Der Name Völklingen ist alt, er steht ganz am Anfang dieser Frühzeit. Die alten vordeutschen oder keltoromanischen Siedlungsnamen sind meist verschwunden und haben neuen Ortsnamen mit neuen Landbesitzern Platz gemacht. In unserem Fall wurde der landnehmende Franke „Fulko“ oder „Fulkilo“ und seine Sippe namengebend für Völklingen .

822:
Eine Urkunde vom 27. Oktober 822, in der der Name Völklingens zum ersten Mal erwähnt wurde, bezeugt einen mehrtägigen Aufenthalt Kaisers Ludwigs des Frommen dort. Daraus lässt sich folgern, dass der Ort zu dieser Zeit eine Infrastruktur besaß, die eine Unterbringung und Verpflegung des Kaisers und seines Gefolges ermöglichte.
Hier eine (leider sehr schlechte) Kopie der Original-Urkunde:

Das Kaiser-Diplom.
Das Kaiser-Diplom.

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999:
In einer kaiserlichen Urkunde wurde Völklingen zum zweiten mal erwähnt.
Erst in diesem Jahr wurde Saarbrücken erstmals erwähnt. 1123 nannten sich die Grafen vom unteren Saargau zum ersten mal nach ihrer neuen Burg „Grafen von Saarbrücken“. Völklingen war eine Zeit lang das Kerngebiet der entstehenden Grafschaft Saarbrücken, musste jedoch seine Vorrangstellung an Saarbrücken, dem Sitz der Grafen abtreten. Immerhin blieb es als Dorf, Hof und Pfarrei einer der bedeutendsten Orte der Grafschaft.
Aus dem ursprünglichen Königshof entwickelte sich der sog. „Völklinger Hof“, der historische Vorläufer der späteren Amtsbürgermeisterei Völklingen. Das Zentrum des Hofes, die „freie Hofstatt“, befand sich zwischen der heutigen Moltkestraße und der Hofstattstraße, während sich das Dorf unterhalb der Karl-Janssen-Straße zur Saar hin entwickelte. In dieser Hofstatt hatte der Meier seinen Sitz.
Der Völklinger Hof verfügte bis zum Jahr 1518 über eine eigene Hochgerichtsbarkeit mit weitgehenden Machtbefugnissen. Zum Bezirk zählten außer den Dörfern des Hofes der Warndtwald mit den Ortschaften St. Nikolaus, Gensbach, Emmersweiler, Diesen, Überherrn, Linsler- und Überherrner-Hof, Spittel, Diefenthal und Differten sowie bis 1466 die Abtei Wadgassen mit den Dörfern Werbeln, Schaffhausen, Hostenbach und Spurk. Der Galgen für die Todeskandidaten des Völklinger Hofes stand in Völklingen, während die zum Tode verurteilten Bewohner der übrigen Dörfer auf dem Wehrdener Galgenberg hingerichtet wurden.
Die Geschichte der Pfarrei Völklingen dürfte ebenfalls ins frühe Mittelalter zurückreichen. Der Schutzpatron der ersten Pfarrkirche „St.Martin“ war der fränkische Nationalheilige, und Kirchen, die seinen Namen trugen, sind in der Regel im 6. oder 7. Jahrh. entstanden. Der erste erwähnte Pfarrer von Völklingen war sein gewisser Godelmann im Jahre 1290. Die Martinskirche stand – in verschiedenen Bauformen – im Kern des alten Dorfes an der Saar.

1080:
Der Bischof von Metz belehnt den Grafen von Saarbrücken mit Völklingen (LI.S.19)

1140:
Erste Erwähnung Völklinger Namen in einer Urkunde:
Es sind dies die Bauern Hermann, Hertwich und Folmar, die neben den freien Ritter Guntram, Gottfried der Rote (rufus) und Wilhelm von Ihn (de Inna), den Ministerialen Bertold der Weiße (albus), Bertolf der Schwarze (niger) und Hermann sowie einigen Bauern aus Bous als Zeugen auftreten. In der Urkunde wird ein Streit zwischen dem Kloster Wadgassen und Walter von Siersberg um die Wassernutzungsrechte bei Bous zugunsten des Klosters beigelegt.
(Beyer: Urkundenbuch zur Geschichte der jetzt die preußischen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bildenden mittelrheinischen Territorien, 1. Band, Coblenz 1860, Nr. 521)

1141:
Ezzelo de Folkelingen wird auf einer Urkunde als Zeuge genannt (LII. S.13)

1150:
Der erste namentlich erwähnte Bewohner Völklingens ist ein gewisser Erlo, der um 1150 als Zeuge genannt wird.
Nach und nach tauchen die Dörfer des Hofgebietes aus dem Dunkel der Geschichte auf:
1234 Wehrden ::: 1280 Geislautern ::: 1333 Fürstenhausen.

um 1200:
Bernhard, genannt „Glace“ belehnt mit 7 Pfund Geld auf den Zoll zu Folklingen (Einnahmen der Fähre nach Fürstenhausen).

um 1212:
Gervalcus de Volkelinga bei den Unterzeichnern einer Schenkungsurkunde, in der Graf Heinrich von Zweibrücken dem Kloster Fraulautern seinen Besitz in Reisweiler (Reisbach) schenkt. (L. Nr.204)

1266:
Graf Simon von Saarbrücken bewilligt Herrn Friedrich, genannt „Coffle“ und dessen Leuten zu Gennewilre und Cinkwilre Holzrechte in seinen dortigen Wäldern, die zur curia de Folchelinges gehören. – Gennweiler* und Zinkweiler sind untergegangene Orte. Zinkweiler lag bei Illingen. Die Lage von Sinnweiler ist ungeklärt. (LIV. 2180)
*Gennweiler ist nicht untergegangen, Gennweiler liegt heute praktisch in Illingen.

1270:
Ritter Cofle von Saarbrücken, Vasall des Grafen Simon von Saarbrücken, erhält jährlich u.a. ein Försterschwein aus Folkelinges. Diese Urkunde wird 1275 erneuert. Dort heißt der Hof Folklinga. (LIV. 2504)

1282:
Graf Simon von Saarbrücken hat den Treffueguerni belehnt mit 25 Pfund „uff der Steuer zu Folklingen“. (L. Nr. 606)

1289:
Erwähnung: Hertwig, weiland Schultheiß in Wolkelinga. (LV. 1660)

um 1290:
Erw. Pfarrer Godelmann in Wolkelinge, wahrscheinlich ein Wadgasser Mönch. (LV.1785)

1293:
Herr Bernhard Glace besitzt ein Lehen von 2 Pfund aus dem Zoll in Folkelingen und muß dafür Jahr und Tag in Saarbrücken Burghut tun. (L. Nr. 729)

1306:
Ferry von Benanges verzichtet auf das Lehen, das er von Graf Simon von Saarbrücken auf die Abgaben von Völklingen hatte. (L. Nr. 869)

1316:
Ulrich von Saarbrücken, Sohn des Heinrich von Fölklingen und seine Frau Gertrud mit allen Nachkommen werden in den Stand der Freien erhoben. Ulrich wird Burgmann von Saarbrücken, muß dort ein Haus bauen und erhält als Lehen u.a. eine Wiese unterhalb Folchelingen, genannt Leite. (L. Nr. 994)

1321:
Matthias, Laie von Volklinga, schenkt mit Zustimmung seiner Frau Elisabeth und seiner Kinder dem Kloster Wadgassen, in dem er begraben sein will, all seine Besitzungen in Liestroff (L. Nr. 1047)

1323:
Erwähnt: Margaretha, Tochter des Ritters Matthias von Volkelinga. Ihre Mutter heißt Elisabeth. Sie hat einen Bruder namens Isenbart. (L. Nr. 1075)
Der Abt von Wadgassen erwirbt den großen Zehnten von Volkelinga auf 12 Jahre.

1344:
Erwähnt: “ … die Fischerei, die da liegt von Malestat das Wasser abwärts bis unter den Engenberg bis an das Wasser, das zu Volkelingen gehört … “ (L. Nr. 1410)

1345:
Pfarrer Johann von Folkelinga siegelt die Abdankung des Ewigvikars von Dirminga, Johann von St. Nabor an das Kloster St. Nabor (St. Avold).

1346:
Erwähnt: “ … Gülte und Zinsen von Gütern aus Werden und dem Hof zu Folkelingen … “ (L. Nr. 1445)

1354:
Karl IV. bestätigt das Geleitsrecht der Saarbrücker Grafen. Eine Geleitstraße beginnt an der Spurker Brücke zu Wadgassen, führt über Wehrden – Völklingen – St. Johann – Brebach nach Güdingen. Hier gabelt sie sich. Ein Zweig führt über die Saar zur Steige bei Großblittersdorf, der arndere führt bis zum Bach oberhalb Bübingen.
Eine zweite Straße beginnt am Metzer Galgen, führt durch den Warndt an Forbach vorbei nach Saarbrücken und endet beim Spillenstein bei Rentrisch.
Eine dritte Straße verläuft von Metz über Bolchen durch den Warndt nach Völklingen und führt weiter über den Riegelsberg nach st. Wendel. (L. Nr. 1573)
Johann, der alte Schultheiß zu Saarbrücken, bewidmet selne Frau Margaretha von Rymlingen mit Gütern zu Fölklingen. (L. Nr. 1574)

1360:
Erwähnt: Dietard von Volkelingen. Er hat eine Frau Margaretha, die Tochter des Ritters Matthias von Völklingen. (L. Nr. 1656)

1364:
Johann, Graf von Saarbrücken nimmt Reiner von Heys als seinen Mann an und wird ihm zu rechter Mannschaft jährlich 5 Pfund Metzer Pfennige aus dem Schaft zu Völklingen reichen lassen. (L. Nr. 1702)

1372:
Erwähnt: Schaft und Gilten in Lutern (Geislautern) im Folklinger Hofe, Wiesen in der Frumersbach zwischen Burbach und Folklingen. (L. Nr. 1807)

1375:
Bertrand von Walmeringen erhält vom Grafen Johann von Saarbrücken ein Burgleihen von 5 Pfund Pfennigen auf den Schaft zu Völklingen. (L. Nr. 1852)

1422:
Ältestes Weistum (=schriftlich überliefertes Wissen über Rechtsverhältnisse zw. Grundherren und Untertanen, in unserem Falle also zw. den Grafen von Saarbrücken und den Bewohnern des Völklinger Hofes.) Hier war u.a. auch die Benutzung der Wehrdener Fähre geregelt.
Unserem besonderen Interesse begegnet natürlich die Darstellung der örtlichen Rechtsverhältnisse der Bewohner des Völklinger Hofes, wie sie uns im Weistum von 1422 geschildert werden. Im Bereiche des Völklinger Hofes und zwar in Völklingen selbst gab es neben den Hofstätten der meistens leibeigenen Bewohner auch eine ,,frie hoff Stadt“ (= freie Hofstatt), deren Inhaber verpflichtet war, Gefangene hier in sicherem Gewahrsam zu halten und sie am nächsten Tage dem Grafen in Saarbrücken vorzuführen; vermutlich hatte der herrschaftliche Meier, der höchste Beamte im Hofgebiet, diese Hofstatt inne, die in der Umgebung des alten Marktplatzes gelegen haben mag. Und wenn herrschaftlicher Besuch in Völklingen wohnte, dann wohl in dieser freien Hofstatt.

Die Lage des Völklinger Könighofs im Vergleich zu einer Karte von 1991. (Quelle: Stadt VKL)
Die Lage des Völklinger Könighofs im Vergleich zu einer Karte von 1991. (Quelle: Stadt VKL)

Es dürfte dies auch aus dem folgenden Passus des Jahrgedings von 1422 hervorgehen, der da heißt: „Und geburt myner frauwen der graffynne zu Folckelingen zu lygen, so sollent sie die frösche zweygen, das sie myn frauwe nit wecken!“ Die Völklinger Bauern hatten also die Verpflichtung, die Frösche zum Schweigen zu bringen, wenn die Gräfin in Völklingen wohnte.
Die Tatsache, daß man die Verpflichtung der Bauern, für die nächtliche Ruhe der Gräfin zu sorgen, wenn sie in Völklingen wohnte, sogar in das geschriebene örtliche Gesetz aufnahm, läßt den Schluß zu, daß die damalige Landesherrin, die geistig hochstehende Gräfin Elisabeth von Lothringen, öfters hier weilte, wie es uns auch von Burg Bucherbach im Köllertal bekannt ist. Fern vom höfischen Getriebe konnte sie hier in aller Stille ihrer literarischen Lieblingsbeschäftigung nachgehen. Hier wie in Bucherbach mag die Übersetzung von vier französischen Romanen ins Deutsche entstanden sein, die uns von dieser ersten weltlichen Schriftstellerin in Deutschland bekannt sind, die darum auch in der deutschen wie französischen Literaturgeschichte als die Bahnbrecherin der neuen deutschen Prosaromangestaltung gefeiert wird. Diese Saarbrücker Gräfin, eine Tochter des lothringischen Herzogs und Grafen von Vaudemont, fand im Jahre 1456 ihre letzte Ruhestätte in der Stiftskirche in St. Arnual.

Ruhestätte in der Stiftskirche in St. Arnual
Ruhestätte in der Stiftskirche in St. Arnual

1424-72:
Graf Johann von Saarbrücken genehmigt 15 Orten seiner Herrschaft die Gründung einer Zunft für Schneider und Kürschner. Unter diesen Orten sind auch Folkelingen und Werden.

1443:
Peter von der Ecke verpfändet an Niklas von Folkelingen, Schultheiß in Saarbrücken, und Katharina, dessen Hausfrau, eineinhalb Gulden jährlicher Rente auf dem Hofe zu Folklingen. (XLII. S.21)

1447:
Nach H.P.Buchleimar, Heimatbilder III S. 34 existiert aus diesem Jahr ein Völklinger Jahrgeding, in dem auch von einer Völklinger Mühle am Köllerbach die Rede ist.

1450:
Zur Unterscheidung von Gau-Völklingen (Folkling, Moselle) heißt Völklingen „Folklingen uf der Saar“ (XLII. S.21)

1451:
Adam von der Ecke verpfändet dem Brudermeister der Frühmesse zu Saarbrücken für 200 Gulden einen dritten Teil am großen und kleinen Zehnten im Hofe zu Folklingen uf der Sar gelegen. (XLII. S.21)

1454:
Niklas von Völklingen kauft den Biesenhansenhof bei Saarbrücken.

1463:
Niklas von Folklingen, Schultheiß zu Saarbrücken. 1467 wird er als verstorben erwähnt. (LII. S.16)

1466:
Aus dem Hochgerichtsbereich des Völklinger Hofes werden herausgenommen die Abtei Wadgassen, Werbeln, Hostenbach, Schaffhausen und Spurk. Sie werden einem eigenen Wadgasser Hochgericht in Spurk unterstellt. st. Nikolaus und Differten verbleiben bei Völklingen. (XLII. S.18)

1471:
In einer Fehde zw. dem Saarbrücker Grafen Johann IV. und Herzog Ludwig von Zweibrücken wurde das Dorf Völklingen niedergebrannt.

1475:
Bischof Georg von Metz belehnt Graf Johann Ludwig von Saarbrücken unter anderem auch mit der Kirchengabe von Folklingen. (XLII. s. 42)

1482:
Johann von der Ecke und Eva von Rittenhofen, Eheleute, verkaufen an Hans Biesen, Bürger zu Saarbrücken, ihre Erbschaft und Güter in Dorf, Bann und Gericht zu Folklingen uf der Sar für 60 rheinische Gulden (Das Geschlecht von der Ecke ist dann aus hiesiger Gegend verschwunden). (LII. S.15)

1503:
Völklingen und Umgebung wurden von einer Pestepidemie heimgesucht.

1506:
Johann von Nassau, Pfarrherr zu Völklingen und Domherr zu St. Arnual, verläßt Völklingen und Obernimmt die Pfarre st. Walfried im Bistum Metz. (XLII. S.43)

1506-20:
Johannes Fuchs von Malstatt verwaltet die Völklinger Pfarrei. (XLII. S.43)

1518:
Das Völklinger Hochgericht wird aufgehoben und dem Bereich des Oberamtes st. Johann unterstellt. (XLII. S.41)

1520-22:
Dietrich von Saarbrücken versieht die Völklinger Pfarrei. (XLII. S.43)

1522-30:
Jakob von Liesdorf, Pfarrer in Völklingen, verwaltet auch Lutera (Geislautern). (XLII. S.43)

1524:
Es gab 52 Häuser, von denen 14 leer standen. 29 Familien wohnten hier, von denen 17 Huber (Besitzer von Hof- oder Bauerngütern) waren. Außerdem 22 „auswärtige“ Familien.

1531:
Johann von Tillingen wird Pfarrer in Völklingen. Bestallung und Antwort (XLII. S.43)

1535:
Erwähnung: „Sar-Folcklingen“

1538:
Graf Johann Ludwig von Saarbrücken gibt seine Tochter Katharina dem Grafen Emich von Leiningen zur Frau. Um ihr die standesgemäße Aussteuer mitgeben zu kannen, nimmt er in Straßburg ein Darlehen von 2000 Gulden auf. Dazu muß er die Städte Sarbrucken und st. Johann und das Dorf Folklingen verkaufen samt „Gemeinden, Leuten, Zwingen, Bann und Gerichten, Geboten, Steuern, Gewerken, Ungelter, Zinsen, Gilten, Renten, Zallen, Gefällen, Felde, WeIde, Wasser, Wunn und Weide, Almenden, Äckern, Müllen, Gütern, Zehnten, Herrlichkeiten, Nutzen und Zubeharden, Hoch und Nider, Gesuchtes und Ungesuchtes. Setzt auch seine Leute, Mayer und Gericht zu Sarbrücken und St. Johann und in dem Dorf Sar-Folklingen zu rechten Mitschuldnern für Hauptsumme und Zinsen und Kosten mit ihren Leibern, allen ihren Gütern, allzusammt und Jeder für sich und alle ihre Nachkommen zu haften.“(!)
Bei Versäumung der Zinszahlung verspricht der Graf einen Edelknecht mit einem Reisigen-Knecht und zwei Reitpferden und noch acht Personen aus seinen Mitschuldnern nach Straßburg zu schicken, nämlich Gerichtspersonen. Die sollen dort in einer offenen Wirtsherberge Geiselschaft leisten „zu veilem Kauf und müßig sitzen, bis vorgedachter Zins bezahlt sein wird“. Den Wiederkauf behält der Graf sich vor.
(Manuskript eines unbekannten Autors)

1542:
Erhebung einer Türkenschatzung zur Bekämpfung eingefallener Türken.
1 Pfarrer, 1 Bruderschaft, 43 Familien mit 18 Gesinde.

Anmerkungen zur Türkenschatzung – von Herrn Paul Ganster
1542. Die Türken hatten Ungarn erobert. Um sie wieder zu vertreiben, sollte eiligst ein großes Heer aufgestellt werden. Der in Speyer versammelte Reichstag beschloß, eine allgemeine Kriegssteuer auszuschreiben. Sie war eine Steuerveranlagung zur Abwehr der Türkengefahr im Südosten des Reiches.
Diese Steuer mußten alle Untertanen des Reiches zahlen. Die Höhe der Abgaben richtete sich nach dem Vermögen. Sie war wie folgt gestaffelt:
Von je 100 Gulden Vermögen l/2 Gulden.
Wer unter 100 Gulden besaß, von je 20 Gulden 6 Kreutzer.
Untertanen unter 20 Gulden zahlten 4 Kreutzer. Knechte, Mägde und andere Diener mit weniger als 15 Gulden Lohn, von jedem Gulden einen Kreutzer.
Die Durchführung wurde in der Grafschaft Saarbrücken so gehandhabt. daß ein jeder den Wert seiner Behausung, der Felder, des Viehs usw., zuzüglich der Einnahmen an Zinsen, schätzte.Hiervon zog man Pension und Erbzinsen ab und setzte an Hand des Restvermögens die Steuer fest.

Geld in Nassau-Saarbrücken
1 Gulden = 15 Batzen
1 Batzen = 4 Kreutzer
ort = l/4 Gulden
Völklingen war in dieser Zeit ein reiches Dorf. – Nach Saarbrücken der reichste Ort der Grafschaft Nassau-Saarbrücken. Gezahlt wurden 51 Gulden Türkensteuer.
In Völklingen lebten 43 Familien, 18 Gesinde und einen Brudermeister.
Als besonders wohlhabend für diese Zeit muss ein gewisser Nikolaus Geratwohl gelten, der 20 Gulden Reichssteuer zahlte. Sein Vermögen betrug somit ca. 4000 Gulden.Er war wohl Händler u.a. für Getreide.

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wieviel 1 fl (florin=Rheinischer Gulden) wert war, sei hier schon mal eine Zahl genannt.
Um 1500 kostete eine Kuh ca. 4 fl, ein Pferd ca. 10 fl.

Zwischen 1460 und 1550 lag dabei die mittlere Inflationsrate bei 2 Prozent. Nach dem 30-jährigen Krieg stürzt die Währung auf 1/10 ihres Werts.

Interessant in den Daten zur Türkenschatzung auch, dass der Pfarrer der zweitreichste Mann Völklingens war. Er hatte 2 Mägde und wurde mit 5 fl. taxiert Sein Vermögen betrug also 1000 fl.
Er war der am besten bezahlte Pfarrer der gesamten Grafschaft. Dazu kamen noch die Erträge aus dem “Wittum” = den ihm überlassnen Äcker und Wiesen.

Zu erwähnen auch noch Unbehennd, der 3 fl Türkensteuer zahlte.
Aufschlußreich ist gleich die älteste Erwähnung der Familie. In den Jahresrechnungen der Köllertaler Burg Bucherbach aus dem Jahr 1511 – 12 findet sich die Notiz: “vnbehennd vorstockvisch vnd platißen Ins huß 7 schilling 4 Pfennig”
Die nächste Erwähnung im Völklinger Jahrding von 1524 führt noch weiter: “da meynen die Vnbehenden darum sy furlüt sint mit den pfert nit zu frenen darum er die verd nit genießt als geratwol thut’!

Versuchen wir zu deuten. Die Unbehend hatten offenbar zu Anfang des 16. Jahrhunderts kaum eigenen Ackerbau, sondern Fuhrbetrieb und offenbar über weite Strecken. Unter dem Planwagen der Unbehend fanden sich viele Fässer mit Salzheringen, mit Flundern (Platysen) und mit Stockfisch, sehr wahrscheinlich aber auch mit Salz.
Schon 1524 werden. (Beiträge zur Namens- und Familiengeschichte von Völklingen von Karl Rug, Pfarrer i. R.; SFK Band I, Heft12, 1971, Seite 269 ff.)

Unbehend und Getathwohl sind die einzigen Freien, die zu dieser Zeit in Völklingen leben. Die übrige Bevölkerung besteht zu dieser Zeit aus Leibeigenen.

Der erwähnt “Bernschneider” (Beerschneider) war übrigens der Schweinekastrierer des Orts.

1542-44:
Jakob Fischer von Dudenhofen, Pfarrer in Völklingen. (XLII. S.45)

1544-50:
Friedrich Andreas von Bischofshomburg (Lothr.) verwaltet die Pfarre Völklingen mit der Kapelle in Geislautern, die Pfarrkirche zu St. Nikolaus im Warndt und die Kapelle zu Rosseln und Emmersweiler. Dabei wird Herr Bartholomäus als letzter Besitzer der Pfarrkirche zu Folklingen genannt. (XLII. S.45)

1548:
Im stift St. Arnual gibt es einen Scholastikus Johann Folkling.

1549:
Philipp II, König von Spanien, kommt auf seiner Reise von Süddeutsch land nach Flandern durch Völklingen und reist weiter über Wallerfangen, Sierck und Luxemburg (Flandernstraße) . Erw. Nicklas Geratewohl (LIII. S.20)

1550:
Jahrgeding zu Folcklingen (XLII. S. 39-40, hier ins Neuhochdeutsche übertragen)
„Verzeichnis der Weisung, die die Schöffen und das Gericht von Folklingen tun am Pulle-Tag (der Tag, mit dem eine Kirmes oder ein Jahrmarkt abschloß) nach den drei Messen, nämlich:
Deutsche Kirb, st. Johannestag und st. Arnualstag. Zum Gericht gehören ein Meier, sieben Schöffen, ein Büttel und zwei Vorsprecher (Fürsprecher, Verteidiger). Der Schultheiß von Saarbrücken pflegt der Gericht zu besetzen.
Ein Meier und ein Büttel von st. Arnual und des Schultheißen Knecht, der Gewicht, Malster, den Leinsamen, Ellen, Maße und anderes an das Gericht trägt, pflegen bei Gericht zu sein.“
Oie Eingangszeremonien um Stab und Schöffensprecher sind noch die gleichen wie 1422 (s.d.!).
„Dann spricht der Schultheiß zu dem, der das Wort hat:
Da man heute meinen gnädigen Herrn gebeten hat, bei dieser Messe seine Herrlichkeit und Gerechtigkeit zu erweisen, und da du der Schöffen Wortführer bist, so geh hina“us, nimm deine Gesellen (die andern Schöffen) sit dir und bringe mir Recht, wie ich es anfangen soll, daß ich meines Herren Herrenrecht wahre und niemand Unrecht tu. Dann geht der Schöffe hinaus, bespricht sich mit den andern, kommt wieder und spricht: Die Schöffen weisen, daß ihr den Meier und den Büttel von Folklingen fragen sollt, ob das Gericht bestellt sei. Sagen die beiden ja, so erbittet der Schöffe Urlaub, geht hinaus, beredet sich mit den andern, kommt wieder und spricht:
Er soll die Selzer (Salzhändler) herkommen heißen mit ihren Mülstern (Maßgefäße). Kommen sie, wie es recht ist, so mögen sie straffrei bleiben, kommen sie nicht, so mögen sie es entgelten. Darauf heißt der Schultheiß den Meier von st. Arnual, den Selzer vorzuladen, wie es recht ist. Also ruft der Meier: Ihr Selzer, tretet vor mit euren Meßgefäßen wie es recht ist!
Dann kommen die Selzer, und einer nach dem andern sagt:
Schultheiß, gib meinen Gesellen und mir die Erlaubnis, unser Geschirr niederzusetzen! Das erlaubt ihnen der Schultheiß. So setzen sie ihre Mülster nieder und legen auf jeden Gefäßboden drei Pfennige.
Dann wird der Mülster mit Leinsamen gefüllt, und das tut der Meier (wenn übrigens der Schultheiß Mülster und Streich – das Holz, mit dem das gehäüfte Salz vom Meßgefäß abgestrichen wird – nicht beschütten will, so gibt jeder Selzer dem Schultheiß Geld für eine Pinte Wein, wie sie hergebracht) und der Büttel von st. Arnual und des Schultheißen Knecht stehn dabei.
Wenn ein Mülster oder Streicher als unrichtig befunden wird, wird es vor Gericht gebracht und zerbrochen, und wer sie besaß, ist einer Strafe verfallen von 60 Schilling und 1 Heller, und den Schöffen den Wein.
Dann hat der Schultheiß die Schöffen angeredet, daß er Recht bringen möge; ob nun ein Selzer, der Geschirr (mit Salz) mit Wagen oder Karren auf dem Markt feilhalte und von jedem Meßgeschirr 1 Mülster rechtens schuldig sei.
Darauf stellte der Schöffe fest, welche Selzer zwei Geschirre hätten, es sei auf Wagen oder Karren auf dem Markt, und wer auf jedem Karren ein Mäßchen und ein Mülster hat, ist schuldig von jedem Geschirr ein Mülster Salz und die Gebühr Zu entrichten. Ist das geschehen, so bittet ein Selzer namens aller um die Erlaubnis, ihre Geschirre wieder aufzuheben.“
Gleicherweise wurden Maße und Gewichte der Wirte, Metzger, Krämer, Weber, und aller, welche Wandelkauf trieben, untersucht, beschüttet und aufgezogen. Fand der Schultheiß es für gut, die Untersuchung zu unterlassen, so gab jeder derselben ein Maß Wein, der Krämer ein Paar Handschuhe usw.
„Der Schultheiß befragt dann die Schöffen, was weiter geschehen soll. Die Schöffen weisen, daß man Meier, Büttel und Maßprüfer fragen soll, ob sie wissen, was von Stoßen oder Schlagen oder anderes dabei vorgefallen sei (Beulen im Gefäß verkleinern das Maß).
Ist das geahndet, so fragt der Schultheiß, was nun anzufangen sei. Der Schöffe beredet sich mit den andern und spricht: „Wenn der Schultheiß nichts mehr zu tun hat, so soll er aufstehn, zum Wein gehen und so freundlich sein, die Schöffen mitzunehmen.“
Um dieses Jahr findet jedes Jahr ein Jahrmarkt in Völklingen statt.
Der Pfarrer Friedrich Andreas hat auf die Völklinger Pfarrei verzichtet. Johann Gebel von Berris (Berus) wird 1550-55 sein Nachfolger.
Um die Mitte dieses Jahrhunderts erscheint die Karte „Lotharingia Ducatus“ (Herzbgtum Lothringen), die nur „Wilkelingen“ ohne Nachbarorte verzeichnet.

1555-60:
Nikolas von Trier, Pfarrer zu Völklingen (XLII. S.46)

1557:
Das Jahrgeding der Meiereien Völklingen und St. Arnual in Saarbrücken. – Um die Mitte dieses Jahrhunderts hielten die beiden Meiereien ihr Jahrgeding gemeinsam ab, und zwar im Anschluß an den st. Arnualer Kirmesmarkt. Aus dem Jahrgeding 1557 hier einige Auszüge:
„Uff Heut Montags nach Arnualis Anno 1557 sind die Markt-Schöffen, nemlich Meyer und Gericht zu Folklingen mit Namen Nicklaus Schmidt, Hermanns Peter von Folklingen, Hennchen von Fürstenhausen, Kuns Hannes von Wehrden, Josten Adam von Malstat und Grießen Claus von Bauerbach (Burbach) als gelehnte Scheffen, Hans Durner von Wehrden und Hans Kayser von Folklingen als Fürsprecher auch Nickel der Bütel zu Folklingen, Hans Schugmacher, Mayer zu st. Arnual und Hans der Bütel daselbst, in nachgeschriebenen Punkten erfragt, verhört und Jahrgeding gehalten worden.“
Zunächst wird die Rechtmäßigkeit der Gedinge festgestellt.
Dann werden die Gemäße der Salzverkäufer geprüft, anschließend die Maße der Wirte und die Gewichte und Ellen der Krämer und Metzger. Dann ist in einem Frage- und Antwortspiel zwischen Meier und Schöffen vom Völklinger Hof die Rede:
„Frage: Wer die Brück vor dem Schloß zwischen den zweien Mauern zu machen hab ?
Antwort: Der Folklinger Hof soll es thun.
Frage: Was der Hof für Freiheit davon hab?
Antwort: Alles was die Folklinger Hof hie kaufen zu ihrem Hausbedarf, davon sind sie keinen Zoll schuldig.“
Das Saarbrücker Schloß war von einem doppelten Mauerring umgeben. Zwischen den beiden Mauern verlief ein Graben.
Die Brücke Ober diesen Graben mußte vom Völklinger Hof unterhalten werden. Dafür brauchten die Völklinger bei der „Ausfuhr“ von Hausbedarf aus der Stadt keine Steuern zu entrichten.

1560-63:
Lambert Aldringer, Pfarrer in Völklingen (XLII. S.30)

1569/72:
Bauern des Völklinger Hofes weigerten sich dem Saarbrücker Grafen Frondienste für den Bau des Homburger Schlosses zu leisten. Insgesamt 57 Bauern (27 aus Völklingen, 12 aus Wehrden, 10 aus Fürstenhausen, 6 aus Geislautern und 2 aus Knausholz – bei Schwalbach) beteiligten sich an dem Aufstand. Schließlich mussten sie aber doch am 25. Juni 1572 dem Grafen für alle Zukunft Gehorsam schwören.

1563-75:
Mathias Eichhorn von Bitburg, Pfarrer in Völklingen. Er ist der letzte kath. Pfarrer vor Einführung der Reformation. (XLII. S. 76)

1569:
Ein Visitationsprotokoll sagt: „Fulcklingen, Patronus St. Martinus, Collator Comes de Nassau, cum app(endice) Rosle confertur per dominos de Criechingen.“
Der Kirchenpatron von Völklingen ist also St. Martin, eines der ältesten Patrozinien unseres Landes aus der Zeit der Franken. Sie liegen in der Regel an alten Straßen. (X. – S. 13)
Die Pfarrei Fulklingen mit Filiale Roßle sind zu dieser Zeit ohne Pfarrer. Roßle wird von den Herren von Criechingen bedient.

1574:
Teuerung, Hunger und Seuchen in Völklingen und Umgegend. (XLII. S. 33)

1575:
Nach der Regel „cuius regio, eius religiolt, die den Herrn über die Religion seiner Untertanen bestimmen läßt, führte Graf Philipp III. die Reformation ein, so dass alle seine Untertanen automatisch protestantisch wurden. (X. – S. 22)
Lesen Sie dazu auch in der Chronologschen Geschichte der Martinskirche.

1576:
Völklingen und Schwalbach bilden eine lutherische Pfarrei.
Erster ev. Pfarrer Kaspar Steinlein (XLII. S. 46)

1580:
Nicolas Kayser von Fölklingen wird von Saarbrücken als Bürger angenommen und wird damit Freier.

1589:
Im April liegt Juan de Caputsucco mit seinen Welschen, Italienern und Spaniern, Reitern und Fußvolk, zu Folklingen, Blittersdorf, Speichern (Spichern) und im Lehen (Herrschaft Forbach). (LII. S.45)

Die älteste Karte von Völklingen aus dem Jahre 1594 (Abfotografiert vom Heimatkundlichen Verein Warndt e.V.)
Die älteste Karte von Völklingen aus dem Jahre 1594 (Abfotografiert vom Heimatkundlichen Verein Warndt e.V.)

1604:
Zur Gründung einer Hugenottengemeinde in Ludweiler musste der Völklinger Hof ein Stück Land abtreten.

1618:
Ausbruch des 30jährigen Krieges. Anmerkung: Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) dezimierte sich die Bevölkerung der gesamten Saarbrücker Grafschaft um 84%.

1621:
Der erste bestallte Schulmeister wurde erwähnt, er ist evangelisch und die Schule in seiner Wohnung. (XLII. S.139)

1622:
Der Bannbäcker in Saarbrücken, Nickel von Völklingen, und eine Frau Anna verkaufen ihrem Schwager und Bruder Nickel Scheefern zu Volklingen und seiner Hausfrau Johannetta einen halben Acker Puff Rammel“. (22. Bericht der staatlichen Denkmalpflege S.50 Anm.)

1624:
Für 1 Jahr ist Gebhard Dollier ev. Pfarrer in Völklingen.
Er war vorher Pfarrer in st. Johann. (XLII. S.48)
Erneut wird die Völklinger Gegend von einer Seuche heimgesucht. (XLII. S.53)

1625-32:
Philip Leonhard Koch von St. Johann, seit 1622 Präzeptor am dortigen Gymnasium, ev. Pfarrer in Völklingen (LII. S.39)
Erneut erw.: Johann Nickel aus Völklingen, Bannbäcker ln Saarbrücken. (LVII. S.77)

1626:
Im Verlauf des 30-jährigen Krieges werden Völklingen, das Köllertal und der Warndt von den Kratzischen Truppen belegt. Sie ziehen erst im folgenden Jahr wieder ab. (XLII. S.49)

1627:
Kaiserliche Truppen die „Kratzischen Regimenter“ nahmen in der Grafschaft Saarbrücken Quartier. Sie verlangten Geld, Dienstleistungen und Verpflegung. Hinzu kamen Ausschreitungen und Rachefeldzüge der Soldateska, da die Offiziere mit dem Grafen Ludwig verfeindet waren.

1628:
1 Pfarrer, 1 Schulmeister, 1 Meier, 68 Untertanen, 18 Witwen, 1 Vormundschaft und 5 Hirten.

Wegen der schlimmen Zeitläufte wird ein Buß- und Bettag angeordnet. (XLII. S.53)

1630:
Nur noch 12 Haushaltungen in Völklingen. (XLII. S.52) .

1631:
Das Jahr beginnt in Völklingen mit einer Betwoche „zur Abwendung von Hungersnot, Pestilenz und Krieg, damit wir anjetzo heimgesucht werden. (XLII. S.53)

1634:
Die Pest im Lande. Schwedische und französische Einquartierung (LII. S.47)

1635:
Kaiserliche Truppen unter Graf Gallas, Lothringer unter Herzog Karl IV., Schweden unter Bernhard von Weimar und die mit ihm verbündeten Franzosen führten zw. Rhein und Mosel ihre Feldzüge durch. Während die Landesherren mit einem Teil ihrer Beamtenschaft nach Metz flüchteten, war die Bevölkerung in den Städten und Dörfern der barbarischen Soldateska ausgeliefert, die ohne Unterschied von Freund und Feind auf Raub- und Beutezüge als Ausgleich für rückständigen Sold ging. Am Ende dieses Jahres vermerkte der Saarbrücker Rentmeister Klicker: „Völklinger Hof oder Meierei, darinnen nicht mehr als acht oder neun Untertanen“. Den Bevölkerungsverlust in der gesamten Grafschaft schätzt man auf 84%. Damit zählt das Land an der Saar zu den deutschen Landschaften, die am stärksten unter dem Krieg gelitten haben.

1648:
Der Westfälische Friede beendet den 30-jährigen Krieg.
Die Saar hatte viel darunter zu leiden: „Spanisches, kaiserliches, schwedisches, französisches und lothringisches Kriegsvolk hatte nacheinander hier gehaust und schreckliche Spuren hinterlassen: Einöden mit Trümmern von menschlichen Wohnungen, die Äcker mit Gestrüpp bewachsen, ein Versteck für Wölfe und Wildschweine: Überall das tausendfältige Bild trauriger Ich sah mit meinen eigenen Augen die Eingeweide und Gebeine erschlagener Menschen. Und habe eine Frau in Fürstenhausen beerdigen lassen, welche bei ihm (dem Menschenfresser) zum übernachten (mit ihrem Manne) eingekehrt war – denn sonst war aus jener Gegend außer ihm Niemand in Werbeln – die er totgeschlagen hat. Der Mann der Erschlagenen hatte zwar einige Streiche im Schlafe erhalten, er hatte sich aber aufgerafft und entfloh.“O welche Zeiten!“ (LIX. Tritz S.103)
Von diesem Ereignis her stammt die heute noch lebende Redensart „Du siescht aus wie der Werbelner Honnes“, d.h. „Du siehst ja schlimm aus.“ Sie ist in Wehrden noch gebräuchlich. (siehe auch 1652)

1652:
Die Trostlosigkeit dieser Zeit verdeutlicht ein Bericht des Wadgasser Abtes Philipp Gretsch. Dieser kehrte 1652 in die zerstörte Abteil zurück und bemerkte auf einer Kirchenrechnung:
„Die meisten Einwohner sind im höchsten Aufruhr, was sich nicht wohin salviert hat, gestorben.“ Weiter hob er hervor, dass das Kloster mehr als 100 mal geplündert worden sei.
Auch der „Werbelner Hannes“, die Schreckgestalt manchen Kindes, existierte wirklich:
„Ein Mann namens Hans aus Werbeln, der weilen er mit wollen in der Bedrängnis mit anderen aus dem Lande weichen, ist dahin gerathen, daß er die Menschen todtgeschlagen und gefressen hat, tanta fames erat. Ich sah mit eingenen Augen die Eingeweide und Gebeine erschlagener Menschen. Und habe eine Frau in Fürstenhausen beerdigen lassen, welche bei ihm (dem obengesagten Menschenfresser) zum Übernachten (mit ihrem Manne) eingekehrt war – denn sonst war aus jener Gegend außer ihm Niemand in Werbeln – die er totgeschlagen hat. Der Mann der Erschlagenen hatte zwar einige Streiche im Schlaf erhalten, er hatte sich aber aufgerafft und entfloh.- O, welche Zeiten!“

ab 1660:
Wiederbevölkerung Völklingens.

1672:
Neuaufzeichnung des Völklinger Bannes.
Die Martinskirche wurde notdürftig repariert.
Ein neuer Krieg bringt neue Einquartierung (LII. S.49)

1677:
Der Herzog von Lothringen zieht mit einem Teil der kaiserlichen Armee von Wallerfangen kommend über Völklingen – Saarbrücken – Kaiserslautern zum Elsaß.
Erneute Teuerung und Hungersnot.

1678:
Französische Besatzung unter Kriegskommissar de la Goupilliere in Völklingen.

1679:
Friede in Nymwegen. In seinen Reunionen beginnt König Ludwig XIV. einzusammeln, was einmal in französischer Hand war. – Die Franzosen vertreiben die ev. Pfarrer. Eine kath. Regierung wird wieder eingeführt. (LII. S.50)

1680:
Der französische Sonnenkönig kommt mit der Königin, dem Dauphin, dem Herzog von Orleans und großem Gefolge von Saarbrücken über Völklingen nach Saarlouis. (X S.29)

Völklingen 12 Familien, Wehrden und Fürstenhausen je 5 Familien.

1681:
Ein „Aveu et denombrement“ zählt die Rechte des Saarbrücker Grafen in Völklingen auf. Erwähnt wird u.a., daß Völklingen einen Bannofen hat (Gemeindebackofen, dessen Benutzung verpflichtend ist und gebührenpflichtig) einen Hof mit Schweizerei, mit Äckern und Wiesen, die 60 Wagen Heu bringen. Die Völklinger sind verpflichtet, Weinfuhren zu leisten und die Schloßbrücke in Saarbrücken zu unterhalten (XLII. S.56)

1682:
1682 beginnen wieder die Aufzeichnungen der kath. Pfarrei Völklingen. Das eigentliche Kirchenbuch dieser Zeit beginnt erst 1664. Katholiken und Protestanten benutzen die Kirche gemeinsam. Bei Neugründung der kath. Pfarrei finden sich 66 Katholiken vor, denen sich 109 Konvertiten anschließen. (XLII. S.55)

1683:
Ein Güterverzeichnis der Grafschaft Saarbrücken zählt zum Völklinger Hof den Hof Völklingen, Knausholz, Forstenhausen, Wehrden, Geislautern und Spittel.
Der Hof hat in Völklingen eine „Molkerey“ und eine „Schweizerei“.

1684:
Offizielle Wiedereinführung der katholischen Konfession in Völklingen. Die Martinskirche wurde Simultankirche, d.h., beiden Konfessionen zur Verfügung gestellt. Am 17. Dezember hielt der Wadgasser Prämonstratensermönch Godelfricus Bleymann den ersten katholischen Gottesdienst, 1686 wurde er der erste katholische Pfarrer.
Viele Katholiken zogen nach 1660 in die entvölkerte Grafschaft Saarbrücken; sie wurden von den protestantischen Grafen nicht nur geduldet sondern als Steuerzahler sogar dringend benötigt. Außerdem hielt der französische König Ludwig XIV. die Grafschaft Nassau-Saarbrücken von 1679 bis 1697 besetzt und förderte den katholischen Glauben.

1688:
61 Familien am Völklinger Hof, von denen 47 katholisch, 9 evangelisch und 5 reformierten Glaubens.

1697:
Der Saarbrücker Graf wurde durch den Frieden von Ryswick wieder in seine alten Rechte eingesetzt. Eine Klausel im Vertrag sicherte aber den Katholiken freie Religionsausübung. Die Katholiken in Völklingen nun wieder in der Minderheit, und die Protestanten teilten sich weiter die Martinskirche und hielten dort abwechselnd Gottesdienst. Das Kirchenvermögen verblieb aber ausschließlich in protestantischen Händen.

1701-1713:
Dies war die Zeit des spanischen Erbfolgekrieges. Um bequemer und schneller über die Saar bei Wehrden setzen zu können bauten die französischen Truppen damals eine Holzbrücke von der es heißt, dass sie bis 1731 vorhanden, aber dem Verfall nahe war.

1705:
Das erste Schulhaus für protestantische Schüler wurde errichtet.

1708:
„Bouser Bannbegehung zwischen Bous und Völklingen. Anno 1708 d. 12ten Aprilis ist der Bouser Bann begangen worden mit Beyseyn des H.Stutz als Sevretarius der Cantzley Saarbrücken und H. Hoffmann als von Ihre Gräflichen Gnaden von Saarbrücken expresse dazu deputirten, und die ganze Gemeind Bous und Völcklingen. Ebenmäßig In Nahmen des Gotteshauß Wadgaßen von Ihro Hochwürden H.Prälaten Pfr.Patre Conrado Piscator Seniore der gemeldten Abbtey und P. Georgio Cleber Procuratore, wie folgt.
Erstlich hat man angefangen an der Saar oben an der pfaffenwieß gegen den stein-Bruch und den Berg hinauf, oben langst dem Hochgericht, dahin über den Weeg der Hochfuhr nach biß an die reih Eichbäum, denselben herumb nach biß auf die Marck, welchen oben gespalten ist, eben selbiger Marck steht ein alter Buchenstock, welcher gezeignet ist mit einem lateinischen -W und einer Wolfsangel, imgleichen mit selbigen Zeichen ist auch anjetzo gezeichnet worden nechst gegen der Marck eine Buch, weilen der stock oben der Marck anfanget abzugehen. Von selbiger Marck richt die Thält hinunter, und den Hübel hinauf, allda steht wiederumb eine Marck. Ein wenig hernach steht wiederumb Einer, und stehen die Marcken, deren noch mehr folgen nicht weit voneinander; unter welchen weilen zwo etwas weiter stehen als die andere, hat man allein um erster und leichter die Marcken zu finden eine Buch gezeignet und also fort bis auf die dreybänniche Marck so teilet Bouser Bann, Völcklinger und Püttlinger, von der dreybänniger Marck richt den Graben hinauf bis auf eine Marck, allwo man pflegte die Seehölzer zu nennen, und fangen allda an die püttlinger Rothecken. Und also auf die linke Hand langst die rothheck hinunter so weit der Wald sich erstrecket, weilen die rothhecken den Bouser-Bann von dem Völcklinger unterscheiden, hernacher biß auf den püttlinger Weeg so von Bous herkommt, unten an dem Weeg gar nicht’weit steht eine Marck, von derselben etwas weiter herauf nechst unter dem püttlinger Weeg steht wiederumb Eine da von dannen oben an der Winter wieß, allwo Eine auch gezeignet mit einem W und einer Wolfsangel die auch erhunter allda ist gezeignet eine Buch von der Buch zu dem rothen graben den rothen graben herunter biß auf eine gezeigte Buch und also weit der Wald sich streckt und auch meer Büchen gezeignet biß auf die streitbare platz wo der Weeg hinter geth auf Oerlen allso gezeignet ist die Haamboch.“ (Ph.Rupp, Saarbrücker Zeitung 2.2.71)

1719:
Graf Carl Ludwig verkauft die Völklinger Schweizerei, „nachdem man von derselben schlechten Nutzen gezogen!“

1730:
Errichtung eines neueren, größeren ev. Schulhauses (XLII. S.140) Die ev. Kinder von Geislautern und besuchen die Schule in Füstenhausen (XLII. S. 141) – Völklingen zählt 60 Familien.

1734:
Bau der Straße Völklingen-Bous.

1737:
Völklingen erhielt eine Dorfordnung mit 26 Artikeln und Verordnungen. Übliche Strafmittel zu dieser Zeit waren: das „Handt- oder Halsbandeisen“, die „Trille“ oder Cachot“, und auch der „Schandpfahl“.

1738:
Die 1672 notdürftig reparierte Martinskirche wurde neu aufgebaut. Von dem mittelalterlichen Bau blieben nur der Turm und die Nordmauer des Schiffes erhalten. Der gotische Chor und die Sakristei fielen den Abbrucharbeiten zum Opfer. Die Südwand des Schiffes wurde abgebrochen und 2,5m nach Süden hinausgeschoben und ein vergrößerter „barocker“ Chor neu errichtet.
Der Völklinger Bann umfasst 6.126 Morgen (XL.)

1739:
Eine Kirchenvisitation in der kath. Pfarrei stellt 350 Gläubige fest, die die Osterkommunion halten. Eine Schule ist vorhanden. Fr.N.Godel vom KI. Wadgassen betreut die Pfarrei.

1742:
Zweimal in der Woche fuhr eine Postkutsche von Saarbrücken über den Heidstock und Völklingen nach Saarlouis. (LVIII. S.21)

1745:
Völklingen zählt 61 Haushaltungen, davon 42 evangelische , 18 katholische und 1 reformierte. Es sind da 65 fronbare Gemeindsmänner und 4 Witwen. Von den 74 Häusern sind 3 unbewohnt. Hinzu kommt die Kirche. Pfarrer: Fr. Nicolaus Dumelding.
Von den Häusern sind 19 mit Ziegeln gedeckt, 55 mit Stroh (XLII. S.62)
Völklingen hat eine ev. Schule mit 1 Lehrer (XL. S.85)
Der kath. Lehrer hat kein Schulhaus. Er ist Wanderlehrer zwischen Völklingen und Wehrden. (XL. S.85)

1755:
Völklingen zählt 74 Häuser, davon 19 mit Ziegeldach, 55 mit Stroh d ach (LII. S. 51)
15.-16 Juli furchtbares Gewitter mit großen Verheerungen. (LII. S. 53)

1756:
Amtmann Lex: Zur Meierei Völklingen gehörten die Dörfer Völklingen, Wehrden, Fürstenhausen, Geislautern und Knausholz. Das Dorf Völklingen zählte: 74 Häuser, davon 3 leerstehende.
Die Bevölkerung war größtenteils leibeigen: 65 fronbare Gemeinsmänner, 4 Witwen und 1 Hintersasse, 7 Personen waren vom Frondienst befreit; der Meier, der Pfarrer, der lutherische Lehrer, der Jäger, der Büttel und die beiden Hirten.
5 Einwohner waren wohlhabend, 18 verfügten über ein mittleres Einkommen, alle übrigen standen sich schlecht.
19 Gemeinsmänner waren katholisch, zwei Frauen reformiert, der Rest lutherisch.
Der Bann des Völklinger Hofes umfasste 11.498 Morgen.
Bericht Lex: Völklingen hat 74 Häuser, 3 davon sind nicht bewohnt. 19 Häuser sind mit Ziegeln gedeckt, die übrigen mit Stroh.
20 Schornsteine sind aus Stein, die übrigen aus Holz.
Völklingen zählt 65 frondbare Gemeinsmänner, 4 Witwen.
Es gibt dort 19 katholische Haushaltungen, 2 reformierte Weiber, der Rest ist lutherisch.
5 Einwohner sind wohlhabend, 18 haben ein mittelmäßiges Vermögen. Alle übrigen stehen schlecht . (X. S.65)

1759:
In einem Vergleich zwischen Fürst Wilhelm Heinrich von Saarbrücken und dem Kloster Wadgassen wird dem Kloster die Fischerei in der Saar auf Völklinger und Wehrdener Bann ausschließlich überlassen. (W. Franz Josef Trenz, Die Prämonstratenser Abtei Wadgassen. Averbode 1961 S.156)

1759-61:
Eine Renovaturkommission mißt alle Bänne neu aus und legt ein neues Bann- und Katasterbuch an, jedes doppelt. Ein Exemplar bleibt bei der Gemeinde, eines beim Saarbrücker Oberamt. – In Völklingen gibt es 96 Grundbesitzer. (LVIII. S.21)

1766:
Mit der französischen Krone wurde ein Länderabkommen geschlossen:
Neben Püttlingen kam auch „das kleine Dorf Louisenthal, vormals Rockenhausen genannt“ zur Grafschaft Nassau-Saarbrücken.

1769:
Erwähnt:“ .. eine alte Grube auf dem Völklinger Bann am Grenzbach (Frommersbach) die verlassen worden, weil die Kohle in den Berg hineinfiel und das Wasser den Bau verhinderte.“ (XLII. S.66)

1787:
Der Völklinger Hof erhielt einen Schultheißen als obersten Gräflichen Beamten. Wilhelm Neßler trat als erster dieses Amt an und löste den bisherigen herrschaftlichen Meier ab.

1789:
Ausbruch der französischen Revulution

1790:
Den Völklinger Bauern werden die Fronfuhren zum Saarbrücker Schlosse erlassen. Sie zahlen dafür ein jährliches Frongeld. (XLII. S.68)

1792:
Preußische Husaren in Völklingen. Sie dringen über Großrosseln vor und überfallen dort ein Kommando französischer Revolutionstruppen, machen einige nieder und bringen Gefangene nach Völklingen zurück (XLII. S.68)

1793:
Französische Truppen beziehen in Völklingen und Umgebung Winterquartier. Die Abtei Wadgassen wird aufgehoben.
Fürst Ludwig von Saarbrücken hebt die Leibeigenschaft auf und erläßt Völklingen den Kartoffelzehnt. Im gleichen Jahr noch muß er fliehen. Das bedeutet das Ende der Grafschaft Saarbrücken. Oberschultheiß Neßler von Völklingen wird der preußische Überfall von 1792 in die Schuhe geschoben. Die Franzosen führen ihn nach Metz in Gefangenschaft. (XLII. S.69)
Der französische General Lefebre an den Völklinger Bürgermeister: „ich Befehle ihnen in dem namen der französischen Republik an mich bis morgen um zehn uhr. hundert säc haber liefern, oder ich verprene fulgersdol (Völklingen); wenn der feind (die Preußen) in ihr dorf kommt, so werde ich ihnen schon verjagen.“ (XLII. S.77)
Die franz. Armee requiriert in Völklingen 22 Pferde, 1 Füllen, 82 Ochsen und 16 Kühe. (XLII. S.77)

1794:
Der franz. Kommissar in Gersweiler an den Völklinger Bürgermeister: „an den bourger meister von folcklingen solte dieser brief kleich lesen und diesem nach folgen! – der bourger meister ist ein gebotten daß er solte von folckelingen die somat (Summe) von zwei lidor auf jeder schorsten (auf jede Feuerstelle) bringen auf gerßwiler bey den meyer diesen abend bringen sunst komen wir und nemen eich alles, waß wir finden; gemacht den 25 florial im jar 1794.“ Es wurden 100 Louis d’or bezahlt. (XLII. S.77)

1797:
Der Friede von Campo Formio zwischen Preußen und Frankreich bestätigte die Zugehörigkeit des gesamten linken Rheinufers zur Französischen Republik. Das Gebiet des ehemaligen Völklinger Hofes wurde in eine „Mairie“ (Bürgermeisterei) mit Sitz in Völklingen umgewandelt. Dazu gehörte auch Fürstenhausen. Verwaltungstechnisch unterstand die Mairie Völklingen dem Kanton St. Arnual und dem Département Sarre (mit Sitz in Trier) Der erste „Maire“ (Bürgermeister) in Völklingen wurde der bisherige Schultheiß Nessler.

1798:
Alle Kirchenbücher müssen bei der Mairie abgeliefert werden. (XLII. S.80)

1799:
Zur Mairie Völklingen gehören Völklingen, Wehrden, Geislautern und Fürstenhausen. (XLII. S.81)
Wilhelm Neßler wieder im Amt, maire de Voelkling, faisant les fonctions d’officier public de l’etat civil. (XLII. S.81)

1804:
Völklingen zählte 613 Einwohner.
Am 05. Oktober kommt Napoleon I. durch Völklingen (XLII. S.82)

1805:
Bürgermeister W. Nessler wurde ermordet. Wenig ist über die näheren Umstände seines Todes bekannt, eine Eintragung im Sterberegister der evangelischen Kirchengemeinde gibt eine bescheidene Auskunft, wonach er an den Folgen einer ihm am 24. Februar 1805 in den Unterleib geschossenen Kugel starb. Weiter ist vermerkt, daß er am 26. begraben wurde und 49 Jahre alt war. Nach einer alten Überlieferung fand er den Tod durch die Kugel eines Zigeuners. Seine Nachfolger waren Nikolaus Beilstein und Georg Kunckel. Beigesetzt wurde W. Nessler auf dem Simultanfriedhof bei der alten evangelischen Martinskirche. Bei der Einebnung des Friedhofs wurde der für damalige Verhältnisse prächtige Grabstein zum Friedhof in der Kühlweinstraße gebracht, wo er an der Westseite der Friedhofsmauer aufgestellt wurde. Der Grabstein trägt die Inschrift: “ Hier ruht die sterbliche Hülle des Herrn Wilhelm Nessler, Notaire u. Maire dahier war geboren zu Lichtenau in Hessen d. 23. Mai 1755 starb durch Mördershand d. 24 Febr. 1805.“ (Zeitungsartikel der SZ vom 19.10.1966)

Hier eine Aufnahme (von Andreas Hell 2001) des Grabsteins von Wilhelm Nessler, heute zu sehen im "Bürgerpark"
Hier eine Aufnahme (von Andreas Hell 2001) des Grabsteins von Wilhelm Nessler, heute zu sehen im „Bürgerpark“

1807:
Napoleon Bonaparte eröffnete im heutigen Stadtteil „Geislautern“ die „École pratique de Mines“, eine Art technische Hochschule.

1814:
Der „1. Pariser Frieden“ (30. Mai 1814) beließ den größten und wertvollsten Teil des „Saarbrücker Landes“ bei Frankreich.

1815:
Der „2. Pariser Frieden“ (2. November 1815) trennte das Saarland restlos von Frankreich. Nach der Niederlage Napoleons bei Waterloo wurde also vereinbart, dass Saarlouis und Saarbrücken der preußischen Rheinprovinz zugeteilt wurden.
Die „Bürgermeisterei Völklingen“ wie sie nun im amtlichen Sprachgebrauch hieß, wurde in Teil des neu geschaffenen Landkreises Saarbrücken. Neben den Dörfern des ehemaligen Völklinger Hofes gehörten auch Püttlingen mit Altenkessel-Neudorf, Großwald und Rockershausen bis 1868 zur Bürgermeisterei Völklingen. Der amtierende Bürgermeister in dieser Zeit war Fr. Schaeffer.

1816:
Einwohnerzahl: 744 (LVIII. S.55)
Johann Jakob Röchling wurde Bürgermeister.

Kühlwein Jakob
Kühlwein Jakob

1817:
Bau eines katholischen Pfarrhauses. (LVIII. S.164)
Bau eines Schienenweges von der Grube Bauernwald zur Saar für pferdebespannte Grubenwagen (FriederikenSchienenweg). Länge 2,5 km. (LVIII. S.73)

1818:
In Völklingen und Umgebung werden Streifen nach Vagabunden und Gesindel angeordnet und durchgeführt.

1821:
Grube Gerhard wird angelegt. – Die Pfarrei Völklingen gehört zum Dekanat Saarbrücken.

1821/22:
Bau der ersten katholischen Schule in Völklingen. 1829 wurden von einem Lehrer 225 Kinder unterrichtet, davon allein 95 aus Wehrden.
Karl Kunckel wurde Bürgermeister.
Völklingen hat 810 Einwohner.

1825:
Inangriffnahme der Neuvermessung des Bannes. Völklingen hat 2.068 Morgen Gemeindeland. Der gesamte Bann beträgt 3.245 Morgen (XLII. S.91)

1830:
Ein zeitgenössischer Bericht: „Völklingen, ein Dorf an der Saar mit der Fromersbacher Mühle, einer Simultankirche, 138 Feuerstellen, 922 Einwohnern und Gipsbrüchen.“ (F. von Restorff, Topographisch-Statistische Beschreibung der Königlich Preußischen Rheinprovinzen. Berlin-Stettin 1830)
Rückschlüsse auf das Aussehen Völklingens um 1830 ermöglicht eine Anweisung des Saarbrücker Landrates Dern an den Völklinger Bürgermeister anläßlich einer zu erwartenden Durchfahrt des preußischen Prinzen Wilhelm. Da heißt es u. a.:
„Schon hierher Völklingen, von Saarbrücken aus gesehen, wo die Chaussee aufhört, kurz vor der Einfahrt ins Dorf, besonders auf dem Hügel, wo immer Löcher waren, und den Hügel herunter bis an die Stallungen des Herrn Bürgermeisters (= in der Gegend des heutigen Amtsgerichtes) soll alles so instandgesetzt werden, daß dieser üble Strich ohne alle Gefahr und Anstand passiert werden kann. Durch das Dorf Völklingen dürfen keine Wagen, Ackergeschirre, Holz oder Dung im Wege liegen; eventuelle Löcher in der Straße sollen gehörig zugemacht und alles so instandgesetzt werden, daß der Weg auch in schnellem Fahren gut passiert werden kann. Zwischen Völklingen und Wehrden soll der Weg gut hergestellt und die Abzugsgräben neben dem Weg her ausgestochen werden, damit nicht allein das Wasser Abzugsmöglichkeit hat, sondern auch die Gräben, nach der Schnur gezogen, keinen Mißstand machen.“
G.Leber war Bürgermeister bis 1831

1830:
Neuer Bürgermeister wurde G. Leber.

1831:
Neuer Bürgermeister wurde K. Schwarz

1833:
Die Völklinger Lehrer Geisbauer, Schloesser und Rimlinger machen Versuche mit Seidenraupenzucht.
Völklingen hat 1233 Einwohner, davon 698 evangelische und 535 katholische. Zunehmende Auswanderungen, besonders nach Nordamerika. In diesem Jahr wandern 11 Familien aus.

1837:
Der Veltheim-Stollen, 3,8 km lang, wird angehauen.

1838:
Völklinger Lehrer und ihre Klassenstärken:
Geisbauer 62
Heines 114
Bauer 73
Eberschweiler 105
Remlinger 137
Job 164
Faber 102
Fuchs 67
Marx 62
Gesamtzahl der Kinder also 886. Durchschnittliche Klassenstärke 98,4 Kinder. (XLII. S.147)

1840:
In Völklingen lebten 736 Protestanten und 482 Katholiken.

1840/41:
In einem Buch, vermutlich ein Rechnungsbuch eines Schmieds, wurde notiert er habe einen neuen Schlüssel für das Spritzenhaus gemacht (Akte C111 Stadtarchiv Völklingen)

1843:
Anfang des Jahres zählt Völklingen 9 Wirtschaften, Ende des Jahres 12. Auf der Säuferliste stehen 7 Personen. (XLII. S. 128)

1845:
Der Bevölkerungsanstieg ließ die Simultankirche zu klein werden. 1841 zählte allein die katholische Pfarrei 2100 Seelen. Daher beschloss man den Neubau einer katholischen Pfarrkirche. Am 29 Juli erfolgte die Grundsteinlegung „unter Blitz und Donner“ für den Bau in der heutigen Rathausstraße.

1946:
Einrichtung einer Briefsammelstelle in Völklingen. Sie wird übernommen von Bürgermeister Kunckel (XLII. S. 107)

1848:
Völklingen erhielt eine Postexpedition die für die Bürgermeisterei Völklingen – Püttlingen und Ludweiler zuständig war.

Die erste Sankt Eligius Kirche wurde am 25. Juni 1848 feierlich eingerichtet.
Die erste Sankt Eligius Kirche wurde am 25. Juni 1848 feierlich eingerichtet.

Die neue St. Eligiuskirche wurde am 25. Juni 1848 feierlich eingerichtet.

1849:
Georg Falch wurde Bürgermeister.
Völklingen hat 1448 Einwohner, 811 sind ev., 637 kath .. Die Protestanten haben eine Schule mit 2 Klassen und 2 Lehrern, die Katholiken 2 Schulen mit 2 Klassen und 2 Lehrern. (XLII. S. 148)

1851:
Jakob Kühlwein wurde Bürgermeister.

Kühlwein Jakob
Kühlwein Jakob

Der kath. Gottesdienst in Völklingen ruht. Die kath. Völklinger müssen nach Großrosseln zur Kirche. – Der Simultanstreit um die neue Kirche wird beendet durch die Fertigstellung der alten Kirche durch die Protestanten am 14. Sept. (XLII. S. 168)

1852:
Völklingen hat 1.467 Einwohner. -Auf Grube Gerhard wird der Josephaschacht abgeteuft. (Saarkalender 1923, S.143)

1853:
St. Eligius wird am 9. Okt. eingeweiht durch den Trierer Bischof Dr. Wilhelm Arnoldi und 12 Geistliche (XLII. S. 168)

1858:
Am 16. Dez. wird die Bahnstrecke Saarbrücken-Merzig eingleisig eröffnet. – Völklingen hat 1.630 Einwohner.

1860:
Völklingen wurde Bahnstation an der Strecke Saarbrücken – Merzig – und nun auch bis Trier. Der erste Völklinger Bahnhof wurde gebaut, erwies sich aber bald als zu klein.

Bild des 1. Völklinger Bahnhofs aus dem Jahre 1860 (Rückansicht)
Bild des 1. Völklinger Bahnhofs aus dem Jahre 1860 (Rückansicht)

1862:
Die erste Apotheke in Völklingen wurde eröffnet.

Völklingens erste Apotheke.
Völklingens erste Apotheke.

Dies war nur auf besonderes Betreiben des Bürgermeisters Kühlwein möglich. Bis dahin gab es nur in St. Johann und in Saarlouis Apotheken. Das erste Gesuch des Bürgermeisters auf Eröffnung einer Apotheke wurde seitens der Oberpräsidenten von Koblenz 1861 abgelehnt. Kühlwein ließ sich aber nicht beirren und reichte ein zweites Gesuch ein, indem er zahlreiche gewichtige Argumente anführen mußte.
Schließlich hatten Kühlweins Bemühungen den gewünschten Erfolg und Apotheker Wilhelm Naunheim eröffnete die erste Apotheke in Völklingen gegenüber dem heutigen Amtsgericht.
Auf dem Schienenweg Grube Bauernwald zur Saar fahren erste Dampflokomotiven. – Der Alberta-Schacht wird abgeteuft.

Sie wurde später in die Nähe des Alten Rathauses verlegt. Es handelte sich um die bis ins Jahr 2002 existierende Berg- und Hüttenapotheke.

1867:
Auf Kosten der Gemeinden Völklingen, Wehrden, Geislautern und Ludweiler sowie der Dillinger Hütte wurde mit dem Bau einer festen Brücke nach Wehrden begonnen. Sie bestand aus steinernen Pfeilern und einem Oberbau aus Stahl. Breite: 8,05m, Breite der Fahrbahn 5,6 m, Länge 95,9m. Die Staatsregierung hatte zu den Baukosten einen Zuschuss von 6500 Talern bewilligt.

1868:
Völklingen selbst hatte zu dieser Zeit 2598 Einwohner.
Eine Gendarmeriestation wurde eröffnet.
Am 2. Juli wurde Völklingen Amtsgerichtssitz. Das Amtsgericht wurde im Haus des ehemaligen Bürgermeisters Carl Kunkel (Kunkelshof) eröffnet. (LXIII. S.7)

Das Knappschaftslazarett wurde in Betrieb genommen.

Knappschaftskrankenhaus
Knappschaftskrankenhaus

Es war für die Aufnahme von 60 Personen gedacht, konnte im Bedarfsfall aber seine Aufnahmekapazität auf 90 Betten steigern. Das gesamte Gebäude war unterkellert und besaß einen eigenen Abwasserkanal. Im Keller befanden sich Waschküche, Kohlenlager, Speise- und Vorratskammer, ein Zimmer für die Magd des Arztes, Vorratsräume der Ökonomie, die Mangelstube, sowie die Heiz- und Ventilationsanlage. Zum Komfort dieses modernen Krankenhauses gehörte eine Zentralheizung. Im Erdgeschoss lagen Küche, die Wohnungen des Arztes und des Ökonomen, das Ordinationszimmer des Arztes und das Wartezimmer für die Patienten. Die Arztwohnung umfasste 6 Zimmer, ein Klosett und einige Kellerräume. Sie hatte einen besonderen Eingang mit Veranda am westlichen Giebel. In der Küche gab es einen großen Bratkochherd, drei Dampfkochkessel und einen Spülstein mit fließend warmem und kaltem Wasser. Auf jedem Stockwerk gab es 2 Toiletten und Pissoirs mit Wasserspülung und rechts je ein Badezimmer mit 2 Wannen. Toiletten und Badezimmer waren sogar beheizt und hatten fließends kaltes und warmes Wasser! Jedes Stockwerk hatte 9 Kranken- und zwei Funktionszimmer die zum Beispiel als OP’s genutzt wurden. Die Krankenzimmer waren mit 2 bis 3 Betten belegt. (Eiserne Bettgestelle). Zu jedem Bett gehörten ein Kopf und Keilkissen, ein festes Leintuch und 2 braune Wolldecken. Neben jedem Bett stand ein hölzerner Nachttisch. Jedem Pationten wurden ein Spucknapf aus Ton, ein Nachtgeschirr ein Wasserglas ein Handtuch und ein Stuhl zur Verfügung gestellt. Jedes Krankenzimmer hatte außerdem einen Waschtisch mit Wasserflasche, emailliertem Waschbecken und Seifenschüsselchen, ein Spiegel und ein Kleiderhaken. Im dritten Stockwerk konnte notfalls ein in der Mitte gelegener Saal viele Betten aufnehmen.

Das Lazarett stand unter der Leitung eines Chefarztes, dem ein zweiter Arzt aussließlich für die Station der Augenkrankheiten koordiniert ist. Ersterer wohnte im Lazarett, während der andere gleichzeitig Revierarzt für die Grube Gerhard-Prinz-Wilhelm ist und in Luisenthal seinen Wohnsitz hat (10 Min. Bahnfahrt). Zur Krankenpflege waren 3 Wärter und 2 Wärterinnen (Nonnen der „Barmherzigen Schwestern“) zuständig. Zum Personal gehörten außerdem 2 Maschinenwärter und 1 Ökonom (Hauswirtschafter).

1869:
4. Januar: Einweihung der Saarbrücke von Völklingen nach Wehrden.

Die erste Saarbrücke zwischen Völklingen und Wehrden.
Die erste Saarbrücke zwischen Völklingen und Wehrden.

1870:
19. Juli: Frankreich erklärte Preußen den Krieg
21. Juli: Sicherung der Brücke Wehrden
23. Juli: Gefecht bei Wehrden.
27. Juli: die „Schlacht bei Geislautern“
02. August: die Franzosen beschossen mit 2 Kanonen vom Hohberg in Fürstenhausen her Völklingen. (LXIII. S.8)

1871:
10. Mai: Der Friede von Frankfurt am Main beendete den Deutsch-Französischen Krieg. Elsaß und Lothringen kamen zum Deutschen Reich.

1872:
eine 6 km lange Verbindungsbahn vom Bahnhof Völklingen zur Grube Viktoria in Püttlingen wurde fertig. Die Grubenbahn führte durch das Gelände der Kohlen-und Rohproduktenhandlung Schiel & Co (heute Verkehrskreisel Heidstock), kreuzte die Provinzialstraße (obere Karl-Janssen-Str.) und lief über den „Schwarzen Weg“ durch den Völklinger Wald zur Grube.
25. Juli: Die Freiwillige Feuerwehr Völklingen wurde unter Bürgermeister Kühlwein gegründet. Sie bestand aus 2 Löschzügen. (LXIII. S.9)
Völklingen zählt 5.711 Einwohner.

1873:
Gründung der Völklinger Eisenhütte in der Gemarkung „Jungfernbrühl“. Sie arbeitete zunächst mit 10 Puddelöfen und drei Schweißöfen.
In Obervölklingen wurde ein Schulhaus erbaut und im Herbst in betrieb genommen. (LXIII. S.9)

1874:
Der Gemeinderat unter Bürgermeister Kühlwein beschloss einstimmig den Bau eines neuen Gemeindehauses. Im „Unterdorf“ wurde dagegen Protest eingelegt, da der Weg zu weit wäre. Mit dem Bau des neuen Rathauses wurde die Verlagerung des Ortszentrums vom „Alten Brühl“ an der Saar, an die Hauptstraßen nach Wehrden und Bous eingeleitet. (LXIII. S.10)

Völklingens erstes Gemeindehaus
Völklingens erstes Gemeindehaus

1875:
In der heutigen Kühlweinstraße wurde ein neuer Friedhof angelegt. (LXIII. S.10)
Völklingen hat 4202 Einwohner.

1876:
Am 1. Januar erschien erstmals die „Völklinger Zeitung“, die später in „Völklinger Nachrichten“ umbenannt wurde.
Der Anna-Schacht wurde als „Simschelter Schacht“ angehauen.
Das damals zweistöckige Rathaus wurde bezogen. (LXIII. S.10)
Im Knappschaftslazarett sind in diesem Jahr insgesamt 552 Patienten behandelt worden.

1879:
Der Bürgermeister Jakob Kühlwein verstarb am 20. Oktober und wurde auf dem Friedhof Kühlweinstraße (jetzt Bürgerpark) bestattet.

Das Grab Kühlweins auf dem alten Völklinger Friedhof, dem heutigen Bürgerpark
Das Grab Kühlweins auf dem alten Völklinger Friedhof, dem heutigen Bürgerpark

Neuer Bürgermeister wurde Carl Stürmer.
Es arbeiteten bereits 345 Beschäftigte auf der Völklinger Eisenhütte, die aber wegen Absatzschwierigkeiten im gleichen Jahr stillgelegt wurde.
27. November: Hochwasser in Völklingen. Pegelstand von 8.70m. Im gleichen Jahr wird die Kanalisierung der Saar bis Ensdorf vollendet. (LXIII. S.11)

1880:
4250 Einwohner leben in Völklingen.

1881:
Bebauung in dieser Zeit:

Die Bebauung Völklingens um 1881
Die Bebauung Völklingens um 1881

1881

Im Juni erwarben die Gebrüder Haldy die stillgelegte Hütte auf einer Versteigerung für 200.000 Mark und verkauften sie am 8. August an den Saarbrücker Kaufmann Karl Röchling für 270.000 Mark. Das Völklinger Eisenwerk entwickelte sich unter der Familie Röchling in den folgenden Jahren zu einer der größten und modernsten Hütten in Deutschland. Der große Bedarf an Arbeitskräften bedeutete für Völklingen und Umgebung nochmals eine rasante Bevölkerungsentwicklung.

1882:
Auf der „Völklinger Hütte“ wurde am 2. Juli der Grundstein zum 1. Hochofen gelegt. Röchling gründete im gleichen Jahr eine Betriebskrankenkasse.
Völklingen erhält ein Postamt 3. Klasse (1891 wird es zur 2. Klasse, 1906 zur 1. Klasse erhoben).

1883:
Der 1. Hochofen der Völklinger Hütte und die Gasgebläsehalle wurden in Betrieb genommen. Die Puddel- und Schweißöfen wurden stillgelegt.
Die Hütte erbaute die Kolonie I und Häuser für leitendes Personal am alten Bahnhof (Torhaus 6). (LXIII. S.12)
Die Martinskirche muss erweitert werden.
Etwa zu dieser Zeit wird die Bahn-Strecke Völklingen – Wadgassen – Überherrn – Diedenhofen gebaut.

1884:
Die Hütte begann mit dem Bau von dreizehn zweigeschossigen Arbeiterhäusern in der Kolonie III (Eupener Straße). Zur gleichen Zeit wurde die Kolonie II (Hochstraße) erbaut.(LXIII. S.12)
Röchling beschäftigte schon 1067 Mitarbeiter.

1885:
Einwohnerzahl: 6449
Carl Röchling rief eine Pensionskasse für Arbeiter ins Leben und wird zum Komerzienrat.

1887:
Gründung eines Bienenzuchtvereines im Gasthaus Junior.(LXIII. S.12)

1888:
Die erste Sparkasse der Gemeinde Völklingen wurde am 18. Januar gegründet. (LXIII. S.13)

1889:
Die Saarkanalisierung war fertiggestellt. (LXIII. S.13)

1890:
Die Völklinger Hütte war mit einer Jahreserzeugung von 70164 t Träger und 14502 t Schweißeisen das größte Trägerwalzwerk Deutschlands. (R.Nutzinger, H. Boehner, D. Johannes, 50 Jahre Röchling Völklingen. Saarbrücken – Völklingen 1931)
Eine Nähschule wurde eingerichtet.

Die Nähschule in der Rathausstraße
Die Nähschule in der Rathausstraße

Die Bergschule wurde erbaut, nach dem sie in den folgenden Jahren durch Flügelbauten erweitert wurde stand sie knapp 100 Jahre in dieser Form bis 1987 ein Neubau eingeweiht wurde. (LXIII. S.13)
8319 Einwohner in Völklingen.

Die heutige Rathausstraße 1890.
Die heutige Rathausstraße 1890.

Eröffnung der Dampfstraßenbahn von Obervölklingen nach St.Johann, Höchstgeschwindigkeit 12km/H. Ein Jahr später wurde Luisenthal angeschlossen.

1891:
Das „Kaiserliche Postamt“ in der Poststraße wurde errichtet und als Postamt 2. Klasse eröffnet. (LXIII. S.14)

Die heutige Poststraße zu dieser Zeit.
Die heutige Poststraße zu dieser Zeit.

1892:
Oberhalb des Wehres entstand an der Wehrdener Brücke eine Flußbadeanstalt von der Firma Röchling für ihre Werksangehörigen, aber auch für die Bevölkerung errichtet.
Auf Ersuchen von Herrn Pastor Stölpe übernahmen 4 Waldbreitbacher Schwestern die häusliche Krankenpflege in der katholischen Gemeinde. (LXIII. S.14)

Das St.Josephs-Krankenhaus. Bild ca. 1910 ( Quelle:"Völklingen vormals").
Das St.Josephs-Krankenhaus. Bild ca. 1910 (Quelle:“Völklingen vormals“).

1893:

Eine Postkarte von 1893 zeigt neben einem Blick auf Völklingen das Postamt, den damals neuen Bahnhof, die Kirche St. Eligius, die Martinskirche, das Lazarett sowie das Gemeindehaus.
Eine Postkarte von 1893 zeigt neben einem Blick auf Völklingen das Postamt, den damals neuen Bahnhof, die Kirche St. Eligius, die Martinskirche, das Lazarett sowie das Gemeindehaus.

Bau des heute noch erhaltenen „alten Bahnhofs Völklingen“ ; und der Unterführung nach Wehrden.
Ein Gaswerk wird errichtet, und die ersten Gasleuchten gehen in den Probebetrieb. (LXIII. S.15)

Der damals neue "Alte Bahnhof" im Jahre 1893.
Der damals neue „Alte Bahnhof“ im Jahre 1893.

 

1894:
Es trat an Stelle der Gemeindebrunnen eine zentrale Wasserversorgung mit Hochbehälter und einem Pumpwerk in der Kühlweinstraße.
Die 4 katholischen Schwestern, die 1892 die häusliche Krankenpflege übernommen hatten eröffneten eine Handarbeitsschule zur Unterweisung junger Mädchen in allen Näh- und Handarbeiten, sowie eine Kinderbewahrschule (Kindergarten). (LXIII. S.15)

1895:
erbaute der Landkreis eine feste Brücke von Obervölklingen nach Stangenmühle-Fenne, die sich durch Erheben von Brückengeld bezahlt machen mußte, wozu mehrere Jahre gebraucht wurden.(LXIII. S.15)
Einwohnerzahl: 10463

1896:
In der Luisenstraße (Karl-Janssen-Str.) wurde eine neue Volksschule, die „Luisenschule“ erbaut. (LXIII. S.16)
Für schwächliche Kinder wurde von der Hütte eine „Sommerfrische“ angeboten.

1897:
Bau der Koksanlage in Völklingen mit 104 Koksöfen. Eine Beamtenpensionskasse kam zu der Pensionskasse für Arbeiter. Die Hütte wurde in „Röchling’sche Eisen- und Stahlwerke GmbH“ umbenannt.
Das St.-Josephs-Krankenhaus hinter der „Eligiuskirche“ wurde in Betrieb genommen. Es hatte in seiner Multikfunktionalität Ähnlichkeiten mit mittelalterlichen Hospitälern: Nicht nur Kranke wurden hier behandelt und gepflegt, sondern auch Waisen und Pfründer (Mittellose) betreut. Außerdem wurden hier der Kindergarten und die Handarbeitsschule angesiedelt. (LXIII. S.16) 1903/4 erweiterte man es, ehe es 1936 durch das St.Michaels-Krankenhaus ersetzt wurde.

Josefskrankenhaus um 1897.
Josefskrankenhaus um 1897.

1898:
Ein Altersheim namens „Richardstift“ wurde gebaut, auch das Hüttenkrankenhaus wurde erbaut (dieser Teil steht heute unter Denkmalschutz).

"Richardstift" - Bild ca. 1910 (Quelle:"Völklingen vormals").
„Richardstift“ – Bild ca. 1910 (Quelle:“Völklingen vormals“).

Eine Invalidenwerkstatt und eine Verbandstation wurden von Röchling eingerichtet.

1899:
17.8.1899: Das Hüttenkrankenhaus war fertig:

 Altes Hüttenkrankenhaus (Foto: Sammlung des Heimatkundlichen Vereins Warndt)
Altes Hüttenkrankenhaus (Foto: Sammlung des Heimatkundlichen Vereins Warndt)

 

Das medizinische Personal wohnte ständig im Ober- und Dachgeschoss. Die medizinische Leitung hatte ein Kassenarzt, die Pflege wurde von Diakonissinnen des Diakonievereins Berlin-Zehlendorf übernommen.

Diese Postkarte von ca. 1900 zeigt unter anderem unten links das gerade erbaute Amtsgericht.
Diese Postkarte von ca. 1900 zeigt unter anderem unten links das gerade erbaute Amtsgericht.

Das „Königliche Amtsgericht wurde am 1. Mai 1899 seiner Bestimmung übergeben.
Der Völklinger Schlachthof wird eröffnet.

Weiter geht es mit:

Teil 2 der Geschichte der Geschichte Völklingens